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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2021

Spannendes Verwirrspiel

Stummes Opfer: Thriller
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Zwei Zeitstränge, 500 Jahre auseinander, und doch irgendwie auf mystische Weise verbunden. Ein neuer Zons-Thriller, fesselnd wie gewohnt bei dieser Autorin. Auch dieses Mal bin ich atemlos durch das Buch ...


Zwei Zeitstränge, 500 Jahre auseinander, und doch irgendwie auf mystische Weise verbunden. Ein neuer Zons-Thriller, fesselnd wie gewohnt bei dieser Autorin. Auch dieses Mal bin ich atemlos durch das Buch durchgerauscht, habe mich gegruselt, erschreckt, gewundert, geekelt, habe gerätselt, war verwirrt und wurde immer planloser – und am Ende restlos überrascht.
Im Erzählstrang in der Gegenwart geht es um den ungewöhnlichen Neubau des Kreisarchivs, dessen Einweihung unmittelbar bevorsteht. Doch als die einbetonierte Leiche eines jungen Mannes in der Empfangshalle entdeckt wird, beginnt ein Albtraum. Denn Kommissar Bergmann findet kurz darauf eine weitere Leiche, nämlich die Schwester des jungen Mannes. Was haben die uralten Siegel zu sagen, die gefunden werden? Wann schlägt der Mörder wieder zu?Im Erzählstrang vor 500 Jahren verschwinden spurlos nacheinander mehrere Bettelweiber. Nachdem eine der Frauen tot tief im Wald gefunden wird, wird Bastian Mühlenberg klar, dass ein Serienmörder am Werk ist.
Es ist bewundernswert, wie Catherine Shephard es mit jedem neuen Buch in unveränderter Bestform schafft, den Leser zu packen, ihn mit aller Raffinesse in die Geschichte hineinzuziehen und ihn mit gemeinen Cliffhangern zu quälen. Man eilt von Kapitel zu Kapitel und tappt in alle von der Autorin ausgelegten Fallen, bis man am Ende durch ein fulminantes Ende restlos überrascht wird. Die Protagonisten sind wie immer absolut stimmig dargestellt, die erzählte Geschichte ist nachvollziehbar. Rundum: Auch dieser neue Titel von Catherine Shepherd lässt den Leser alles um sich herum vergessen – ein Lesevergnügen!

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Veröffentlicht am 03.04.2021

Rundum gelungenes Wimmelbuch mit Mehrfachnutzen

Wer wohnt denn da im tiefen Wald?
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Von diesem ganz besonderen Bilderbuch bin ich restlos überzeugt. Und das nicht nur, weil es rein äußerlich betrachtet sehr hochwertig gemacht ist mit stabilem Einband und kräftigem Seitenpapier, sodass ...


Von diesem ganz besonderen Bilderbuch bin ich restlos überzeugt. Und das nicht nur, weil es rein äußerlich betrachtet sehr hochwertig gemacht ist mit stabilem Einband und kräftigem Seitenpapier, sodass das Buch ohne Schaden zu nehmen oft und oft angeschaut, vorgelesen und vor- und zurückgeblättert werden kann.

Wir begleiten den kleinen Bär in sein Zuhause, er zeigt uns über die verschiedenen Jahreszeiten hinweg seine Freunde und noch vieles mehr, was im Wald so um ihn herum arbeitet oder faulenzt oder spielt oder schläft.
Es gibt unendlich viel zu entdecken auf jeder einzelnen Seite. Wenn man nach einer kleinen Pause das Buch wieder zur Hand nimmt, sieht man immer wieder Neues, was man zunächst übersehen hatte. Doch nicht nur das Betrachten der Wimmelbilder an sich hat seinen schier unerschöpflichen Reiz. Zu jedem Wimmelbild gibt es zusätzlich detaillierte Fragen, wo zum Beispiel das Stinktier, das gerade ein Nickerchen macht, zu finden ist oder wo ist bloß dieser schüchterne Frosch? All diese Fragen fordern heraus zum ganz genauen Hinschauen und dem stolzen Ankreuzen bei erfolgreicher Suche. Freya Hartas hat mit ihren liebevollen, überraschenden und witzigen Zeichnungen ganz Großartiges geleistet, denn ihre Illustrationen erzählen in all den vielen, vielen Details eigene winzig kleine Geschichten. Im Anhang gibt es auch noch ein paar weitere Informationen und Anregungen zum Entdecken und Spielen draußen in der Natur. Was mir persönlich weniger gefällt, sind die Gedichte, deren spezielles Reim-Maß nicht besonders eingängig ist für Kinder.

Fazit: Ein wunderschönes, rundum gelungenes Wimmelbuch, das auf vielseitige Weise und für lange Zeit stets aufs Neue Anregungen und Unterhaltung bietet.

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Veröffentlicht am 28.03.2021

Gepflegter Schreibstil allein reicht nicht

Enriettas Vermächtnis
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Ein Buch, das ich irgendwie gerne gelesen habe, aber im Nachhinein nicht weiß, was ich mit dem Inhalt anfangen soll. Die Autorin hat Psychologie studiert. Also ging ich davon aus, dass sie die psychischen ...


Ein Buch, das ich irgendwie gerne gelesen habe, aber im Nachhinein nicht weiß, was ich mit dem Inhalt anfangen soll. Die Autorin hat Psychologie studiert. Also ging ich davon aus, dass sie die psychischen Verstricktheiten unter Menschen analysieren kann. Und doch ließ mich das Buch ratlos zurück.

