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Veröffentlicht am 09.06.2025

ein großartige, weirde Geschichte - ein must read für Musikfans!

Kojoten in dunklen Gassen
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Kojoten in dunklen Gassen / Dirk Karl
 
Die 80er Jahre haben Leo Mahler, Phil Grindlmayer und Thomas „Toto“ Theuerkorn im Kampf gegen die Grausamkeiten der Pubertät sowie in der tiefen Verehrung zum Heavy ...

Kojoten in dunklen Gassen / Dirk Karl
 
Die 80er Jahre haben Leo Mahler, Phil Grindlmayer und Thomas „Toto“ Theuerkorn im Kampf gegen die Grausamkeiten der Pubertät sowie in der tiefen Verehrung zum Heavy Metal zu untrennbaren Komplizen zusammengeschmiedet.
Aber nichts ist für die Ewigkeit, das Leben, die Liebe und andere in der Jugend nicht vorhersehbare Kapriolen haben dazu geführt, dass sich ihre Wege getrennt haben. Leo hat Stuttgart vor Jahren verlassen, als Journalist ein umtriebiges Leben geführt und in eine vermögende Familie eingeheiratet. Phil und Toto sind der Stadt treu geblieben, während Toto einen fein sortieren Plattenladen betreibt macht Phil im verwegenen Outfit auf seinem Bonanzarad die City unsicher und steuert substanzenunterstützt auf einen frühen Feierabend zu.
 
Aber nun ist Leo zurück, sein Höhenflug wurde zu einer Bruchladung und er hadert mit der Situation. Er bemüht sich vergeblich Kontakt zu seiner Tochter aufzunehmen, ebenso erscheint es unwahrscheinlich, dass das einstige metalllastige Dreigestirn wieder zusammenfindet. Silke, eine ehemalige Mitschülerin der drei Metalheads bringt die Reunion von Leo und Phil auf den Weg und die Monsters of Rock zelebrieren standesgemäß mit Getreidesprudel-all you can drink und Vinylexzessen ihr Wiedersehen.
 
Wenn nun auch noch Toto wieder dabei wäre, wäre es perfekt.
Aber dann schleicht sich der Teufel unerwartet durch einen hochgeklappten Toilettendeckel in ihr Leben – ist es zu spät, um die Fehler der Vergangenheit zu verzeihen?
 
„Die Musik, die du liebst, sagt alles über dich aus. Ohne eine eigene gefestigte Meinung hast du keinen Charakter, kein Rückgrat.“ (S.83)
So sieht es aus!

Wenn man mit AC/DC, Motörhead, Iron Maidon und Co., dem Metal der 80er etwas anfangen kann, dann sind die Gespräche, die die Protagonisten in dem Buch führen mit vielen Flashbacks verbunden und sorgen beim Lesen für eigene Erinnerungen, sei es vinyl- oder konzertartiger Natur - und natürlich auch ans Erwachsenwerden.

„Musik war ein kostbares Gut, das noch eine gewisse Wertigkeit hatte und nicht überall und jederzeit selbstverständlich zur Verfügung stand.“ (S.36)
Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit und waren wir nicht alle

„Headbanger mit Bartflaum auf der Suche nach der Gebrauchsanweisung für das Erwachsenwerden.“ (S.25) ?

Wie in den Büchern des Autors üblich gibt es auch in diesem Roman wieder amtlich schräge Vögel – und einen, der als ihr Vorsitzender angesehen werden kann. Ich war von Anfang an #teamphil und sehe ihn lebhaft vor mir mit dem gelben Bonanzarad, dem Patronengurt und der gewagt kurzen Gerd Müller-Gedächtnis-Hose. Daher nehme ich es ihm auch nur semi-krumm, dass er in Oasis nur „Gehypte Hochvakuumparkas“ (S.183) sieht (was natürlich nicht stimmt).
 
