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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2019

Zeitreise nach Hollywood

Der blutrote Teppich
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Christof Weigold zeigt auch in seinem zweiten Band über Hardy Engel wieder seine Stärke:

Vor dem Hintergrund des gerade erblühenden Hollywoods lässt er den Exildeutschen Hardy in der Highsociety der Filmbranche ...

Christof Weigold zeigt auch in seinem zweiten Band über Hardy Engel wieder seine Stärke:

Vor dem Hintergrund des gerade erblühenden Hollywoods lässt er den Exildeutschen Hardy in der Highsociety der Filmbranche den rätselhaften Tod des bekannten Regisseurs William Desmond untersuchen.

Ich liebe es, wie er es schafft, so viele historisch belegte Details mit seiner fiktiven Lösung dieses nie aufgeklärten Mordfalles zu verknüpfen. Allgemein spürt man auf jeder Seite die intensive Recherchearbeit, die hinter diesem Werk steckt. Mir gefällt die Detailverliebtheit, fühlt man sich do so fast selbst in diese Roaring Twenties zurückversetzt. Ich würde dieses Buch deshalb nicht als reinen Kriminalroman bezeichnen, sondern eher als ein akkurat gezeichnetes Gesellschaftsabbild mit kriminalistischen Einschüben.

Fazit:
Wer schon immer einmal das geheime Leben der Stummfilmstars und den langen Arm der mächtigsten Studiobosse entdecken wollte, ist hier goldrichtig. Es lohnt sich schon allein, einen Kaffee mit Charlie Chaplin trinken zu können.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Was in jenem Sommer geschah

Das Leuchten jenes Sommers
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Der Sommer 1939 wird das Leben der beiden Schwestern Maddy und Georgiana für immer verändern. Wie sehr, das findet die junge Chloe 70 Jahre später heraus, als sie per Zufall das alte Familienanwesen Summerhill ...

Der Sommer 1939 wird das Leben der beiden Schwestern Maddy und Georgiana für immer verändern. Wie sehr, das findet die junge Chloe 70 Jahre später heraus, als sie per Zufall das alte Familienanwesen Summerhill entdeckt.

Dieser Roman erzählt auf wirklich sehr einfühlsame Weise von diesen drei jungen Frauen, die auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück sind. Von Anfang an bin ich in den Bann des sommerlichen Cornwalls gezogen worden. Dabei steht diese Leichtigkeit der Natur in krassem Kontrast einerseits zum drohenden Krieg und andererseits zu den widrigen Umständen, mit denen sowohl die beiden Schwestern als auch Chloe zu kämpfen haben.

"Das Leuchten jenes Sommers" ist zwar ein Familiendrama mit spannenden Krimielementen, in erster Linie zeigt es aber, dass Liebe nicht immer die Erfüllung bringt, die man sich vielleicht davon erhofft. Es zeichnet das Bild von drei starken Frauen, die sich ihren Weg erkämpfen, ohne dass die Geschichte dabei in KItsch und schwülstige Phrasen abgleitet.

Fazit:
Es fällt mir schwer, dieses Buch in eine Kategorie einzuordnen. Alles was ich dazu sagen kann, ist, dass es unbedingt lesenswert ist!

Veröffentlicht am 31.05.2019

Handwerklich verbesserungswürdig

Was uns erinnern lässt
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Wie sehr habe ich diesem Buch entgegen gefiebert, behandelt es doch mit der DDR für mich literarisches Neuland und spielt zudem auch noch in meiner Heimat.

Beleuchtet wird die Geschichte der Familie Dressel ...

Wie sehr habe ich diesem Buch entgegen gefiebert, behandelt es doch mit der DDR für mich literarisches Neuland und spielt zudem auch noch in meiner Heimat.

Beleuchtet wird die Geschichte der Familie Dressel und ihres Hotels Waldeshöh am Rennsteig, die dank eines Ereignisses in ein Davor und Danach gespalten ist:
Ab Ende des Zweiten Weltkrieges begleiten wir die ersten beiden Generationen der Dressels, die um den Erhalt ihres Hotels kämpfen.
Gleichzeitig in der Gegenwart ist die junge Mutter Milla auf der Suche nach "Lost Places" im Thüringer Wald unterwegs und entdeckt die Überreste des Hotels. Um mehr darüber zu erfahren, sucht sie den Kontakt zu den letzten Familienmitgliedern der Dressels.

Die Geschichte an sich finde ich schön umgesetzt, abwechselnd erfährt bekommt man Informationshäppchen aus beiden Epochen zugeworfen und kann so das Schicksal dieses stellvertretend für die ganze DDR-Bevölkerung stehenden Hauses verfolgen. Allerdings gefällt mir der in der Vergangenheit verlaufende Erzählstrang wesentlich besser.

