Profilbild von kayla

kayla

Lesejury Star
offline

kayla ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit kayla über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2017

Regionalkrimi

Wut im Quadrat
0

Verlagsinfo:

"Noch bevor die junge Olivia von Sassen ihren neuen Job als Kriminalhauptkommissarin antritt, beobachtet sie am Mannheimer Rangierbahnhof einen Mord. Doch als sie die Polizei ruft, ist die ...

Verlagsinfo:

"Noch bevor die junge Olivia von Sassen ihren neuen Job als Kriminalhauptkommissarin antritt, beobachtet sie am Mannheimer Rangierbahnhof einen Mord. Doch als sie die Polizei ruft, ist die Leiche verschwunden - war das alles nur Einbildung? Schnell wird sie in die Wirren ihres ersten Mannheimer Falls gezogen, für den sie selbst die einzige Zeugin ist: ein Mord ohne Spur.
Ein rasanter Krimi, der nicht nur einen spannenden Fall aus der Quadratestadt erzählt, sondern auch ein außergewöhnliches Duo präsentiert, das sich über die Regeln des normalen Ermittelns hinwegsetzt."

"Wut im Quadrat" ist ein spannender Regionalkrimi, der in Mannheim angesiedelt ist, und mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit zu überzeugen vermag.

Die Polizistin Olivia "Livi" von Sassen wird von der Weltstadt Berlin nach Mannheim versetzt.

"Mannheim ist wie New York", twittert der Technik - Freak Olivia.

Doch schon ihr Einstand hat es in sich - sie beobachtet einen Mord, doch wie soll sie ihn beweisen ?

Ihr Kollege ist der bodenständige Moritz Martin, der in der Quadratestadt geboren wurde. Anfangs zieht er Olivia noch mit "Hochwohlgeboren" auf, doch dann raufen sich die beiden zusammen...

Ich habe den Krimi gerne gelesen, denn die originellen Figuren & die spannende Handlung konnten mich überzeugen. So ist etwa der Pathologe ein hochgebildeter Deutschtürke, der sich "deutscher als deutsch" benimmt.

Moritz spricht schon mal Dialekt, wenn es sein muss, und Olivia ist nicht das adelige "Frollein", das sie zu sein scheint.

Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen .

Veröffentlicht am 10.04.2017

Super Titel, gutes Buch

Kann man da noch was machen?
0


Auf Laura bin durch auf Twitter aufmerksam geworden. Als ich dann das Buch in der Buchhandlung erblickte, musste ich es unbedingt haben, denn der Buchtitel ist einfach catchy und klasse: „Kann man da ...


Auf Laura bin durch auf Twitter aufmerksam geworden. Als ich dann das Buch in der Buchhandlung erblickte, musste ich es unbedingt haben, denn der Buchtitel ist einfach catchy und klasse: „Kann man da noch was machen“?
Lauras Leben ist eigentlich ganz normal – sie trifft sich gern mit Freunden, arbeitet als Werbetexterin in Berlin, sammelt und liebt Sneaker. Die Tatsache, dass sie im Rollstuhl sitzt, empfindet sie eher als Erleichterung denn als Einschränkung, denn: Behindert ist man nicht, behindert wird man – von der Gesellschaft.
Laura erzählt von der alltäglichen Diskriminierung. Strukturell, gesellschaftlich. Ist Inklusion nur ein Lippenbekenntnis in Deutschland? Oft scheitert die gesellschaftliche Teilhabe von Behinderten schon an der Infrastruktur, an einer Rampe, an einer Dolmetscherin für Gehörlose. Soll der gesunden Mehrheitsgesellschaft nicht zu viel zugemutet werden?
Lauras Buch liest sich klasse, der Ton ist modern und authentisch. Sie berichtet von eigenen Stärken und Schwächen.
Sehr berührt war ich, als sie von Ängsten und Gewaltandrohung berichtete. Die Angst, das eigene Potential nie ganz ausschöpfen zu können. Schreibblockaden, die Angst vor dem leeren Blatt. Die Hänseleien in der Schule, die Lehrerin, die besonders fies war, um Laura „abzuhärten für das Leben“. Was für eine Anmaßung! Im Studium dann missgünstige Kommilitonen, die Laura Maßnahmen zur Herstellung der Chancengleichheit (!) neideten, etwa einen Zeitbonus, der motorische Einschränkungen bei Klausuren ausgleichen sollte.
Aber auch Leute, die Laura ganz normal behandelten, wie etwa ihre Mitbewohnerin in den Niederlanden finden Erwähnung. Laura jammert nicht. Laura redet Tacheles. Spricht Dinge aus, die einfach auch einmal gesagt gehören. Wenn Leute sie fragen, ob ihr „Freund auch behindert“ sei, ist dies unverschämt. Wenn Leute ihr zu zischen, dass „Jemand wie sie unter Hitler noch vergast wurde“, ist das grausam.
Laura muss täglich zusätzliche Kraft für Dinge aufwenden, die nicht nötig wäre, wenn die gesellschaftlichen Strukturen anders wären. Aber schließlich lebt laut Laura auch eine ganze Industrie von Behinderten…
Schon seltsam, dass in einer Industrienation wie Deutschland noch soviel Handlungsbedarf besteht. Finde ich. Eigentlich ein Armutszeugnis, viele Dinge scheinen mir etwa in Großbritannien besser organisiert zu sein.
Es gibt in Gehlhaars Buch aber auch Aussparungen, Dinge, über die ich gerne mehr erfahren hätte, die die Autorin aber wohl privat halten will:
Welche Krankheit hat Laura genau? Wie gestaltete sich ihr Studium, denn es wird kurz abgehandelt? Wieso arbeitet sie nicht als Sozialpädagogin, denn darin hat sie ihren Abschluss gemacht, sondern als Texterin?
Man erfährt aber, dass sich Laura bei den „Sozialhelden“ engagiert.
Trotz meiner Kritikpunkte ist „Kann man da noch was machen“? ein lesenswertes Sachbuch!

