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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2017

Rüsselpest und andere Erschwernisse

Veilchens Rausch
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Es gibt bereits 3 Bände, aber ich hatte mit dem hier vorliegenden Band 4 meine erste Begegnung mit Veilchen alias Valerie Mauser, der leicht vorgeschädigten LKA-Polizistin mit blondem Afro-Look und Jeans ...

Es gibt bereits 3 Bände, aber ich hatte mit dem hier vorliegenden Band 4 meine erste Begegnung mit Veilchen alias Valerie Mauser, der leicht vorgeschädigten LKA-Polizistin mit blondem Afro-Look und Jeans wie durch einen Häcksler gezogen. Und was soll ich sagen: Ich mag sie! Sie ist schlau, aber auch sensibel. Und sie hat ihr zweites Ich, die böse Souffleuse, auf der Schulter sitzen, mit Einflüsterungen, die wir alle so oder ähnlich auch bei uns kennen. Die Vorgeschichten nicht gelesen zu haben, minderte zu keiner Zeit mein Lesevergnügen.
Auf der Umbrüggler Alm wird am Morgen nach einer wilden Feier des Immobilienunternehmens Tyrovalue die Bedienung Viktoria Schwarz tot aufgefunden. Die Ermittlungsarbeit von Valerie = Veilchen führt ganz schnell mitten hinein in die sehr fragwürdigen Machenschaften der Immobilienfirma, die mit der Geldgier der Menschen großartige Geschäfte macht, sich selbst feiert und deren Vernetzungen bis in die höchsten Kreise hineinreichen. So wird gemauert und gemauschelt und getrickst nach allen Regeln der Kunst. Und der Leser wird immer wieder neu in die Irre geführt, sodass die Spannung über das gesamte Buch hinweg immer erhalten bleibt. Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, ist die Fähigkeit des Autors, seinen eigenen unbandigen Spaß beim Schreiben auf den Leser zu übertragen. Es steckt viel Wortwitz in den Texten und wohlig-österreichische Lautmalerei, über die man immer wieder herzhaft lachen muss. Spannung und Humor in ausgewogenem Maß – was will man mehr.

Veröffentlicht am 15.10.2017

Starker Anfang, schwaches Ende

Aux Champs-Élysées
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„Ein Paris-Krimi“ heißt es im Untertitel. Von Paris wird man allerdings kaum etwas lesen, vielleicht ein paar Straßennamen, ein Metroschild, ein Park. Mehr nicht.

Claire und Philippe – ein Ehepaar nach ...

„Ein Paris-Krimi“ heißt es im Untertitel. Von Paris wird man allerdings kaum etwas lesen, vielleicht ein paar Straßennamen, ein Metroschild, ein Park. Mehr nicht.

Claire und Philippe – ein Ehepaar nach klassischem Modell. Er verdient gutes Geld in seinem Job, sie sorgt perfekt für Haushalt und Kinder. 25 Jahre lang. Bis Philippe sich in Isabelle verliebt und mit ihr ein neues Leben anfangen will. Die alte Geschichte. Aber Claire spielt nicht mit…

Der Roman beginnt überaus spannend, fesselnd. Kurze Kapitel intensivieren das Geschehen. Die geschilderten Personen sind – erst einmal – glaubhaft dargestellt und das Grausame schleicht sich quasi durch die Hintertür in die Handlung. Der Leser liest atemlos Seite um Seite. Und dann wird es zunehmend unglaubwürdig. Die Handlung hebt ab und der mitdenkende Leser rückt ab. Zu viele sachliche Fehler (z. B. Übelkeit bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft??) und ein Plot, der sich ins Abstruse verliert, lassen die Freude am Buch zunehmend geringer werden. Ein überraschendes Ende, ja – aber der Leser ging schon viele Seiten vorher verloren. Wie schade. Dass die Autorin richtig gut schreiben kann, beweist sie eindrücklich. Wo war hier das Lektorat, das noch Einiges hätte retten können – am Plot, an Details, an Logik?

Veröffentlicht am 12.10.2017

Vom Buch verschlungen

Die Farm
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Dass es sich beim vorliegenden Buch bereits um den 4. Band rund um das Ermittlerpaar Nicolas Eichborn und Helen Wagner handelt, erfuhr ich erst, als ich das Buch in Händen hielt. Die beruhigende Nachricht: ...

Dass es sich beim vorliegenden Buch bereits um den 4. Band rund um das Ermittlerpaar Nicolas Eichborn und Helen Wagner handelt, erfuhr ich erst, als ich das Buch in Händen hielt. Die beruhigende Nachricht: Man muss die Bände 1 – 3 nicht gelesen haben, um dennoch restlos dieser neuen Geschichte zu verfallen.
Der Plot hat es in sich. Da verschwinden in ganz Deutschland Ehepaare, ohne Lösegeldforderungen, ohne Leichenfund. Und es werden Geldtransporte überfallen – und zwar durchgeführt von den verschwundenen Ehemännern, wie Überwachungskameras offenbaren. Wo ist die gemeinsame Schnittstelle, an der man mit den Ermittlungen ansetzen könnte? Damit jedoch nicht genug. Nicolas Eichborn selbst gerät ins Fadenkreuz der Obrigkeit und wird konfrontiert mit Korruption, mit unersättlicher Geldgier – bis in die höchsten Kreise.
Das Buch ist so spannend, dass ich das Gefühl hatte, das Buch verschlingt mich, nicht umgekehrt. Es ist großartig geschrieben, zieht alle Register eines guten Thrillers, ist kurzweilig, spielt mit Ungewissheiten, Wendungen, mit Spuren, die keine sind. Die Protagonisten werden lebendig dargestellt, sympathisch, in ihren Dialogen stets mit einer Prise Humor ausgestattet. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, der Autor schießt mit seiner Lust am Fabulieren etwas übers Ziel hinaus und verliert dabei etwas an Bodenhaftung, aber die gelegentlich sehr skurrilen Einfälle nahmen mir zu keinem Zeitpunkt die unbandige Lesefreude.
Ein Autor mit Suchtfaktor!

Veröffentlicht am 12.10.2017

Nie aufgeben!

Emily, die kleine Springmaus
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Ein zweisprachiges Bilderbuch – hmmm. Welche Zielgruppe wird hier angesprochen? Das Bilderbuch an sich, der jeweils kurze Textanteil pro Seite, die liebevoll-kleinkindgerechten Zeichnungen und die Geschichte ...


Ein zweisprachiges Bilderbuch – hmmm. Welche Zielgruppe wird hier angesprochen? Das Bilderbuch an sich, der jeweils kurze Textanteil pro Seite, die liebevoll-kleinkindgerechten Zeichnungen und die Geschichte selbst sprechen für Vorschulkinder. Aber die Zweisprachigkeit und der angebotene Vokabeltrainer sind nach meinem Verständnis für Kinder frühestens ab 7 Jahren geeignet. Insbesondere gibt es im Text so einige schwierigere Wörter, für Kleine unverständlich, für Erstleser zu schwierig zu buchstabieren, wie z. B. „qualifizierter Kamerad“ oder „IT-Nerd“. Auch müsste man sicher erklären, welche Sportart ein Sprinter vertritt. Der Verlag selbst gibt an, dass das Büchlein für Erstleser gedacht ist.

Emily ist eine sehr fröhliche kleine Maus. Die Eltern dagegen haben anstrengende und verantwortungsvolle Berufe, insbesondere Papa Stefano Dreikäsehoch ist ohne Tablet und Telefon gar nicht denkbar. Da ist Oma, die vorliest, besonders geliebt. Heute liest sie die Geschichte vom kleinen Mäuserich vor, der, obwohl er so klein ist und von den anderen Mäusen verspottet wird, immer fleißig weiter trainiert und nicht aufgibt, an seinem Traum zu arbeiten, denn er möchte ein richtig, richtig guter Sprinter werden.

Die schlichten, liebevollen Zeichnungen gefallen mir sehr. Sie verdeutlichen den Textinhalt so unmittelbar und direkt, ohne Schnickschnack, wie es besser gar nicht sein könnte. Und natürlich ist die Botschaft des Buches eine ganz wichtige: an sich selbst glauben und nie aufgeben!

Veröffentlicht am 10.10.2017

Herzerfrischend witzig

Pasta Mista 1: Fünf Zutaten für die Liebe
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Mit ü60 ist es kein Schaden, ab und zu auch einmal etwas über Jugendliche zu lesen und sich dabei zu erinnern, dass man all dies Auf und Abs, diese vielen Unsicherheiten und das daraus resultierende befremdliche ...

Mit ü60 ist es kein Schaden, ab und zu auch einmal etwas über Jugendliche zu lesen und sich dabei zu erinnern, dass man all dies Auf und Abs, diese vielen Unsicherheiten und das daraus resultierende befremdliche Benehmen auch einmal hatte. Das vorliegende Buch habe ich mit ganz, ganz großer Begeisterung gelesen, nicht nur wegen der Pasta mit meinem Vornamen!
Liv und ihre Mutter, die ein Buchcafé betreibt, leben schon seit gefühlten Ewigkeiten allein in einer kleinen Wohnung in München. Liv’s Hobby ist das Kochen und ansonsten beschäftigt sie sich zusammen mit ihren besten Freundinnen hauptsächlich mit dem Thema „erster Kuss“. Ihr Schwarm Justus hat sein Augenmerk auf Nastja Elena geworfen und steht deshalb als erster Freund nicht zur Verfügung. Da taucht überraschend Roberto auf, der neue Lover der Mutter. Und er ist nicht allein, sondern er bringt die 16-jährigen Zwillinge Angelo und Sonia mit. Liv bekommt weiche Knie – zum einen, weil ihre Mutter ihr die neue Beziehung verschwiegen hatte, aber auch, weil Angelo ein Traumtyp ist. Der Überraschungsbesuch aus Italien nistet sich für 3 Wochen in der winzigen Wohnung ein und bringt nicht nur an der Flurgarderobe ziemliches Chaos mit sich, sondern auch in Liv’s Leben. Erst in letzter Minute schafft die Pasta à la Norma die Wende…
Das Buch ist wunderbar leicht und locker geschrieben. Besonders die vielen inneren und äußeren Dialoge sind herzerfrischend, alltagsnah und heiter formuliert. Hinreißend gelingt es der Autorin, dass wir all die Gefühlsschwankungen von Liv hautnah und verständnisvoll miterleben. Die Geschichte trifft genau ins Schwarze, indem es auf humorige Weise erzählt von all den scheinbar wichtigen Alltagsdingen, von den Unsicherheiten, von all den Themen, die Pubertiere vordringlich beschäftigen. Was nach dem Lesen des Buches übrig bleibt: Ein Schmunzeln und unbandiger Appetit auf italienisches Essen.