Das liegt zum großen Teil an der auf mich vollkommen unsympathisch wirkenden Milla. Nicht nur, dass ich mich frage, wie es diese Frau ohne Durvchsetzungsvermögen geschafft hat, ihren Sohn alleine großzuziehen. Ich finde es auch vollkommen unmöglich, wie sie sich, nur auf der Suche nach einer guten Story für ihren Instagram-Account, in das Leben einer fremden Familie drängt und das, obwohl sie ganz klar merkt, dass das gar nicht erwünscht ist. Zudem wirken die Dialoge seltsam hölzern und der ganze Plot etwas zu konstruiert, was dazu führt, dass das ganze Buch seltsam distanziert bleibt. Ich vermisse das Einfühlungsvermögen, dass es braucht, um solch ein Familienschicksal glaubhaft zu erzählen.

Fazit:
Ich wollte dieses Buch so sehr mögen und habe ihm immer wieder eine Chance gegeben, aber sowohl die unmögliche Protagonistin als auch der Erzählstil haben das immer wieder versaut.

Veröffentlicht am 24.05.2019

Sehr menschliche Fantasy

Das gefälschte Siegel
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Wie kann man einem Dämonenfürsten besser bannen als in einer Schriftrolle, das "Gefängnis" gesichert durch ein magisches Siegel?
Was macht man dann aber, wenn man nach tausend Jahren feststellt, dass eben ...

Wie kann man einem Dämonenfürsten besser bannen als in einer Schriftrolle, das "Gefängnis" gesichert durch ein magisches Siegel?
Was macht man dann aber, wenn man nach tausend Jahren feststellt, dass eben dieses Siegel, das die gesamte Menschheit des Königreiches vor dem sicheren Untergang bewahrt, gebrochen ist? Man schickt vier (zumeist) junge, unerfahrene, gefühlt wilkürlich ausgewählte Menschen auf eine lebensgefährliche Reise auf die Suche nach der Zauberin, die das Siegel damals erschaffen hat (in der Hoffnung, dass sie noch lebt). Um was genau zu tun? Nachzusehen, ob der Dämon noch gefangen ist oder um das Siegel zu erneuern?

Am Anfang klang diese Geschichte für mich ziemlich verwirrend, der Plot nicht unbedingt schlüssig und vor allem die Figuren schienen mir nur wenig Sympathie erweckend. Und doch haben die ersten Seiten den Fantasy-Fan in mir so sehr angesprochen, dass ich das Buch einfach nicht zur Seite legen konnte.

Denn immerhin bringt die Geschichte zum einen mit Dämonen, Magierinnen und Steinernen Wächtern, sowie mysteriösen, fremden Völkern genug Fantasy-Elemente mit, um mich in ihren Bann zu ziehen und mich in eine fremde Welt zu versetzen. Außerdem finde ich die Charakterentwicklung der vier Hauptfiguren wirklich gelungen. Besonders Kevron, den versoffenen und die ganze Welt fürchtenden Fälscher habe ich schnell in mein Herz geschlossen, nicht zuletzt dank seiner Fehler, mit denen er doch sehr offen zu leben lernt.
Geholfen hat dabei mit Sicherheit auch, dass die Geschichte aus Sicht von drei der vier Gefährten erzählt wird, wodurch man umso besseren Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt erhält.

Obwohl mir alsdo die Plot-Twists nicht immer zu hundert Prozent schlüssig waren und die Spannung ein oder zwei minimale Hänger aufwies, bin ich doch (vor allem dank des üblen Cliffhangers zum Schluss) so angefixt, dass ich die Fortsetzung der Reihe kaum erwarten kann!

Veröffentlicht am 24.05.2019

Belletristisches Sachbuch

An den Ufern der Seine
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Wenn man diesen 450-Wälzer in der Hand hält, glaubt man kaum, dass er "nur" 10 Jahre im Leben der Pariser Künstlerszene behandelt. Allerdings muss man dabei auch neidlos anerkennen, dass Paris schon immer ...

Wenn man diesen 450-Wälzer in der Hand hält, glaubt man kaum, dass er "nur" 10 Jahre im Leben der Pariser Künstlerszene behandelt. Allerdings muss man dabei auch neidlos anerkennen, dass Paris schon immer eine Sammelstelle für die ganz großen Namen ist und war. Camus, Sartre, de Beauvoir und Picasso sind wohl jedem ein Begriff, egal ob man sich nun für Philosophie oder Malerei interessiert oder nicht.

Dem Buch merkt man die Unmenge an Recherchearbeit sofort an. Von der Fülle an Informationen und Annekdoten wird man förmlich erschlagen. Genau hier liegt für mich auch der Knackpunkt des Buches: Poirier will einfach zu viel. Zu viele namhafte Personen erwähnen und beleuchten, zu viele Infos liefern. Man verliert schnell den Über- bzw Durchblick; für mich wurde das Lesevergnügen teilweise zu einer sehr anstrengenden Sache. Gerettet haben es dann doch die unterhaltsamen "Einblicke durchs Schlüsselloch". Zudem liefert das Buch erfolgreich Hilfestellungen in Form von Personenverzeichnis, Chronologie und einer Karte der wichtigsten Künstler-Hot Spots.

So viel kann gesagt werden: Agnes Poirier ist es zumindest gelungen, eine gute Mischung aus Unterhaltung und Informationsfluss zu schaffen, perfekt aufbereitet für jeden frankophilen Hobbyliteraten.