Veröffentlicht am 07.04.2017

Wer ist der Mörder ?

Die letzte Farbe des Todes
0

„Die letzte Farbe des Todes“ ist der erste Kriminalroman aus der Feder von P. Reinartz.
Es ist ein kluger Krimi, intelligent erzählt, eine Geschichte voller Tiefgang.
Worum geht’s?
Berlin wird von einer ...

„Die letzte Farbe des Todes“ ist der erste Kriminalroman aus der Feder von P. Reinartz.
Es ist ein kluger Krimi, intelligent erzählt, eine Geschichte voller Tiefgang.
Worum geht’s?
Berlin wird von einer bizarren Mordserie erschüttert: Es werden Leichen mit Farbpunkten im Nacken aufgefunden. Eine Berliner Sonderkommission wird mit der Aufklärung betraut.
Jerusalem „Jay“ Schmitt ist der Leiter der Neunten Berliner Mordkommission, einer Sondereinheit für außergewöhnliche Fälle.
Er ist eine Art Polizei – Wunderkind, gesegnet mit einer perfekten Kombinationsgabe und messerscharfem Verstand; außerdem hat er eine internationale Eliteausbildung genossen, unter anderem in Großbritannien.
Jay muss nicht nur gegen einen unsichtbaren Antagonisten kämpfen, der mit der Polizei Katz und Maus spielt, sondern sich auch mit seinem unfähigen Assistenten Marcel herumschlagen und eine für ihn traumatische Trennung verarbeiten. Der Mörder scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein, Jay ermittelt fieberhaft, denn die Morde weisen auf den ersten Blick keinen Zusammenhang auf, bis Jay auf die perfide Logik des Täters stößt…
Ich lese sehr gerne Krimis. Leider sind sie oft spannend, aber handwerklich mies. Nicht so hier! Reinartz‘ Krimi bewegt sich sprachlich und stilistisch wirklich auf höchstem Niveau, es sind viele kluge Gedanken in der story enthalten und man kann als Leser definitiv etwas lernen (zum Beispiel über das Alphabet).
Wenn der Autor die Figuren berlinern lässt, dann setzt er dieses Stilmittel sparsam und absolut authentisch ein, dies gelingt nicht jedem Autor, Chapeau.
Es gibt kurze Kapitel. Anfangs gefiel mir dies gut, aber gegen Ende hätte ich mir etwas längere Kapitel gewünscht, die den Erzählfluss nicht beeinflussen. Denn für mich kam erst nach der ersten Hälfte des Romans richtig Spannung auf. Ich habe für meine Verhältnisse relativ lange an dem Buch gelesen, es hat mir etwas gefehlt, obwohl es ein guter Roman ist.
Jay ist eigentlich genau die Art Mensch, mit der ich eigentlich gut kann – klug und kein Schwätzer.
Trotzdem konnte ich zu keiner der Figuren im Roman eine Verbindung herstellen, was ich schade finde. Aber in einem Folgeband kann die Figurenzeichnung noch vertieft werden, denn die Personen waren für mich ein wenig schematisch gezeichnet: die Toughe, der Einfältige, der unsichere Schlaue, das arme reiche Kind etc.
Insgesamt ist das Werk ein schlauer Krimi, gut komponiert aber für mich fast etwas zu konstruiert. Die Konstruktion ist allerdings schlüssig und stimmig. Jay fällt allerdings für mich zum Teil aus der Rolle, denkt an zwei Stellen im Roman fast schon einfältig, was ihn wohl menschlich machen soll. Aber die Geschichte an sich ist gehaltvoll und nie platt, da der Autor völlig auf Klischees verzichtet und seinen eigenen Weg geht, ohne ausgelutschte Topoi zu reproduzieren.
Das Finale der story ist richtig spannend und kommt mit einem Showdown daher, der keine Wünsche offen lässt.
„Die letzte Farbe des Todes“ ist ein moderner, intelligenter Krimi, der sprachlich und stilistisch einfach klasse ist.

