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Veröffentlicht am 20.09.2018

Clanstrukturen

Mexikoring
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Staatsanwältin Chas Riley wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen. Es scheint, dass ein junger Mann im Auto verbrannt ist, und es scheint Mord zu sein. Überhaupt brennen in Hamburg die Autos und ...


Staatsanwältin Chas Riley wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen. Es scheint, dass ein junger Mann im Auto verbrannt ist, und es scheint Mord zu sein. Überhaupt brennen in Hamburg die Autos und auch anderswo. Globalisierungskritik? Bald wird der Tote identifiziert: es handelt sich um Nouri Saroukhan, Sprößling eines Bremer Clans . Doch was macht die Leiche in Hamburg? Riley und Stepanovic beginnen zu ermitteln und stechen in ein Wespennest aus organisierter Kriminalität und mafiösen Clan – Strukturen…

Mit „Mexikoring“ hat die Wahlhamburgerin Simone Buchholz den achten Band der Krimireihe rund um die deutsch-amerikanische Powerfrau Riley vorgelegt. Thematisch ist der Roman am Puls der Zeit, ich musste beim Lesen an libanesische Clans aus Berlin denken.
Buchholz‘Stil hasst man, oder man liebt ihn:
Die Kapitel sind kurz, gespickt mit tollen Sprachbildern und teils kargen Dialogen und lakonischen Kommentaren. Chastity Riley nimmt kein Blatt vor den Mund: sie ist eine coole Protagonistin mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden. Dieses Mal war mir ihre Sprache aber zu vulgär, wie eine Proletin habe ich mir die Heldin eigentlich nicht vorgestellt, „leck mich am Arsch“ passt eigentlich gar nicht zu ihr, dafür ziehe ich einen halben Stern bei meiner Bewertung ab.
Ich habe die komplette Reihe gelesen und das „Personal“ und das setting in’s Herz geschlossen. Faller, Inceman, Stepanovic…Jeder Roman ist eine Liebeserklärung an die Hansestadt Hamburg. Bisher fand ich den Roman „Die blaue Nacht“ am besten, auch wenn „Mexikoring“ einen Tick besser ist als „Beton Rouge“.
Die Geschichte von der Heldin, die sich nicht immer so verhält, wie es ihr Vorname suggeriert, ist interessant. Ein Vaterkind, verlassen von der Mutter. Die große Liebe, Nachbar „Klatsche“ – passé? Jedenfalls kommt die Protagonistin nicht mehr gerne nach Hause, seitdem in der Nachbarwohnung nicht mehr der Liebste wohnt, aber in ihrem Job ist Chas die Beste, sie gibt alles und versucht mit Kollege Ivo Stepanovic den aktuellen Fall aufzuklären.
In „Mexikoring“ geht es Schlag auf Schlag, und es ist der Stil, der den Kriminalroman so besonders macht. Ich liebe es, dass Buchholz‘ Krimis so originell sind. In der deutschen Krimilandschaft ist ihre Sprache etwas Besonderes, und ihre Arbeiten sind nicht austauschbar, das muss man in einem Genre, das „überlaufen“ ist, erst einmal schaffen.
Sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet, ob Anne Stanislawski oder eben Stepanovic. Ich musste ganz schön über eine Figur namens „Rocktäschel“ schmunzeln. Ich denke, dass die Ermittlungsarbeit in diesem Krimi authentisch beschrieben wird, und es gibt eine gute Mischung zwischen Fallermittlung und Privatleben im Buch. Romane, in denen das Eine oder das Andere deutlich überwiegt, langweilen mich meist.
Hier war ich aber von der ersten Seite an gefesselt, und ich konnte es kaum erwarten, die Auflösung zu erfahren. Buchholz beschreibt das Verbrecher – Milieu und die kriminelle Unterwelt glaubwürdig und ohne übertriebene Effekthascherei.

Fazit:
Ich vergebe viereinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen. „Mexikoring“ ist der spannende achte Teil einer Reihe rund um die toughe Staatsanwältin Chastity Riley. Ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus!

Veröffentlicht am 10.09.2018

Gülcan, Lotta und der fesche Trafikant

Zwei unter einem Schirm
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Die Türkin Gülcan arbeitet als Fremdenführerin in Istanbul, wo sie mit ihren Eltern lebt, die jedoch von einer Rückkehr nach Anatolien träumen. Also soll Gülcan heiraten, damit sie versorgt ist. Der Schwiegersohn ...

