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Veröffentlicht am 13.01.2019

Zunehmende Beklemmung & vielversprechender Start der Triologie

Jahre aus Seide
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Bei „Jahre aus Seide“ handelt es sich um mein erstes Buch von Ulrike Renk. Schnell bin ich in die Lebensgeschichte der Krefelderin Ruth Meyer gekippt, die mit ihrer jüngeren Schwester Ilse behütet im elterlichen ...

Bei „Jahre aus Seide“ handelt es sich um mein erstes Buch von Ulrike Renk. Schnell bin ich in die Lebensgeschichte der Krefelderin Ruth Meyer gekippt, die mit ihrer jüngeren Schwester Ilse behütet im elterlichen jüdischen Schuhhändler-Haushalt von Martha und Karl Meyer samt Kindermädchen Leni und Köchin Frau Jansen aufwächst. Komplettiert wird die engere Familie noch durch die eigentümliche Großmutter mütterlicherseits sowie die liebenswürdigen Großeltern väterlicherseits. Besondere Bedeutung für die gesamte Familie hat auch Chauffeur Hans Aretz samt seiner Familie, den Karl Meyer aufgrund seines Augenleidens engagiert hat. Die Verbundenheit der beiden Familien geht bald über das einer normalen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung hinaus.

Irritierend empfand ich den Titel „Jahre aus Seide“ samt Klappentext, die einen größeren Anteil von Richard Merländer, dem im Nachbaranwesen lebenden jüdischen Seiden- und Stofffabrikant, vermuten ließ. Dessen Rolle bzw. Namensgeber für den Titel beläuft sich primär über die Tochter seines Chauffeurs, Rosie, die sich mit Ruth anfreundet. Ruths Großmutter bringt den beiden Mädchen das Nähen bei, wobei Merländer ihnen immer wieder Stoffproben aus seinen Musterbüchern zukommen lässt und so Ruths Kreativität geweckt wird (zB diverse Chanukka-Geschenke anzufertigen).

Äußerst beeindruckend beschreibt Ulrike Renk umfangreich das Alltagsleben ihrer Protagonisten und zeigt den schleichenden zunehmenden Antisemitismus, der sich für jeden - egal ob als Kind in der Schule oder als Erwachsene - im Leben bemerkbar machte. Auch dass die Vorkommnisse äußerst unterschiedlich empfunden und interpretiert – vor allem hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung – wurden und dass einige sofort Deutschland verlassen, andere zuwarten und wiederum andere bleiben wollten, weil sie annahmen, dass es so schlimm schon nicht kommen wird können.

Auch für Familie Meyer wird es zunehmend schwieriger, wobei Karl Meyer versucht, seinen Kindern und deren Freunden die staatliche Einschränkungen durch persönliches Engagement wettzumachen, um ihnen trotzdem eine möglichst erfüllende Jugendzeit zu bieten.
Als das Familienoberhaupt sich doch dazu durchringen kann, endlich Visa-Anträge für eine Ausreise aus Deutschland zu stellen, wird klar, dass dies mit langen Wartezeiten verbunden ist, nicht klar ist, welches Land ihnen überhaupt eines gewähren würde und ob er auch für alle Familienmitglieder ein Visa wird erhalten können.

Band 1 endet mit einem Cliffhanger am Folgetag der Reichskristallnacht, an dem Ruth und Ilse verzweifelt ihre Eltern in der verwüsteten Villa suchen.

Besondere Tiefe erhält das bislang gute Buch aber durch sein Nachwort, in welchem Ulrike Renk beschreibt, wie sie zu dieser Geschichte gefunden hat. Dass der Kern der Geschichte die Lebensgeschichte der realen Ruth Meyer war, deren Nachfahren ihr unter anderem auch deren Tagebücher zur Verfügung gestellt haben.

Fazit:
Ein beeindruckendes Werk, dessen Fortsetzung ich schon entgegenfiebere!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
  • Authentizität
Veröffentlicht am 05.01.2019

Mann oh Mann: was für eine geniale Sammlung inspirierender Frauen-Portraits!

