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Veröffentlicht am 22.11.2020

Eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Geschichte

Der Dieb ohne Herz
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Eine junge Frau wächst in einem kleinen Fischerdorf in der Nähe des Waldes auf. Viele Geschichten ranken sich in ›Der Dieb ohne Herz‹ um diesen. Um Menschen, die verschwinden, und einen Dieb, der in ihm ...

Eine junge Frau wächst in einem kleinen Fischerdorf in der Nähe des Waldes auf. Viele Geschichten ranken sich in ›Der Dieb ohne Herz‹ um diesen. Um Menschen, die verschwinden, und einen Dieb, der in ihm hausen soll. Die wenigsten trauen sich, diesen zu durchqueren, noch weniger freiwillig.

Doch die Not im Fischerdorf ist groß. Fischer sterben bei dem Versuch, auch nachts zu fischen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Auch die junge Frau namens Malina und ihre Ziehmutter bekommen diese Not zu spüren. Sie fertigen Masken an, die jedoch in diesen Zeiten kaum noch jemand kaufen kann.

Malina wünscht sich vom Herzen, ihrer Ziehmutter helfen zu können. Doch ihr Wunsch hat einen Preis und wird sie mitten in die Tiefen des Waldes führen. Sie ahnt nicht, dass sie bald in alte Geheimnisse und Märchen hineingezogen werden wird, als sie am Meer einem fremden Mann begegnet. Oder, dass sie bald schon selbst Teil von einem werden wird. Denn Hoffnung kann sie sich nur von einem Besuch bei der verrückten Königin versprechen.

»Magie, hatte Irena diesen Vorgang genannt. Magie war der Teil des Lebens, der einen zum Staunen brachte.«

Mit ›Der Dieb ohne Herz‹ erzählt Sceatcher nicht nur die Geschichte der jungen Heldin, sondern lässt den märchenhaften Zauber von Geschichten verspüren. Viele Herausforderungen stellen sich ihr in den Weg. Feindschaften fast so alt wie sie selbst und Geheimnisse, die nur darauf warten, von den Lesern und Leserinnen gelüftet zu werden.

Nicht nur der titelgebende Dieb ohne Herz umgeben einige, auch die anderen Mitglieder seiner Bande hüten die ihren. Doch das für Malina größte Geheimnis ist die Frage nach ihrer Herkunft.

»Doch das Mädchen lebte nicht von klein auf in diesem Dorf. An einem stürmischen Wintertag tauchte es auf und niemand wusste, wer es war und woher es kam.«

Sceatchers ›Der Dieb ohne Herz‹ ist von der ersten bis zur letzten Seite dicht gefüllt mit Geschichten, unerwarteten Begebenheiten und der Frage, ob in jedem Menschen das Gute gefunden werden kann. Eine besondere Stärke zeigt Ney Sceatcher bei der Erschaffung der Nebenfiguren. Bleiben diese in vielen Geschichten anderer Autoren und Autorinnen konturlose Abziehbilder, sind diese in ›Der Dieb ohne Herz‹ facettenreich, spannend und sympathisch.

»Es war einmal vor langer Zeit, so erzählte man sich, da existierte eine Stadt, in der die Menschen Masken trugen, um ihr wahres Gesicht zu verbergen. Masken aus Glas, aus Papier, aus Holz oder aus Metall.«

Wer Märchen und Geheimnisse liebt, für den könnte ›Der Dieb ohne Herz‹ das perfekte Buch sein. Malina ist eine angenehme Icherzählerin mit Mut, Herz und viel Fantasie. Auch die Freundschaften, die sie auf ihrer Reise knüpft, machen das Buch zu etwas Besonderem.

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Veröffentlicht am 06.11.2020

Was von den Göttern übrig blieb

Muse of Nightmares - Das Erwachen der Träumerin
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Die Götter haben mit ihnen gespielt. Mit den Frauen von Weep, die sie holten. Mit ihren Männern, die sie meistens zurückließen. Eril-Fane hatten die Götter nicht in der Stadt zurückgelassen, um wie alle ...

