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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2021

Bietet keine Initialzündung zum Lesen

Book Rebels
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Das Buch kommt in einer außergewöhnlichen Farbgestaltung daher: kräftiges Rotorange und knalliges Kornblumenblau. Außer einer eigenwilligen Schrift sieht man auf dem Cover nur noch kleine aufgeschlagene, ...


Das Buch kommt in einer außergewöhnlichen Farbgestaltung daher: kräftiges Rotorange und knalliges Kornblumenblau. Außer einer eigenwilligen Schrift sieht man auf dem Cover nur noch kleine aufgeschlagene, fliegende Bücher. Erinnert mich in seiner Gesamtgestaltung einschließlich der Bindung irgendwie an den Einband von Schulbüchern. Erregt zwar Aufmerksamkeit, aber nicht gerade meine Sympathie. „Wir möchten euch Persönlichkeiten näher bringen, die uns berühren, uns zum Schmunzeln, Kopfschütteln, Lachen und Schluchzen bringen.“ So steht es im Vorwort der Studierenden auf dem Kulturcampus in Hildesheim, die sich an dem im Buch gesammelten Beiträgen über starke Mädchen und Frauen in der Literatur beteiligt hatten. Heldinnen also vorzustellen, die nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen ein Vorbild sein könnten, zur eigenen Stärke zu finden.

Die ausgewählten 75 Figuren aus der Literatur spannen einen sehr, sehr weiten Bogen über alle Genres hinweg. Überraschend, dass die Zielgruppe mit „10 Jahre und älter“ angegeben wird. Denn wir finden nicht nur Heldinnen aus Kinderbüchern, wie Heidi oder Pippi Langstrumpf, wie Momo oder Rotkäppchen, sondern es werden uns auch vorgestellt Effi Briest oder Iphigenie auf Tauris oder gar Tony Buddenbrook, teilweise also Figuren aus Büchern, die 10-Jährige bestimmt nicht lesen würden. Jedes der 75 Bücher wird von jeweils einer Autorin, also von einer Studentin des Kulturprojekts, vorgestellt. Diese Vorstellung beschränkt sich aber leider auf eine recht kurze Inhaltsangabe mit Fokus auf die Heldin der Geschichte. Mir fehlt da sehr die jeweils individuell-persönliche Sicht der Verfasserin. Das hätte die Texte lebendiger und echter gemacht. Zu jedem Buch gibt es eine ganzseitige, plakative Illustration von Felicitas Horstschäfer. Muss man mögen. Mir gefallen sie leider gar nicht. Feinere Ausgestaltungen hätten die kargen Texte meiner Meinung nach eher aufgewertet.

Und so bleibt als Resümée für mich, dass das Buch den Studentinnen des Kulturprojektes vermutlich mehr Spaß und Nutzen gebracht hat, als es Sinn für Kinder ab 10 Jahre bringen wird. Denn diese Sammlung von Inhaltsangaben wird kein Kind zum Lesen der Bücher bringen. Und Erwachsene schon gar nicht.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Zauberhaft, liebenswert, klug und magisch schön

Ein Mädchen namens Willow 2: Waldgeflüster
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Bereits der erste Band mit Willow, dem Mädchen mit den nicht zu bändigenden roten Haaren, hat mich begeistert. Und genauso erging es mir mit „Waldgeflüster“. Ein Buch, das auf ganz wunderbare Weise Fantastisches, ...


Bereits der erste Band mit Willow, dem Mädchen mit den nicht zu bändigenden roten Haaren, hat mich begeistert. Und genauso erging es mir mit „Waldgeflüster“. Ein Buch, das auf ganz wunderbare Weise Fantastisches, Magisches und Kluges zu einer spannend zu lesenden, kindgerechten und eindrücklichen Geschichte zusammenfügt.

Wie man aus Band 1 weiß, hat Willow von ihrer Tante einen wunderschönen Wald geerbt mit Teich und Hochsitz, dazu eine Art Hexenhäuschen mit einigen merkwürdigen Dingen darin. In diesem Wald verbringen Willow und ihre Freundinnen ihre ganze Freizeit mit viel Spaß und mit dem Üben von kleinen Hexereien. Alle sind glücklich so wie es ist. Aber als Valentina mit ihrer alleinerziehenden Mutter nach Australien auswandern soll, damit sie dem vermeintlich schlechten Einfluss der Freundinnen entzogen ist, überlegen sich die kleinen Hexen einen Plan. Denn wenn Valentinas Mutter sich so richtig verlieben würde, würde sie nicht mehr wegziehen wollen und alles wäre gut und schön. Dass drei Jungs in Willows Wald auftauchen und ganz dreist ein Baumhaus bauen wollen, schafft weitere Aufregung. Die Freundinnen versuchen sehr ideenreich, die Eindringlinge zu vertreiben, wobei der Wald selbst offenbar ganz anderer Meinung ist. Grimmoor, das eigenwillige Hexenbuch, ist betrunken und zu nichts zu gebrauchen. Und dann geht auch noch etwas gewaltig schief mit dem selbstgebrauten Liebestrank…

