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Veröffentlicht am 09.02.2025

"Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum"

Für Polina
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Fritzi Prager fand es interessant, mit einem grauhaarigen Mann die Nacht zu verbringen. Dass sie noch zur Schule ging und im nächsten Jahr ihre Reifeprüfung ablegen wollte, daran dachte sie nicht. Das ...

Fritzi Prager fand es interessant, mit einem grauhaarigen Mann die Nacht zu verbringen. Dass sie noch zur Schule ging und im nächsten Jahr ihre Reifeprüfung ablegen wollte, daran dachte sie nicht. Das fiel ihr aber ein, als diese eine Nacht Folgen hatte. 9 Monate später kam Hannes Prager auf die Welt. Ein ruhiges Baby, das sie niemals abgeben würde. "Für Polina" beschreibt sein Leben in eindrucksvoller Weise. Sehr berührend.

Der kleine Hannes wuchs als gut behütetes Kind heran. Seine Mutter versorgte ihn mit allem, was er nötig hatte. Immer war er an ihrer Seite. Neben seiner Mutter gab es eine weitere weibliche Person, die ihm wichtig war. Poli, seine Freundin vom Tag der Geburt an. Ja, die Mütter lagen nebeneinander sobald ihre Kleinen geboren waren. Sie verstanden sich so gut, dass Hannes sogar im Beisein von Polina Klavier spielte. Leider hörte das irgendwann auf. Die beiden trennten sich und Hannes hörte auf zu musizieren.

Die Sprache des Autor hat mich mal wieder berührt. Nein, es war nicht das erste Buch, welches ich von ihm las. Es ist aber außergewöhnlich gut. Neben den interessanten und spannenden Wendungen, hat mich sein bildhafter Erzählstil in den Bann gezogen. Mein Fazit: Niemals darf man denken, dass man zu klein, zu arm oder zu dumm für seine Träume ist. Es gibt so viele Gelegenheiten, die leider immer mal wieder auf später verschoben werden. Doch, wird es dieses Später überhaupt geben? Klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

So spannend geht es am Hamburger Hafen zu

Tatort Hafen - Tod im Schatten der Elbflut
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Immer mal wieder gab und gibt es Sturmfluten in Hamburg. Was sich aber nun zusammenbraut, das versetzt nicht nur die Verantwortlichen in Angst und Schrecken. Wer unterwegs ist, der möchte rasch nach Hause ...

Immer mal wieder gab und gibt es Sturmfluten in Hamburg. Was sich aber nun zusammenbraut, das versetzt nicht nur die Verantwortlichen in Angst und Schrecken. Wer unterwegs ist, der möchte rasch nach Hause und nicht nur Brummifahrer werden aufgefordert, die Gefahrenzone zu verlassen. Zwei junge Männer wissen allerdings noch nicht, wie sie heimlich von ihrem Schiff verschwinden können. Zu bleiben, das wäre zu gefährlich. Sie haben einen Mord gesehen und wollen diesen recht bald der Polizei melden. "Tatort Hafen - Tod im Schatten der Elbe" zeigt sehr gut, wie es am Hamburger Hafen zugeht.

Spannend, mit etlichen Wendungen, so empfand ich das Hörbuch. Es war zu keinem Zeitpunkt langweilig und der Sprecher machte seine Aufgabe perfekt. Die Charaktere sind gut dargestellt und das Private nimmt einen nicht zu großen Raum ein. Der Wechsel zwischen den Standorten ist zwar zunächst verwirrend, lockert das Geschehen aber auf. Das Hörbuch hat mich bestens unterhalten und ich gebe eine uneingeschränkte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Wir können uns das Leid nicht ausmalen, niemals

Immer wenn ich dieses Lied höre
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Nur 7 Sekunden dauerte der Ausschnitt. In einem Stummfilm, der die kleine Anne Frank zeigte. Es sollten die einzigen bewegten Bilder ihres kurzen Lebens bleiben. Ein Foto daraus ist auf dem Cover zu sehen. ...

Nur 7 Sekunden dauerte der Ausschnitt. In einem Stummfilm, der die kleine Anne Frank zeigte. Es sollten die einzigen bewegten Bilder ihres kurzen Lebens bleiben. Ein Foto daraus ist auf dem Cover zu sehen. In ihrem Buch "Immer wenn ich dieses Lied höre" schreibt die Autorin Lola Lafon, was sie mit Anne verbindet. Es ist nicht nur diese eine Nacht, die sie im Versteck der Franks verbringt.

Nach einem holländischen Verlag erklärte sich auch ein deutscher bereit, das Tagebuch Annes zu veröffentlichen. Allerdings nur, wenn einige Passagen gestrichen würden. So zum Beispiel jene, in denen die junge Frau sich abfällig über die „Nazis“ äußerste. Weil sie so sehr antisemitisch waren und selbst Nachbarn und enge Freunde denunzierten. Die Verleger meinten dazu: „Solche Seiten könnten die Leser „vor den Kopf stoßen“.“ Unfassbar, dass es nach der Schoah zu solchen Äußerungen kam.

