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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2026

Was, wenn Hazel Nein sagt?

Hazel sagt Nein
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Das Buch "Hazel sagt Nein" von Jessica Berger Gross erzählt die Geschichte von Hazel und ihrer Familie, die aus New York in eine Kleinstadt zieht. Hazels erster Schultag ihres Abschlussjahres in ihrer ...

Das Buch "Hazel sagt Nein" von Jessica Berger Gross erzählt die Geschichte von Hazel und ihrer Familie, die aus New York in eine Kleinstadt zieht. Hazels erster Schultag ihres Abschlussjahres in ihrer neuen Schule läuft nicht so ab, wie sie es sich vorgestellt hat. Der Schulleiter ruft sie zu sich ins Büro und eröffnet ihr, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin des Abschussjahrgangs aussucht, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht, und dieses Jahr sei Hazel die "Auserwählte". Doch Hazel sagt Nein.

Der Vorfall gelangt an die Öffentlichkeit und die ganze Kleinstadt scheint plötzlich involviert. Welche Auswirkungen die sexuelle Belästigung und ihre Folgen auf Hazel und ihre gesamte Familie hat, erzählt die Autorin in vier verschiedenen POVs. So lernt man nicht nur Hazel und ihre Gefühle, sondern auch ihren kleinen Bruder, ihre Mutter und ihren Vater sehr nah kennen, die alle neben der Sorge um Hazel auch noch mit ihren eigenen Lastern und Problemen zu kämpfen haben. Durch diese vielschichtige Sichtweise erhält die ernste und schwierige Thematik eine sehr authentische und lebendige Art, wie ich sie bisher selten gelesen habe. Hazels Geschichte liest sich flüssig und schnell, weil man mit allen vier Figuren mitfühlen und sich in sie hineinversetzen kann. Die Erzählung ist für mich sehr authentisch, weil sich nach dem Vorfall im Büro des Direktors eben nicht die ganze Welt nur noch darum dreht, sondern das Leben in der Kleinstadt weitergeht und alle Figuren auf ihre Weise gezwungen werden, irgendwie mit der Situation und Folgekonflikten umzugehen. Und genau diese verschiedenen Reaktionen und Verhaltensweisen sind sehr spannend.

"Hazel sagt Nein" ist in meinen Augen ein sehr gelungenes Buch über ein ernstes und aktuelles Thema, ohne dieses zu sehr oder zu wenig in den Vordergrund rücken zu wollen. Eine authentische Geschichte einer ganzen Familie mit individuellen Familienmitgliedern und einer starken und authentischen Hauptfigur.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Leichte Winterlektüre mit flachem Spannungsbogen

Weihnachten mit Tony
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"Weihnachten mit Tony" begleitet Carrie auf ihrem Heimatbesuch nach langer Abwesenheit, der ganz anders verläuft als sie es sich vorgestellt hat. Carrie ist vor sieben Jahren nach Australien gezogen, oder ...

"Weihnachten mit Tony" begleitet Carrie auf ihrem Heimatbesuch nach langer Abwesenheit, der ganz anders verläuft als sie es sich vorgestellt hat. Carrie ist vor sieben Jahren nach Australien gezogen, oder besser geflohen - nach einer misslungenen Beziehung und Selbstfindungsschwierigkeiten.
Nun ist sie zurück und nicht nur ihr Ex taucht auf, er ist auch noch in den Bau eines Luxushotels verwickelt, das die Existenz der ehemals gemeinsam geliebten und gepflegten Rotnackenwallabys auf einer kleinen Insel gefährdet.

Themen wie Naturschutz und Aktivismus spielen in der Geschichte eine große Rolle und sind gut recherchiert und in die Handlung eingebaut. Das Ganze wird begleitet von einer "Second-Chance"-Romance, die allerdings ihre Längen und teilweise auch Unstimmigkeiten hat. Die Protagonistin wirkt oft etwas unreif und nicht fähig, ihre Emotionen einzuordnen und auszudrücken. Dafür ist der männliche Protagonist an ihrer Seite, Marc, ein umso tollerer Kerl, den man nur mögen kann.

Weihnachtsstimmung und das titelgebende Wallaby Tony tauchen im Buch nur sehr sparsam auf, weshalb ich das Buch nicht unbedingt zwingend in der Weihnachtszeit lesen würde. Hier werden die Erwartungen an eine weihnachtliche, cozy Romanze aus meiner Sicht etwas enttäuscht...

Trotzdem liest sich "Weihnachten mit Tony" enorm flüssig und fix. Die Handlung hat einen eher flachen Spannungsbogen, was aber einen gemütlichen und ruhigen Lesevibe erzeugen kann. Auch wenn mir die Hauptfigur nicht ans Herz gewachsen ist, sind aus meiner Sicht vor allem die männlichen Figuren sehr authentisch ausgearbeitet. Durch in den Kapiteln abwechselnde POVs werden mehrere Sichtweisen ersichtlich. Hierbei fallen vor allem auch die eingeschobenen Kapitel aus Sicht verschiedenster Tiere positiv auf.

Mein Fazit: "Weihnachten mit Tony" hat zwar weder viel Weihnachten noch Tony, aber mit den richtigen Erwartungen an ein cozy, schnell lesbares und nettes Second-Chance- Buch kann man mit der Lektüre trotzdem durchaus glücklich werden.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Wenn Familienkonflikte sich auf ein Kaiserreich auswirken...

Das Erbe der Karolinger
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"Das Erbe der Karolinger" begleitet das Leben des Sohns Karls des Großen, Ludwig, und dessen Familie und veranschaulicht, wie Familienkonflikte sich zu politischen Konflikten mit enormer Tragweite ausweiten ...