Die Türkin Gülcan arbeitet als Fremdenführerin in Istanbul, wo sie mit ihren Eltern lebt, die jedoch von einer Rückkehr nach Anatolien träumen. Also soll Gülcan heiraten, damit sie versorgt ist. Der Schwiegersohn in spe wohnt in Österreich, im schönen Salzburg. Er stellt sein Leben in Salzburg in leuchtenden Farben dar, doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Nach ihrer Ankunft in der Alpenrepublik muss Gülcan erkennen, dass Cemils „Haus“ nur eine kleine Wohnung ist, in welcher sie mit den Schwiegereltern leben soll, und auch die Aussicht auf eine Ausbildung löst sich in Luft auf; vielmehr muss sie im familieneigenen Hähnchen – Imbiss anheuern. Als ihr Mann auch noch die Hand gegen sie erhebt, wird es Gülcan zu bunt, und sie flüchtet nach Wien, wo sie Lotta begegnet, die ihrerseits dem Traum vom Glück nachjagt. Er scheint auch in Erfüllung zu gehen, als Lotta den Hauptgewinn zieht, mit welchem sie nicht nur den feschen Trafikanten beeindrucken will. Schon bald steigt der Frau das viele Geld zu Kopfe, wer hat, der hat, und der neue Lebensstil zieht viele neue „Freunde“ an, die sich bald als treulose Trittbrettfahrer entpuppen…

Vor der Lektüre hatte ich mit einem Roman über eine Frauenfreundschaft gerechnet, doch der Verlauf der Geschichte wird dem Etikett „Frauenroman“ nicht ganz gerecht, denn es geht im Buch eigentlich nicht um best female friends, Prosecco und Schuhe.
Vielmehr geht es um zwei unterschiedliche Lebensentwürfe und die Suche nach dem Glück. Aus einer eurozentrischen Perspektive würde man annehmen, dass Gülcan die schwache und verhuschte Frau ist, doch es ist Lotta, die mit einem geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen hat, die eigentlich von Haus aus die besten Voraussetzungen für ein erfülltes Leben haben müsste, und doch unglücklich ist. Die einfache Rechnung „Türkin = armes Hascherl“ geht also nicht auf, denn auch die „Westlerin“ Lotta hat das Glück nicht qua Geburt gepachtet. Der Zufall führt das ungleiche Paar zusammen, und es kann sich doch noch alles zum Guten wenden…
„Zwei unter einem Schirm“ von Anton Badinger hat mir gut gefallen, auch wenn der Klappentext ein wenig irreführend ist, denn die Buchhalterin Lotta und die Fremdenführerin Gülcan sind mitnichten Sandkastenfreundinnen, und der Roman dreht sich um Selbstverwirklichung und nicht um Freundschaft, was für mich aber in der Rückschau nicht so sehr ins Gewicht fällt, da mir der Stil des Autors zugesagt hat: Die Austriazismen finde ich einfach klasse, und auch der Humor ist „meins“.
Ein gelungener Debutroman!

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Veröffentlicht am 09.09.2018

DICHTUNG UND WAHRHEIT

Ein Teil von ihr
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Karin Slaughter ist vor allem für ihre Thrillerreihen bekannt. „Ein Teil von ihr“ ist jedoch ein Einzelband.
Der Thriller ist handwerklich gut gemacht, auch wenn man keine literarischen Finessen erwarten ...

