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Veröffentlicht am 30.01.2022

When I'm sixty-four

Der Mann, der zweimal starb (Die Mordclub-Serie 2)
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Mit der „Donnerstagsmordclub“ – Reihe rund um Hobby – Detektive im Seniorenalter (70 plus) schreibt Richard Osman gegen den `Jugendwahn‘ (man denke etwa an das Young – Adult – Genre, das sich bestens verkauft) ...

Mit der „Donnerstagsmordclub“ – Reihe rund um Hobby – Detektive im Seniorenalter (70 plus) schreibt Richard Osman gegen den `Jugendwahn‘ (man denke etwa an das Young – Adult – Genre, das sich bestens verkauft) und gegen die Altersdiskriminierung in der Film – und Unterhaltungsliteraturbranche an. Eigentlich ist die Serie auch ein Plädoyer für ein Miteinander der Generationen, denn auch in einem „alten“ Körper steckt ein wacher Geist.
„Der Mann, der zweimal starb“ ist der zweite Band der Erfolgsreihe.
Worum geht’s?
Schauplatz Großbritannien:
Das Ermittlerquartett ist wieder gefragt! Ron, Joyce, Ibrahim und nicht zuletzt die Ex-Agentin Elizabeth müssen einen heiklen Fall aufklären. Oft werden die Protagonisten, die im englischen Seniorenheim“ Coopers Chase“ leben, unterschätzt. Doch Elizabeth‘ alter Freund Marcus Carmichael, auch ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, gehört nicht zu der Sorte Mensch ( Der Ex von Elizabeth, Douglas, hat ein großes Problem). Die Mafia ist ihm auf den Fersen, da er Diamanten im Wert von zwanzig Millionen Pfund „einkassiert“ hat. Also bittet er die rüstigen Rentner um Hilfe. Natürlich mischen auch DCI Chris Hudson und Donna De Freitas wieder kräftig mit – die britische Polizei und der ominöse Bogdan sind also mit von der Partie!
Geschickt verbindet der Autor eine spannende story mit leiser Gesellschaftskritik, Themen wie der Tod oder auch körperlicher Verfall sind ebenso Teil der Geschichte wie die Einsamkeit im Alter. Mal augenzwinkernd, mal sarkastisch ist der Ton, herrlich britisch der Humor. Als Leser/in rätselt man gerne mit, die Geschichte macht einfach Spaß! Beim Lesen musste ich oft schmunzeln, wenn die leicht bessserwisserische Art eines Protagonisten trocken mit „Es ist mir ein Rätsel, warum Du nie geheiratet hast“ kommentiert wird, amüsiere ich mich köstlich. Die Figuren haben Ecken und Kanten, eine rasante Rahmenhandlung lässt keine Langeweile aufkommen. Es wird nie albern, trotz ernster Themen wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt. So muss ein guter Detektiv-Krimi sein! „Der Mann, der zweimal starb“ kann auf ganzer Linie überzeugen.

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Veröffentlicht am 23.01.2022

Lawinengefahr

Das Chalet
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Das „Mädchen für alles“ Erin und der Koch Danny jobben in den französischen Alpen als Angestellte im Tourismussektor. Ein bewirtschaftetes Luxus – Chalet in Perce – Neige ist ihr Arbeitsplatz.
Als sich ...