Good Night Stories for Rebel Girls 2
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Ich hatte zwar schon zuvor Lobeshymnen auf „Good Night Stories for Rebel Girls 1“ gehört und gelesen, kam aber erst mit Band 2 in den Genuss, jeweils auf der linken Buchseite die Erfolgsgeschichte einer ...

Ich hatte zwar schon zuvor Lobeshymnen auf „Good Night Stories for Rebel Girls 1“ gehört und gelesen, kam aber erst mit Band 2 in den Genuss, jeweils auf der linken Buchseite die Erfolgsgeschichte einer Frau zu lesen, welche die gängigen gesellschaftlichen Konventionen ihrer jeweiligen Zeit gesprengt, an sich und ihr Vorhaben geglaubt und es konsequent verfolgt hat.

Äußerst erfrischend dabei ist der Mix an Frauen aus unterschiedlichsten Epochen, geographischen und gesellschaftlichen Schichten, beruflichen Betätigungsfeldern - von (Friedens-)Aktivistinnen, Menschenrechtlerinnen und Wissenschaftlerinnen bis hin zu Künstlerinnen, Sportlerinnen oder gar einer Skateboarderin bzw. einer Pfadfinderin - und unterschiedlichem heutigen Bekanntheitsgrad.

Jede (!) der Frauen bzw. Stories überzeugt für sich und wird optisch durch eine jeweils auf der rechten Buchseite befindliche äußerst ansprechende und/oder eindrückliche Illustration – von 50 auf der gesamten Welt wohnhaften/tätigen Illustratorinnen – gewürdigt.

Neben dem Mut, Kraft und der Hartnäckigkeit der Frauen sind es auch die Vielzahl an starken Vätern, Ehemännern oder Wegbegleitern, die in den Geschichten vorkommen, die aufzeigen, dass Gleichberechtigung und die Unterstützung weiblichen Empowerments für alle – unabhängig vom Geschlecht – einen unbezahlbaren (regionalen/weltweiten gesellschaftlichen) Mehrwert schafft.

Ein RIESEN Dankeschön an die Protagonistinnen für ihre Vorreiterinnen-Funktion, an Francesca Cavallo, Elena Favilli und die gesamte Timbuktu-Family für diese Buch-Reihe, die hoffentlich noch viele Fortsetzungen finden wird, sowie an alle Rebellinnen und Rebellen, die mittels Crowdfunding die Realisierung ermöglichten/beschleunigten.

Meinerseits gibt es eine klare Leseempfehlung für jedermann/-frau jeden Alters, sich mit einer Dosis „Rebel-Girls-Power“ zu stärken!

Veröffentlicht am 11.11.2018

„Die Bedeutung des Einzelnen für die Welt“ oder „Wo ist Lenz, wenn man ihn braucht?“

Lenz
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Zum Inhalt:
Kommissar Eschenbach kehrt nach seiner mehrmonatigen Auszeit bei der Tochter in den USA nach Zürich zur Kantonspolizei zurück. Doch während seiner Abwesenheit hat sich das Klima in seiner Abteilung, ...

Zum Inhalt:
Kommissar Eschenbach kehrt nach seiner mehrmonatigen Auszeit bei der Tochter in den USA nach Zürich zur Kantonspolizei zurück. Doch während seiner Abwesenheit hat sich das Klima in seiner Abteilung, der er als Leiter der Zürcher Kriminalpolizei vorsteht, massiv verschlechtert. Maßgeblich daran beteiligt: Dr. Christine Saager, Polizeichefin, die eine Ivy Köhler als interimistische Leiterin aus dem Hut gezaubert hat, die zudem nach Eschenbachs Rückkehr nicht wieder ausscheidet, sondern als dessen Stellvertreterin im Team bleiben soll!
Und dann der gerade am Tisch liegende Fall eines erst nach mehreren Tagen in seiner Wohnung tot aufgefundenen Siebzigjährigen! Wieso drängt Ivy Köhler derart, den Fall als „natürlichen Tod“ zu schließen, zumal Eschenbach beim „ersten Hinsehen“ Ungereimtheiten auffallen?
Er beschließt, dem Ganzen unter dem Radar von Saager/Köhler nachzugehen und sein Netzwerk vertrauenswürdiger Personen zu nutzen! Doch wo ist einer seiner wichtigsten Freunde und Informationsquellen, Ewald Lenz, der pensionierte Polizeiarchivar? Was für eine Weltentdeckung macht er in seiner Mühle? Und wieso sieht Ivy Köhler in Lenz plötzlich ein Bedrohungspotential mit internationalen terroristischen Verbindungen?