Karin Slaughter ist vor allem für ihre Thrillerreihen bekannt. „Ein Teil von ihr“ ist jedoch ein Einzelband.
Der Thriller ist handwerklich gut gemacht, auch wenn man keine literarischen Finessen erwarten kann. Die Autorin konfrontiert den Leser mit zwei Handlungssträngen bzw. Zeitebenen, was mir gut gefiel. So kommt Abwechslung in die Erzählung.
Worum geht’s?
- Die Protagonistin Andrea zieht mit Anfang 30 wieder zu ihrer krebskranken Mutter, weil sie ihr Studium abbrechen musste. In den USA ist studieren bekanntlich ein teurer Spaß, und so hat Andrea „Andy“ Cooper schon als junge Frau einen beträchtlichen Schuldenberg angehäuft. Zu den finanziellen Problemen gesellt sich die Sorge um die kranke Mutter, und Andrea beschließt, sich um ihre Erzeugerin, zu welcher sie ein gutes Verhältnis hat, zu kümmern. Eines Tages wird jedoch das Leben der Heldin auf den Kopf gestellt, als es ausgerechnet bei Andreas Geburtstagsfeier in der Mall zu einem blutigen Zwischenfall kommt. Andrea wird unversehens zur Zielscheibe, doch die Mutter verteidigt ihr Kind wie eine Löwin, tötet den Angreifer sogar, ohne mit der Wimper zu zucken!
Andrea ist baff: war alles, woran sie glaubte, eine Farce? Ist ihr Leben gar auf einer Lüge aufgebaut? Wer ist ihre Mutter Laura Oliver wirklich?
Klar ist, dass die Vergangenheit erforscht und neu bewertet werden muss, und so beginnt die ehemalige Studentin auf der Flucht mit ihrer Recherche, die schier Unglaubliches zutage fördern wird…

„Ein Teil von ihr“ aus der Feder von Karin Slaughter (ich wundere mich immer wieder über den Nachnamen, es handelt sich nicht um ein Pseudonym!) habe ich gern gelesen, auch wenn die Spannung nicht durchweg gehalten wurde. Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, einen Hollywoodfilm zu schauen, und ich kann nicht sagen, ob ich das gut oder schlecht finde. Mit der Protagonistin Andrea hatte ich richtig Mitleid, sie erwischt es wirklich knüppeldick. Die Figuren sind für meinen Geschmack gut ausgearbeitet, gerade weil man sich als Leser an ihnen „reibt“. Andrea hat viele Schwächen, was sie in meinen Augen zu einer runden Figur macht. Nichts langweilt mich mehr als perfekte Protagonisten! Laura ist die deutlich aktivere Frau, vielleicht ist Andy gerade deshalb so passiv…

Den Stil der Autorin muss man allerdings mögen, denn Slaughter ist nicht unbedingt eine Meisterin der subtilen Andeutungen, es geht stellenweise richtig hart zur Sache, und manchmal waren mir Slaughters Ausführungen fast zu brutal, der Roman ist definitiv nichts für Zartbesaitete.

Der Roman hat mir trotzdem ein paar spannende Lesestunden beschert, auch wenn es Längen in der Erzählung gab. Am besten gefiel mir die Entwicklung der Figur Andrea. Auch das roadtrip Element lese ich immer wieder gern. Das Grundgerüst der Erzählung ist richtig gut gemacht und auch eine Portion Gesellschaftskritik schwingt mit. In Zeiten von Facebook und social media ist man schnell ein Versager, wenn man nicht die entsprechenden Hochglanzbilder einer erfolgreichen Karriere präsentieren kann, und auch ein Studium in einer Traumstadt ist kein Selbstläufer, wie Andy schmerzhaft erfahren muss.
Manchmal fühlte ich mich ob der „Wahrheit ist nichts als eine Konstruktion“ – These der Autorin allerdings wie in einem Proseminar. In der Gesamtschau überwiegt aber mein positiver Leseeindruck.

- Fazit: „Ein Teil von ihr“ ist ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen, der mich trotz kleiner Schwächen spitze unterhalten hat!

Veröffentlicht am 20.08.2018

romantisch und witzig

Irish Players - Keine Zeit für Spielchen
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Eilish Cassidy schwärmt schon lange für Bryan Leech. Als die rothaarige Schönheit auf einer Party dem älteren Rugbyspieler begegnet, kann sie ihr Glück kaum fassen, denn er zeigt Interesse und so führt ...

Eilish Cassidy schwärmt schon lange für Bryan Leech. Als die rothaarige Schönheit auf einer Party dem älteren Rugbyspieler begegnet, kann sie ihr Glück kaum fassen, denn er zeigt Interesse und so führt eins zum anderen.
Am nächsten Morgen verhält sich der Beau jedoch abweisend. Neun Monate später bringt Eilish einen Sohn zur Welt. Nach ihrem Abschluß heuert sie ausgerechnet in Bryans Team als Physiotherapeutin an und wird von Gewissensbissen geplagt- soll sie Bryan sagen, dass klein Patrick sein Sohn ist?

