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Veröffentlicht am 22.02.2026

Lebenslange Suche nach der eigenen Identität

Alma
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In “Alma“ erzählt die italienische Autorin Federica Manzon die Geschichte einer Frau, die in Triest aufwächst. Ihre Mutter ist die Tochter eines reichen, gebildeten Paars, das die Traditionen des Habsburgerreichs ...

In “Alma“ erzählt die italienische Autorin Federica Manzon die Geschichte einer Frau, die in Triest aufwächst. Ihre Mutter ist die Tochter eines reichen, gebildeten Paars, das die Traditionen des Habsburgerreichs fortsetzt. Es hat ihnen gar nicht gefallen, dass ihre Tochter einen Slawen von jenseits der Grenze heiratet. Das Ehepaar lebt in einem einfachen, unordentlichen Haus auf dem Karst in der Nähe der Grenze. Die Mutter arbeitet in der offenen Psychiatrie und kümmert sich nicht besonders um ihre Tochter. Dafür hat Alma ein liebevolles Verhältnis zu den Großeltern mütterlicherseits, mit denen sie in ihrer Kindheit glückliche Sommer verbringt. Alma liebt ihren Vater, leidet aber darunter, dass er immer wieder tagelang über die Grenze nach Osten verschwindet, ohne ihr zu erzählen, was er dort macht. Er gibt grundsätzlich wenig über sich preis, ein Verhalten, das Alma für ihr ganzes weiteres Leben übernehmen wird. Die Fragen nach ihren Wurzeln, ihrer Identität werden sie ein Leben lang begleiten, genauso wie das Fehlen jeglichen Zugehörigkeitsgefühls. Als Jugendliche beherrscht sie mehrere Sprachen der Region. Als Alma 11 Jahre alt ist, bringt ihr Vater Vili, den Sohn seines besten Freundes in Belgrad ins Haus. Sie wachsen fortan zusammen auf, weil die Eltern des Jungen als Dissidenten seine Sicherheit nicht gewährleisten können. Anfangs verstehen sich die beiden Kinder nicht besonders, später verlieben sie sich in einander und sind danach für viele Jahre wieder getrennt. Als Almas Vater stirbt, trifft sie Vili in Triest, wo er ihr im Auftrag ihres Vaters ihr Erbe übergibt. Das sind Unterlagen aus seinem und ihrem Leben, darunter Artikel, die sie geschrieben hat, aber auch Dokumente, die belegen, dass sie überwacht und abgehört wurde.
Überhaupt spielt der Roman in bewegten Zeiten, denn es geht um Tito, nach seinem Tod um den Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und schließlich um die Bosnienkriege der 90er Jahre. Dabei erspart die Autorin dem Leser auch nicht die Schilderung von Grausamkeiten und Völkermord, zum Beispiel den Mord an muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica. Aus den Unterlagen ihres Vaters erfährt Alma, dass Vili Knezevic als Fotograf im Tross der serbischen Truppen deren Verbrechen dokumentierte und damit Beweismaterial für die Prozesse in Den Haag lieferte.
Manzons Roman ist zweifellos interessant, liest sich aber nicht leicht. Das liegt unter anderem daran, dass die Zeitebene ständig wechselt, dass sowohl präzise geographische Angaben als auch Namen von wichtigen Persönlichkeiten häufig fehlen. Da fällt es dem Leser schwer, sich zu orientieren und Abläufe korrekt zu verstehen. Mich hat der Roman etwas enttäuscht.

Veröffentlicht am 15.02.2026

Noahs neues Leben

Der letzte Sommer der Tauben
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Der vierzehnjährige Noah lebt mit seinen Eltern im Haus des Großvaters. Weder sein Vater, noch dessen Bruder Ali haben dessen Teppichhandel weitergeführt. Onkel Ali hat ein Café, Noahs Vater verkauft Textilien, ...

Der vierzehnjährige Noah lebt mit seinen Eltern im Haus des Großvaters. Weder sein Vater, noch dessen Bruder Ali haben dessen Teppichhandel weitergeführt. Onkel Ali hat ein Café, Noahs Vater verkauft Textilien, doch wie lange noch? Es finden gerade große Veränderungen statt. Die neuen Gesetze des Kalifats verbieten die Fortführung des Cafés genauso wie den Verkauf bunter Kleidung sowie Abbildungen von Frauen, die inzwischen das Haus nur mit dem Hijab bekleidet und in Begleitung verlassen dürfen. Ihnen sind nur noch wenige Berufe erlaubt, zum Beispiel Ärztin für Frauen oder Lehrerin für Mädchen. Generell verboten sind inzwischen Alkohol, Zigaretten und Spiele aller Art. Noahs älterer Bruder Bakir hat sich schon vor langer Zeit radikalisiert und keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Wird er seine Angehörigen retten können, wenn es zum Äußersten kommt?
Noah züchtet mit seinem Onkel Tauben in einem Verschlag auf dem Dach. Jede hat einen Namen, alle werden sehr geliebt. Doch auch die Zucht von Tauben wird verboten, da sie für illegale Aktionen benutzt werden könnten, z.B. für Schmuggel. Die Menschen leben in absoluter Rechtlosigkeit, und gewalttätige Übergriffe durch die Polizei sind Alltag auf den Straßen. Noah wird sogar Zeuge einer Steinigung, bei der die Zuschauer nach Aufforderung gehorsam mitmachen. Dann muss Onkel Ali aus dem Land fliehen, und Noah gerät wegen eines Streichs in Lebensgefahr. Er wird eingesperrt und brutal geschlagen. Es war nicht nur der letzte Sommer der Tauben, sondern auch das Ende jeglicher Normalität, eines glücklichen Lebens in Freiheit.
Khiders neuer Roman ist wieder interessant und lesenswert. Dass er selbst als junger Mann ähnliche Erfahrungen gemacht hat, verleiht der Darstellung eine besondere Authentizität. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 27.01.2026

Leben ist Veränderung

Die Liebe, später
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In Gisa Klönnes neuem Roman “Die Liebe, später“ geht es um Anselm und Kora, ein Ehepaar Anfang 60, seit mehr als 20 Jahren verheiratet, das mit großen Veränderungen konfrontiert wird und sich neu aufstellen ...

In Gisa Klönnes neuem Roman “Die Liebe, später“ geht es um Anselm und Kora, ein Ehepaar Anfang 60, seit mehr als 20 Jahren verheiratet, das mit großen Veränderungen konfrontiert wird und sich neu aufstellen muss. Anselm ist gerade in Rente gegangen und will endlich seinen Lebenstraum verwirklichen, auf seinem Grundstück in Köln einen Libellenteich anzulegen. Jetzt, wo er nicht mehr zwischen Köln und Berlin pendeln muss, will er mit Kora den Ruhestand genießen. Da gibt es nur das Problem, dass Kora kürzlich eine schwere Herzoperation überlebt hat und sich nur allmählich erholt. Vor allem für sie ist nichts mehr, wie es einmal war, nicht nur in Bezug auf ihre Gesundheit. Ihr Radiosender will sie loswerden, und sie hat auf einmal den Drang, frei zu sein, wegzugehen und woanders ein ganz neues Leben anzufangen. Dann bittet sie Felix, ein alter Bekannter, um Hilfe bei der Suche nach seiner spurlos verschwundenen Ehefrau Leonie. Er hofft, dass sie ihre alten Kontakte bei den Medien nutzen kann, um Leonies Schicksal aufzuklären.
In dieser schwierigen Lebensphase trifft Kora nicht nur ihre geliebte Mentorin Gabriella wieder, sondern auch Menschen, die in der Vergangenheit eine Rolle in ihrem Leben gespielt haben, zum Beispiel Freundinnen, die sie aus den Augen verloren hat oder den ehemaligen Partner Sascha. Da gibt es einige offene Fragen und Konflikte, die verdrängt und nie gelöst wurden. Der Leser folgt Koras Suche nach sich selbst und nach der Antwort auf die Frage, wie sie ihr weiteres Leben gestalten wird. Hat ihre Ehe mit Anselm eine Zukunft? Wird sie noch einmal glücklich sein?
Der überwiegend aus Koras Sicht ruhig erzählte, handlungsarme Roman überrascht den Leser mit vielen bedenkenswerten Einsichten. Nichts bleibt jemals, wie es ist, und Zweifel und Fehler gehören zum menschlichen Leben und sind nicht zu vermeiden. Mir hat Klönnes neues Buch gefallen, obwohl ich normalerweise Romane mit etwas mehr Handlung vorziehe.

Veröffentlicht am 15.12.2025

Miriam Crace und Lady Chalfont

Tod zur Teestunde
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Die Lektorin Susan Ryeland ist nach London zurückgekehrt und übernimmt nun Aufträge von Michael Flynn, dem Verleger des kleinen Verlags Causton Books. Sie soll einen jungen Autor namens Eliot Crace betreuen, ...

