Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2020

Ernest und seine dritte Ehefrau

Hemingway und ich
0

Ernest Hemingway war für mich ein Meister seines Fachs. Und daher ist es auch nachvollziehbar, dass er im Jahr 1954 den Literaturnobelpreis erhielt. Schreiben konnte er und ich schmunzel immer mal wieder, ...

Ernest Hemingway war für mich ein Meister seines Fachs. Und daher ist es auch nachvollziehbar, dass er im Jahr 1954 den Literaturnobelpreis erhielt. Schreiben konnte er und ich schmunzel immer mal wieder, wenn er wegen seiner vier Ehefrauen kritisiert wird. Nein, das stört mich absolut nicht und ich bin der Meinung, dass nicht nur er verantwortlich für die Trennungen war. Fakt ist aber, dass er sehr gut schreiben konnte und sich nie scheute, an vorderer Front journalistisch tätig zu sein.

Dieses Hörbuch schildert die Sicht seiner dritten Ehefrau auf den Ausnahmeschriftsteller. Sie lernten sich in Spanien während des Bürgerkrieges kennen. Hemingway verließ wegen Martha seine zweite Ehefrau. Martha Gellhorn war jung und mutig. Sie stand an seiner Seite als es in Spanien heftige Kämpfe gab und er schätzte mutige Frauen. Martha und er hatten eine gute Zeit und auch seine drei Söhne profitierten davon.

Das Buch wird von Vera Teltz gelesen und das ist wahrlich ein Ohrenschmaus. Beim Hören des Buches war es zu keinem Zeitpunkt langweilig. Alleine durch das Auf und Ab des Timbres hielt sie die Spannung hoch. Auch wenn mir bereits vor dem Ende bewusst war, wie das Buch endet, ich hörte dennoch mit Gespanntheit zu. Sowohl Hemingway selbst als auch Martha Gellhorn waren dabei, als ihre Ehe zerbrach. Schuldzuweisungen entbehren daher jeder Grundlage.

Und das Hörbuch dreht sich keineswegs nur um die Beziehung der beiden. Für mich viel spannender waren die Berichte von der Front. Sei es beim Bürgerkrieg in Spanien oder den Machenschaften der Nazis. Paula McLain legte ihr Augenmerk zudem auf die Berichte über die Verfolgung der Juden und selbst beim D´Day war Martha Gellhorn vor Ort. Das Hörbuch ist also auch ein wertvoller Augenzeugenbericht bei der Darstellung von Erlebnissen, die den Zweiten Weltkrieg betreffen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2020

Kein Buch für schwache Nerven

Amissa. Die Verlorenen
0

Band eins der Thrillerreihe rund um die Stiftung AMISSA heißt „AMISSA. Die Verlorenen“. Hauptpersonen sind das Ehepaar Rica und Jan Kantzius. Er, ein ehemaliger Polizist und sie eine ehemalige Prostituierte, ...

Band eins der Thrillerreihe rund um die Stiftung AMISSA heißt „AMISSA. Die Verlorenen“. Hauptpersonen sind das Ehepaar Rica und Jan Kantzius. Er, ein ehemaliger Polizist und sie eine ehemalige Prostituierte, die zum „Job“ gezwungen wurde. Sie werden Zeugen eines Unfalls auf der Autobahn. Ein junges Mädchen läuft vor ein Fahrzeug und stirbt. Jan hält ihre Hand und beide beschließen, den Tod des Kindes aufzuklären. Vermutet wird, dass dieses das Opfer einer Entführung war und da weitere Fälle dazu kommen, wendet sich das Ehepaar an AMISSA.

Frank Kodiak ist das Pseudonym von Andreas Winkelmann. Mit seiner Reihe möchte er an den Erfolg anschließen, den er mit seinen anderen Büchern bereits hatte. Das Buch beginnt mit Martin Eidinger, einem Journalisten, der in Frankfurt lebte und dort einen gutbezahlten Job hatte. Ihm wurde gekündigt und damit er nicht ohne Erwerb dasteht, musste er mit seiner Familie in einen kleinen Ort namens Taubenheim umziehen. Hier arbeitet er bei einer kleinen Zeitung. Die Tochter ist 17 Jahre alt und kommt mit dem Umzug überhaupt nicht zurecht. Ihr fehlen die Freunde und dass sie sich einsam fühlt, hält sie den Eltern täglich vor. Bis es zu einem großen Streit kommt und sie fluchtartig das Haus verlässt. Der Vater sucht sie aber ihr Weg verliert sich rasch. Ist sie das Opfer auf der Autobahn? Wo sind die anderen entführten Mädchen und leben sie noch?

