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Veröffentlicht am 11.11.2023

Die Welt ordnet sich neu - informatives Sachbuch

Welt in Aufruhr
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In Münklers fachlich gut fundierten und flüssig geschriebenen Sachbuch "Die Welt in Aufruhr - Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert" behandelt der Autor tiefgehend das Thema Weltordnung, die verschiedenen ...

In Münklers fachlich gut fundierten und flüssig geschriebenen Sachbuch "Die Welt in Aufruhr - Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert" behandelt der Autor tiefgehend das Thema Weltordnung, die verschiedenen Theorien dahinter und welche Ordnungssysteme es gab bzw. gibt.

Er liefert, vor allem in Bezug auf Ausbildung und Konzepten hinter den verschiedenen Ordnungssystemen, nicht nur eine Fülle an theoretischen Hintergrundwissen, sondern er geht auch auf die Rolle von Krieg und Frieden sowie die der Politik dabei ein. Nebenbei analysiert er auch die aktuelle Weltordnung und wie diese sich in Zukunft aussehen könnte. Hierbei geht er auch auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ein, die EU und die UN, sodass ein Aktualitätsbezug entsteht.

Wer jedoch ein leicht verständliche politikwissenschaftliche Sachlektüre hinter "Die Welt im Aufruhr" erwartet, wird mit dem Buch nicht ganz glücklich. Es hilft mit dem Thema vertraut zu sein und ein Interesse bzw. Hintergrundwissen in Bezug auf (geo)politische Themen zu haben. Dem gut strukturiert aufgebauten Text merkt man an, dass er von einem Autor geschrieben wurde, der definitiv Ahnung von seinem Thema hat und tief in der Materie drinnen steckt. Für Fachfremde kann es dementsprechend teils etwas schwer verständlich sein. Dazu tragen auch die langen, verschachtelten Sätze und die längeren Kapitel bei.
Wer sich dessen bewusst ist, wird viel Interessantes über verschiedenen Theorien über Krieg, Frieden, die Rolle des Staates, der Wirtschaft und auch des Volkes lernen und welche Rolle sie bei Ausbildung und Entwicklung unterschiedlicher Ordnungssysteme spielten und spielen werden.

"Die Welt in Aufruhr" ist definitiv ein interessantes und gut geschriebenes Sachbuch über Weltordnungen. Zuweilen mit etwas zu viel theoretischen Hintergrund. Diesbezüglich hätte ich mir mehr Bezug auf nähere geschichtliche und (geo)politische Entwicklungen gewünscht. Trotz der kleinen Schwächen, ist Münklers neuestes Werk informativ und für Leute, die sich für das Thema interessieren, auf jeden Fall lesenswert.

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Veröffentlicht am 11.11.2023

Wenn die Vergangenheit dich einholt

Taubenschlag
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"Taubenschlag" ist ein kurzweilig und fesselnd erzählter Krimi und die gelungene Fortsetzung des ersten Bandes der Reihe rund um die dänische Ermittlerin Lykke Teit und dem deutschen Ermittler Rudi Lehmann.

Gleich ...

"Taubenschlag" ist ein kurzweilig und fesselnd erzählter Krimi und die gelungene Fortsetzung des ersten Bandes der Reihe rund um die dänische Ermittlerin Lykke Teit und dem deutschen Ermittler Rudi Lehmann.

Gleich zu Beginn geht es düster und durchaus brutal zu.
In einem alten Bunker in Berlin werden die mumifizierten Leichen einer Familie gefunden. Im Norden von Deutschland kommt es zu brutalen Morden, bei denen die Opfer vor ihrem Tod gefoltert werden und dann nach ihrem Tod mit einer toten Taube auf ihrem Schoß aufgefunden werden. Lykke und Rudi werden wieder beauftragt, gemeinsam zu ermittle. Der Fall nimmt nicht nur persönliche Züge an, sondern lässt beide auch tief in die Stasi-Geschichte der DDR eintauchen. Eine spannende Jagd nach dem Täter beginnt, denn dieser hat schon sein nächstes Opfer in seiner Gewalt.

Dank kurzer Kapitel wird von Anfang an, schnell Spannung aufgebaut, die auch konstant hochgehalten wird. Dazu tragen auch die verschiedenen Erzählperspektiven, darunter auch die des Täters, bei, von den packenden Wendungen nicht zu schweigen.
Aufgrund der rasanten Erzählweise bleibt kaum Zeit zum Durcharbeiten, einzig die privateren und persönlicheren Momente zwischen Lykke und Rudi sorgen für eine kurze Verschnaufpause.
Die freundschaftliche und väterliche Beziehung zwischen Lykke und Rudi ist auch eine der Stärken des gut geschriebenen Krimis und sorgt hier und da auch für den ein oder anderen heiteren Moment in dem sonst eher düsteren Krimi.
Zudem sind beide Charaktere gut, vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Insgesamt kann die Personenzeichnung überzeugen.