Meine Meinung:
Plot:
Da ich bislang bis auf Martin Suter keine Schweizer KrimiautorInnen oder in der Schweiz spielende Krimis gelesen habe, war ich auf Michael Theurillats LENZ schon sehr gespannt, da sowohl der Klappentext als auch die Leseprobe eine Reise in die Schweiz und Pharmaindustrie versprachen.
Schnell erahnte ich, dass meine literarische Reise noch viel weiter gehen wird, denn ich wurde Dank des flüssigen und inspirierenden Erzählstils Theurillats mit einer außergewöhnlichen Freundschaft dreier ehemaliger Studienkollegen, dem weltweiten Streben nach Geld, Macht und Einfluss inklusive der damit einhergehenden militärischen Verstrickungen bishin zum Syrien-Krieg und brillanten gesellschafts-politischen und philosophischen Betrachtungen zur Informations-(Un-)Kultur unserer heutigen Zeit überrascht. Und ich war auch erstaunt, wie allein man in einem westlichen Land dastehen kann und zu welchen „Stilblüten“ man sich genötigt sieht …
Besonders spannend fand ich dabei, die weltweiten Geschehnisse aus der Sicht eines „neutralen“ Schweizers präsentiert zu bekommen, der zudem kritisch den Anteil seines Heimatslandes am weltweiten Geschehen hinterfragt.

Protagonisten:
Theurillats beschreibt seine Charaktere derart gut, dass ich mich schnell in sie einfühlen konnte. Besonders gelungen ist ihm die Skizzierung von Kommissar Eschenbachs, der mir von Beginn an sympathisch war, nicht zuletzt, weil er sich treu bleibt, weiter „schnüffelt“, auch wenn andere ihn davon abhalten wollen: einerseits, weil er es als seine polizeiliche/gesellschaftliche Pflicht ansieht und andererseits, weil er persönlich am Verbleib seines Freundes interessiert ist und last but not least wegen seines Lebensmottos „Es komme schon alles gut.“
Zudem – im Vergleich zu vielen anderen Krimi-Kommissaren - erfrischend, dass er sich eine Aus-Zeit gegönnt hat, eine innige Beziehung zu seiner Tochter führt und auf langjährige Freunde zurückgreifen kann.

Auch Ewald Lenz, der die Wahrheit der Bibliotheken liebt, wird wunderbar charakterisiert, weshalb auch gut nachvollziehbar ist, weshalb Eschenbach den Austausch mit ihm schätzt, wenngleich sowohl er als auch ich als Leserin nicht jedem Gedankengang von Lenz inhaltlich zustimmen können, Lenz uns aber zumindest dazu bringt, nachzudenken und einen eigenen Standpunkt zu schärfen oder überhaupt erst einzunehmen.

Neben Eschenbach und Lenz sind es auch die NebendarstellerInnen wie zB Rosa Mazzoleni (Sekretärin mit italienischen Wurzeln) und Claudio Jagmetti (team-intern als Eschenbachs Vertretung Auserkorener) sowie der Pathologe, die mir Lust machen, die gesamte Eschenbach-Reihe kennenzulernen.

Schweizer Lebensgefühl:
Am Alltagsleben der Protagonisten lässt sich neben geographischen Details Zürichs auch gut in die hiesige Lebensart einfühlen, wie zB ins Sprüngli oder Tabaklädeli zu gehen oder sich Friandises zu gönnen. Die Viersprachigkeit – vor allem Schweizer-Deutsch, Italienisch und Französisch – blitzt vielerorts auf, erschließt sich jedoch bei mangelnden Schweiz- oder den jeweiligen Sprachkenntnissen nicht gänzlich. Dafür wird man mit einer internationalen Note – dem Umgangs-Englisch Eschenbachs, der gerade aus den USA zurückkehrt, versöhnt (holy shit).