Das „Mädchen für alles“ Erin und der Koch Danny jobben in den französischen Alpen als Angestellte im Tourismussektor. Ein bewirtschaftetes Luxus – Chalet in Perce – Neige ist ihr Arbeitsplatz.
Als sich eine Gruppe von Tech – Hipstern ankündigt, verhalten sich die beiden professionell, obwohl die Mitarbeiter des Start – Ups nicht unkompliziert sind. Die meisten der acht Gäste sind privilegierte Upper – Class – Sprösslinge. Natürlich lernten sich der Gründer der Streaming App „Snoop“ (eine Art Spotify-Verschnitt mit Echtzeitbonus) und sein engster Mitarbeiter in einem englischen Internat kennen. Auch Erin und Danny stammen aus Großbritannien, der Gourmetkoch hat gar eine Sozialbau-Vergangenheit (Franzosen kommen nur am Rande vor, das fand ich ein wenig seltsam). Es gibt den Computernerd, die Diva mit asiatischen Wurzeln, ein Ex-Model, eine Yoga – Anhängerin. Einzig die Ex-Angestellte Liz fällt bei diesem Betriebsausflug aus dem Rahmen – sie hat nicht den richtigen „Stallgeruch“, ist verhuscht und scheinbar sozial inkompetent. Das große Geld und eine drohende Übernahme machen das trügerische Firmenidyll bald zunichte. Bei einem Lawinenunglück verschwindet ein Gast aus der Truppe und bald gibt es einen Toten im „Chalet“. Doch es soll nicht bei einer Leiche bleiben…
Ruth Wares Geschichte ist durchweg spannend und unterhaltsam, es gibt alternierende Erzählperspektiven, der Stil der Autorin ist nicht übel. Der Einsatz von social media Komponenten ist gelungen, er passt gut zum plot, wobei die Followerzahl eigentlich fast schon wieder „out“ ist. Die frostige Atmosphäre gefiel mir gut, da ich den Krimi im Winter gelesen habe, auch der kammerspielartige Erzählrahmen hat sich im Genre bewährt. Nicht glücklich war ich jedoch mit der Charakterisierung der Personen. Die Figurenzeichnung ist schablonenhaft und stereotyp. Scheinbar skrupellose Rich Kids treffen auf ein schlaues, unterschätztes Mitglied (das, wie könnte es anders sein, eine traumatische Kindheit hatte) der Arbeiterklasse. Der erste Teil der Geschichte gefiel mir definitiv besser als der zweite Teil. Auch unter der Oberfläche brodelnde Konflikte sind nichts Neues.
Obwohl die story durchaus spannend ist, ist sie auch recht vorhersehbar. Ziemlich schnell ist klar, wer der Mörder ist (war das so intendiert?). Zum Psychogramm taugt der Krimi (Thrillerfeeling kommt nicht auf) leider auch nicht, zu fade sind die plot twists. Für meinen Geschmack gibt es zu viele „praktische“ Zufälle im Handlungsverlauf. Ein vergessener Schlüssel, ein Mensch mit einem untrüglichen Instinkt, etc. Die (küchen)psychologischen Erklärungsansätze sind zu flach und nach der eigentlichen Auflösung gibt es unnötiges Blabla, da die Nebenhandlungen zu dominieren scheinen. „Das Chalet“ ist okay für Zwischendurch, aber es mangelt dem Kriminalroman einfach an Raffinesse.

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Veröffentlicht am 18.01.2022

It Ain't Over 'til It's Over

Where the Roots Grow Stronger (Shetland-Love-Reihe 1)
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Eckdaten:

ISBN 9783844927818

Gesprochen von Karoline Mask & Arne Stephan. Erschienen im Verlag Hörbuch Hamburg, das ungekürzte Audiobook hat eine Länge von 12 h & 13 Minuten und es ist nicht als CD erhältlich.

Schauplatz ...

Eckdaten:

ISBN 9783844927818

Gesprochen von Karoline Mask & Arne Stephan. Erschienen im Verlag Hörbuch Hamburg, das ungekürzte Audiobook hat eine Länge von 12 h & 13 Minuten und es ist nicht als CD erhältlich.

Schauplatz Bristol (England):

Die sensible Kunststudentin Fiona Linklater hat endlich ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche. Das dreijährige Studium ist beendet, vorbei ist auch die Zeit der Zweck-WG. Als introvertierte Person konnte Fiona nicht wirklich eine Beziehung zu ihrer Mitbewohnerin aufbauen, doch gemeinsame Weihnachtsfeiern wurden zum festen Ritual. Glücklicherweise gibt es Menschen, die Fiona akzeptieren, wie sie ist. Die extrovertierte Irina zählt zu Fionas besten Freundinnen.