Wie sich Dirk Karl so einen großartigen Scheiß ausdenkt, ist mir unerklärlich, aber ich feier’ es total und bin wieder einmal von dieser ganz anderen Art zu erzählen aller bestens unterhalten worden und absolut begeistert!
 
Wieder einmal eine großartige, maximal musiklastige Geschichte von Dirk Karl und ich bin begeistert! Die Freundschaft von Leo, Phil und Toto wird nachvollziehbar erzählt, angereichert ist diese Geschichte mit jeder Menge Musik, so dass der Roman auch ein wunderbarer Soundtrack des Heavy Metals der 80er ist - und wer vielleicht nicht mehr alle Lieder von damals auf dem Schirm hat kann die Trackliste im Anhang als Fahrschein back to the 80s nutzen.
 
Ganz große Leseempfehlung!  


„Es war nicht schick, es war Überzeugung, so wie sie alles voller Überzeugung damals konsequent angegangen sind.“ (S.38)
Dass mit der Überzeugung gilt auch noch heute und darum lege ich euch aus ehrlicher Überzeugung auch die anderen Bücher von Dirk Karl ans Herz:
 
Black Mustang Squad
White Shark Squad
Klabauternächte
 
Großartig Geschichten voller Musik, mit weirden Charakteren, schräg und mit hohem Unterhaltungspotential.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Cosy Crime vom Allerfeinsten

Hunter B. Holmes - Eine Leiche zum Geburtstag
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Hunter B. Holmes – Eine Leiche zum Geburtstag / Wolf September

Die London Cosy Crime Reihe von Wolf September geht mit „Hunter B. Holmes - Eine Leiche zum Geburtstag“ in die vierte Runde und ich habe ...

Hunter B. Holmes – Eine Leiche zum Geburtstag / Wolf September

Die London Cosy Crime Reihe von Wolf September geht mit „Hunter B. Holmes - Eine Leiche zum Geburtstag“ in die vierte Runde und ich habe mich gefreut, dem sympathischen Ermittler erneut zu begegnen.

Hunter ist mit seinem Partner Steven, dem Butler Godric sowie David, Roberta und Lee, die für ihn mehr als nur KollegInnen sind auf dem Weg nach Rosemoor Hall, dem Anwesen der Familie Holmes, um dort seinen 44. Geburtstag zu feiern. Auf Bitten seiner Mutter, zu der er einen guten Kontakt hat, hat Hunter der Feier und dem Besuch in Rosemoor Hall zugestimmt, auch wenn das Verhältnis zu seinem Bruder und Vater eher überschaubar ist, insbesondere letzterer hat Vorbehalte hinsichtlich des privaten und beruflichen Lebensentwurfes seines Sohns.

Für Hunter ist die Reise nach Hause auch ein Trip in die Vergangenheit, in seinem Heimatort trifft er viele Menschen, die sich über das Wiedersehen freuen, aber es gibt auch andere Momente.

Das Fest wird ein voller Erfolg, aber der nächste Morgen bringt schlagartige Ernüchterung, als auf dem Anwesen der Holmes die Leiche des unbeliebten örtlichen Polizeichefs Charlie Fenton gefunden wird.

Der Mord fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich von Hunter und seinem Team, die Ermittlungen werden von Cedric Thumble übernommen. Die Beiden kennen sich seit der Ausbildung und schon das erste Aufeinandertreffen nach langer Zeit zeigt, dass Cedric nicht gut auf Hunter zu sprechen ist. Diese Animositäten nehmen erheblich Einfluss auf die Morduntersuchungen und die Holmes geraten ins Visier des Ermittlers; Hunters Vater und sein Bruder Crispin werden des Mordes an Charlie Fenton verdächtigt und Hunter sind die Hände gebunden, wenn er kein Disziplinarverfahren riskieren will.

Wer hat Charlie Fenton ermordet?

