Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2021

Er hat viel mehr Beachtung verdient

Helmholtz
0

Neben seinen Forschungen war ihm die Familie stets am wichtigsten. Das begann im Kindesalter, als er wohlbehütet und umsorgt aufwuchs und endete mit seinem Tod, bei dem er von seinen Lieben begleitet wurde. ...

Neben seinen Forschungen war ihm die Familie stets am wichtigsten. Das begann im Kindesalter, als er wohlbehütet und umsorgt aufwuchs und endete mit seinem Tod, bei dem er von seinen Lieben begleitet wurde. Die Rede ist von Hermann von Helmholtz. Am 31. August jährte sich sein Geburtstag zum 200. mal und das ist auch der Grund für die Veröffentlichung dieser Biographie. Er gilt als einer der ganz Großen in der Wissenschaft und ist doch nur wenigen bekannt. Das betrifft in besonderer Weise seine Forschungen und Entdeckungen. Dazu zählt zum Beispiel die Dreifarbenlehre, welche nur durch seine Entschlossenheit zum Erfolg wurde. Aber auch der Augenspiegel gehört zu seinen herausragenden Entdeckungen, die bis heute in der Praxis Anwendung finden.

Das recht dicke Buch beginnt mit einer wie ich finde, recht persönlichen Einleitung. Dieses Geleitwort verfasste seine Ururenkelin Nathalie von Siemens. Helmholtz galt als angepasst und führte das aus, was von ihm erwartet wurde. Widerstand war ihm fremd. Nur ein einziges Mal in seinem Leben widersetzte er sich einer Aufgabe. Als sein Klavierlehrer ihn derart nervte, warf er ihm kurzerhand die Noten vor dessen Füße und verließ aufgebracht das Muskizimmer.

Herr von Helmholtz wuchs in Armut auf und war auch später genügsam. Er rauchte nicht und über den Alkohol äußerte er sich skeptisch. Meinte er doch, dass dieser bereist in geringster Dosis seinen Geist vernebelt und alle guten Ideen aus seinem Gehirn vertreibe. Aber nicht nur das Leben der Familie von Helmholtz wird beleuchtet. Der Autor Cahan schreibt über die Rivalität zwischen französischen und deutschen Wissenschaftlern damaliger Zeit. In den Jahren etwa von 1860 bis 1914 herrschte der „Kalte Krieg“ unter den „Gelehrten“. Dabei gab es gerade da Erfindungen, wie etwa den Dynamo, das Telefon oder die Glühbirne.

Am 06.10.2021 wurde bekannt, dass ein deutscher Wissenschaftler den Nobelpreis für Physik erhalten sollte. Wenn ich bedenke, dass gerade mal 200 Jahre vergingen, als es diese Wissenschaft noch gar nicht gab? Dass es erst Männern wie Helmholtz bedurfte, damit die Physik diesen Stellenwert erhielt? Der Autor David Cahan arbeitete 30 Jahre an dieser Biographie und sie ist ihm ausgezeichnet gelungen.

Die Sprache ist gehoben aber nicht so, dass ein Studium zum Verständnis erforderlich ist. Das liegt auch an der hervorragenden Arbeit der Übersetzer Marlene Fleißig, Antoinette Gittinger, Ursula Held, und Sigrid Schmid. Nach der eigentlichen Biographie folgen der Epilog, eine Danksagung sowie die Erläuterungen zu den Abkürzungen. Die Anmerkungen zu den einzelnen Verweisen folgen und sie umfassen mehr als 100 Seiten. Eine erwähnenswerte und sehr gelungene Zugabe sind die Fotos im Text. Auf ihnen wird die vergangene Zeit wieder lebendig. Es ist kein Schmöker, sondern ein Werk gehobener Literatur.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2021

Eine spannende Reise ins mittelalterliche Koblenz

Das Kreuz des Pilgers
0

Das Mittelalter ist eins der Spezialgebiete von Petra Schier. Dass diese Zeit keineswegs „dunkel“ war, belegt sie einmal mehr mit ihrem neusten Roman „Das Kreuz des Pilgers“.

Reinhild und ihr Ehemann ...

