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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2022

Humorvolles Katz-und-Maus-Spiel durch Südfrankreich

Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire (Die Unverbesserlichen 1)
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In "Die Unverbesserlichen" von Volker Klüpfel und Michael Kobr schickt das Autoren-Duo einen diesmal nicht ins Allgäu, sondern nach Frankreich an die Côte d’Azur. Protagonist und Gelegenheitsgauner Guillaume ...

In "Die Unverbesserlichen" von Volker Klüpfel und Michael Kobr schickt das Autoren-Duo einen diesmal nicht ins Allgäu, sondern nach Frankreich an die Côte d’Azur. Protagonist und Gelegenheitsgauner Guillaume Lipaire, von Beruf Hausmeister, vermietet illegal die Ferienhäuser seiner Kunden ohne deren Wissen. Als er jedoch eines Tages eine Männerleiche findet, ist dies der Auftakt zu einem irrwitzigen Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihm und seinen mehr oder weniger kriminellen Freunden sowie einer alten eingesessenen Adelsfamilie. Denn der tote Mann hatte anscheinend von einem Geheimnis gewusst, das Lipaire und Co. zu Reichtum verhelfen könnte.

Wer das Autoren-Duo kennt, kann davon ausgehen, dass es sich bei "Die Unverbesserlichen" um eine unterhaltsame und spannende Geschichte mit südfranzösischen Urlaubsflair handelt. Kurzweilig geschrieben und angenehm zu lesen, folgt man gebannt wie Lipaire versucht erst die Leiche gemeinsam mit seinen Ziehsohn Karim verschwinden zu lassen und dann, wie er sich mit weiteren Freunden und Bekannten auf die Suche nach dem Geheimnis rund um den toten Mann machen. Ihre Suche ist dabei von glücklichen Zufällen, aber auch Pleiten, Pech und Pannen gekennzeichnet sowie einer Adelsfamilie, die ihnen dicht auf den Fersen ist. Kurze Kapitel und geschrieben, teils aus verschiedenen Perspektiven, folgt man einem turbulenten Wettrennen und ehe man sich versieht, ist das Buch auch schon zu Ende.
Die Charakterzeichnung ist gut gelungen, auch wenn manchmal vielleicht etwas zu überzeichnet oder klischeehaft, aber da man nicht lang an den einzelnen Handlungspunkten verweilt, stört es nicht weiter. Besonders die Gruppe rund um Lipaire und Co. ist auf ihre eigene Art und Weise liebenswert und man freut sich schon auf weitere Abenteuer.
Auch wenn nicht jeder Witz zündet, sorgt die Geschichte eine heitere Lesezeit und ist somit perfekt für Liebhaber leichter Gaunerkomödien, die sich selbst nicht so ernst nehmen sowie Fans des Autoren-Duos.

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Veröffentlicht am 10.11.2022

Außergewöhnliches Setting, aber schwache Handlung

The Dark
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Dr. Kate North kann den Erinnerungen an ihre Vergangenheit nicht entkommen. Überall, wo sie hinkommt, wird sie ständig daran erinnert, was sie hatte und was sie verloren hat. Um ihrer Vergangenheit zu ...

Dr. Kate North kann den Erinnerungen an ihre Vergangenheit nicht entkommen. Überall, wo sie hinkommt, wird sie ständig daran erinnert, was sie hatte und was sie verloren hat. Um ihrer Vergangenheit zu entkommen, hat sie sich als Ärztin auf der UN-Forschungsstation in der Antarktis beworben. Als sie genommen wird, übernimmt sie die Stelle des vorherigen Arztes, der auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Die Bedingungen auf der Station sind trostlos, es herrscht 24 Stunden am Tag totale Dunkelheit und die Temperaturen sind tödlich, sodass es von größter Wichtigkeit ist, dass das Team auf der Station körperlich und seelisch vorbereitet ist. Kate stellt ihre eigene Eignung immer wieder infrage, weil sie zu viele verschreibungspflichtige Medikamente nimmt und seit langer Zeit Angst vor der Dunkelheit hat. Bei ihrer Ankunft wird Kate klar, dass es einige unbeantwortete Fragen zum plötzlichen Tod ihres Vorgängers gibt. Während Kate tiefer in die Geschehnisse um Jean-Luc eindringt, beginnt sie an ihren Kollegen zu zweifeln. Wem kann sie vertrauen? Wer hat Geheimnisse vor ihr? Und was ist wirklich mit Jean-Luc.... passiert?

Die Vorstellung eines Mörders auf einer antarktischen Basis ist ein ziemlich erschreckender Gedanke. Der Autorin gelingt es, den Schrecken der Leere, der Dunkelheit und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das die Figuren empfinden, einzufangen. Die eiskalte und klaustrophobische Atmosphäre innen- und außerhalb der Forschungsstation sind deswegen auch der eigentliche Star des Thrillers. Der Schreibstil ist sehr bildlich und man spürt förmlich die Kälte, wenn sie draußen in der Antarktis unterwegs sind.

Was mich trotz vielversprechender Prämisse nicht so richtig überzeugen konnte, waren die Handlung und die Protagonistin Kate. Die Hauptfigur empfand ich an manchen Stellen als nervig und ich wurde nie so richtig warm mit ihr. Auch ihre Entscheidungen und detektivischen Fähigkeiten lassen zu wünschen übrig. Der hohe Medikamentenkonsum von Kate tat sein Übriges.
Zwar ist der Schreibstil atmosphärisch und angenehm zu lesen, aber so richtig Spannung kam erst nach mehr als der Hälfte des Buches auf.
Auch fand ich das Ende ein bisschen enttäuschend. Es ging Vergleich zum restlichen Buch sehr schnell, es gab zu viele unplausible Ereignisse und es wurden einfach absolut dumme Entscheidungen meiner Meinung nach getroffen. Das Motiv, als es aufgedeckt wurde, wirkte fadenscheinig. Es war einfach zu viel los, sowohl bei den Nebenhandlungen als auch bei den Charakteren. Da habe ich mir mehr erwartet.

Insgesamt ist „The Dark“ von Emma Haughton ein kurzweiliger Thriller, der durch sein außergewöhnliches Setting und seiner düsteren Stimmung besticht, jedoch mit Schwächen in der Handlung und einer wenig sympathischen Protagonistin.

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Veröffentlicht am 05.11.2022

Mysteriöser und fesselnder Roman über die Kraft der Bücher und der Liebe

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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Anhand von drei Handlungssträngen (1933, 1944 und 1971), wird in "Die Bücher, der Junge und die Nacht" nach und nach das Geheimnis um ein rätselhaftes Buch, einen Bücherdieb und einen Jungen ohne Erinnerung ...

Anhand von drei Handlungssträngen (1933, 1944 und 1971), wird in "Die Bücher, der Junge und die Nacht" nach und nach das Geheimnis um ein rätselhaftes Buch, einen Bücherdieb und einen Jungen ohne Erinnerung vor der Kulisse der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der Stadt Leipzig gelöst.
Die Geschichte beginnt 1943 mit einem Jungen, der infolge der Bombardierung von Leipzig von einem mysteriösen Mann namens Mercurio aus einem Herrschaftshaus gerettet wird, in welchem der Jungen bis dahin gefangen gehalten wurde. Anhand des zweiten Handlungsstranges folgt man dem Buchbinder Jakob Steinfeld durch Leipzig, als dieser 1933 von Juli Pallandt, Tochter einer wohlhabenden Verlegerfamilie, den Auftrag bekommt, ein Buch zu binden. Er verliebt sich in sie, doch bald ist Juli verschwunden. 40 Jahre später kommt Robert Steinfeld, Sohn von Jakob Steinfeld, gemeinsam mit Marie auf die Spur des geheimnisvollen Buches, das eng mit seinem eigenen Schicksal verbunden ist.

Anfangs brauchte ich etwas Zeit, um in die Geschichte hereinzukommen, doch mit jedem weiteren Kapitel, mit dem man weiter ins Geheimnis rund um Jakob und Robert Steinfeld sowie um Juli Pallandt eintaucht, konnte mich das Buch immer mehr in seinen Bann ziehen. Besonders wenn die verschiedenen Handlungsstränge langsam zueinanderfinden, kann man nur schwer das Buch aus der Hand legen.

Gut gefallen haben mir vor allem die mysteriöse und spannende Handlung, die stimmungsvolle Beschreibung der Handlungsorte sowie die vielschichtige und glaubwürdige Charakterzeichnung. Besonders Jakob, Grigori, Robert und Marie sind mir ans Herz gewachsen.

Auch wenn sprachlich manchmal etwas zu viel gewollt, gelingt es der Autor mit seinem atmosphärischen und bildgewaltigen Schreibstil ein authentisches und zugleich mysteriöses Bild der verschiedenen Handlungsorte und handelnden Personen zu schaffen sowie den jeweiligen Zeitgeist einzufangen. Gekonnt hält er die Waage zwischen leichteren und düsteren Szenen und zeigt hierbei, dass er sowohl dramatische als auch emotionale Szenen spannend und berührend darstellen kann.

Die Bücher, der Junge und die Nacht von Kai Meyer ist ein fesselndes und toll geschriebenes historisches Buch über Bücher und welche Kraft und Faszination in ihnen wohnt bzw. welche sie auf einen ausüben können. Des Weiteren ist es ein bewegendes Buch über ein Stück Leipziger Stadtgeschichte, dem Zweiten Weltkrieg und die Zeit bis in die 70er-Jahre sowie auch ein Teil Abenteuerroman.
Nicht nur für Bücherliebhaber empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 04.11.2022

Eine Silvesterparty, die zu wünschen übrig lässt

Happy New Year – Zwei Familien, ein Albtraum
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2.5/5

"Happy New Year" von Malin Stehn beginnt mit einer Silvesterparty, zu der Fredrik und Nina von ihren Freunden Lollo und Max eingeladen werden. Etwas widerwillig überlassen sie ihrer Teenager-Tochter ...

2.5/5

"Happy New Year" von Malin Stehn beginnt mit einer Silvesterparty, zu der Fredrik und Nina von ihren Freunden Lollo und Max eingeladen werden. Etwas widerwillig überlassen sie ihrer Teenager-Tochter Smilla die Ausrichtung ihrer ersten "Erwachsenen"-Party, unterstützt von Lollos und Max' Tochter Jennifer, doch dann verschwindet Jennifer. Die Ereignisse, die sich im Laufe des Abends sich ereigneten, haben katastrophale Folgen für alle Beteiligten, und das Leben ist für keinen von ihnen nach dem Verschwinden von Jennifer mehr dasselbe, denn alle haben etwas zu verbergen.

Aus der Ich-Perspektive verschiedener handelnder Charaktere in kurzen Kapiteln erzählt, beginnt die Geschichte stark. Doch schon bald hat mich für die Spannung beim Lesen deutlich nachgelassen, erst gegen Ende nahm die Geschichte wieder an Fahrt auf. Die Auflösung, was hinter Jennifers Verschwinden steckte, wurde mir dann aber zu schnell und zu wenig glaubwürdig abgehandelt.
Ursache der fehlenden Spannung war, dass einerseits aufgrund der häufigen Perspektivenwechsel manche Handlungsstränge quasi doppelt erzählt werden und dass andererseits zwar durch die Ich-Perspektive eine emotionale Nähe zu den jeweiligen Charakteren hergestellt wurde, dies jedoch teils zu einer oberflächlichen und klischeehaften Charakterdarstellung führte. Hinzu kam, dass keine der Charaktere wirklich sympathische Charaktereigenschaften hatte, sodass es mir schwerfiel, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Dementsprechend verlor ich schnell das Interesse daran, wer schuldig war oder nicht oder was ihre Geheimnisse waren. Nach Lesen des Klappentextes habe ich mir deutlich mehr Spannung und überraschende Wendungen erhofft. So bleibe ich leider enttäuscht zurück.