Veröffentlicht am 03.04.2017

Das Geheimnis der Madame Yin

Das Geheimnis der Madame Yin
0

Optische Gestaltung und Cover:

Das Cover ist richtig toll gestaltet und es macht Lust auf’s Lesen. Hallo, viktorianisches London.

In der Buchhandlung würde ich auf jedem Fall nach dem Buch greifen, ...

Optische Gestaltung und Cover:

Das Cover ist richtig toll gestaltet und es macht Lust auf’s Lesen. Hallo, viktorianisches London.

In der Buchhandlung würde ich auf jedem Fall nach dem Buch greifen, es zur Hand nehmen und darin blättern, und ich denke, dass sich viele Leser von der Farbgebung angezogen fühlen werden.



Worum es geht:

„1877: Die Pinkerton Detektivin Celeste Summersteen reist mit der jungen Dorothea Ellingsford von Chicago nach London. Vordergründig soll sie das Mädchen zu ihrer Familie zurückbringen, doch ihr wirklicher Auftrag ist heikler: Eine von Dorotheas Freundin­nen wurde ermordet und die Detektivin soll nun den Mörder finden, da Dorothea selbst in Gefahr sein könnte. Allerdings gestalten sich die Ermittlungen schwierig: Das Mädchen schweigt beharrlich und die einzigen Hinweise auf den Mörder sind ein Stück Stoff und eine Haarlocke, die im Mund der Toten gefun­den wurden. Dann findet man die Leiche der Opium­königin des East End in der Themse. Auf der Suche nach Antworten muss Celeste tief in das verderbte Herz Londons vordringen und dabei ihr eigenes Leben riskieren. Dabei ist Inspector Edwards von Scotland Yard, der ihr bei den Ermittlungen hel­fen soll, alles andere als eine Hilfe. Der hartgesottene Polizist mag es nicht, wenn sich Amateure und dann auch noch weibliche, in seine Arbeit einmischen.“



Wie lautet meine Meinung:



„Das Geheimnis der Madame Yin“ hat mich im Großem und Ganzen gut unterhalten und mir ein paar nette Lesestunden beschert.

Unschlagbar gut ist natürlich das setting. Viktorianisches London. Dazu gibt es fast schon automatisch eine Vielzahl von Assoziationen und Bilder im Kopf.

Die Figurenkonstellation - weibliche Ermittlerin trifft auf einen Inspektor von Scotland Yard, der keine Frauen in Männerberufen mag, ist so neu nicht. Macht aber Spaß. Natürlich lösen sich gegen Ende gewisse Animositäten auf, denn es gilt, einen Kriminalfall mit vereinten Kräften aufzuklären. Außerdem gibt es da noch den Schützling Celestes, Dorothea. Klassisch!

Die Geschichte an sich ist spannend, nur konnten mich Stil und Sprache leider nicht zu hundert Prozent überzeugen. Die Häufung der parataktischen Wendungen ließ mich als Leserin immer im Hier & Jetzt verweilen, sodass es mir nicht ganz gelang, in die Vergangenheit, die ja eigentlich beschrieben wird, einzutauchen.

