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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2019

Ein sehr unterhaltsamer Krimi

Mydworth - Bei Ankunft Mord
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Neil Richards und Matthew Costello durfte ich schon bei ihrer Cherringham-Reihe kennen lernen, und durfte mich umso mehr freuen, dass ich dank be-books nun auch diese neue Reihe kennen lernen darf.
Lord ...

Neil Richards und Matthew Costello durfte ich schon bei ihrer Cherringham-Reihe kennen lernen, und durfte mich umso mehr freuen, dass ich dank be-books nun auch diese neue Reihe kennen lernen darf.
Lord und Lady Mortimer beziehen gerade ihr neues Domizil in Mydworth. Am ersten Abend sind sie eingeladen zum Dinner auf Mydworth Manor. Als sie ankommen, fallen auf dem Anwesen Schüsse. Da die Polizei jedoch überfordert zu sein scheint, ergreift das Ehepaar die Gelegenheit beim Schopfe und ermitteln auf eigene Faust. Denn der Täter muss unter den Gästen weilen. Doch die Zeit tickt, denn die Gäste wollen in nicht mal mehr 48 Stunden abreisen. Kann das Ehepaar Mortimer ihren ersten Fall lösen?
Ich liebe ja solche Krimis, die ohne viel Action auskommen. So fallen hier zwar Schüsse am Anfang, und doch liegt der Fokus auf den Ermittlungen des Ehepaares. Und so war ich an die Serie "Inspector Barnaby" erinnert. Doch gerade diese eher erzählerische Weise, die logischen Schlussfolgerungen machen diese Reihe um Lord und Lady Mortimer sehr liebens- und lesenswert.
Das Herrenhaus Mydworth Manor reicht völlig aus, um den Tatort zu stellen. Das Ehepaar mit den Gästen und Familie wirkt typisch britisch (was auch die amerikanische Lady Mortimer noch herausfinden wird). Für meinen Teil hatte ich den Täter recht schnell im Blick, doch war ich gespannt auf die Auflösung, wie die beiden Ermittler den (oder die) Täter ans Licht bringt.
Wer auf Inspector Barnaby und Sherlock Holmes steht, darf hier gerne beherzt zum Buch greifen. Ein sehr unterhaltsamer und guter Krimi.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Wundervolle Geschichte

Helden für immer
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Noch gar nicht so lange her, kam ich mit Markus Jäger auf einer sozialen Platform in Kontakt. Ich folgte ihm zwar schon länger sehr neugierig, aber wie das ja öfters so ist: ich hatte noch nichts von ihm ...

Noch gar nicht so lange her, kam ich mit Markus Jäger auf einer sozialen Platform in Kontakt. Ich folgte ihm zwar schon länger sehr neugierig, aber wie das ja öfters so ist: ich hatte noch nichts von ihm gelesen. Als ich dann ein Rezensionsexemplar von ihm bekam, habe ich mich sehr darüber gefreut, und war sehr neugierig auf die Geschichte "Helden für immer".
Felix und Kilian lernen sich in einer Zeit kennen, die von sehr sehr konservativen Weltbildern bestimmt ist. Gleichgeschlechtliche Liebe ist verpönt und wird sogar strafrechtlich verfolgt. Und so müssen die beiden eine Beziehung im Geheimen führen: so entwickeln beide eine lebenslange Angst, dass ihre Liebe entdeckt werden könnte, und sie dadurch bestraft oder verfolgt werden könnten.
Und doch, oder gerade deswegen trotzen sie aller Gefahren, die diese große Liebe mit sich bringt. Während von den Familien, von denen sie eh früh getrennt werden, kein Rückhalt zu erwarten ist, finden sie unerwartete Hilfe bei Freunden, die sie sehr lange begleiten werden. Doch diese Liebe ist auch geprägt von Angst und Flucht. Immer wieder müssen sie sogar überstürzt ihren aktuellen Wohnort verlassen, und so finden beide etwas Entspannung über den großen Teich. So entpuppt sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für die beiden als große Sicherheit, mit der sie erstmal lernen müssen zumzugehen. Der Wille, sich die Freiheit zu erkämpfen, wird von Erfolg gekrönt. Felix wird als erfolgreicher Autor gefeiert, und Kilian stärkt ihm den Rücken. Und ihre Umgebung geht sehr entspannt mit ihrer Liebe um. So können beide - trotz Höhen und Tiefen - eine Liebe bis zum Schluss leben.
Während ich am Anfang etwas Startschwierigkeiten hatte, mich in Markus Jägers Schreibstil einzufuchsen, fesselte mich der Schreibstil später umso mehr. Teils abschweifend, wirkt es teilweise, dass die eigentliche Geschichte gar nicht so vorangetrieben wird. Und doch: die Umwege, die am Anfang gegangen werden, sind elementar für diese Liebesgeschichte. Und so erzählt Jäger nicht nur die reine Geschichte von Felix und Kilian, sondern auch die Geschichte eines Kampfes um die Freiheit der gleichgeschlechtlichen Liebe über Grenzen hinaus, der auch heute ebenso wichtig ist trotz aller Erfolge. Mir persönlich hat dieser geschichtliche Streifzug sehr gefallen. Auch der Hinweis eines Protagonisten, dass ihn die Liebe Kilians und Felix' an die Liebe seiner Eltern erinnert hat, fand ich sehr treffend.
Was genau macht die Liebe aus? Dass man sich auch in schlechten Zeiten liebt trotz aller Zweifel? Dass man an ihr arbeitet, und dem anderen auch seinen Erfolg gönnt? Die Liebe, die Markus Jäger beschreibt, hat mich ebenso an die Liebe meiner Eltern und Großeltern erinnert. So wurde gezofft, gestritten, die Meinung des anderen zerpflückt, und am Ende des Tages saßen beide doch wieder Händchen haltend zusammen, und haben sich vertragen. Und so wurde sich um den anderen bis zum letzten Atemzug gekümmert. Und dafür ist es schlicht und ergreifend schnurz egal, wer hier wen liebt.
Markus Jägers Geschichte über Kilian und Felix kommt ohne Kitsch aus. Die Protagonisten hätten auch Ilse und Erna, oder Maximilian und Petra heißen können. Die Geschichte hätte nebenan geschehen können. Und das macht sie so glaubhaft und liebenswert. Egal welchen Weg ein Liebespaar geht, sie sind Helden ihres eigenen Alltags, der gemeinsam bestritten werden muss.

Veröffentlicht am 04.10.2019

Ein Lesehighlight für 2019

Das Gedächtnis des Herzens
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Oh, was hab ich mich demletzt gefreut: Der wundervolle Blessing Verlag hat mir das neue Buch von Jan-Philipp Sendker zukommen lassen. Und zwar signiert! Vielen vielen Dank, die Überraschung ist mehr als ...

Oh, was hab ich mich demletzt gefreut: Der wundervolle Blessing Verlag hat mir das neue Buch von Jan-Philipp Sendker zukommen lassen. Und zwar signiert! Vielen vielen Dank, die Überraschung ist mehr als gelungen.

Ko Bo Bo lebt mit seinem Onkel U Ba Ba in einem kleinen Dorf namens Kalaw. Dort geht Bo Bo noch zur Schule, danach kümmert er sich um seinen Onkel. Ab und zu besucht er seinen einzigen Freund Ko Aye Min, mit dem er Schach spielt oder am Computer spielen kann. Denn in seiner Schule wird Bo Bo gehänselt, da eine große Narbe sein Gesicht entstellt. Einmal im Jahr kommt ihn sein Vater Thar Thar besuchen. Doch weder Thar Thar noch Ba Ba sprechen sich über Bo Bos Mutter aus. So hat Bo Bo kaum Erinnerungen an seine Mutter, ausser einem großen Feuer.