Besser kann ein Kinderbuch gar nicht sein! Schon allein das Gedicht als Vorwort ist wunderschön und verrät die Haltung, in der das Buch geschrieben ist. Genau hinzuhören, ist in unserer lauten Zeit gar nicht so einfach. Diesen Text an den Beginn einer Vorlesestunde zu setzen, stelle ich mir als sehr wirksam vor. Aber auch all die kleinen Texte zu den Kapitelanfängen sind poetisch-klug und es wert, besonders beachtet zu werden. Die Geschichte insgesamt lebt von kurzweiligen Episoden und ist lesefreudig spannend geschrieben, humorvoll und lebendig. Unaufdringlich verpackt sind darin die großen Themen Freundschaft, Familie und Natur, vor allem die Schutzbedürftigkeit von Flora und Fauna. Die vielen überaus sensibel-feinen und ausdrucksstarken Illustrationen von Simona Ceccarelli unterstreichen auf großartige Weise die Geschichte.

Fazit: Ein rundum großartig gelungenes Kinderbuch über die Magie von Freundschaft und Natur und wunderbar geeignet, Augen und Ohren zu öffnen.

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Veröffentlicht am 14.10.2021

Ein Thriller, der keiner ist

Meine geliebte Schwester
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Ein Thriller, der keiner ist, denn er ist weit entfernt von dem, was ich von einem Thriller an Spannung und überraschenden Wendungen erwarte. Und das Ende hat mir die Laune vollends verdorben.

Die Geschwister ...


Ein Thriller, der keiner ist, denn er ist weit entfernt von dem, was ich von einem Thriller an Spannung und überraschenden Wendungen erwarte. Und das Ende hat mir die Laune vollends verdorben.

Die Geschwister Beth, Portia und Eddie, die sich nicht wirklich mögen, werden durch das Testament ihres Großvaters gezwungen, sich mit dem Auto zu einer gemeinsamen Reise quer durch Amerika zu begeben. Erst wenn alle geforderten Zielpunkte erreicht und die Asche des Großvaters am Zielort verstreut ist, wartet ein nicht unerhebliches Erbe auf jeden der drei Geschwister. Es ist die gleiche Route, die sie bereits 20 Jahre zuvor zusammen mit ihrem Großvater unternahmen. Damals war noch Nikki, die ältere Schwester, dabei, die jedoch auf mysteriöse Weise bei der Reise verschwand. Die neuerliche Fahrt quer durch die USA beginnt harmlos, aber …

Die Geschichte wird ausschließlich von Beth erzählt. „Jede Familie braucht eine taube Nuss“ sagt Beth und meint damit sich selbst, sie, die Unsichtbare. Der Bericht über die Reise wird immer wieder unterbrochen durch Erinnerungen an den Trip vor 20 Jahren. Der Sprachstil wirkt tatsächlich so, wie man es Beth zutrauen könnte: Direkt, scharf beobachtend, aber auch irgendwie durchtrieben, raffiniert, in kurzen, manchmal unvollständigen Sätzen formulierend und erschreckend emotionslos-nüchtern. Die Fahrt ist lang, mit beunruhigenden, gefährlichen Zwischenfällen, wodurch sich eine leise Spannung aufbaut. Man lernt viele Formen von abstoßenden Motels und billigen Absteigen kennen, es gibt viel Alkohol und von Fett triefendes Essen. Doch als ich in Erwartung eines finalen Paukenschlags am Ende des Buches angekommen war, hätte ich es am liebsten aus dem Fenster geworfen. Den Grund dafür kann ich nicht nennen, ohne zu spoilern.

Fazit: Ein Thriller, der keiner ist, mit einem frustrierenden Ende.

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Veröffentlicht am 13.10.2021

Humorvolle, sprachlich gewitzte und kurzweilig erzählte Episoden

Als Schisser durchs Netz
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Das vielgelobte Buch „Als Schisser um die Welt“ kenne ich leider nicht, kann also keinen Vergleich anstellen. Auch wenn mir der Begriff Schisser nicht wirklich gefällt, schon gar nicht auf einem Buchtitel ...


Das vielgelobte Buch „Als Schisser um die Welt“ kenne ich leider nicht, kann also keinen Vergleich anstellen. Auch wenn mir der Begriff Schisser nicht wirklich gefällt, schon gar nicht auf einem Buchtitel – da hätte es feinere Formulierungen gegeben – machte mir das Buch insgesamt großes Vergnügen. Gesteigert wurde dieses Vergnügen im Übrigen sehr wesentlich durch die dynamisch-ausdrucksstarken Zeichnungen.

Eine Ehe wird auf eine besondere Probe gestellt, wenn sich die Ehefrau vielfach vernetzt völlig sicher in der Welt der Digitalisierung bewegt, ja geradezu darin aufgeht, während der Ehemann ganz analog mit der Angst kämpft, nicht nur seine Frau, sondern auch seine Autonomie an sprechende Kaffeemaschinen zu verlieren.

In teilweise urkomischen kleinen Geschichten wird erzählt, wie der Schisser so manch fragwürdigem digitalem Fortschritt begegnet und ins Grübeln kommt, ob der Algorithmus Freund oder Feind ist. Er erzählt von Fußgängerüberwegen in China, bei denen die Ampeln in den Zebrastreifen integriert sind, damit die Fußgänger nicht vom Handy hochschauen müssen. Oder dass Bettler keinen Hut mehr haben, sondern einen QR-Code. Er erlebt sehr verschreckt eine sprechende Dusche ohne Armaturen. Und er setzt sich der ganz besonderen Situation eines rein analogen Urlaubs mitten in der Natur aus. Alles wird sehr humorvoll und kurzweilig erzählt, wobei man sich durchaus gelegentlich ertappt fühlt. Es gibt zwar einige Längen im Buch, auch sind mir längst nicht alle Begriffe bekannt, mit denen hantiert wird, doch in der Summe gefiel mir das Buch sehr gut. Denn der Humor des Buches, die unterhaltsame Verpackung, darf nicht über die eigentlichen nachdenkenswerten Informationen und Warnungen hinwegtäuschen.

Fazit: Humorvoll verpackte, sprachlich gewitzte Episoden aus dem digitalen Dschungel und wie man achtsam und unbeschadet durch den digitalisierten Alltag kommt. Sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Langatmig trotz typisch britischen Humors

Dead Lions
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Als bekennender Diogenes-Fan lese ich jedes Buch aus diesem Verlag, egal welches Genre, mit nie versiegender Neugier. So auch diesen Roman, der mich schon allein mit seiner Haptik anspricht – perfekt ...


Als bekennender Diogenes-Fan lese ich jedes Buch aus diesem Verlag, egal welches Genre, mit nie versiegender Neugier. So auch diesen Roman, der mich schon allein mit seiner Haptik anspricht – perfekt glattes, hochwertiges Papier, das bei jedem Umblättern erneut erfreut. Doch das Lesen wurde mir nicht leicht gemacht. Und übrig blieb letztendlich Enttäuschung.

Im Slough House residieren abgehalfterte MI5-Agenten, die aufgrund ihres Versagens auf das Abstellgleis geschoben wurden. Chef dieser Slow Horses ist der faul-eigenwillige Jackson Lamb. Langeweile herrscht im Slough House. Doch als zwei von diesen Ehemals-Agenten einen russischen Oligarchen beschützen sollen und ein ehemaliger Spion aus früheren Zeiten tot aufgefunden wird, kommt Bewegung in die Geschichte. Denn russische Schläfer, Dead Lions, könnten aus ihrem Schlaf erweckt werden, und ausgerechnet die Agenten, denen keiner etwas zutraut, sind mittendrin dabei.

Der erste Teil des Buches zieht sich, so als hätte sich die Langeweile der Slow Horses auch auf den Buchseiten ausgebreitet. Dass die Perspektiven so oft wechseln, macht das Lesen nicht gerade leichter. Irgendwie geht es geschwätzig hin und her, ohne dass irgendetwas passiert. Öde. Mehrmals unterbrach ich die Lektüre mit einem anderen, packenderen Buch. Wenn ich nach Wochen wieder neu startete mit dem Lesen, war es schwierig, sich wieder in die Handlung einzufinden. Glücklicherweise gibt es zu Beginn des Romans ein kleines Personenverzeichnis sowohl der Slow Horses als auch der erfolgreichen Agenten im Hauptsitz Regent’s Park, was mir half, auch nach einer Lesepause wieder die Übersicht zu gewinnen. In Teil 2 wird es insgesamt spannender und lebendiger, aber doch nicht genug, um die Enttäuschung aus Teil 1 aufzuwiegen. Einzig der immer wieder durchblitzende, sehr spezielle britische Humor ließ mich das Buch bis zum Ende lesen.

Fazit: Enttäuschend langweilig und verwirrend, trotz immer wieder aufblitzenden britischen Humors.

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