Trotzdem ist die eigentliche Erzählung wie gesagt nicht schlecht. Ich hätte mir nur ein wenig mehr literarischen Feinschliff gewünscht, Vieles im Buch ist doch sehr visuell angelegt, das große Finale kommt so auch mit einem Showdown daher, der es in sich hat und fast ein wenig unrealistisch wirkt.

„Das Geheimnis der Madame Yin“ ist eine nette Lektüre für Zwischendurch, das mit einem tollen setting und viktorianischem Anstrich punkten kann.

Ich vergebe für den viktorianischen Krimi insgesamt drei von fünf möglichen Sternen!

Veröffentlicht am 30.03.2017

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte
0

Vorab:

Die Autorin Anna Basener hat ihr Studium mit dem Schreiben von Groschenromanen finanziert und sogar einen Leitfaden publiziert. Das finde ich einfach klasse! Außerdem ist die Umschlaggestaltung ...

Vorab:

Die Autorin Anna Basener hat ihr Studium mit dem Schreiben von Groschenromanen finanziert und sogar einen Leitfaden publiziert. Das finde ich einfach klasse! Außerdem ist die Umschlaggestaltung des Romans außerordentlich gelungen, denn sie verweist auf die eigentliche story. Form und Inhalt passen ideal zusammen, was will man mehr.

Worum geht’s im Roman?

Bianca, die Germanistik studiert hat, lebt in Berlin in einer WG und designt Unterwäsche. Wie so viele Frauen ihrer Generation hangelt sie sich durch’s Leben. Ein ganz anderes Kaliber ist ihre „Omma“ aus dem Ruhrpott: Als Wirtschafterin und Putzfrau in einem als Hotel getarnten Bordell bekam sie fünf Kinder von drei Männern und wurde früh zur Witwe. Als ihre beste Freundin, die dürre Prostituierte Mitzi, vom Zuhälter fast totgeprügelt wurde, machte die Omma kurzen Prozeß, erschlug den Luden mit einer Flasche Korn und fackelte anbei die ganze Bude ab.
Bei Mitzis Beerdigung sehen sich die Omma und Bianca wieder, aber Bianca kommt das alles Spanisch vor, insbesondere, als die Omma bei ihr in Berlin einzieht ...

„Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ von Anna Basener hat mich super unterhalten, und die feministischen Elemente haben mir gut gefallen. Die Geschichte liest sich flott und die Figuren sind gut ausgestaltet, durch die Verschriftlichung vom Ruhrpottslang wirkt das Ganze auf mich authentisch. Omma ist einfach eine Marke, ein Freigeist und kein verhuschtes Kind ihrer Zeit.
Bianca ist eine moderne Frau: Von der Peripherie ist sie nach Berlin gezogen, sie ist lesbisch und intelligent, arbeitet aber nicht in ihrem eigentlichen metier, der Germanistik, sondern schlägt sich als „Schlüppi“ – Näherin durch’s Leben. Obwohl es Biancas Generation vordergründig leichter hat als die Generation ihrer Großmutter, wird Bianca von ganz eigenen Sorgen geplagt, bei allen Erfolgen der Frauenbewegung, Women’s Lib und aller Freiheit in einer Metropole, in der jeder (nur theoretisch) alles sein kann. Wahre Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung?
Mich hat der Roman wie gesagt gut unterhalten, aber auch zum Nachdenken angeregt. Manche Elemente waren für mich aber vorhersehbar, da die Autorin ein Topos aus der Literaturgeschichte einflicht, dies macht sie aber sehr gut. Kommt da die Germanistin in Anna Basener durch ?
Man kann das Thema Prostitution kontrovers diskutieren, und ich bin nicht sicher, ob ich allen Thesen der Autorin zu dem Thema, das neudeutsch auch „Sexarbeit“ genannt wird, zustimmen würde. Auch waren mir manche Passagen fast ein wenig zu derb. Aber originell ist der Roman auf jeden Fall, und er ist bei aller Situationskomik auch eine Familiengeschichte und er bildet auch ein Stück Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ab. Denn Geschichte wird nicht nur von großen Männern gemacht, und sie ist nicht nur Politikgeschichte, sondern auch Sozialgeschichte, Mikrogeschichte und eine Historie der Frauen und aller gesellschaftlichen Schichten. Regionalgeschichte ist auch ein spannendes Feld – hallo Ruhrgebiet!

Fazit:
Ich spreche eine Leseempfehlung aus, seine Meinung muss sich aber jeder Leser selbst bilden.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Recherche