1941 war ihr letzte Jahr in Freiheit. Leider gab es immer wieder Menschen, die das Leben Annes leugneten. Simon Wiesenthal sorgte dafür, dass im Jahr 1963 jener Mann gefunden wurde, der die Familie festnahm und zur Deportation führte. Er konnte sich sogar an Anne erinnern. Musste für seine Taten allerdings nicht gerade stehen. Er habe schließlich nur einen Auftrag durchgeführt, so urteilte das Gericht.

Das Buch ist in der Ich-Form aus der Sicht der Autorin geschrieben. Sie berichtet über das Tagebuch von Anne, ihr Leben in der kleinen Wohnung sowie über ihre Ängste und Wünsche. Aber auch über die Nähe zu ihr, da sie selbst ebenfalls als Jüdin geboren wurde. Auch sie hat Familienmitglieder durch Mord im „Dritten Reich“ verloren. Ich habe das Tagebuch noch nicht gelesen, werde es aber so schnell wie möglich nachholen. Das Schicksal dieser jungen Frau hat mich sehr berührt.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Jude sein ist nicht Gesinnung, sondern Schicksal

Das Vaterland
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Am 2. Weihnachtstag 1933 verließ das Schiff „Kulm“ den Hamburger Hafen. Am 28. März 1933 kommt es zurück. Nichts mehr ist so wie es war. Der Smutje heißt plötzlich nur noch Jude und auf den anderen Schiffen ...

Am 2. Weihnachtstag 1933 verließ das Schiff „Kulm“ den Hamburger Hafen. Am 28. März 1933 kommt es zurück. Nichts mehr ist so wie es war. Der Smutje heißt plötzlich nur noch Jude und auf den anderen Schiffen weht die Fahne der Nationalsozialisten. "Das Vaterland" beschreibt sehr drastisch, wie es den Heimkehrern zumute war.

Brutale Männer schlagen und treten alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Sie gehören der „Hilfspolizei“ an und haben Narrenfreiheit. Sie haben die Macht. Das Denunzieren ist an der Tagesordnung. Jeder verrät jeden und das nur, weil er sich damit einen Vorteil verschaffen wollte. Dass die Opfer immer wieder in das KZ Wittmor gebracht wurden und dort Folter hinnehmen mussten, das war den Denunzianten egal. Viele der hier inhaftierten kamen niemals zurück zu ihren Familien. Sie starben durch Hunger, Durst und Folter.

Heinz Liepman war Schriftsteller und Journalist. Bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war er 28 Jahre alt. Leider war er jüdischen Glaubens und wurde nur aus diesem Grund von den Nazis verfolgt. Er musste fliehen. Ein ausführliches Nachwort von Wilfried Weinke beschreibt den Lebenslauf Liepmans und die Hetze gegen ihn und seine Bücher. Als Antifaschist musste er sich in Deutschland ständig vor Übergriffen schützen und konnte seine Schriften nicht veröffentlichen. So ging es vielen und die unsägliche Bücherverbrennung ist nur ein Beispiel für die Verfolgung dieser Autoren.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Ein Buch, das erschüttert

Ginsterburg
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Alfis Maschine wird getroffen. Ein Flügel ist abgerissen und er kann zum Glück rasch den rettenden Fallschirm finden. Er schwebt durch die Weite des Himmels. Und Zola hatte sich hingehockt, um ihre Blase ...

Alfis Maschine wird getroffen. Ein Flügel ist abgerissen und er kann zum Glück rasch den rettenden Fallschirm finden. Er schwebt durch die Weite des Himmels. Und Zola hatte sich hingehockt, um ihre Blase zu leeren. Sie kam mit dem Zirkus nach Ginsterburg und sagte den Menschen ihre Zukunft voraus. Plötzlich hörte sie laute Rufe und flüsterte: „Da seid Ihr ja endlich“. Ein lauter Schwarm Kraniche flog über sie hinweg. Im Jahr 1935 war die Welt (fast) noch in Ordnung.

Was zunächst aussah, als würden endlich besserte Zeiten kommen, entpuppte sich rasch zum Gegenteil. Es fing damit an, dass Kinder und Jugendliche vereinnahmt wurden. Sie trafen sich regelmäßig zu Ausflügen und Freizeitaktivitäten. Heimlich still und leise wurden sie vereinnahmt für die Ideologie der neuen Herrscher. "Ginsterburg" ist ein Roman, der sehr gut beschreibt, wie selbst Menschen, die niemals politisch aktiv waren, den Versprechen Hitlers und seiner Getreuen glaubten.

Das Buch beschreibt die Entwicklung der Einwohner des Ortes Ginsterburg von den Jahren 1935 bis 1945. Jeder wollte den neuen Machthabern gefallen und selbst Freunde und Nachbarn wurden denunziert. Das Wort Ballastexistenz machte auch vor dem beschaulichen Ort nicht halt. Als den Menschen dann endlich klar wurde, dass diese neue Partei keineswegs nur Gutes im Sinn hatte, war es zu spät. Britische Bomber näherten sich dem Ort und es folgte eine Verwüstung, die niemand für möglich gehalten hätte.

Das Cover zeigt recht anschaulich, wie sich der Einschlag einer Bombe auswirken kann. Die Ereignisse rund um Ginsterburg sind bildhaft wiedergegeben. Es mangelt weder an Spannung noch an einer Darstellung von Geschehnissen, die im „3. Reich“ gang und gäbe waren.

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