Das Mittelalter ist eins der Spezialgebiete von Petra Schier. Dass diese Zeit keineswegs „dunkel“ war, belegt sie einmal mehr mit ihrem neusten Roman „Das Kreuz des Pilgers“.

Reinhild und ihr Ehemann reisen heimwärts nach Koblenz. Sie haben eine lange Pilgerfahrt hinter sich und sind froh, dass sie bald ihren kleinen Sohn Hannes in die Arme schließen können. Doch es kommt ganz anders. Die Handelskarawane wird überfallen und Reinhilds Mann rettet mit seinem Leben das eines Kindes. Zwar ist das für die Witwe ein großer Schock, jedoch sie will und muss an ihren Sohn denken. Nicht nur, dass sie sich eine Beschäftigung sucht, um ihren Geist wach zu halten und sich abzulenken. Nein, sie weiß gut, dass sie sich erneut vermählen muss. Davor fürchtete sie sich, da auch ihr Vater bei der Wahl des Ehemannes ein Wort mitsprechen wird.

Von guten Historischen Romanen erwarte ich, dass sie gründlich recherchiert und nicht mit irgendwelchen Phantastereien oder hypererotischen Abenteuern daherkommen. „Das Kreuz des Pilgers“ nahm mich mit auf eine weite Reise in die Vergangenheit. Direkt am Anfang gibt es den Stadtplan von Koblenz, da hier viele Stationen der Geschichte besucht werden. Der Plan macht das Zurechtfinden in dem Gebiet recht einfach.

Lebendig und sehr bildhaft geschrieben, hält die Autorin auch ein gerüttelt Maß an Spannung bereit. Was mich sehr berührte, das waren die Ängste und Anfeindungen, die viele Menschen damals erleiden mussten. Und nur, weil sie nicht so waren, wie es die Oberen der Kirche vorschrieben. Viele Menschen hatten eine Buchstabenglauben und ließen sich kaum davon abbringen.

Neben Koblenz kommt auch Köln in dem Roman vor und sogar Bekannte aus den Büchern über den Lombarden traf ich erneut. Einige Elemente aus der Urban Fantasy sind ebenfalls dabei. Das stört allerdings nicht, da es im Mittelalter viele Menschen gab, die an Übersinnliches glaubten. Und die Geschichte rund um den Gral fasziniert ja etliche bis heute noch. Ein lesenswertes und zugleich lehrreiches Buch. Dass es einige Cliffhanger gibt, ist klar. Denn das ist der erste Band einer Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.09.2021

Eine mutige Frau, die viel zu früh sterben musste

1431
0

Um Johanna von Orléans ranken sich etliche Sagen und Legenden. 1431 ist ein gut recherchiertes Buch über jene Frau, die als Nationalheldin Frankreichs in die Geschichte einging. Aufgewachsen in Armut und ...

Um Johanna von Orléans ranken sich etliche Sagen und Legenden. 1431 ist ein gut recherchiertes Buch über jene Frau, die als Nationalheldin Frankreichs in die Geschichte einging. Aufgewachsen in Armut und stets ihrer Großmutter lauschend, entwickelte sie sich zu einer Persönlichkeit, welche stets die Stimme Gottes hörte. Auch viele Heilige sah sie vor sich und auch mit denen führte sie lange Gespräche.

1431 ist ein Roman und doch steckt viel Wahrheit in dem Buch. Die Autorin schreibt immer wieder abwechselnd vom Leben der Johanna und dann von ihrer Zeit im Gefängnis. Was trieb sie um und warum wollte sie unbedingt ihr Elternhaus verlassen und in den Krieg ziehen? Welche Bedeutung hatte der König für sie? Ausgesprochen brutal fand ich die Schilderungen aus dem Gerichtssaal. Wie die hohen Herren der Kirche immer wieder versuchten, ihr Ketzerei nachzuweisen. Ja, man wollte sie töten, egal aus welchem Grund. Grausam, wie damals der Umgang mit Menschen war, die sich nicht in allen Dingen der Obrigkeit beugten.

Das Buch ist außergewöhnlich geschrieben. Die Worte gleichen einer Melodie und immer wieder klingen die Töne so ganz anders. Ich meine, dass es ein „typisches“ Buch für die jährlichen Buchpreise von Deutschland oder Österreich ist. Will sagen, kein Werk zum nebenbei lesen, sondern eins für anspruchsvolle Liebhaber der Literatur.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.09.2021

Gab es damals schon die Klimakrise?