Bo Bo lässt aber nicht locker. Und so bittet er solange seinen Onkel, von seiner Mutter zu erzählen, bis sich Ba Ba erweicht und eine Geschichte erzählt, die von einer großen Liebe erzählt, die über Grenzen und Zeit hinweg geht. Julia – so heißt Bo Bos Mutter – und Thar Thar haben sich in einer Zeit kennen gelernt, in der Julias Mutter versucht hat, den Sinn des Lebens zu finden, und ihre Dämonen zu bekämpfen. Thar Thar hilft ihr, wieder eine gewisse Sicherheit zu gewinnen. Doch um Bo Bo zu schützen, zieht sie sich zurück, und so wächst Bo Bo bei seinem Onke Ba Ba auf.

Jan-Philipp Sendker gehört zu einem meiner Lieblingsautoren. Sein Talent, eine Geschichte so bildhaft und gefühlvoll zu erzählen, sucht oft genug seines gleichen. Für meinen Teil war ich leider noch nie in Burma, und dennoch kann ich mir die Umgebung lebhaft vorstellen. Seine Charaktere erwachen zum Leben, und man fühlt sich mit ihnen verbunden.

Die Geschichte über das Gedächtnis des Herzens hat eine Tiefe, die bewegt. Sie hätte nicht nur in Burma spielen können, sondern auch irgendwo anders in der Welt. Eine Geschichte über die persönlichen Ansprüche, über Erinnerungen, die auch schmerzhaft sein können. Erinnerungen, die einen prägen, und zu dem machen, was man ist.

Jan-Philipp Sendkers Bücher regen zum Nachdenken an. Und doch sind sie Geschichten, die das Herz bewegen, und noch sehr lange nachwirken.

Ich hoffe, Jan-Philipp Sendker hört nie auf, zu erzählen.

Wundervoll. Eins meiner Jahreshighlights 2019.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Flop des Jahres

Iron Sky
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Iron Sky. Eine ziemlich verrückte Idee, die hier in diesem Roman festgehalten wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg hat es eine Gruppe Nazis auf die Rückseite des Mondes geschafft, und dort ihre Festung „Schwarze ...

Iron Sky. Eine ziemlich verrückte Idee, die hier in diesem Roman festgehalten wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg hat es eine Gruppe Nazis auf die Rückseite des Mondes geschafft, und dort ihre Festung „Schwarze Sonne“ aufgebaut. Dort lebt Renate Richter, die als Lehrerin in der Festung den Kindern die rechte Gesinnung unterrichtet. Diese berichtet in ihrem Tagebuch davon, wie aus dem farbigen James Washington ein Nazi gemacht werden soll. Ihr Vater soll James „arisieren“. Das Experiment gelingt vermeintlich, und so fliegt Renate mit ihrem Verlobten Klaus Adler, einem SS-Offizier, und James auf die Erde, um den Weg für die feindliche Übernahme des Planeten vorzubereiten. Als die Gruppe auf dem amerikanischen Kontinent landen, erleiden sie einen Kulturschock: die Erde hat sich schneller weiter entwickelt als die Menschheit in der schwarzen Festung. Und solangsam kommen Renate Zweifel, ob ihre Gesinnung nun wirklich die richtige ist. Als sie versucht, Klaus davon zu überzeugen, dass sie auf dem Holzweg sind, scheint es dafür schon fast zu spät zu sein.

Iron Sky: bei diesem Buch muss man sich mehrfach bewusst machen, dass dieses Buch nur so vor Satire strotzt. Die Autorin verwendet mehrere geschichtliche Situationen wie die Mondlandung, den Wahlkampf oder die moderne Technik dazu, diese auf die damalige Zeit anzuwenden, und das Gedankengut der damaligen Zeit ins Lächerliche zu ziehen. Aufzuzeigen, dass dieses Regime sehr viel Leid mit sich gebracht hat, ist richtig. Dies über Satire zu lösen, ist sicherlich auch eine gute Idee. Doch leider hat für mich es hier an der Umsetzung leider nicht so geklappt, wie ich es erwartet habe. Vieles schien für mich übertrieben, oder irgendwie nicht passend. Es war oft zuviel der Satire. Gute Idee, schwache Umsetzung. Für mich bisher einer meiner Flops des Jahres, und nicht empfehlenswert. Zwei Sterne für die Idee und die Tatsache, dass der Schreibstil soweit fesselnd war, dass ich das Buch zu Ende gelesen habe.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Symbolhaft, genial!