Dieser Roman ist der dritte Teil einer Reihe. Es gibt ein Wiedersehen mit den Figuren aus Band eins und zwei, was die Serie wirklich rund macht. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, ich denke, dass der Wortwitz im Original einfach besser wirkt.
Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres ist die Erotik hier in eine richtige Geschichte eingebaut worden, was mir sehr gefiel. Es gibt keine unlogischen Sprünge in der Handlung, aber wirklich humorvolle und witzige Passagen. Man sollte sich von den kitschigen Covern nicht ablenken lassen, die Reihe als solche ist wirklich gut, denn sie ist abwechslungsreich, romantisch, witzig und sexy. Die Protagonisten sind zwar wunderschön, aber sie haben auch ihre Macken, was sie als Figuren glaubwürdig macht.
Anders als in anderen Reihen nimmt die Qualität der Reihe hier nicht mit jedem Band ab; die stories bleiben spannend und lesenswert und sind richtig was für’s Herz.
„Irish Players - Keine Zeit für Spielchen (The Hooker and the Hermit 3)“ erhält von mir viereinhalb von fünf möglichen Sternen.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Lesenswerter Roman

Beim Ruf der Eule
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Umschlaggestaltung:

Das Cover ist verspielt, mit tollen Motiven und einer ansprechenden Farbgebung ausgestattet. Allerdings lenkt es vom Tiefgang in der Geschichte ab.

Worum geht’s ?

„Auch mit fast ...

Umschlaggestaltung:

Das Cover ist verspielt, mit tollen Motiven und einer ansprechenden Farbgebung ausgestattet. Allerdings lenkt es vom Tiefgang in der Geschichte ab.

Worum geht’s ?

„Auch mit fast 80 führt Maeve Maloney ihre kleine Pension am Meer mit unerschütterlicher Energie. Auf viele wirkt sie unnahbar, fast ruppig. Nur wenige wissen um die Zärtlichkeit, die sie in ihrem Inneren verbirgt. Als Jahrzehnte nach seinem Weggang auf einmal Vincent Roper vor ihrer Tür steht, würde Maeve ihn am liebsten wegschicken. Einst war er ihre große Liebe, heute ist er der Einzige, der noch weiß, dass sie einmal eine Schwester hatte: Edie, die singen konnte wie eine Nachtigall und ein gefeierter Star geworden wäre, hätte das Schicksal es nicht anders gewollt.“

Die Handlung des Romans oszilliert zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Geschichte nimmt sukzessive ihren Lauf.
Wir erfahren, dass die Ich – Erzählerin Maeve eine gehandicapte Schwester hatte. In der Nachkriegszeit rieten die Behörden den Eltern von behinderten Kindern, diese in eine staatliche Einrichtung zu geben. Maeves Eltern entschieden sich dazu, die behinderte Edie zu „behalten“. Edie war der Sonnenschein der Familie, ein Mensch mit Stärken und Schwächen, eigentlich ganz „normal“ auf ihre Art.
Ihre Pflege war jedoch auch eine Herausforderung für die Sippe, und der Tod von Evie sollte Maeves Leben entscheidend beeinflussen…

Meine Meinung:

„Beim Ruf der Eule“ ist eine anrührende Geschichte mit Tiefgang, die mir wirklich gut gefallen hat. Anders als in „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes wird hier nicht mittels Kitsch auf die Tränendrüse gedrückt.
Im „ Ruf der Eule“ hat jedes Leben einen Wert, aber die Autorin verschließt die Augen auch nicht vor Problemen und sie zeigt auf, dass die Krankheit eines Familienmitglieds meist den ganzen Clan tangiert (dies liegt eigentlich auf der Hand).
Vom eigentlichen Handlungsverlauf will ich an dieser Stelle nicht viel verraten, um potentiellen Lesern nicht den Spaß zu verderben, nur soviel: Den Stil der Autorin muss man mögen und man sollte bereit sein, sich auf die nicht- lineare Erzählweise einzulassen. Dann steht dem Lesevergnügen eigentlich nichts im Wege, denn der Roman berührt den Leser und regt zum Nachdenken an! Es handelt sich bei der Erzählung glücklicherweise nicht um schmalzige sick-lit.
Für den Roman „Beim Ruf der Eule“ von E. Claire Sweeney vergebe ich daher viereinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen!

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