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Veröffentlicht am 10.07.2022

schöne Liebesgeschichte mit Tiefgang

Fünfzehn Tage sind für immer
1

Auch wenn Felipe und sein Crush Caio im gleichen Haus leben, haben sie fast nichts miteinander zu tun. Doch dann verkündet Felipes Mutter, dass der Nachbar für 15 Tage, bei ihnen wohnen wird... und so ...

Auch wenn Felipe und sein Crush Caio im gleichen Haus leben, haben sie fast nichts miteinander zu tun. Doch dann verkündet Felipes Mutter, dass der Nachbar für 15 Tage, bei ihnen wohnen wird... und so beginnt "15 Tage sind für immer".

Nach und nach beginnen die Jungs sich näher kennenzulernen. Der Jugendroman dreht sich allerdings nicht nur um diese startende Liebesgeschichte: Felipe struggelt mit seinem Körper, da er dick ist, er wird gemobbt, hat nicht viele soziale Kontakte und ist eher zurückgezogen. Vitor Martins greift diese Themen ermutigend und realistisch auf, ohne die Liebesgeschichte dabei aus den Augen zu verlieren. So gelingt es dem Buch die Balance zwischen schön und ernst zu halten, ohne den positiven Grundton zu verlieren. Die Liebesgeschichte zwischen Felipe und Caio erscheint realistisch, so gibt es anfangs Szenen, in denen es zwischen den Beiden akward ist. Nach und nach tun sich die Beiden immer leichter miteinander und sie beginnen einander besser kennenzulernen. Diese natürliche Entwicklung mochte ich sehr. Gefallen haben mir auch die vielen Anspielungen auf Filme (auch wenn ich diese oft nicht kannte), Felipes Thearapiesitzungen, Caios tolle Freundinnen und die schöne Mutter-Kind Beziehung zwischen Felipe und seiner Mae.

Der Schreibstil der Geschichte ist recht einfach, wie es in Jugendromanen oft üblich ist. Es baut sich schnell ein Lesefluss auf und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Das Cover ist passend, es greift ein durchgehendes Thema im Buch auf, was mir gefällt. Mein Kritikpunkt ist das Ende: ein Konflikt wurde dort für mich viel zu oberflächlich "gelöst", obwohl ich nichts als gelöst empfunden habe. An sich waren viele Handlungsstränge noch in der Entwicklung und wurden dann eher schneller beendet. Vielleicht wird ja in einer möglichen Forsetzung darauf eingeganen?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass "15 Tage sind für immer" eine positiv, schöne Liebesgeschichte ist, die schnell und leicht zu lesen ist und dennoch in die Tiefe geht. Empfehlenswert!

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  • Handlung
  • Erzählstil
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  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 21.05.2022

Wichtiges Jugendbuch über (Selbst)Liebe, Freundschaft und Identität

Felix Ever After
1

Der siebzehnjährige Felix ist trans, queer und eine Person of Color. Die Vorstellung, das sich deswegen niemand in ihn verliebt, belastet ihn sehr. Als in einer transfeindlichen Aktion alte Bilder von ...

Der siebzehnjährige Felix ist trans, queer und eine Person of Color. Die Vorstellung, das sich deswegen niemand in ihn verliebt, belastet ihn sehr. Als in einer transfeindlichen Aktion alte Bilder von ihm aufgehängt werden, versucht er herauszufinden, wer dahinter steckt, und schmiedet einen Racheplan. Gleichzeitig kommen ungeahnte Gefühle auf.

Das Cover und die Gestaltung des Buches haben mich sehr begeistert. Die ausdrucksstarke Zeichnung von Felix, die Blumen und die Schrift, das alles harmoniert super miteinander und passt zu der Geschichte.

Im Nachwort schreibt Kacen Callender, dass „Felix Ever After“ für Kacen eine „zutiefst persönliche Geschichte“ ist und das ist dem Buch anzumerken. Mit Feingefühl wird Felixs Verletzlichkeit in Bezug auf seine Identität porträtiert und auch seine Unsicherheit über seinen Platz im Leben und seine Zukunftswünsche dargestellt.
Felix wirkt manchmal impulsiv und wütend, doch das lässt ihn schlussendlich echt wirken. Dabei ist er nicht der einzige Charakter, der authentisch ist. Auch „kleinere“ Figuren hat Kacen Callender sowohl mit einer großen Breite an Diversität als auch Tiefgang dargestellt. Dies bietet eine große Identifikationsfläche.

Bis zuletzt war es recht undurchschaubar, wer hinter der transfeindlichen Aktion steckt, sodass durchaus Spannung entstanden ist. Ebenfalls unklar war eine lange Zeit, wer in wen verliebt ist. Dies hat zur Spannung beigetragen, aber auch dem Lesenden ein wenig die Möglichkeit genommen, sich komplett „mitzuverlieben“.
Leider war das nicht die einzige Situation, in der ich die Schnelligkeit und teils auch Plötzlichkeit, mit der Gefühle und Gedanken entstanden sind, nicht komplett nachvollziehen konnte.

Allgemein war der Schreibstil angenehm und leicht zu lesen. Dies und die Handlungsentwicklung haben dazu geführt, dass ich das Buch nur schwer wieder aus der Hand legen konnte und unbedingt weiterlesen wollte. Einzig gestört hat den Lesefluss teils die Übersetzung, da ich über manche Wörter gestolpert bin und Formulierungen für mich fremd klangen.

„Felix Ever After“ schafft es Themen und Probleme, mit denen sich viele Menschen noch nie oder nur kaum beschäftigt haben, in einem lockeren Schreibstil zu erklären und gleichzeitig Positivbeispiele zu bringen und den Lesenden zu zeigen, wie sie ihr eigenes Verhalten diskriminierungsfreier gestalten können. Das halte ich für sehr wertvoll. Allerdings fühlte es sich zwischendurch sehr nach einer Art Belehrung an.

Thematisiert wird in dem Buch dabei nicht nur die Suche nach der eigenen Identität, sondern noch viel mehr. Kacen Callender schreibt über die Suche nach der eigenen Bestimmung und das Bewusstwerden der eigenen Zukunftswünsche, über das sich vermutlich alle Teenager Gedanken machen (sollten). Das Buch beschreibt zudem Transfeindlichkeit inner- und außerhalb der LGBTQ+ Community, ein Thema das so kaum diskutiert wird, und lässt auch ältere Menschen aus der Community zu Wort kommen. Letztendlich ist das Buch eine große Aufforderung, das Leben in all seiner Vielfalt zu lieben und wertzuschätzen.

Schlussendlich ist zu sagen, dass „Felix Ever After“ ein gelungenes Jugendbuch ist, dass Mut macht zu sich selbst zu stehen und einen tiefen Einblick in Felix Leben und Gedanken gibt.

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Veröffentlicht am 27.09.2021

Supersüße Kindergeschichte über den Winter im Sommerschlaf

Petronella Apfelmus - Eismagie und wilde Wichte
1

„Petronella Apfelmus Eismagie und wilde Wichte“ von Sabine Städing ist der neunte Band der Petronella Apfelmus Reihe. Das Buch ist jedoch auch ohne Vorkenntnisse über die anderen Teilen gut zu verstehen.

Dieses ...

„Petronella Apfelmus Eismagie und wilde Wichte“ von Sabine Städing ist der neunte Band der Petronella Apfelmus Reihe. Das Buch ist jedoch auch ohne Vorkenntnisse über die anderen Teilen gut zu verstehen.

Dieses Mal müssen sich Petronella und ihre Freunde gegen Grimmbärte verteidigen, die es sich in dem Café der Eltern von Lea und Luis gemütlich machen wollen. Doch noch bevor sie eine Lösung gefunden haben, erreicht sie schon die nächste schlechte Nachricht: der Winter hält noch Sommerschlaf und muss dringend geweckt werden, damit die Jahreszeiten nicht durcheinander geraten. Petronella macht sich zusammen mit Lea und Luis, die sich in ihr Gepäck geschmuggelt haben, auf, um gemeinsam mit ihren Schwestern den Winter zu wecken. Währenddessen überlegen die Apfelmännchen, wie sie die Grimmbärte loswerden können.

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, war ich sofort begeistert von den Zeichnungen und dem Cover. Den Bildern sieht man einfach an, dass sie absolut liebevoll gestaltet wurden. Besonders die vielen Details haben mich fasziniert. In jeder Bildecke ist etwas Neues zu entdecken – es ist also perfekt für Kinder. Ein Beispiel dafür ist die Doppelseite ganz vorne im Buch, auf der Gläser mit Zauberutensilien abgebildet sind. Das Besondere daran: jedes Glas sieht unterschiedlich aus!

Der Schreibstil war angenehm und locker, gespickt mit einer großen Portion Humor. So waren viele Situationen und Dialoge dabei, bei denen ich lachen oder zumindest schmunzeln musste. Dabei blieb Sabine Städing durchgehend leicht verständlich für kleine und große Menschen.
In der Petronella Apfelmus Reihe gibt es viele süße und sympathische Charaktere, seien es die Apfelhexe und ihre Freunde oder auch die kleinen Zapfenmeier, die ich in mein Herz geschlossen habe.
Auch die Spannung hat die Autorin klasse hinbekommen, insbesondere durch die parallel verlaufenden Handlungen. Dabei wurde sie nicht zu gruselig für kleinere Kinder.

Den Inhalt mochte ich sehr, besonders die Anspielung auf die Klimakrise durch den „verschlafenden Winter“. Zudem hat es mir gut gefallen, wie die Apfelmännchen versucht haben, gegen die Grimmbärte anzukommen, obwohl sie keine magischen Kräfte haben und auch nicht sonderlich groß sind. Allerdings hätte ich mir von dem Ausgang des Konfliktes zwischen den Grimmbärten und Petronella und ihren Freunden mehr erhofft.
Alles in allem ist der Schluss jedoch schön. Er rundet die Geschichte ab und hat mich mit einem Grinsen zurückgelassen, weil das Buch so süß ist.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Petronella Apfelmus Reihe eine facettenreiche Welt darstellt, in die man gerne eintaucht und spannende Abenteuer erlebt. Auch der neunte Band ist eine echt süße Kindergeschichte geworden, die auf den Winter einstimmt. Eine große Empfehlung für Groß und Klein!

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