Wolf
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Wir schreiben das Jahr 1820 in einem kleinen Schwarzwalddorf namens Schrötten. Dort lebt die Bäuerin Antonia mit ihrem Mann, der durch einen Unfall nicht mehr ansprechbar ist, und vor sich hinvegetiert. ...

Wir schreiben das Jahr 1820 in einem kleinen Schwarzwalddorf namens Schrötten. Dort lebt die Bäuerin Antonia mit ihrem Mann, der durch einen Unfall nicht mehr ansprechbar ist, und vor sich hinvegetiert. So muss Antonia mit der Tochter Marie und den Knechten den Hof selber bewirtschaften. Als eines Tages im Dorf dann ein junger Mann erscheint, fängt für die Familie ein neues Leben an. Gabriel, so wird der junge Mann genannt, hilft auf Antonias Hof wo er nur kann, und wird unersetzlich für die Familie. So hilft Gabriel nicht nur auf dem Bauernhof als Arbeiter mit, er verdingt sich auch als Heilkundiger, und verarztet allerlei Krankheiten, und dies sehr erfolgreich. Das weiß auch das naheliegende Kloster sehr zu schätzen, die den mysteriösen jungen Mann auch hin und wieder aufgenommen haben. Doch die Anwesenheit des jungen Mannes bringt nicht nur Glück. Jeder möchte von dem Glück haben: So buhlt nicht nur Antonia um die Gunst des jungen Fremden, sondern auch Maria. Dies ruft die Eifersucht Ruperts auf die Tagesordnung, der eigentlich Maria heiraten wollte, um selber Bauer zu werden. Als schließlich dann ein neuer Lehrer ins Dorf kommt, lichtet sich langsam das Geheimnis um Gabriel.

Das Dorf Schrötten mit dem nahe gelegenen Kloster ist für sich eine abgekapselte Welt. Von dem Krieg, der ringsherum herrscht, haben die Bewohner wenig bis fast gar nichts mitbekommen. So sind die Bewohner mehr mit sich selber beschäftigt und leben wie in einer kleinen Blase. Abwechslung gibt es nur durch den Besuch der Klosterbewohner. Da ist Gabriel doch eine willkommene Abwechslung und bringt frischen Wind in diese kleine Welt. Marie Brunntaler verwendet gekonnt verschiedene Stilmittel in ihrem Buch. So wird der fremde Unbekannte ja eigentlich schon zu einem Erzengel erkoren, weil er so hübsch ist, so perfekt, und hilfreich ist. Doch die Zweifler erkennen schnell: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Viele fragen sich, ob man nicht den Wolfs im Schafspelz im Dorf hat. Langsam erkennen die Dorfbewohner, dass der Schein trügt.Hinter jeder Fassade steckt eine Geschichte. Aber auch im ach so frommen Kloster menschelt es, und auch hier spinnt sich manche Intrige, die nur durch Zufall aufgedeckt wird.

„Wolf“ ist ein Buch, das mir gerade wegen seiner Tiefe und Symbolhaftigkeit sehr sehr gut gefallen hat. Marie Brunntaler hat sich sehr viel Mühe gegeben, auf kleinstem Raum viele Metaphern bewusst zu platzieren, ohne das sie einen erschlagen hätten. Die Romantik des Schwarzwaldes gegenüber der harten Arbeit und Mangel an Luxus, der Wunsch nach Veränderung gegenüber der Bereitwilligkeit, diese Veränderung auch wirklich anzunehmen. All dies wurde gekonnt sprachlich und bildlich umgesetzt. Auch dass das Buch ohne großes Happy End auskommt, hat mich überzeugt.