Als Fiona vom Tod ihres Vaters erfährt, muss sie zurück nach Hause, zurück nach Lerwick. Zwar liebt sie die rauhe Landschaft der Shetlands, doch sie fürchtet sich vor dem Wiedersehen mit ihren Schwestern, da sie einigermaßen überstürzt nach England geflohen war und den Kontakt zu allen Menschen aus ihrer Vergangenheit – auch zu ihrem Freund Connal – abbrach. Doch Fiona hat ihre Gründe – nach dem frühen Tod der Mutter und der Abwesenheit des Vaters war ein weiterer Schicksalsschlag für die junge Frau schwer zu verkraften.

Können Fionas Schwestern Effie & Nessa ihr verzeihen? Wie wird Connal auf ihre Rückkehr reagieren?

„Where the roots grow stronger” ist der Auftaktband der dreiteiligen Shetland Love – Reihe. Jeder Band stellt eine Linklater – Schwester in den Mittelpunkt.

Kathinka Engels Stil gefällt mir sehr, durch den Einsatz von Lyrik durchbricht sie das klassische (sehr langweilige) „Er sagt – sie sagt“ – Schema des New Adult Genres. Ein gelungenes Experiment! Die Geschichte wird abwechselnd aus Fionas und Connals Perspektive geschildert. Connals Gedichte sind ebenso aufschlussreich wie Fionas Gedanken. Die Figurenzeichnung kann überzeugen, Fionas Handlungen sind nachvollziehbar. Ich mochte auch die Nebenfiguren, wie die Ersatzmutter der Linklater – Schwestern oder die loyale Irina. Gerne würde ich ein Irina – Spin – Off lesen. Inhaltlich geht es um eine Liebesgeschichte, wie so oft im New Adult – Genre. Darüber hinaus geht es jedoch auch um das Frausein an sich und um die Definition von Familie. Diese Aspekte gefielen mir gut, stellenweise war mir der feministische Ansatz aber ein wenig zu plakativ umgesetzt. Genderkritische Aussagen von Alteingesessenen werden von den Protagonistinnen mit einem Augenrollen quittiert, Frauen (wie Connals Mutter) haben solidarisch zu sein. Die feministische Dimension von Fionas Kunst ist jedoch passend & angemessen gestaltet. Im zweiten Teil der Reihe findet Engel erfreulicherweise das richtige Maß, ich mag’s subtiler. Die Handlung ist trotz melancholischer Untertöne nie deprimierend & stets spannend, es gibt keine Wiederholungen. Die Liebesszenen sind nicht unbedingt mein Fall, im Gegensatz zu vielen anderen Autoren & Autorinnen vermittelt Kathinka Engel aber gerade jungen Leserinnen ein realistisches Bild von Sexualität und sie betont die Wichtigkeit von Safer Sex. Daumen hoch!

Es gibt in der Geschichte tolle Momente für’s Herz, wenn die Protagonisten im Karaoke – Pub „Can’t help falling in Love“ schmettern und dabei bittere Tränen vergießen, wird es mir persönlich aber zu kitschig. Insgesamt ist der plot trotz Herzeleid dennoch mitreißend und facettenreich. Kathinka Engel präsentiert keine zuckersüße „Stars – Hollow “- Adaption. Sie zeigt die Vor – und Nachteile einer kleinen Gemeinde auf. Wie kann man seinen Platz in einer Gemeinschaft finden, wenn man (vermeintlich) von der Norm abweicht? Unterhaltung mit Tiefgang, es gibt kein unnötiges Drama.

Auch wenn man als Leser/in bereits zu Beginn der Lektüre mit einem happy ending rechnet, gelingt es der Autorin doch, überraschende Momente zu präsentieren. Die story ist perfekt gegliedert.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt! „Where the roots grow stronger” ist ein New – Adult – Roman, der mit sympathischen Figuren und traumhaften Naturbeschreibungen punkten kann. Auch wenn mir der zweite Band („Where the waves rise higher“) einen Tick besser gefiel, spreche ich trotz aller Kritikpunkte eine Leseempfehlung aus. Ein schönes (ungekürztes!) Hörbuch, die Sprecher machen ihre Sache gut!

4,5 /5

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Veröffentlicht am 18.01.2022

# Bossa

Where the Waves Rise Higher
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Nach dem frühen Tod der Mutter und der Abwesenheit des Vaters musste Nessa Linklater schon früh die Verantwortung für ihre beiden jüngeren Schwestern übernehmen. Außerdem leitet sie eine Mikrodestillerie ...

Nach dem frühen Tod der Mutter und der Abwesenheit des Vaters musste Nessa Linklater schon früh die Verantwortung für ihre beiden jüngeren Schwestern übernehmen. Außerdem leitet sie eine Mikrodestillerie auf Shetland, unterstützt wird sie dabei von ihrem besten Freund Henry. Mit dem Whisky „Plover’s Gold“ hat sie den Traum ihres verstorbenen Vaters verwirklicht. Sie liefert sich einen harten Konkurrenzkampf mit der größten Destillerie der Insel. Der Erbe eines Traditionsunternehmens, Boyd Tulloch, macht ihr das Leben schwer. Auf der nordschottischen Whiskymesse möchte Nessa ihrem Erzfeind jedoch zeigen, was in ihr steckt…

„Where the waves rise higher“ ist der zweite Teil der “Shetland Love“ Reihe. Dieser New – Adult – Roman gefällt mir sogar noch besser als der Auftaktband („Where the roots grow stronger“).

Die Protagonistin ist eine starke Frau, aber keine Superheldin ohne Schwächen. Nessa ist loyal und hilfsbereit, denkt immer auch an andere Menschen ([…]“aber in diesem Moment wirkt Effie so jung und einsam, dass ich mich lieber neben sie stelle und meinen Arm um ihre Schultern lege.“) und nicht nur an sich selbst.

Die Schottin hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn & sie lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Die einfühlsame Charakterisierung dieser Figur ist mein Highlight, aber auch die Nebenfiguren finde ich klasse, über ein dickes Pony namens „Feather“ musste ich lachen, und auch Marigold oder Joseph sind echte Originale.Witzige Wortgefechte sind spätestens seit Beatrice & Benedict ein Erfolgsgarant, Kathinka Engel gelingt es dennoch, das Enemies to Lovers – Motiv humorvoll und kreativ zu interpretieren. Wenn Henry und Nessa sich über Boyds „Sportsakko“ amüsieren, muss man schmunzeln.

Auch formal konnte mich die Geschichte überzeugen. Kathinka Engel spult nicht einfach eine Liebesgeschichte nach Schema F ab. Durch den Einsatz von (fiktiven) Zeitungsartikeln fügt sie dem New Adult Genre eine neue Facette hinzu, sie wandelt nicht auf ausgetretenen „Er sagt – sie sagt“ – Pfaden. Das pacing ist genau richtig, die Erzählung ist nicht langatmig und es gibt keine Wiederholungen, und auch die message ist nicht nervig; es ist nur einmal vom „Patriarchat“ die Rede. Ich bin immer sehr dafür, eine Botschaft (Feminismus etc) nicht explizit zu benennen, sondern in die Geschichte zu integrieren. Das große Thema der Reihe scheint mir jedoch die (Definition von) Familie zu sein. Manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen, und auch diejenigen, die wie Felsen in der Brandung erscheinen, haben manchmal heimlich zu kämpfen. Die Autorin beweist große Sensibilität beim Entwurf ihrer Erzählung, nichts wirkt kitschig, auch die Naturbeschreibungen sind wunderschön. Tragische Ereignisse gehören zum New Adult Genre dazu, Engel findet aber auch hier das richtige Maß, „Where the waves rise higher“ wird nie zum „Dramafestival“, obwohl es im letzten Drittel eine etwas vorhersehbare Wendung gibt.

Fazit:

Ich spreche eine dicke Leseempfehlung für alle New – Adult – Fans aus.

Von „Love is bold – Du gibst mir Mut“ war ich nicht richtig überzeugt.

„Where the waves rise higher“ ist in meinen Augen jedoch der perfekte NA - Roman. Kathinka Engel hat ihr Potential endlich genutzt und ich bin gespannt, ob sie einen Genrewechsel wagen wird.

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Veröffentlicht am 05.01.2022

Am Puls der Zeit

Late Night
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Nora Welling konnte mich mit ihrem New – Adult-Roman rund um Nuria und Luis begeistern. „Alles, was Du für mich bist“ gefiel mir richtig gut! Daher wollte ich unbedingt auch „Late Night – Unter Haien“ ...

Nora Welling konnte mich mit ihrem New – Adult-Roman rund um Nuria und Luis begeistern. „Alles, was Du für mich bist“ gefiel mir richtig gut! Daher wollte ich unbedingt auch „Late Night – Unter Haien“ lesen.

Worum geht’s?

Schauplatz Berlin:
Gemeinsam mit ihrem Freund Tobi hat die Informatikerin Louisa eine App entwickelt, welche Autisten bei der Kommunikation unterstützen soll. Doch Louisa benötigt dringend Investoren für das Start-Up, damit die Software in (Massen)Produktion gehen kann. Die schöne Programmiererin möchte unbedingt Menschen helfen, weil ihre Schwester Pauline Autistin ist – Louisa hat hautnah miterlebt, welche Steine Menschen mit Behinderung in den Weg gelegt werden. Gemeinsam mit Tobi möchte die junge Frau, die ihr Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, ihr Produkt in einer Fernsehshow präsentieren. Doch außer dem smarten „Wunderkind“ Ruben Stephanski ist keiner der Juroren bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Kann Louisa dem schwerreichen Stephanski wirklich trauen, oder ist seine Rückkehr aus den USA nur ein kurzes Intermezzo?

Das Grundgerüst der Geschichte wurde ganz klar von der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ inspiriert. Louisa als Figur erinnerte mich rein optisch an Amelie, die Protagonistin mit einem bestimmten Körperbau, die in „Alles, was Du mir versprichst“ dem Helden den Kopf verdreht.
Wie in der „Everything for you” – Reihe gibt es also auch in „Late Night“ eine blonde Hauptfigur. Ich hätte mir gewünscht, dass die Heldin in „Unter Haien“ anders angelegt ist. Im Gegensatz zu Amelie findet sie ihre Schönheit zwar eher hinderlich, manche Gedankengänge wiederholen sich aber auch. Ich hätte mir hier einfach mehr Abwechslung gewünscht. Wie in fast allen Romanen der Autorin geht es um Eigen – und Fremdwahrnehmung, und es gibt natürlich eine heiße Romanze. Sprachlich und stilistisch hätte ich mir aber mehr „Feinschliff“ und inhaltlich eine Straffung gewünscht – an „Alles, was Du für mich bist“ kommt „Unter Haien“ leider nicht ganz heran, aber es ist klasse, wie mühelos Nora Welling Menschen mit besonderen Bedürfnissen in ihre Geschichte integriert. Pauline ist für mich der heimliche Star der Erzählung!
Der Liebesroman ist am Puls der Zeit, da gesellschaftlich relevante Themen wie Leistungsdruck, Sexismus und mentale Gesundheit angesprochen werden. Insofern ist „Late Night – Unter Haien“ kein reiner Wohlfühlschmöker zum Träumen, stellenweise wird es dramatisch und düster. Eskapismus wird man in Nora Wellings Geschichten nicht finden, dieser Aspekt ist die große Stärke und gleichzeitig die größte Schwäche des Romans; die Liebesgeschichte und der Erzählstrang rund um Pauline hätten meines Erachtens mehr Raum einnehmen dürfen.

Von mir gibt’s dreieinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen!

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