Fazit:
Ein Schweizer Krimi, der sich über die Genre-Grenze hinaus als überraschend geistreicher, unterhaltsamer und inspirierender Roman entpuppt. Eine klare Leseempfehlung an alle, die sich mit weltweiten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Entwicklungen auseinandersetzen wollen.

Veröffentlicht am 04.11.2018

Amourös-erotischer Leckerbissen für Zwischendurch

The One Best Man
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Zum Inhalt:
Victoria hat sich vor zwei Jahren von ihrem Anwaltsgatten scheiden lassen und ist von L.A. in ihre Heimatstadt Chicago zurückgekehrt, um ihrer an Multipler Sklerose erkrankten Mutter beiseite ...

Zum Inhalt:
Victoria hat sich vor zwei Jahren von ihrem Anwaltsgatten scheiden lassen und ist von L.A. in ihre Heimatstadt Chicago zurückgekehrt, um ihrer an Multipler Sklerose erkrankten Mutter beiseite zu stehen. Doch im Moment ist zum Glück noch das Gegenteil der Fall, denn ihre Mutter unterstützt Victoria tatkräftig, die neben der Betreuung der 7jährigen Jade auch noch den neuen Job und ihren College-Abschluss unter einen Hut zu bringen versucht. Wofür sie im Moment keine Zeit und Lust hat: Männer, vor allem Anwälte!

Als sie ihre Tochter zur Schule bringt und diese auf ihren Freund Henry trifft, steht plötzlich auch dessen Big-Brother, der gutaussehende Reed Warner, vor Victoria. Exakt jener Reed, der auch der „best man“ (Trauzeuge) von ihrem Ex Pete war! Der sich auch den Rechtswissenschaften verschrieben hat!
Wird Victoria es nochmals wagen, sich auf einen Mann einzulassen und wird sie bereit sein, ihr Beuteschema gar zu überdenken?

Meine Meinung:
„The one best man“ ist Teil 1 der neuen dreibändigen Law-and-Order-Reihe des Autorenduos Piper Rayne, einem Pseudonyms zweier USA-Today-Bestseller-Autorinnen, die durch Witz, Esprit, Direktheit, köstlichen Dialogen und zweideutigen Anspielungen – insbesondere im SMS-Verkehr, überzeugen.

Obwohl es mein erstes Piper Rayne-Werk ist, hat mich das Buch sofort abgeholt, da die Protagonistin mitten im Leben steht und sich mit den Mehrfachbelastungen einer alleinerziehenden Mutter, die sich auch beruflich entfalten möchte, auseinandersetzt.

Besonders gelungen sind auch die beiden Freundinnen Victorias – die ebenfalls geschiedenen Chelsea und Hannah (zweitere zugleich Chefin und Self-made-Multimillionärin), die in Sex-in-the-City-Manier Victoria auf ihrem Weg zurück in die Männerwelt coachen und dabei frank und frei aussprechen, was manche sich nicht zu sagen wagt (zB spricht Chelsea vom „hotten“ Reed bloss noch als „Steak“), was zugleich auch ein wenig gewöhnungsbedürftig ist.

Piper Rayne überraschen auch mit brillanten Nebenfiguren, die manchmal bloss einen Kurzauftritt haben (zB einer Ü50-jährigen im Lift, die Victoria den Tipp gibt, beim Treffen unter dem Mantel blank zu sein), der wunderbar beschriebenen Mutter Victorias, die ihrem Ex-Schwiegersohn ihren Unmut unverblümt ins Gesicht sagt und der Freundschaft zwischen Jade und Henry, der bei seinen Großeltern aufwächst, da seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen.

Ein wenig allzu gut haben es die beiden aber mit dem „best man“ Reed gemeint, der – dem Titel entsprechend – als derart makellos beschrieben wird, dass er nur einem Frauentraum entsprungen sein kann. Und gerade deshalb „funktioniert“ das Buch auch, weil lesende Frauen wissen, dass es einen derartigen Jackpot wohl kaum geben wird, man sich aber zwischendurch eine derartige Illusion guten Gewissens gönnen darf.

Fazit:
Witzig-spritzig-unterhaltsamer Liebesroman mit einer guten Portion Dramatik, Humor und Erotik, den man sich zwischendurch ruhig auch einmal gönnen darf. Der Cliffhanger am Ende verspricht bereits Spannung für Chelsea, der Band 2 gewidmet sein wird.