Auch der vierte Teil der Hunter B. Holmes Reihe hat mich begeistert und ich habe ihn in einem Rutsch durchgelesen. Wolf September erzählt lebendig und mitreißend eine spannende Mordgeschichte in einer Umgebung, in der die Idylle trügt. Falsche Fährten und eine kluge Auflösung, dazu Charaktere, die mir von Buch zu Buch mehr ans Herz wachsen, sorgen für allerbeste Krimiunterhaltung!

Und wenn ich die letzten Seiten richtig interpretiere, gibt es ein Wiederlesen mit Hunter, Steven, Godric & Co. und das ist gut so, denn ich möchte sehr gerne wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.05.2025

ein großartiges Buch über bemerkenswerte Frauen

»Wir waren Heldinnen«
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„Wenn ich doch nur einmal Fußball spielen könnte wie die Männer, dachte sie dann, so mit einem Trikot in Gelb oder Blau, mit Stutzen und richtigen Schuhen, mit großen Toren und einem Netz dahinter.“ (S.11)

Mit ...

„Wenn ich doch nur einmal Fußball spielen könnte wie die Männer, dachte sie dann, so mit einem Trikot in Gelb oder Blau, mit Stutzen und richtigen Schuhen, mit großen Toren und einem Netz dahinter.“ (S.11)

Mit diesem Wunsch ist Christa Kleinhans, geboren 1937 in Dortmund, nicht allein – jedoch ist ihr Weg, bis sie 2022 in die „Hall of Fame des deutschen Fußballs“ aufgenommen wird, voller Hürden, Willkür und alter Männer, die ihr statt eines Balls vor den Fuß lieber Steine in den Weg gelegt haben.

30. Juli 1955. In der Sitzung des Bundestags des DFB findet sich „Frauenfußball“ in dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“. Für das natürlich ausschließlich männlich besetzte Gremium eine einfache Frage, in einer flotten Abstimmung entscheiden die Herren, dass Fußball kein Frauensport sein kann und damit nur ja niemand auf die Idee kommt, sich dieser Entscheidung zu widersetzen,

„…untersagte der mächtige DFB seine Vereinen Frauenfußball anzubieten, ihm Plätze zur Verfügung zu stellen oder gar Schiedsrichter dafür abzustellen. Den Vereinen drohten empfindliche Strafen, wenn sie dieses Verbot nicht befolgten.“ (S.13)

Zack, erledigt, bitte keine Widerworte und flott zurück von der Kabine in die Küche.
Nee, ganz so war’s dann nämlich doch nicht, denn es gab viele begeisterte und talentierte Frauen, die sich das Fußballspielen nicht verbieten ließen und trotz Verbot und Widerstand Vereine gegründet und (Länder)Spiele organisiert haben.


Der DFB hat das Frauenfußball-Verbot am 31.10.1970 aufgehoben, eine Anerkennung der Leistungen von Frauen wie Christa Kleinhans oder Bärbel Wohlleben, die im Oktober 1974 als erste Frau für das „Tor des Monats“ ausgezeichnet worden ist, ging mit der Aufhebung des Verbotes jedoch nicht einher. Lange hielt sich hartnäckig die Frage:

„Ist das nun Sport oder Show?“ (S.78)

und Spielberichte in den Medien zeichneten sich überwiegend durch Spott und S*xismus und nicht durch Anerkennung der sportlichen Leistung aus.

Torsten Körner beschreibt in seinem Buch eine Szene aus „Wetten, dass…?“ in dem Paul Breitner von einer Kandidatin zum Torwandschießen herausgefordert wird und dieser die Gelegenheit vor dem großen Publikum nutzt, um seine Ansicht, dass er „Damenfußball absolut unästhetisch findet“ kundzutun. Geholfen hat es ihm nicht, er hat die Wette verloren.

„Wir waren Heldinnen“ ist alles andere als nur die Geschichte, wie Frauen den Fußball eroberten, es ist ein Buch über eine Gesellschaft im Wandel, über alte Männer und Männer mit altem Denken, über Gleichberechtigung und Völkerverständigung, zu der die deutschen Fußballfrauen mit ihren Spielen gegen die Niederlande einen wichtigen Beitrag geleistet haben.