Zum Inhalt: Die erfolgreiche Schriftstellerin Enrietta da Silva hinterlässt ein immenses Vermögen, das sie je zur Hälfte dem betuchten plastischen Chirurgen Emilio aus Argentinien und der durch einen Unfall gehandicapten Schauspielerin Jana aus Salzburg hinterlässt. Die beiden nähern sich an. Als überraschend der totgeschwiegene und zeitlebens ungeliebte leibliche Sohn Armando auftaucht und ebenfalls sein Erbe beansprucht, ändern sich schlagartig die Verhältnisse unter allen Hauptpersonen…

Was an diesem Buch besticht, ist die außerordentlich schöne, sorgfältige Sprache. Es ist ein Genuss, diesem gepflegten Schreibstil zu folgen, der sehr gut zu der distanzierten Darstellung der einzelnen Personen passt. Diese werden zwar sehr detailliert beschrieben, bleiben aber dem Leser emotional fern. Ich hatte das Gefühl, ich würde aus einer gewissen Entfernung die Personen wie auf einer Bühne beobachten. Das in Aussicht gestellte Erbe veranlasst sie zu einem Spiel zu dritt. Sie kreisen umeinander, sie kreisen um Vergangenes und Gegenwärtiges. Sie nähern sich an und stoßen sich wieder ab. Aber mit welchem Ergebnis? Der Sinn des gesamten nüchtern-sachlichen Kammerspiels erschließt sich mir leider nicht.

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Veröffentlicht am 25.03.2021

Leichte Kost, unterhaltsam und humorvoll

Mein Glück in deinen Händen
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Manchmal darf es zwischendurch auch einmal ein Buch sein, dessen besondere Stärke darin liegt, den Alltag wegzuschieben und zu unterhalten, reine Unterhaltung, nichts sonst, ohne weiteren Anspruch.

Sara ...


Manchmal darf es zwischendurch auch einmal ein Buch sein, dessen besondere Stärke darin liegt, den Alltag wegzuschieben und zu unterhalten, reine Unterhaltung, nichts sonst, ohne weiteren Anspruch.

Sara und Mariel sind zwei Schwestern, die sich nie wirklich verstanden. Mariel ahmte bereits von Kindheit an alles nach, was Sara anfing und machte es dadurch für Sara wertlos. Als Mariel Sara auch noch deren Freund Carter wegschnappt und die Hochzeit kurz bevorsteht, trifft das Sara so sehr, dass ihr allerlei Sabotage-Gedanken in den Sinn kommen. Doch wie meistens im Leben kommt alles ganz anders…

Vorweg: Besondere Erwähnung sollte die ausnehmend schöne Gestaltung des Buches finden. Eine farbig mit Blüten verzierte Schnittkante habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Ein perfekter Hingucker, auch das Cover spricht an.

Mary Simses schreibt mit leichter Hand. Der lockere Schreibstil ist gefällig und gut zu lesen, die sehr detaillierten Schilderungen von Menschen und Örtlichkeiten lassen mühelos innere Bilder entstehen. Es fällt beim Lesen relativ leicht, sich in die Protagonisten einzufühlen, insbesondere mit Sara konnte ich gut mitempfinden. Spaß macht das Lesen zusätzlich durch die teils recht humorvollen bis komischen Szenen, auch wenn diese teilweise recht wirklichkeitsfern überzeichnet sind. Und ja, Mohnkuchen macht Krümel zwischen den Zähnen.
Fazit: Ein Buch, das man genießen sollte wie eine Praline – zwar ohne Nährwert, aber dennoch ein süßer Genuss.

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Veröffentlicht am 24.03.2021

Schwere Kost, aber dennoch tröstlich

Zwischen uns tausend Bilder
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Ein Jugendbuch, das vordergründig zwar leicht und schnell lesbar ist, das jedoch lange, lange nachwirkt. Unfassbar eindringlich, unfassbar gut geschrieben.

Sanna ist 14. Ihre beste Freundin wendet ...


Ein Jugendbuch, das vordergründig zwar leicht und schnell lesbar ist, das jedoch lange, lange nachwirkt. Unfassbar eindringlich, unfassbar gut geschrieben.

Sanna ist 14. Ihre beste Freundin wendet sich einem anderen Mädchen zu. Ihre Mutter ist seit Monaten tot. Und ihr Vater ist restlos gefangen in seiner eigenen Welt, in seiner verzweifelten Trauer, aus der er nicht mehr herausfindet. Sanna ist allein. Als sie zufällig im Kleiderschrank ein Geschenk ihrer Mutter an sie findet, nämlich einen Fotoapparat, wird das Fotografieren zum einzigen Trost, denn „Bilder helfen dir, die Welt zu sehen“ hatte ihre Mutter einmal zu ihr gesagt und Sanna solle nie vergessen, „die Schönheit der Welt zu sehen“. Yousef, der neue Mitschüler, teilt ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, will sie ermutigen. Es dauert lange, bis Sanna die Realität in Gänze erfasst und beginnt, ihr Leben und die Welt mit ihren eigenen Augen zu sehen.

Die Autorin schreibt in einer sparsamen Sprache, die in ihrer Reduziertheit ein fast unerträgliches Maß an Einsamkeit und Verletztheit offenbart. Ergreifend ist zu lesen, wie der depressive Vater zunehmend zum Kind wird und wie Sanna, das Kind also, sowohl sein Leben als auch ihr eigenes irgendwie zu retten versucht und damit grenzenlos überfordert ist. „Todesangst vorm Leben und Sterbensangst vorm Tod“ bestimmt die Tage. Und könnte man das Verloren-Sein in der Depression besser beschreiben als so: „… wenn es so still in der Wohnung ist, dass man Haare und Nägel wachsen hört…“.
Neda Alaei ist mit ihrem Erstlingsroman ein ungewöhnliches, feinfühlig-sensibles und tief beeindruckendes Buch gelungen, das nicht nur von jungen Lesern gelesen werden sollte.



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