Veröffentlicht am 04.11.2018

Ernestine & Anton: Wiens erfolgreiches Rentner-Ermittler-Duo bei ihrem 3. Fall an Bord der Jupiter

Mord auf der Donau
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Zum Inhalt:
Wien 1923: Ernestine Kirsch, eine pensionierte Lateinlehrerin, bekommt zwei Karten für das Luxusdampfschiff Jupiter für eine Fahrt Wien-Budapest-Wien und kann ihren Vermieter und guten Freund, ...

Zum Inhalt:
Wien 1923: Ernestine Kirsch, eine pensionierte Lateinlehrerin, bekommt zwei Karten für das Luxusdampfschiff Jupiter für eine Fahrt Wien-Budapest-Wien und kann ihren Vermieter und guten Freund, Anton Böck, einen in Ruhestand befindlichen Apotheker, mit einer Filmvorführung an Bord locken, sie zu begleiten.

Doch nach dem Genuss einer Szegediner Fischersuppe leiden fast alle an Bord und es gibt einen Toten. Der Kapitän, um den guten Ruf der Jupiter besorgt, möchte die Suppe (oder einen natürlichen Tod) dafür verantwortlich machen und scheint auch schnell einen Schuldigen gefunden zu haben, doch für Ernestine und Anton sind dies keine befriedigenden Antworten, denn einerseits legt der Anblick der Leiche eine andere Todesursache nahe und andererseits befinden sich einfach zu viele Verdächtige an Bord …
Wird es den beiden gelingen, das Mysterium um den Tod des ungarischen Grafen von Jesenky zu klären?

Meine Meinung:
Obwohl Ernestine und Anton bereits zum dritten Mal gemeinsam ermitteln, habe ich sowohl sie als auch deren Autorin, Beate Maly, erst mit diesem Band kennengelernt, konnte der Geschichte aber aufgrund des flüssigen und humorvollen Erzählstils sofort und problemlos (ohne Vorkenntnisse) folgen.

Beate Maly stattet ihre beiden Hauptprotagonisten mit derart liebenswürdigen Charaktereigenschaften aus - die patente, neugierige, alleinstehende Ernestine und der beinahe allen kulinarischen Genüssen erliegende Anton, der sich zudem rührend um seine Tochter Heide und die Enkeltochter Rosa kümmert und dem Ernestine sehr am Herzen liegt – dass es eine Freude ist, den beiden silver agern bei ihren Aktivitäten zu folgen.

Zudem überzeugt das Buch wegen Beate Malys Wien- (und Budapest)-Kenntnissen, die sie gekonnt „nebenbei“ miteinfließen lässt und dabei nicht nur die wunderschönen Seiten der ehemaligen Kaiserstadt (zB Architektur, Medizin/Psychotherapie, Kulinarik, …) präsentiert, sondern auch die herausfordernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen der turbulenten Zwischenkriegszeit anspricht (zB Gesellschaftsumbruch, Reparationszahlungen, Inflation, …).

Dieses historische Wissen ist auch am hervorragenden Mix der unterhaltsamen und köstlich skizzierten NebendarstellerInnen abzulesen, welche einerseits - Downtown-Abbey-mäßig - aus der gehobenen Gesellschaftsschichten entstammen und dem damaligen Zeitgeist entsprachen (alter (ungarischer) Adel, neureiche Kondensmilch-Industrielle, ein Rechtsanwalt, ein Psychiater und eine Nervenkranke, ein Schiffskapitän, ein Medium, eine Familie deren drei Söhne im Krieg gefallen sind und die Tochter sich als Karikaturistin zu etablieren versucht, …) und andererseits die Angestellten (Küchenchef, Jungkoch, Gesellschafterin des Mediums, …) und mitten drinnen Ernestine und Anton als interessierte Beobachter.

Fazit:
Als Liebhaberin von Büchern, in denen Wien Handlungsspielort ist, war MORD AUF DER DONAU ein Lesegenuss erster Klasse, zumal ich die Protagonisten Ernestine und Anton ins Herz geschlossen habe. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung und verkürze mir bis dahin mit den beiden Vorgängerbänden die Zeit.