Die Lektorin Susan Ryeland ist nach London zurückgekehrt und übernimmt nun Aufträge von Michael Flynn, dem Verleger des kleinen Verlags Causton Books. Sie soll einen jungen Autor namens Eliot Crace betreuen, der die überaus erfolgreiche, neunbändige Reihe um Atticus Pünd beenden soll, deren Autor Alan Conway einige Jahre zuvor ermordet wurde. Susan und Conway mochten sich nicht, und Susan geriet durch ihn zweimal in Lebensgefahr. Trotz aller Bedenken übernimmt sie den Auftrag dann doch. Sie ist überrascht, dass Causton Books Eliot Crace beauftragt hat und merkt sehr schnell, dass Grace über seine eigene Familie schreibt. Zwar spielt sein Roman in einem Schloss an der Côte d´Azur, aber in den Figuren verbergen sich die Mitglieder der englischen Familie Crace unter neuen Namen. In beiden Familien kommen die Großmütter ums Leben – Miriam Crace starb viele Jahr zuvor angeblich eines natürlichen Todes, die reiche Lady Chalfont wurde vergiftet. Eliot Crace will nun öffentlich machen, wer seine Großmutter auf dem Gewissen hat. Bei einer öffentlichen Veranstaltung der Crace-Stiftung verkündet er seine Absicht und kommt kurz danach durch einen Unfall mit Fahrerflucht ums Leben. Merkwürdig ist, dass immer mehr belastende Indizien auftauchen, die auf Susan Ryeland als Täterin deuten. Ihre Verhaftung scheint unmittelbar bevorzustehen. Sie wird bedroht, ihre Wohnung verwüstet und ihr Kater fast getötet. Nur Detective Inspector Ian Blakeney ist nicht von ihrer Schuld überzeugt. Susan versucht aufzuklären, wer für die Morde verantwortlich ist, um nicht das nächste Opfer des Täters zu werden.

Der neue Roman von Anthony Horowitz verbindet die Geschichte zweier Familien auf raffinierte Weise und ist trotz seiner Länge unglaublich spannend. Für den Leser sind die Personenvielfalt und die vielen falschen Spuren eine echte Herausforderung, denn fast jeder hatte ein Motiv für den Mord. Nur widersetzt sich keiner, um nicht den Verlust seines Anteils am Erbe zu riskieren. Die Handlung ist so kompliziert, dass der Leser die Auflösung nicht erraten kann. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, und es wird sicher nicht mein letztes Buch von Horowitz sein.

Veröffentlicht am 16.11.2025

Weihnachtsplätzchen blitzschnell

1,2,3 – fertig ist die Weihnachtsbäckerei
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„1,2,3 – fertig ist die Weihnachtsbäckerei“ von Christiane Leesker überzeugt mich auf der ganzen Linie. Zu Beginn des Backbuches gibt es erst einmal ein paar Seiten zu lesen. Das Back-ABC ist informativ, ...

„1,2,3 – fertig ist die Weihnachtsbäckerei“ von Christiane Leesker überzeugt mich auf der ganzen Linie. Zu Beginn des Backbuches gibt es erst einmal ein paar Seiten zu lesen. Das Back-ABC ist informativ, kurz und prägnant und ausgesprochen hilfreich. Wenn man sich damit eingehend beschäftigt hat, sollte es keinerlei Probleme mehr mit den Weihnachtsplätzchen geben. Die Rezepte sind aufgeteilt in „Taler, Schnecken & Stangen“, „Bällchen, Busserl & Cookies“, „Schnitten, Rauten & Ecken“. Vor jedem Abschnitt gibt die Autorin hilfreiche Tipps und Tricks, z.B. dass man sich unbedingt an die Mengenangaben halten soll (S. 65). Obwohl ich schon etwas länger backe, habe ich es mir dieses Mal einfach gemacht und mit den schnellen Plätzchen begonnen. Nachgebacken habe ich die saftig-zitronigen Plätzchen aus Italien auf S. 67 und die Husarenbusserl auf S. 72. Alle Rezepte sind einfach erklärt, die Zubereitungsdauer ist angegeben sowie die Herdtemperatur, die Kühl- und die Backzeit. Wenn man das Rezept genau abarbeitet, gelingen die Plätzchen in der vorgegebenen Zeit. Geschmacklich sind sie ausgesprochen köstlich. Die Zutaten stellen keine große Herausforderung dar, weil sie in jeder gut sortierten Küche vorrätig sind.
Ein Backbuch, das nicht nur in der Weihnachtszeit genutzt werden sollte, denn Plätzchen schmecken das ganze Jahr. Ich sehe noch sehr viele Rezepte, die ich nachbacken möchte. Gefallen haben mir auch die zusätzlichen Register am Ende des Buches, sortiert nach veganen und glutenfreien Rezepten sowie nach Plätzchen ohne Nüsse oder Ei. Hier wurde an alles gedacht.
Das Buch ist auch von der Gestaltung her wunderbar gelungen. Die Autorin hat mit der Fotografin Vanessa Jansen ein Werk geschaffen, das ich auch als Geschenk mit gutem Gewissen empfehlen kann.