Insgesamt ist "Happy New Year" eine kurzweilige Lektüre, die genug Wendungen hat, um einen zum Weiterlesen zu bewegen, die mich jedoch bezüglich der Handlung und des Spannungsbogens nicht wirklich überzeugen konnte. Bedingt durch die häufigen Perspektivenwechsel fehlte es vor allem im Mittelteil an Spannung. Ebenso war mir die Charakterzeichnung und die Handlung teils zu oberflächlich und klischeehaft. Für mich ist der Thriller eher eine Enttäuschung.

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Veröffentlicht am 03.11.2022

Fesselnd wie ein James-Bond-Film

Agent Sonja
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Ben Macintyre schildert in "Agent Sonja" die Geschichte von Ursula/Sonja, einer jüdischen deutschen Sozialistin, die von 1930 bis in die 1950er Jahre in Schanghai, Polen, der Schweiz und Großbritannien ...

Ben Macintyre schildert in "Agent Sonja" die Geschichte von Ursula/Sonja, einer jüdischen deutschen Sozialistin, die von 1930 bis in die 1950er Jahre in Schanghai, Polen, der Schweiz und Großbritannien für den sowjetischen Geheimdienst als Spionin tätig war. Die unscheinbar wirkende Mutter und Ehefrau war in Wirklichkeit unter dem Codenamen Sonya bekannt und entzog sich der Gefangennahme durch China, den Nazis, dem MI6 und dem FBI. Sie reiste durch mehrere Länder, mehrere Ehemänner und mehrere Loyalitäten in ihrem Bestreben, den Kommunismus zu fördern und Hitler zu besiegen, als dieser an die Macht kam. In ihrer Tätigkeit als Spionin sendete und empfing sie geheime Funksignale, verwaltete ein Netz von Agenten in ganz Europa, gab geheime Informationen über die Atombombe an die Sowjets weiter und wurde später zur einer äußerst beliebten Kinderbuchautorin in Ostdeutschland.

Obwohl es ein Sachbuch ist, hat man bei der Lektüre eher das Gefühl, dass man einen spannenden Spionageroman als eine wahre Geschichte liest. Das Buch besteht aus lebendig erzählten Abschnitte aus Ursulas Leben, ihrer Tätigkeit als Spionin und interessanten Einblicken hinter die Kulissen des 2. Weltkrieges und des Kalten Krieges. Der Autor schafft es mittels Tagebucheinträgen, Aufzeichnungen und Briefen ein umfassendes und ehrliches Bild von Ursula zu zeichnen. Ebenso ist das Buch eine Sammlung interessanter Enthüllungen über geheime Operationen und die Funktionsweise des sowjetischen Spionagenetzes während des Kalten Krieges. Es erforscht das Aufeinanderprallen von Ideologien, die Herausforderungen, die eine Frau bei der Spionagearbeit zu bewältigen hat, und die allgemeine, oft brutale Aufopferung für die Sache. Trotz mancher langatmiger Textstellen verliert man beim Lesen nicht das Interesse, was auch daran liegt, dass der Autor ab und an auch humorvolle Details in den Text einarbeitet, um so die Absurdität der Situation zu verdeutlichen, vor allem dann, wenn die Leute so schlecht in ihrem Job sind, dass jeder annimmt, sie würden für den Feind arbeiten.

"Agent Sonja" ist eine interessante und fesselnd erzählte wahre Geschichte über eine weibliche Spionin in einer von Männern dominierten Welt. Das Sachbuch zeugt von einer guten Recherchearbeit und liest sich teilweise wie ein James-Bond-Film, sodass auch Fans von Spionageromanen großen Gefallen an dem Buch finden werden.

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