Jedoch nicht nur die Charaktere können überzeugen, sondern auch die Handlung.
Der Autor schafft es glaubhaft, die Gräueltaten der Stasi, die Verstrickungen einzelner darin, Rache und Sühne mit einem fesselnden Kriminalfall zu verknüpfen.

"Taubenschlag" ist somit ein spannender und atmosphärisch düster erzählter Krimi mit überzeugenden Charakteren, der einen Blick auf das begangene Unrecht der Stasi in der DDR wirft.

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Veröffentlicht am 04.11.2023

Berührender historischer Liebesroman

In Liebe, deine Lina (Mühlbach-Saga 1)
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"In Liebe, deine Lina" ist ein bewegendes Zeitporträt sowie ein berührender Liebes- und Familienroman in einem.

Erzählt wird die Geschichte von Lina, kurz für Karolina, die in Mühlenbach in der Pfalz ...

"In Liebe, deine Lina" ist ein bewegendes Zeitporträt sowie ein berührender Liebes- und Familienroman in einem.

Erzählt wird die Geschichte von Lina, kurz für Karolina, die in Mühlenbach in der Pfalz Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem frühen Tod ihrer Mutter, gemeinsam dort mit ihrem Vater und ihren Brüdern lebt. Lina ist in Albert verliebt und beide sind ein Paar. Sie können sich jedoch nur heimlich treffen und lieben. Es kommt wie es kommen musste und schon bald wird Lina schwanger. Lina und Albert wollen heiraten, doch Alberts Familie ist dagegen und stellt ihn vor die Wahl, wenn er Lina heiratet, verliert er das Familienerbe. Lina hofft, dass sich Albert für sie und das Kind entscheidet, doch Albert entscheidet sich anders und gegen sie. Als unverheiratete Mutter der kleinen Charlotte kommen harte Zeiten auf Lina im Dorf zu. Sie wird von den anderen Dorfbewohnern geschnitten und ist fast komplett auf sich alleine gestellt, vor allem ihr Bruder Walther unterstützt sie. Dann macht Karl, ihr Freund aus Kindheitstagen, ein Angebot. Karl, der schon immer heimlich in Lina verliebt war, bietet ihr an, sie zu heiraten und der Vater von Charlotte zu werden. Obwohl sie Albert noch immer liebt, willigt sie ein und zieht mit Karl und ihrer Tochter nach Bremen. Sie fängt ein neues Leben in Bremen an, doch ihre Liebe zu ihrer alten Heimat lässt sie nie ganz los.

Der Roman beruht auf der wahren Geschichte der Großmutter der Autorin und weiß zu berühren.
Erzählt vorwiegend aus der Sicht von Lina, aber auch aus der von Karl, Lotte und anderen, taucht man schnell, dank des bildhaften Schreibstils der Autorin in die Pfalz und das Bremen um die Jahrhundertwende ein. Die Autorin schafft es hierbei ein stimmungsvolles und realistisches Bild der damaligen Zeit einzufangen. Auch wenn natürlich die Liebes- und Familiengeschichte von Lina im Vordergrund steht, werden auch geschichtlich und gesellschaftlich wichtige Entwicklungen und Ereignisse in den Roman eingebunden.
Kurze Kapitel mit teils emotionalen Szenen und der gefühlvolle Schreibstil sorgen dafür, dass die Geschichte einen schnell in ihren Bann zieht. Anteil daran hat auch die überzeugenden Charakterzeichnung. Man gewinnt einen guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der wichtigsten handelnden Figuren und kann sie sich gut vorstellen. Die lebhafte Beschreibung der Handlung und der Charaktere ist definitiv eine Stärke des historischen Romans.
Manche Szene hätte jedoch etwas mehr Tiefe vertragen können. So werden Konflikte oder schwierige Situationen teilweise etwas schnell gelöst oder nur kurz angesprochen. Bezüglich der Rolle Alberts hätte ich mir etwas mehr Konfrontation bzw. Aussprache gewünscht.
Zudem wirkt der Roman zum Ende hin etwas gehetzt und endet etwas abrupt, was der Tatsache geschuldet sein könnte, dass es einen zweiten Band gibt.

"In Liebe, deine Lina" ist ein Liebesroman, der ohne großen Kitsch auskommt und stattdessen eine bewegende Liebesgeschichte erzählt und dabei gleichzeitig ein authentisches Gesellschaft- und Zeitporträt zeichnet.

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Veröffentlicht am 04.11.2023

All dies hätte ein gutes Buch werden können

All dies könnte anders sein
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"All dies könnte anders sein" ist voll von großen Ideen und Themen und beginnt durchaus vielversprechend, doch mit zunehmender Seitenzahl schaffte der Roman es mich immer weniger zu fesseln. Der Autorin ...

"All dies könnte anders sein" ist voll von großen Ideen und Themen und beginnt durchaus vielversprechend, doch mit zunehmender Seitenzahl schaffte der Roman es mich immer weniger zu fesseln. Der Autorin gelingt es nämlich leider nicht wirklich, mit all ihren Charakteren und Themen etwas anzufangen, vieles verbleibt an der Oberfläche, sodass der Roman als Ganzes bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte.

