Erkenntnisgewinn durch Arbeit
Philosophie des menschlichen Daseins in 7 Bänden / An die ArbeitIn „An die Arbeit“, dem zweiten Band seiner Reihe „Die Philosophie des menschlichen Daseins“, widmet sich Franz Rieder einem Thema, das uns alle betrifft – und das trotzdem in der Philosophie erstaunlich ...
In „An die Arbeit“, dem zweiten Band seiner Reihe „Die Philosophie des menschlichen Daseins“, widmet sich Franz Rieder einem Thema, das uns alle betrifft – und das trotzdem in der Philosophie erstaunlich selten im Mittelpunkt steht: der Arbeit.
Schon der Einstieg überrascht. Der philosophische Begriff „Arbeit“ hat keine allzu lange Tradition, wie man vielleicht annehmen würde. Selbst Marx – der den Konflikt zwischen Philosophie und Ökonomie gewissermaßen eröffnet hat – konnte der Philosophie in dieser Frage wenig abgewinnen. Rieder greift diese Leerstelle auf und stellt sich der Herausforderung, Arbeit philosophisch neu zu denken – nicht aus historischer Distanz, sondern im Kontext unserer heutigen Realität.
So schafft er – wie bereits in Band 1 – Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen, indem er seine Analysen einbettet in ihren Zusammenhang zur Demokratie, zur Marktwirtschaft und Globalisierung – und in unserem Lande besonders bemerkenswert, weil oftmals verpönt – zu den internationalen Finanzmärkten. Er untersucht die Bedeutung der Arbeit in diesem Rahmen, und hinterfragt das Bild des Homo oeconomicus als gewinnorientiertem, egoistischem Akteur – Wirklichkeit oder Zerrbild, das unsere Vorstellung von Arbeit und Wirtschaft einengt?
Rieders Antwort bleibt differenziert, aber konsequent. Seine Analysen bringen neue Perspektiven auf die Werttheorie sowie auf Ursprung und Wandel privaten Eigentums.
Rieder behandelt den Begriff „Arbeit“ umfassend. Angefangen von Aristoteles über Adam Smith und Karl Marx finden sich nun in philosophischen Betrachtungen die Hauptakteure der modernen Okonomik von den Keynesianisten über die Neokeynesianisten bis hin zu den Monetaristen und deren Nachfolgern. Besonders spannend fand ich die aktuellen Verbindungen von ökonomischen Theorien mit philosophischen Reflexionen, die die heutige Politik und Finanzwirtschaft miteinbeziehen. Das ist so bisher selten versucht worden, dass Philosophie sich mit der gigantischen Schuldenwirtschaft und deren Helfer Theorie, genannt Modern Money Theory, beschäftigt.
Fazit:
„An die Arbeit“ ist ein Buch, das nicht nur denkt, sondern zum Denken anregt. Wer bereit ist, vertraute Konzepte kritisch zu hinterfragen und Philosophie in eher ungewöhnlichen Kontexten zu erleben, wird bei Rieder auf überraschende und ungewöhnliche Erkenntnisse stoßen.