Die Götter haben mit ihnen gespielt. Mit den Frauen von Weep, die sie holten. Mit ihren Männern, die sie meistens zurückließen. Eril-Fane hatten die Götter nicht in der Stadt zurückgelassen, um wie alle anderen darauf zu warten und zu hoffen, dass die Entführten wieder zurückgebracht werden würden.

Skathis, der Gott der Bestien, nahm ihn mit und schenkte ihn der Göttin der Verzweiflung als Spielzeug. Eril-Fanes junge Frau war es, die in Weep zurückblieb und warten musste. Die Jahre vergingen, doch ihr Mann kehrte nicht zurück. Bis Skathis auch vor ihrer Tür auftauchte, um sie zur Zitadelle mitzunehmen. Und die junge Frau war bereit –, glaubte sie zumindest.

Inzwischen sind die grausamen Götter längst fort. Doch ihre Spuren haben sie nicht nur an den Gebäuden und Orten, sondern auch an und in den Menschen hinterlassen. In der schwebenden Zitadelle versuchen die letzten der Götterbrut – Kinder gezeugt von Göttern und Menschen – am Leben zu bleiben. Und mit dem Grauen des Tages zu leben, als ein Mensch im Säuglingstrakt all die anderen Kinder der Götter abschlachtete, um die Menschen von den Göttern zu befreien. Doch auch im Schatten der Zitadelle leben noch immer Menschen, die die Schrecken der Götter nicht vergessen können, die zu lange ihr Leben bestimmt haben.

»Die Frauen von Weep teilten ein seltsames Gefühl miteinander, gegen das sie ihr ganzes Leben lang zu kämpfen hatten, nämlich, dass sie nur halb existieren. Sie waren Reststücke, übrig gebliebene Krumen vom Festschmaus der Götter.«

Wie lebt man mit einer Vergangenheit, die so voller Grauen und Verzweiflung ist? Wie lebt man damit, die Schuld auf sich geladen zu haben, die Götter und ihre Babys zu töten? Wie lebt man mit der Erinnerung, als Kleinkind nur in der Lage gewesen zu sein, vier der Babys zu retten, weil man nicht mehr tragen konnte?

»Doch Sarai wusste, was nur sie allein wissen konnte, nämlich dass Eril-Fane jeden Tag die größte Mutprobe ablegte, die sie je gesehen hatte: Um anderen zu helfen, lebte er weiter, obwohl es viel einfacher gewesen wäre, einfach damit aufzuhören.«

›Strange the Dreamer‹, Band 1 und Band 2, sowie ›Muse of Nightmares‹, Band 1 und Band 2, von Laini Taylor stellen diese Fragen. Die Fantasy-Romane zeigen das Leben jener, die übrig geblieben sind: Ihre Versuche, einen Weg hinaus aus Hass, Wut und Verzweiflung zu finden, die nicht immer gelingen können.

Doch obwohl das Grundthema der Bände düster und komplex ist, gelingt es Taylor, eine Romanwelt zu erschaffen, die von der Suche nach Hoffnung, Liebe und Vergebung erfüllt sind. Viele der Überlebenden sind Kinder, die nichts für die Verbrechen ihrer Eltern können, sich nicht einmal an sie erinnern, doch deren bloße Existenz genügt, um an diese zu erinnern. Dabei ist Taylors Sprache einfach, klar und zugleich poetisch.

Ein bisschen schade ist es, dass mehrere Auflösungen von Rätseln und Geheimnissen im letzten Band der Reihe über geraffte Erzählermonologe geschehen und nicht wie bisher an das Erleben und Erinnern der Figuren gebunden sind. Auch die Liebesgeschichte zwischen Lazlo und Sarai hat mich nie ganz überzeugen können, doch im Vergleich zu der unglaublich tiefen und geheimnisvollen Geschichte, die Taylors Romanwelt zu bieten hat, verliert sie dadurch nur wenig.

Wer die Bände von ›Strange the Dreamer‹ und ›Muse of Nightmares‹ noch nicht kennt, aber eine Schwäche für Geheimnisse, Traumata und Götter hat, dem sind sie wärmstens zu empfehlen.