Zunächst fing das Buch wirklich gut an und führte die komplexe, wenn auch nervige Protagonistin Sneha ein, die ihren Weg durch ihre Sexualität, ihre soziale Klasse, ihre ethnische Zugehörigkeit, ihre Identität als Immigrantin in ihren Zwanzigern zu finden versucht. Sneha hat es während der Rezession in Amerika zu Zeiten der Obama Jahre glücklich erwischt. Sie ist nach Milwaukee in den Mittleren Westen der USA gezogen, um einen Einstiegsjob in einem Unternehmen zu finden, der, so zermürbend er auch ist, es ihr ermöglicht, ihre Rechnung zu bezahlen und ihren Eltern in Indien Geld zu schicken. Auch in ihrem Liebesleben scheint es gut zu laufen, sie geht auf Dates und bald verliebt sich Sneha in die Tänzerin Marina. Doch dann fängt es an in ihrem Leben alles nicht mehr so gut zu laufen wie am Anfang.

Das alles wird anschaulich dargestellt, man erhält einen Eindruck vom Leben im Mittleren Westen und die Dialoge weisen durchaus Wortwitz und inhaltliche Tiefe auf. Lesen lässt sich, dank des lockeren und lebendigen Schreibstils der Roman, zudem auch leicht und schnell.
Doch umso mehr Charaktere und Themen eingeführt werden, desto schneller verliert die Handlung ihren anfänglichen Reiz.
Die Geschichte fängt an zu mäandern. Am Schluss verbleibt einfach so vieles unvollendet und wartet darauf zufriedenstellend zu Ende gebracht zu werden. Da ich aber schon ab etwa der Hälfte das Interesse zunehmend verloren haben, war mir es ehrlicherweise auf den letzten Seiten auch zunehmend egal, welche Richtung die Handlung nimmt.
Dazu kommt noch, dass die Charaktere in ihrer Beschreibung und in ihrer Interaktion miteinander ziemlich oberflächlich sind. Sneha und die meisten anderen Figuren sind schwer zu liebende Charaktere, sie sind nicht perfekt und haben ihre Macken.
Unvollkommene Charaktere haben durchaus ihren Reiz, aber auch, nur wenn sie die nötige Tiefe und Komplexität besitzen. Beides fehlt hier, so fällt es einem schwer, sich zu verstehen und auf Dauer nerven sie eher.

"All dies könnte anders sein" ist ein Buch, das, wenn es anders in seiner inhaltlichen Konzeption anders gewesen wäre, besser hätte sein können, so bleibt es trotz interessanter Prämisse wenig in Erinnerung.

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Veröffentlicht am 04.11.2023

Wie spannende Spionagethriller schreiben geht

Wie Sterben geht
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„Wie Sterben geht“ von Andreas Pflüger ist ein spannender Spionagethriller, der einen beim Lesen direkt in die 80er-Jahre zu Zeiten des Kalten Krieges versetzt und glaubhaft Wahrheit und Fiktion miteinander ...

„Wie Sterben geht“ von Andreas Pflüger ist ein spannender Spionagethriller, der einen beim Lesen direkt in die 80er-Jahre zu Zeiten des Kalten Krieges versetzt und glaubhaft Wahrheit und Fiktion miteinander vermischt.

Auch wenn es die Zeit des Kalten Krieges ist, geht es schon zu Beginn heiß her.
Die Glienicker Brücke wird in die Luft gesprengt, wodurch ein geplanter Agentenaustausch scheitert. Infolgedessen wird die Analystin des BND, Nina Winter, zur Spionin ausgebildet, und zwar quasi im Schnelldurchlauf. Nun heißt es Schreibtisch ade für Nina und hallo Spionagetätigkeit in Moskau. Man folgt ihr wie sie innerhalb von zwei Monaten das Handwerk einer guten Spionin lernt. Schnell hat sie sich jedoch auch mit Motte, einen gefährlichen und skrupellosen russischen Agenten, einen Feind gemacht. In all dem ganzen Spiel aus Täuschung, Betrug, Macht und Vertrauen, darf die Liebe natürlich auch nicht fehlen.

Alles Zutaten für einen fesselnden Spionagethriller und das ist „Wie Sterben geht“ auch. Szene voller Action wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab, um dann wieder Vollgas zu geben. Der Spannungsbogen wird so konstant hochgehalten.
Dank des bildhaften und atmosphärischen Schreibstils Pflügers, bekommt man einen guten Eindruck von den Handlungsschauplätzen sowie den Charakteren. Nina Darstellung als toughe Topspionin schießt manchmal vielleicht etwas über das Ziel hinaus, klischeehaft wird es jedoch nie. Die Grautöne in einer Welt voller Misstrauen und Täuschung sind spürbar.
Manchmal lässt der Schreibstil in seiner direkten und klaren Art, an ein Drehbuch erinnern, was man mögen muss.

Fans von packenden Agententhrillern werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen.
„Wie Sterben geht“ bietet nicht nur spannende Action, sondern auch inhaltlich eine glaubhafte und gut konstruierte Geschichte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

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