"Das Erbe der Karolinger" begleitet das Leben des Sohns Karls des Großen, Ludwig, und dessen Familie und veranschaulicht, wie Familienkonflikte sich zu politischen Konflikten mit enormer Tragweite ausweiten können...

Ludwigs Regierungsstil ist geprägt von seinem Glauben und dem Versuch, friedliche Lösungen für Probleme zu finden. Das passt allerdings nicht in das Bild von Lothar, dem ältesten Sohn, den Ludwig zum Mitkaiser gemacht hat. Der Hauptkonflikt kreist um Vater und Sohn und wird von verschiedensten Verwicklungen mit den anderen Geschwistern, und vor allem auch den Ehefrauen, erweitert. So kommt es zu Intrigen, Streit und Diskussionen, die schließlich auch den Zusammenhalt des Reiches gefährden.

Der historische Roman wirkt sehr ausführlich recherchiert, gewinnt dabei an Authentizität, hält aber trotzdem eine angenehme Balance mit fiktiven Elementen, die die Geschichte unterhaltsam und gut lesbar machen.

Durch die hohe Zahl an Figuren und den diversen Nebenhandlungen bleibt die Einsicht in die Figuren eher oberflächlich, man entwickelt jedoch durchaus Sympathien für einzelne Personen der Handlung und fiebert mit diesen mit.

Für mich persönlich war das Erzähltempo etwas langsamer und ich hätte mich auch mit ein paar Seiten weniger zufrieden gegeben. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch sehr gerne gelesen und kann es auch jedem Fan von historischen Romanen herzlich empfehlen!

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Veröffentlicht am 07.01.2025

Sachbuch mit Gefühl

Notiz an mich: Alles wird gut
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"Notiz an mich - Alles wird gut" ist ein Sachbuch, das sich wenig nach Sachbuch anfühlt. Heißt, es ist sprachlich sehr locker, verständlich und schön geschrieben und überfordert nicht mit Informationen. ...

"Notiz an mich - Alles wird gut" ist ein Sachbuch, das sich wenig nach Sachbuch anfühlt. Heißt, es ist sprachlich sehr locker, verständlich und schön geschrieben und überfordert nicht mit Informationen. Die Autorin lässt immer wieder eigene Erfahrungen und Meinungen mit einfließen und schafft dadurch eine ganz persönliche Nähe.
Sehr besonders - und auch besonders gut - sind die Übungen zur Selbstreflektion, die immer wieder zwischendrin und am Ende der Kapitel eingebunden sind. Spätestens hiermit kann die Grenze zwischen informellem Sachbuch und persönlichem Ratgeber überwunden werden.
Auch kleinere Übungen und Tips (wie beispielsweise Atem- oder Meditationstechniken), die immer wieder auftauchen, bereichern das Buch sehr und machen das Lesen kurzweilig.
Eine weitere Besonderheit ist die optisch sehr ansprechende Gestaltung und das Einbinden von kleinen Motiven und hübsch gestalteten Abbildungen.

Einziger Kritikpunkt ist die Organisation, beziehungsweise die Struktur der Kapitel. Die Kapitel zum Thema Überforderung wirken auf mich alle etwas ähnlich und ich hätte im Nachhinein Schwierigkeiten, bestimmte Informationen wiederzufinden. Ich finde deshalb auch, dass sich das Buch nicht dazu eignet, es von vorne bis hinten durchzulesen, sondern würde eher empfehlen, sich immer wieder ein Kapitel zu einem Thema auszusuchen, das einen im Moment interessiert.
Wenn man ein sehr persönlches Sachbuch sucht, in dem man sich immer wieder Zeit für sich nehmen und selbst reflektieren kann, ist dieses hier genau richtig. Gerade zum Jahresstart eignet sich "Notiz an mich - Alles wird gut" meiner Meinung nach auch toll als Geschenk.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Bete, dass SIE hungrig sind...

The Hollow Places
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Die Geschichte um Kara und ihre Reise in eine andere Welt, die sich im Kuriositätenmuseum ihres Onkels mit einem Loch in der Wand auftut ist fesselnd und stark beunruhigend.

Die Handlung nimmt uns mit ...

Die Geschichte um Kara und ihre Reise in eine andere Welt, die sich im Kuriositätenmuseum ihres Onkels mit einem Loch in der Wand auftut ist fesselnd und stark beunruhigend.

Die Handlung nimmt uns mit in eine neue, unheimliche Welt hinter der Wand. Doch alles was sich dort befindet, scheint "verdreht" und "verändert" zu sein. BETE, DASS SIE HUNGRIG SIND, steht an einer Bunkerwand geschrieben und vermittelt ein mehr als beunruhigendes Gefühl. Die gruselige Grundstimmung zieht sich durch das gesamte Buch, wird jedoch vom sehr humorvollen Stil der Autorin durch Karas Gedanken und ihre Dialoge mit ihrem Barista-Kumpel gut abgefangen. Die Figuren sind authentisch und sympathisch. "The Hollow Places" ist von einer Erzählung Algernon Blackwoods inspiriert, was den unheimlichen Charakter erklärt. Manche Beschreibungen der anderen Welt sind sehr abstrakt. Cover und Grundidee sind in jedem Fall sehr ansprechend und auch der Start ins Buch fällt leicht.

In punkto Spannung, Sogwirkung, Grusel und auch Humor hat "The Hollow Places" definitiv überzeugt. Trotzdem hat mir - obwohl ich das Buch wirklich kaum beiseite legen konnte - dieses letzte Fünkchen für eine volle Sternebewertung gefehlt. Für meinen Geschmack bleiben am Ende zu viele Fragen etwas zu offen und hinterlassen ein leicht unbefriedigendes Gefühl.

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