  • Cover
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Veröffentlicht am 06.11.2020

Von Staus, fehlender Orientierung und anderen Chancen im Leben

Das Café am Rande der Welt
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John braucht eine Pause. Nach der ganzen Arbeit muss er einfach mal wieder Urlaub machen, rauskommen und abschalten.

Schade nur, dass sich sein Weg in den Urlaub als ebenso stressig entpuppt wie seine ...

John braucht eine Pause. Nach der ganzen Arbeit muss er einfach mal wieder Urlaub machen, rauskommen und abschalten.

Schade nur, dass sich sein Weg in den Urlaub als ebenso stressig entpuppt wie seine Arbeit selbst. Auf dem Highway bewegen sich die Autos keinen Meter mehr nach vorn, tanken könnte er auch mal wieder und was zu essen würde sicherlich auch nicht schaden.

Mehr vor Wut und Anpassung als nach reiflicher Überlegung verlässt John den Highway. Nur um sich zur Krönung seines Urlaubsbeginns hoffnungslos zu verfahren. Zumindest so lange, bis er im scheinbaren Nirgendwo ein Café findet. Ein Café, das ihn bald nicht nur froh darüber sein lässt, dass er sich verfahren hat, sondern auch viele andere Überraschungen für ihn bereithält.

»Dieser Tag übertraf langsam bei weitem alles, womit ich gerechnet hatte. Erst eine stundenlange Fahrt durch das Nichts, dann ein Café am Rande der Welt und jetzt eine Bedienung mit einem spitzbübischen Lächeln.«

Streleckys Erzählungen und Ratgeber über den Sinn des Lebens haben für mich stets zwei Seiten. Zum einen die Art und Weise, wie er seine Überlegungen verpackt und beschreibt. Seine Sprache ist klar. Komplexere Gedankengänge stellt er mithilfe möglichst einfacher und doch eingängiger Vergleiche und Geschichten dar. Doch obwohl ›Das Café am Rande der Welt‹ in Erzählform geschrieben ist, wirkt die Geschichte selbst konstruiert. Nicht alle seiner Figuren können Sympathiepunkte ergattern. Die Bedienung Casey scheint allzeit spitzbübisch und schelmisch zu lächeln und es auch immer noch mal besser zu wissen.

Anne und Mike hingegen fühlen sich runder und menschlicher an. Sie laden dazu ein, im Café zu verweilen und sich mit den Fragen der Erzählung auseinanderzusetzen.

Die zweite Seite hingegen ist das, worüber Strelecky schreibt. Die Fragen, mit denen sich der Protagonist John auseinandersetzen muss, sind existenziell. Sie führen ihn – und mit ihm die Lesenden – nah an das eigene Selbst heran. Diese Frage über den Sinn des Lebens haben Gewicht, sie verändern und sind zugleich so universell, dass sie wohl vielen Erwachsenen bereits begegnet sind.

»Sobald ein Mensch weiß, warum er hier ist, warm er existiert, welchen Grund es dafür gibt, dass er am Leben ist, wird er den Wunsch haben, dem Sinn und Zweck seiner Existenz gerecht zu werden. Es ist so, als erkenne man auf einer Karte, wo ein Schatz versteckt ist. Sobald man die Markierung entdeckt hat, fällt es schwer, sie zu ignorieren und nicht nach dem Schatz zu suchen.«

Wer bereit ist, sich auf die zu Anfang vielleicht etwas konstruiert wirkende Erzählung ›Das Café am Rande der Welt‹ einzulassen, kann sicherlich einige Überlegungen und Erkenntnisse aus diesem Buch mitnehmen. Vielleicht auch mit einem Stück saftigen Rhabarber-Kuchen.

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Veröffentlicht am 06.11.2020

Als das Böse nach London kam

Dracula, Roman
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Der Graf, den Jonathan Harker in Transsilvanien kennenlernt, ist höflich, gebildet und wissbegierig. Besonders, wenn es England betrifft – das Land, in dem der alte Mann in naher Zukunft wohnen will.

Doch ...

Der Graf, den Jonathan Harker in Transsilvanien kennenlernt, ist höflich, gebildet und wissbegierig. Besonders, wenn es England betrifft – das Land, in dem der alte Mann in naher Zukunft wohnen will.

Doch bereits nach kurzer Zeit merkt Jonathan, dass im Schloss des Grafen etwas seltsam ist. Keine andere Menschenseele begegnet ihm, viele Türen sind verschlossen und der Graf begegnet ihm nur bei Nacht.

Und je länger er beim Grafen bleibt, um mit ihm alle rechtlichen Fragen bezüglich seines Umzuges nach England zu klären, ist er sich sicherer, dass es sich dabei nicht um Zufälle handeln kann.

Doch als Jonathan die Furcht beschleicht, er könnte ihn an seiner Heimreise hindern wollen, kann er nicht mehr ruhig bleiben. Er durchsucht das Schloss, soweit er kommt, und übertritt damit eine der Regeln des Grafen. Zum ersten Mal begegnet er im Schloss jemand anderem als den Grafen, doch dieses Treffen bringt alles andere als Erleichterung.

»Mit der schmalen Adlernase und den eigentümlich gebogenen Nasenflügeln, der hochgewölbten Stirn und dem an den Schläfen spärlichen, sonst recht üppigen Haar hatte er etwas von einem Raubvogel. Seine mächtigen, buschig gekräuselten Augenbrauen stießen über der Nasenwurzel fast zusammen. Der Mund, soweit ich ihn unter dem Schnurrbart sehen konnte, wirkte ziemlich hart und grausam.«

Und während Jonathan nach Transsilvanien verreist ist, muss sich seine Verlobte Mina mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen. Die schöne junge Lucy, mit der sie in Whitby ein Zimmer teilt, schlafwandelt. Mitten in der Nacht zieht sie sich an und versucht, das Haus zu verlassen. Selbst als Mina das Zimmer verschließt und den Schlüssel an ihr Handgelenk bindet, findet sie selten Ruhe. So auch in der Nacht, in der es Lucy schlafend gelingt, das Haus zu verlassen. Zu einer Zeit, in der auch Jonathans Briefe immer befremdlicher werden und schließlich ganz aufhören zu kommen.

›Dracula‹ ist einer jener Romane, für die man Zeit und Ruhe braucht. Die Figuren sind anfangs manchmal schwer auseinanderzuhalten, werden sie beispielsweise an einer Stelle nur mit Vornamen genannt, dann wieder nur über den Nachnamen. Er hat nicht die Form eines klassischen Romans, sondern ist viel mehr ein großteils chronologisches Sammelsurium aus Zeitungsausschnitten, Briefen, Telegrammen, Tagebüchern und anderem, die verschiedene Perspektiven wiedergeben. Doch was anfangs etwas verwirren mag, gewinnt bald an Reiz. Denn diese zahlreichen Perspektiven lassen die Geschichte durch Personen unterschiedlicher Spezialgebiete betrachten, sei es der Arzt, der Psychiater, Mina, Lucy oder durch die Presse.

»Zum Glück ist das Wetter so warm, dass sie sich nicht erkälten kann, aber dennoch macht mir die Sorge und das ständige Gewecktwerden allmählich zu schaffen. Ich werde selbst nervös und finde immer weniger Schlaf.«

Viele bekannten Elemente, die uns heute aus Vampirromanen, ‑filmen und ‑serien so vertraut sind, hat ›Dracula‹ vor über 120 Jahren gekannt. Sowohl Graf Dracula selbst als auch Abraham van Helsing sind nach wie vor bekannt, ebenso das Motiv der spitzen Zähne, des Pfählens, der fehlenden Spiegel, des Knoblauchs und der Nachtaktivität.

Auch nach so vielen Jahren hat Bram Stokers ›Dracula‹ noch seinen Reiz. Eine Geschichte, in der sich das Dunkle und Unbekannte in die scheinbar normale und schöne Welt, voller Geschlechterrollenvorstellungen, schleicht.

Wer also auf eine Entdeckungsreise gehen will, was es mit dem heute allseits bekannten Namen ›Dracula‹ auf sich hat, sollte sich auf diesen Klassiker einlassen und sich überraschen lassen, wie viele Motive wiedererkennt werden können.