„Ihr Herz schlug stetig und tapfer für den Ball, und es war rund.“ (S.14)

Durch Gespräche mit Zeitzeuginnen, Zeitungsartikel sowie Radio- und Fernsehberichte und Fotos wird das Buch zu einem lebhaften Leseerlebnis – und natürlich darf dabei auch nicht die Geschichte vom Kaffeeservice, dass der DFB den Spielerinnen 1989 zur Europameisterschaft geschenkt hat, fehlen.

Ergänzend gibt es im Anhang Literaturtipps und ein Personenregister.

Torsten Körner erzählt in diesem großartigen Buch die Geschichte des Frauenfußballs beginnend in den frühen 50er Jahren bis zum ersten offiziellen Länderspiel am 10.11.1982. Ich habe eine Menge über Fußball erfahren, riesig viel Respekt vor den Frauen, die sich nicht haben unterkriegen lassen, ich war unfassbar wütend auf den DFB und allen, die den Frauen, dass Spielen verboten haben - das Buch hat mich wirklich begeistert, es ist eine wunderbare Hommage an bemerkenswerte Frauen!

Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.05.2025

ein unterhaltsamer Krimi mit tollen Charakteren

Eierlikör und tote Herzen
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Loni und Anneliese sind wieder da und ich habe mich gefreut, es gibt ein Wiedersehen mit den beiden rüstigen Hobbydetektivinnen. Hurra!
 
In wenigen Tagen soll im Romantikhotel „Zum Räuberherz“ die Hochzeit ...


Loni und Anneliese sind wieder da und ich habe mich gefreut, es gibt ein Wiedersehen mit den beiden rüstigen Hobbydetektivinnen. Hurra!
 
In wenigen Tagen soll im Romantikhotel „Zum Räuberherz“ die Hochzeit von Constanze Engelhardt und Frederik von Thalheim stattfinden. Loni ist mit ihre Enkelin Emma, der Hochzeitsfotografin, vor Ort und Anneliese in Begleitung ihres Lebensgefährten Erich, der mit dem Familienoberhaupt der von Thalheims befreundet ist.
Die Braut ist extrem angespannt und behandelt ihr gesamtes Umfeld sehr unhöflich. Ihre Trauzeugin und beste Freundin Inga sowie Freds Freund und Trauzeuge Nick proben mit Emma und Loni die Hochzeitsfotos. Die Braut erwartet unter anderem ein Foto auf dem zu dem Hotelgelände gehörenden Rapunzelturm. Als Emma dort zu den Probeaufnahmen eintrifft, findet sie Inga dort tot vor.
 
War es ein Unfall oder doch Mord, ist Inga das richtige Opfer oder war vielmehr die Braut gemeint und es handelt sich um eine Verwechslung? Als es bald darauf eine weitere Leiche gibt, spitzt sich die Situation zu.
 
Loni und Anneliese beschließen den Fall zu lösen. Sie beginnen mit den Nachforschungen und erkennen, dass alle Anwesenden dunkle Geheimnisse haben. Werden sie herausfinden, was wirklich passiert ist?
 
Auch in ihrem 3. Fall laufen die Eierlikör-Fans Loni und Anneliese zu Höchstform auf, unterstützt von ihren Partnern Julius und Erich und im eifrigen Wettstreit mit den beiden Mühlbacher „Jung“-Detektiven Jupp und Willi.
Der Fall ist spannend, es gibt ebenso viele Hinweise wie falsche Fährten, so dass die Auflösung nicht einfach zu erraten, aber letztlich schlüssig ist … und auch der Eierlikör kommt nicht zu kurz, sei es im Kaffee, Tiramisu oder als Torte.
Nun muss ich ehrlich zugeben, dass ich beim Thema Eierlikör aus vielerlei Hinsicht raus bin – bei mir sorgt Likör eher für Müdigkeit, Anneliese und Loni hingegen scheint das weniger auszumachen, denn auch in diesem Fall laufen sie wieder zu Höchstform auf und zeigen eindrucksvoll, dass sie alles andere als zum alten Eisen gehören.
 
Wie großartig ist bitte die Szene beim Zumba? Umwerfend!
Und ich freue mich, dass beide ihr Glück gefunden haben, das habe ich mir nach dem letzten Buch irgendwie heimlich gewünscht und es ist schön, dass es so gekommen ist.
 
Da ich die etwas ruhigere Art mag, wäre ich, sofern ich mich entscheiden müsste, wahrscheinlich #teamloni – aber darauf kommt es letztlich gar nicht an und zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team!

Ein kurzweiliger Krimi mit interessanten Charakteren und einer raffinierten Auflösung.
Fans von kurzweiligen Krimis mit Lokalkolorit kommen bei diesem Buch auf ihre Kosten, es bietet vergnügliche Unterhaltung und macht nicht nur Appetit auf Eierlikör, sondern auch auf ein Wiederlesen mit den beiden Hobbydetektivinnen!

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Veröffentlicht am 26.05.2025

eine nette Coming of Age-Geschichte

Das Summen unter der Haut
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Sommer 1977 – Julle ist 14. Wie auch bei anderen Vierzehnjährigen passiert bei ihm im Leben, im Kopf und im Körper gerade ganz viel – Schule, Gefühle, Freunde, Freibad, Geburtstagsfeten (ja, früher hieß ...

Sommer 1977 – Julle ist 14. Wie auch bei anderen Vierzehnjährigen passiert bei ihm im Leben, im Kopf und im Körper gerade ganz viel – Schule, Gefühle, Freunde, Freibad, Geburtstagsfeten (ja, früher hieß das noch so). Eltern, die ihn mal verstehen und mal nicht.  Der ganz normale Wahnsinn, wenn man in der Erwachsenwerden-Achterbahn sitzt und den Eindruck hat, nicht angeschnallt zu sein.
 
Kurz vor den Sommerferien kommt Axel neu in seine Klasse. Julle verliebt sich – er zählt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, die sie sich kennen, sehen, Zeit miteinander verbringen. Es entsteht eine Freundschaft und Julles Gedankenkarussell hat einen neuen Dreh- und Angelpunkt. Die Freundschaft zu Axel gibt ihm Mut, er wächst ein wenig über sich hinaus. So plötzlich wie Axel in sein Leben geknallt ist, so plötzlich verschwindet er aber auch wieder. Von jetzt auf gleich, nach 44640 Minuten mit Julle. 2 678 400 Sekunden, die Julles Leben verändert haben.
 
„Das Summen unter der Haut“ erzählt vom Aufwachsen und Erwachsenwerden in den 70ern. 1977 war ich 6 Jahre alt, aber vieles von dem, was Stephan Lohse über die 70er schreibt, hat einen großen Wiedererkennungswert, sei es aus dem eigenen Erlebten, den Erinnerungen oder dem, was man über dieses Jahrzehnt liest, sieht und hört. Eine Welt zwischen Nachkriegs-Spießertum mit Eiche rustikal Schrankwand und Aufbruch in eine andere Zeit, ein anderes Denken. Diese Stimmung wird in dem Buch mit Witz und Charme wiedergegeben. Die Charaktere werden gut beschrieben, die Geschichte ist schlüssig und phantasievoll.
 
Ich hätte mir gewünscht, dass einige der angedeuteten Handlungsstränge weiter- oder gar zu Ende geführt werden. 176 Seiten ist ja nicht das Ende der Fahnenstange, da wären bestimmt noch ein paar Seiten möglich gewesen, um den Schluss des Romans nicht ganz so abrupt erscheinen zu lassen. Gut gefallen, sogar ein bisschen bewegt hat mich der letzte Absatz. Sehr schöne Worte.

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