Das Bild der Frau
Zwischen zwei LebenZwischen zwei Leben beinhaltet 272 Seiten. Das Cover verrät nicht so viel über den Inhalt. Optisch ist es eher unscheinbar, trotzdem hat es mich angesprochen. Eine Frau, die in Gedanken vertieft ist. Womit ...
Zwischen zwei Leben beinhaltet 272 Seiten. Das Cover verrät nicht so viel über den Inhalt. Optisch ist es eher unscheinbar, trotzdem hat es mich angesprochen. Eine Frau, die in Gedanken vertieft ist. Womit mag sie sich gerade beschäftigen? Die hellen Naturtöne im Hintergrund runden das Bild ab und die Neugier war geweckt. Eine kluge Emazipationsgeschichte über eine Frau, die mitten im Leben steht und noch mal von vorn anfängt.
Wir begegnen Jenni, Anfang 50. Sie möchte einen neuen Abschnitt in ihrem Leben beginnen, die Kinder sind erwachsen geworden, sind aus dem Haus. Ihr Mann Jussi, der sie öfters betrogen hat, ist es nicht mehr wert, beweint zu werden. Jenni hat beschlossen, auch ihn nach 24 Jahre Ehe zu verlassen. Sie verlässt das geliebte Haus am Meer und tauscht es gegen eine kleine Wohnung in der Stadt. Ihre Identität möchte sie auch ändern, deshalb ändert sie auch ihren Namen. Sie heisst ab jetzt Jenny Hill. Ihre Therapeutin hat ihr empfohlen, alles, was sie beschäftigt, aufzuschreiben. Am besten in Form eines imaginären Briefwechsel mit Brigitte Macron. Dazu kommt ein Chor weiblicher Märchenfiguren, der Jenny dabei begleitet und kommentiert voller Scharfsinn die Absurdität der Ansprüche, denen Frauen in unserer Welt immer noch gerecht werden sollen.
Ein Roman über das Älterwerden, aber dass es nie zu spät ist, etwas zu ändern und neue Wege gehen. In Finnland wurde das Buch als feministisches Manifest gefeiert. Das Bild der Frau in unserer Gesellschaft, als Ehefrau, Mutter, Partnerin wird beleuchtet. Ihre Probleme, der Kinderwunsch, der Wille, allen gerecht werden, das Bewältigen von Schicksalsschlägen, dabei Älterwerden, die Konfrontation mit Zukunftsängsten, das entsprechende Verhalten nach außen. Die Frau als Individuum, als eigenständige Person. All das sind Themen, die in der Geschichte thematisiert werden. Der Schreibstil ist leicht, locker, flüssig. Die Autorin hat mich immer wieder zum Nachdenken gebracht. Es ist ein feinfühliger und ehrlicher Roman, der sehr kraftvoll ist und stark in Erinnerung bleibt. Mein Fazit: Mut zeigen. Als Begleitung die leisen magischen Figuren (Ajattaras), die wie eine innere Stimme den Menschen lebenslang Kraft geben und bei der Entscheidungsfindung helfen. Ein sehr interessanter und neuer Aspekt für mich.
Insgesamt hat es mir gut gefallen, vergebe 4 Sterne und eine Weiterempfehlung.