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Veröffentlicht am 06.11.2020

Silberminen, Schokolade und ein König ohne Herz

Die silberne Königin
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Ein Land aus Eis und Schnee. Jeder Schritt fernab der Wege kann den Tod bedeuten, denn ein Sturz genügt, um zu erfrieren. Es wird von einem König regiert, den kaum jemand je zu Gesicht bekommt, doch dessen ...

Ein Land aus Eis und Schnee. Jeder Schritt fernab der Wege kann den Tod bedeuten, denn ein Sturz genügt, um zu erfrieren. Es wird von einem König regiert, den kaum jemand je zu Gesicht bekommt, doch dessen Herz ebenso kalt sein soll wie sein Land.

Wie die meisten Bewohner der Stadt hält sich Emma vom Schloss fern. Selbst wenn sie es wollte, hätte sie kaum die Zeit, so weit von ihrem gewohnten Weg abzukommen. Denn Emma arbeitet in den Silberminen, in denen sie sich zwar nie sicher gefühlt hat, aber auch nicht so sehr in Gefahr, wie an dem Tag, als einer der Stollen während ihrer Schicht einstürzt. Emma will nie wieder zurück in die Minen. Und Arbeit ist im Land ebenso selten wie Sonnenstunden. Doch Emma braucht Arbeit. Nicht nur für sich, sondern auch für ihren Vater, der seit dem Tod ihrer Mutter kaum mehr das Haus verlässt, nicht arbeitet und zu viel trinkt.

»Am nächsten Morgen war der Berg wieder zu Ruhe gekommen, aber in Emmas Träumen grollte er noch immer.«

Doch alles ändert sich, als es Emma wie durch ein Wunder gelingt, einen Job in der Chocolaterie zu finden. Denn dort findet Emma nicht nur Arbeit, sondern auch echte Freunde und lernt den Zauber von Geschichten kennen. Geschichten, die mehr Wahrheit in sich tragen, als sie je geahnt hätte.

Auch die Arbeit in der Chocolaterie ist es, die Emma das erste Mal über die Schwelle des Schlosses führt. Denn der König ist einer der Wenigen, der sich den Luxus von Schokolade noch erlauben kann. Nur das Schloss ist noch kälter als das es umgebende Land aus Eis und Schnee. Und als die zentrale Handelsstraße durch den Schnee unpassierbar wird, wissen die Bewohner der Stadt, dass nun ein Wettlauf gegen das Verhungern begonnen hat.

»Casper neigte den Kopf. Das amüsierte Lächeln auf seinen Lippen hätte charmant wirken können, wenn dieses Blitzen in seinen Augen nicht wäre. Es war der Ausdruck eines Raubtiers, das mit seiner Beute spielte.«

Fast 150 Seiten dauerte es, bis ich mit diesem Buch wirklich warm geworden bin. Erst als der König in Erscheinung tritt, hat sich die Geschichte so verdichtet, dass sie ihre Sogwirkung entfaltet hat. Mit dem König Casper ist Seck ein wunderbar faszinierender Charakter gelungen. Ein Herz aus Eis, den Menschen fern, und nur durch das Erzählen eines Märchens dazu zu bewegen, seine dunklen Vorhaben aufzuschieben. Ein wenig wie ›Tausendundeine Nacht‹, nur viel kälter. Und doch eine Liebeserklärung an die Kraft und den Zauber von Märchen und Geschichten.

Während sich die Ereignisse für mich anfangs zu langsam entfalteten, ging mir bei der Problemlösung dann alles etwas zu schnell, um es spoilerfrei zu formulieren. In ›Die Silberne Königin‹ stecken viele, wunderschöne Elemente, miteinander verwoben durch eine märchenhafte, das Besondere findende Sprache. Nur bei der Ausarbeitung hätte ich mir mehr gewünscht. Dennoch, wer Märchen und Fantasy liebt, kann diesem Buch gerne eine Chance geben. Sobald man sich warm gelesen hat, lohnt es sich, die Geschichte um Casper zu erfahren.

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