Als die Flut kam
0

Es ist im Jahr 1945, als viele Flüchtlinge in Hamburg eine neue Heimat suchten. Sie kamen in langen Trecks und oft sogar per pedes. Unter ihnen war Anne, die von ihrer Mutter begleitet wurde. Der Vater ...

Es ist im Jahr 1945, als viele Flüchtlinge in Hamburg eine neue Heimat suchten. Sie kamen in langen Trecks und oft sogar per pedes. Unter ihnen war Anne, die von ihrer Mutter begleitet wurde. Der Vater starb im Krieg. Das Elend dieser Menschen rührte auch die Familie Becker. Sie stellten den beiden Frauen Anne und Mutter ihre Laube in einer Kolonie zur Verfügung. Zwischen Anne und Johannes Becker entwickelte sich eine innige Freundschaft. Für Johannes sah diese allerdings so ganz anders aus, als für Anne.

Eine Sturmflut erschütterte Hamburg im Februar 1961. Viele Menschen starben und etliche Wohnungen und Häuser waren unbewohnbar. Die Ursachenforschung damals zeigte Erschreckendes. Es gab keinen Katastrophenschutzplan. Eine Mitschuld kann durchaus der britischen Militärverwaltung angelastet werden. Die Autorin schreibt im Anhang sehr ausführlich über ihre Recherchen zum Thema.

„Als die Flut kam“ erschien nur wenige Wochen nach den Ereignissen rund um Ahr und Erft. Die Autorin beschreibt die Situation der Betroffenen in Hamburg recht deutlich und die Furcht vor einem Tod durch Ertrinken war für mich spürbar. Die Spannung hielt sich allerdings in Grenzen. Sehr früh war mir klar, wie die Geschichte endet, also wer Täter war. Das ist eigentlich schade, da die Idee zum Krimi gut gewählt ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2021

Auch der finale Band konnte mich überzeugen

Deluxe Nights
0

Der finale Band einer Trilogie um Geld, Macht und Liebe hat mich überzeugt. Deluxe Nights dreht sich dieses Mal um den Fiesling Pascal. Als Sohn eines Dumont - Inhabers, der wohl zudem auch am Mord seines ...

Der finale Band einer Trilogie um Geld, Macht und Liebe hat mich überzeugt. Deluxe Nights dreht sich dieses Mal um den Fiesling Pascal. Als Sohn eines Dumont - Inhabers, der wohl zudem auch am Mord seines Bruders beteiligt war, hat auch Pascal keinen guten Ruf. Er gilt als arrogant und nimmt sich die Frauen so, wie es ihm beliebt. Sein unvorstellbarer Reichtum zieht sie an wie die Motten das Licht. Ein Playboy, wie er im Buche steht. Jetzt kommt Gabrielle, die Tochter der Hausangestellten zurück. Schon die erste Begegnung mit ihr fasziniert Pascal so sehr, dass er sie als Mädchen für alles einstellen möchte. Sie sträubt sich zunächst und der junge Mann fühlt sich in seiner Ehre gekränkt.

Ja, jetzt ist es leider vorbei mit dem Auf und Ab bei den Dumonts. Alle drei Bände las ich mit Neugier und auch dieser Band Deluxe Nights gefiel mir gut. Bei diesem ging es um Pascal, dem Sprössling des Fieslings und dem angeblichen Mörder seines Bruders. Und um Gabrielle, die im Hause Dumont nicht nur schöne Stunden erlebte. Direkt am Anfang schrieb die Autorin eine Triggerwarnung und das war gut so. Wer von sexuellem Missbrauch und Gewalt betroffen ist oder war, der sollte das Buch nur mit Vorsicht genießen.

Spannend war es und es gab einige Wendungen, mit denen ich nicht unbedingt rechnete. Den Schluss fand ich gut durchdacht und ereignisreich. Wie in den Krimis halt üblich. Ja, es war auch vorhersehbar aber das störte mich bei diesem Buch absolut nicht. Es ist ein Schmöker für zwischendurch, der vorzüglich zum Ablenken von den Sorgen des Alltags taugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere