Platzhalter für Profilbild

heinoko

Lesejury Star
offline

heinoko ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit heinoko über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2019

Ein genial durchkomponierter Thriller

Liebes Kind
0

Ein genial durchkomponierter ThrillerEin Thriller der besonderen Art! So viel Spannung, so viel direkte und indirekte Grausamkeit, so viel Überraschendes! Dieses Buch lässt dem Leser keinen Moment der ...

Ein genial durchkomponierter ThrillerEin Thriller der besonderen Art! So viel Spannung, so viel direkte und indirekte Grausamkeit, so viel Überraschendes! Dieses Buch lässt dem Leser keinen Moment der Erholung. Man jagt durch die Seiten und liegt mit all seinen Gedanken und Vermutungen regelmäßig falsch.
Ausnahmsweise erscheint es mir geradezu unmöglich, irgendetwas über die Handlung zu erzählen, ohne Wesentliches zu verraten. Der Klappentext schafft das jedoch ganz gut: „Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.“
Das Buch ist ein genial durchkomponierter Thriller, und zwar ist er komponiert wie ein Gesang, wie ein Kanon, in den immer mehr Stimmen einfallen, immer mehr Sichtweisen, Meinungen, Deutungen, bis er zu einem perfekten Musikstück herangereift ist, zu einer Sinfonie des Entsetzlichen, Unvorstellbaren und der Leser mittendrin. Dass die Protagonisten wechselnd selbst erzählen, vom Geschehen ebenso wie von ihren Empfindungen, lässt emotionale Nähe entstehen. Ein sehr geschickter Dreh der Autorin, denn gerade durch die berührenden Schilderungen wird der Leser noch viel stärker in die Handlung hineingezogen, kann sich des Grauens kaum mehr erwehren. Unbedingte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 18.02.2019

Geschickt vermarktet, locker lesbar, aber letztlich nur heiße Luft

Ran an das Fett
0

Also wieder ein Buch zum Thema Ernährung, das in seinem Untertitel „Heilen mit dem Gesundmacher Fett“ auch noch Heilung verspricht. Das provoziert, denn wir alle haben irgendwie irgendwo gelernt, dass ...

Also wieder ein Buch zum Thema Ernährung, das in seinem Untertitel „Heilen mit dem Gesundmacher Fett“ auch noch Heilung verspricht. Das provoziert, denn wir alle haben irgendwie irgendwo gelernt, dass wir Fett reduzieren oder gar vermeiden sollten, dass Fett böse ist, dass es uns dick und krank macht. Und genau diese Provokation soll das Buch verkaufen helfen. Der Verlag zieht alle Register, um das Buch an den Mann bzw. an die Frau zu bekommen. Lesen Sie selbst den Ankündigungstext auf dem Buchrücken: „Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: Wer gesund und schlank sein will, sollte sich fettiges Essen verkneifen. Unter dem Fettarm-Dogma hat sich die größte Übergewichtsepidemie aller Zeiten entwickelt und die weltweite Explosion chronischer Krankheiten verursacht. Dr. Anne Fleck, Deutschlands renommierte Präventiv- und Ernährungsmedizinerin, Pionierin auf dem Gebiet der Ganzheitsmedizin, läuft Sturm gegen veraltetes Wissen und liefert eine leidenschaftliche, wissenschaftlich fundierte Lösung, mit der Sie Ihre Gesundheit revolutionieren können. Denn Fett, clever eingesetzt, besitzt das geheime Potenzial, chronischen Krankheiten – u.a. Herz-Kreislauf-Krankheit, Übergewicht, Depression, Alzheimer und Krebs – vorzubeugen, sie zu lindern und sogar zu heilen. Dr. Anne Fleck erklärt, wie der Fettschwindel in unsere Köpfe kam und wie wir selbst ganz einfach mit gesundem Fett unseren Körper stärken und heilen können.“
Die Autorin ist also „Pionierin der Ganzheitsmedizin“ (gab es wirklich niemanden vor ihr?). Und was ist überhaupt Ganzheitsmedizin? „Richtung der Medizin, die den erkrankten Menschen in seiner körperlichen und psychischen Gesamtverfassung zu erfassen und zu behandeln sucht… Also gehört doch noch ein wenig mehr dazu als das Thema Fett, nicht wahr? Es wird eine wissenschaftlich fundierte Lösung versprochen, mit der der Leser seine Gesundheit revolutionieren kann. Wie kann man Gesundheit „revolutionieren“? Was ist das? Revolutionieren = umgestalten, verändern. Wie kann ich Gesundheit umgestalten bzw. verändern? Und warum sollte ich das tun? Ach ja, und das geheime Potenzial, das Fett besitzt, kann sogar Alzheimer und Krebs lindern oder gar heilen. Ja, das „geheime“(!) Potenzial – gut, dass Anne Fleck dieses Geheimnis kennt und uns offenbart. Wenn solche Aussagen auftauchen, sollte man als Leser sehr, sehr vorsichtig sein. Misstrauisch bin ich ganz grundsätzlich gegenüber medizinischen Autoren, die durchs Fernsehen tingeln, um sich selbst zu promoten und die sich berufen fühlen, Laien ihre Sicht der Welt zu erklären, dabei tatsächlich nicht vor Heilsversprechungen zurückschrecken. Und dieses Buch funktioniert wie so viele „Ratgeber“, indem es ein Feindbild ausmacht und dann im Umkehrschluss die eigenen Thesen als die einzig wahren und wirklichen Erkenntnisse entwickelt.
Um es kurz zu machen: Das Buch ist zugegebenermaßen sehr lesefreundlich und locker geschrieben. Es enthält auch eine Fülle von richtig wiedergegebenen Informationen und Geschichten aus der Medizinhistorie. Dennoch sind nicht alle Folgerungen bzw. „Lösungen“, die Anne Fleck ableitet, zwingend korrekt, vor allen Dingen von ihr nirgends „wissenschaftlich belegt“, wie der Verlag behauptet. Verwunderlich ist insbesondere, dass ich im Buch nichts finden konnte, was auf den aktuellen Ernährungsbericht der DGE hinweist. Der ist zwar nicht so unterhaltsam zu lesen, aber er offenbart doch, dass wir, was das Fett-Essverhalten angeht, gar nicht so schlecht dastehen. Das Buch ist also, insbesondere was seine Panikmache betrifft, absolut unnötig.

Veröffentlicht am 11.02.2019

Eine faszinierend-kluge Bilderreise

Frauen und Bäume
0


Diese Buchreihe aus dem Thiele Verlag ist für mich eine der schönsten, die ich kenne. Es sind Bücher, die man im Regal quer stellt, weil das Cover jeweils so schön ist, dass man es stets vor Augen haben ...


Diese Buchreihe aus dem Thiele Verlag ist für mich eine der schönsten, die ich kenne. Es sind Bücher, die man im Regal quer stellt, weil das Cover jeweils so schön ist, dass man es stets vor Augen haben möchte. Es sind Bücher, die man immer und immer wieder in die Hand nimmt, darin blättert und jedes Mal etwas Neues entdeckt. Bücher, die uns auf schwindelnd schnelle Zeitreisen in die Welt der Kunst schicken. Und deren Texte uns lehren, genau und noch genauer hinzuschauen.
Nun habe ich ein weiteres unglaublich schönes, die Sinne berührendes Buch aus dieser Reihe seit Wochen bei mir: Frauen und Bäume. So viel sperriger als „Frauen und ihre Katzen“ oder „Frauen und Rosen“, dachte ich. Schwieriger, so glaubte ich, weil hier Weibliches und Männliches zusammen kommt. Der Überbegriff Baum: maskulin, rau, stark. Der Unterbegriff Weide, Linde, Ulme: weiblich, feingliedrig, differenziert. Beim Vertiefen in das Buch, in den wie immer außerordentlich klugen, wissensreichen Text von Dörthe Binkert, verstand ich jedoch schnell die besondere Faszination der Kombination Frau und Baum. Denn gerade die verschiedenen mythischen, märchenhaften, geheimnisvollen, symbolischen Bedeutungen des Baumes waren reicher schöpferischer Quell der Künstler durch die Zeiten hinweg. Es gelingt der Autorin perfekt, die Stärke der Bäume in Verbindung zu setzen mit den besonderen Stärken der Frauen, mit Eva im Paradies, mit den Nymphen und Feen, mit sich in Bäume verwandelnde Frauen, mit Frauen, die sich mehr und mehr in das Grün, in die Natur, in träumerische Zeiten verlieren. Aber auch die Frucht tragenden Bäume bergen eine den Frauen verwandte Symbolik in sich. Der Baum als Schutz und Geborgenheit gebend, als Tröster, als verschwiegener Freund, als Bewahrer besonderer Verbindungen durch eingeritzte Initialen – schier unerschöpfliche Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung werden in diesem Buch offenbar. Jedes der vielen gezeigten Bilder spricht eine andere Sprache, lässt uns eine andere Facette des Themas schauen, ruft eine andere Stimmung hervor. Nicht zu vergessen die Deutung C.G. Jungs, den Baum als Mutter- bzw. Wiedergeburtssymbol zu sehen. Und wer sich mit Peter Wohlleben beschäftigt, weiß auch, dass Bäume miteinander kommunizieren, ein unsichtbares Netzwerk bilden. All dies und noch viel mehr erlebe ich in diesem Buch, schauend und lesend. Immer wieder.
Doch genug geschrieben: Blättern Sie selbst in diesem Buch, tauchen Sie ein, entdecken Sie, genießen Sie…

Veröffentlicht am 09.02.2019

Ein Lektorat hätte dem Buch gut getan

Der Unfall
0


Dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe, spricht für einen flüssigen, durchaus spannenden Erzählstil. Aber…
So wird der Inhalt von Verlagsseite beschrieben: „Meli van Bergen ist eine erfolgreiche ...


Dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe, spricht für einen flüssigen, durchaus spannenden Erzählstil. Aber…
So wird der Inhalt von Verlagsseite beschrieben: „Meli van Bergen ist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin. Sie führt ein Leben auf der Überholspur, bis ein Unfall sie jäh ausbremst: Querschnittslähmung. Rollstuhl. Depression. In der Reha lernt sie den fröhlichen Therapeuten Tom kennen, der ihr zeigt, dass das Leben noch immer lebenswert ist. Sie verlieben sich, heiraten und ziehen in ein einsames Haus am See. In der freien Natur, ohne Telefon und Internet, lebt Meli wieder auf. Doch unmerklich holt die Vergangenheit sie wieder ein. Die perfekte Idylle bekommt Risse und Meli muss plötzlich um ihr Leben kämpfen …“
Das Buch ist weitgehend im Präsens geschrieben, ausgenommen Erinnerungen. Das macht das Geschehen intensiver, auch die detailreichen Beschreibungen tragen zur Lebendigkeit des Miterlebens bei. Besonders eindringlich fand ich z. B. Melis Traumsequenz auf der Intensivstation. Und schön wie Aquarellzeichnungen wirken die Naturbeschreibungen. All das gefiel mir sehr gut, auch dass es dem Autor gelingt, beim Leser ein unheimliches Gefühl aufziehen zu lassen, das sich zunehmend verstärkt. Aber – jetzt kommt das große Aber. Die positiven Eindrücke sind nicht konstant. Der Schreibstil wirkt in manchen Passagen geradezu ungelenk, gewollt, die Handlung sowohl vorhersehbar als auch letztlich unglaubwürdig, zu sehr konstruiert und in eigentlich wichtigen Sequenzen nicht ausgearbeitet. So bleibt dem Leser zum Beispiel letztlich verborgen, auf welche Weise es van Dyck gelungen ist, Meli von einer autarken, starken Persönlichkeit zu einem ängstlichen, abhängigen Mäuschen zu verwandeln. Es fehlt an psychologisch nachvollziehbaren Mechanismen, die dies verständlich gemacht hätten. Überhaupt wirken die Protagonisten meist puppenhaft, konstruiert, unecht. Die „eingestreuten“ Träume verwirren den Leser. Die detailliert beschriebene sexuelle Szene ist unnötig, dient in keiner Weise der Handlung. Gab es kein Lektorat? Und gab es keinen Korrektor, dem die Rechtschreibfehler aufgefallen wären (wie z. B. Spint statt richtig Spind)? Fazit: Unterhaltsam zu lesen, aber verbesserungsfähig.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Keine Ahnung, wozu dieses Buch gut sein soll

Ein wirklich erstaunliches Ding
0


Tja, was soll ich zu diesem Buch sagen? Dass ich nicht weiß, wozu man es lesen sollte? Dass ich es nach anfänglichen ernsthaften Versuchen des Lesens nur mehr quergelesen habe? Dass ich es schließlich ...


Tja, was soll ich zu diesem Buch sagen? Dass ich nicht weiß, wozu man es lesen sollte? Dass ich es nach anfänglichen ernsthaften Versuchen des Lesens nur mehr quergelesen habe? Dass ich es schließlich ratlos weggelegt habe?
Der Einfachheit nutze ich als Einführung den Klappentext: „Ein paar Klicks, ein kurzer Film, eine spontane nächtliche Aktion – und Aprils Leben steht auf dem Kopf. Eigentlich hatte sie nur eine mysteriöse, aber beeindruckende Roboter-Skulptur gefilmt und ins Netz gestellt und ihr aus Spaß den Namen CARL gegeben – nichts Besonderes eigentlich, doch als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist sie berühmt. Überall auf der Welt sind Carls aufgetaucht, niemand weiß, woher sie kommen, niemand weiß, wofür sie gut sind. April wird zur Carl-Expertin, die Medien stürzen sich auf sie, ihre Videos verbreiten sich millionenfach. Doch im Zentrum der weltweiten Hysterie erntet sie nicht nur Likes...“
Kurzweilig ist es geschrieben, das muss man sagen. Leicht lesbar ist es auch. Nicht schön ist die Sprache, oftmals eher ordinär oder primitiv, immer eher Umgangssprache. Das mag ich nicht. Und unverständliche Wörter, die vielleicht manche Jugendliche kennen oder Nerds, mag ich auch nicht. Vielleicht könnte man das Buch auch streckenweise als witzig und schräg bezeichnen, mag sein. Aber letztlich bleibt die ratlose Frage übrig: Wozu soll man es lesen? Dass es möglich ist, das fiktive Leben in der Social-Media-Welt als (PseudRealität zu erleben? Dass es möglich ist, finanziellen und persönlichen Wert aus der Zahl der Likes und Followers zu ziehen. Wissen wir. Ja, und? Also: Warum überhaupt dieses Buch? Ich habe absolut keine Ahnung.