Herr Kodiak/Winkelmann versteht es, die Spannung nicht nur aufzubauen sondern auch beständig beizubehalten. Zwar kommen immer wieder lange Passagen über die Vergangenheit der Ermittler, das hindert den Lesefluss aber kaum. Es ist ein Schmöker zum Abschalten und für Leser, die danach suchen, empfehle ich ihn. Er lässt sich durchaus ohne die Fortsetzungen lesen, obwohl ich mich darauf bereits freue.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2020

Spannend und bedrückend

Die Krieger
0

Nick Marzek zog von Berlin nach München. Er wollte neu anfangen und den Tod seiner Frau auf diese Weise überwinden. Es war im Jahr 1984 als ein verheerender Brandanschlag die Ermittler der Polizei Münchens ...

Nick Marzek zog von Berlin nach München. Er wollte neu anfangen und den Tod seiner Frau auf diese Weise überwinden. Es war im Jahr 1984 als ein verheerender Brandanschlag die Ermittler der Polizei Münchens auf den Plan rief. Nicht nur Nick geht von einem Revierkampf zwischen Zuhältern und weiterer Männer vom „Untergrund“ aus. Aber nachdem ein Bekennerschreiben eintrudelt, sieht die Sache völlig anders aus. Nick und Graziella müssen nach Italien und dort auf Spurensuche gehen. Das Besondere an der Reise ist die Tatsache, dass Graziella Putzfrau und keine Kommissarin ist.

Die ersten Seiten waren für mich recht mühsam zu lesen. Mir kam es vor, wie bei der Serie „Kriminaldauerdienst“. So viele Namen und verschiedene Schauplätze mussten erst mal zugeordnet werden. Nach etwa 50 Seiten dann war ich froh, dass ich das Buch nicht zur Seite legte. Die Spannung war wirklich atemberaubend und die Beschreibung der Zeit um 1984 authentisch. Sponsoren zahlten damals 7 Millionen DM, ein Betrag, der heute unvorstellbar niedrig ist. Die Menschen rauchten ständig und niemand störte sich daran. Kranke Lungen und Bronchien gab es wohl noch nicht. Wer nach Italien reiste, musste Devisen tauschen und hoffte immer, dass er die Lira günstig erwerben konnte.

Was mir ebenfalls gut gefiel, das war die Beschreibung der Historie einiger Sehenswürdigkeiten Italiens. Dazu gehört auch der Mailänder Dom, den ich durch das Lesen von „Die Krieger“ kennenlernte. Auch die Gefahr durch Nationalsozialisten gab es damals häufig und in Norditalien hielten sich viele von denen auf. Und was mich am meisten beeindruckte, das, was der Autor hier beschreibt, geschah tatsächlich. Bis heute wissen viele Italiener davon und immer mal wieder nehmen sich Journalisten dieser Geschichte an. Also, fünf Sterne und eine Leseempfehlung ist mehr als verdient.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2020

Berkel ist ein begnadeter Erzähler

Ada
0

Ada ist eine junge Frau, die endlich ihre Vergangenheit aufarbeiten möchte. Sie entschließt sich, dieses mit der Hilfe einer Therapie zu schaffen. Sie wächst auf im Schweigen des Grausamen, was von Deutschland ...

Ada ist eine junge Frau, die endlich ihre Vergangenheit aufarbeiten möchte. Sie entschließt sich, dieses mit der Hilfe einer Therapie zu schaffen. Sie wächst auf im Schweigen des Grausamen, was von Deutschland im Zweiten Weltkrieg ausging. Ihren Bruder sah sie lange nicht mehr und mit ihrer Mutter verbindet sie kaum etwas. Was verschweigt man ihr und warum floh die Mutter damals mit ihr nach Argentinien?

Adas Mutter ist Jüdin und sie war im Lager Gurs. Dort wurden Babys nach den Büchern der Frau „Doktor“ Haarer „erzogen“. Grausam kann ich nur sagen und wenn Sie näheres erfahren möchten, dann schauen Sie im Internet nach dieser Frau. Und wer im Lager war, der kann doch nicht vergessen? Und ist es nicht auch verständlich, dass Adas Mutter nichts darüber erzählt? Dass sie vergessen möchte? In den 50er Jahren kehren Mutter und Tochter nach Deutschland zurück. Für das Kind ist es zunächst wie eine kalte Dusche. Nicht nur die Temperaturen sind tief auch die Menschen kälter als in Argentinien. Dabei gab es dort einige Nazis, die sich versteckten. Vor der Strafe, vor dem Entdecken, vor ihren Alpträumen.

Adas beste Freundin heißt Uschka und die war der erste Mensch, der ihr von Hitler erzählte. Aber auch nicht freiwillig, sondern weil er auf einem Foto zu sehen war, das im Haus der Eltern Uschkas hing. Das neue Buch von Christian Berkel ist eine Fortsetzung seines „Apfelbaums“. Ich konnte es aber auch ohne Vorkenntnis sehr gut lesen, kam leicht in die Geschichte rein. Es gefiel mir gut, Herr Berkel ist wahrlich ein großartiger Erzähler. Allerdings verliert er sich zuweilen darin und findet kein Ende.

Ada ist eine Mischung aus Tatsachen und Fakten der Deutschen Historie und den Freiheiten eines Dichter. Dieser Grat gelang dem Autor sehr gut. Seinen Fans teilte er mit, dass das dritte Buch bereits angefangen sei. Ich bin gespannt, was er uns darin erzählen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2020

Sprachlich ein Hochgenuss

Die Dame mit der bemalten Hand
0

Carsten Niebuhr ist Studio der Mathematik und hat einen nicht ungefährlichen Auftrag. Es ist das Jahr 1764 und da war das Reisen nun keineswegs so bequem wie heute. Er soll für „biblische Klarheit“ sorgen ...

Carsten Niebuhr ist Studio der Mathematik und hat einen nicht ungefährlichen Auftrag. Es ist das Jahr 1764 und da war das Reisen nun keineswegs so bequem wie heute. Er soll für „biblische Klarheit“ sorgen und die Stätten besuchen, die im „Buch der Bücher“ Erwähnung fanden. Jedoch landet er auf der Insel Elephanta und trifft dort auf recht eigenartige Menschen, die ihm das Leben retten. Der persische Astrolabienbauer zählt dazu und der ist nicht davon abzubringen, dass er in einem Sternbild eine rötlich schimmernde, bemalte Hand erkennt. Wohingegen Carsten in diesem Bild (die Kassiopeia) das Abbild einer Frau sieht.

„Die Dame mit der bemalten Hand“ war für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert. Es ist das dritte Mal, dass die Autorin Christine Wunnicke mit einem ihrer Werke auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht. Niebuhr bricht mit fünf Kollegen zur Forschungsreise auf und wird später als einziger überleben. Carsten ist genervt von den Aussagen des Astrologen bezüglich der Sternbilder und meint: „Wie glotzen alle in den selben Himmel und sehen verschiedene Bilder.“ Die Autorin hat Fakten aus der Geschichte mit jenen, die ihrer Fantasie entsprangen, geschickt verwoben.

Sprachlich ist das Werk ein Genuss und nicht mit den vielen Büchern zu vergleichen, die uns täglich angeboten werden. Aber mir fehlte die Ausführlichkeit. Ich hätte gerne mehr über die schrulligen Hauptpersonen gelesen und mich länger an den mit viel Humor ausgestatteten Dialogen erfreut. Gelernt habe ich einiges, da ich immer wieder das WWW bemühte, um mir die Fakten der „Bemalten Hand“ durchzulesen. Ein schönes aber nicht einfach zu lesendes Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere