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Veröffentlicht am 26.08.2024

Eine faszinierende Begegnung

Artemisia Gentileschi und Der Zorn der Frauen
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Auf dem Gebiet der Künste bin ich nicht besonders gut bewandert. Darum mag ich Romanbiografien wie die über Artemisia Gentileschi, denn neben dem Kennenlernen der Künstlerin erfahre ich eine ganze Menge ...

Auf dem Gebiet der Künste bin ich nicht besonders gut bewandert. Darum mag ich Romanbiografien wie die über Artemisia Gentileschi, denn neben dem Kennenlernen der Künstlerin erfahre ich eine ganze Menge an Wissenswertem zu Zeit, Ort und weiteren Personen.
Das Leben der Gentileschi war alles andere als langweilig, wie bereits aus der Buchbeschreibung zu erkennen ist. Auf vielen Stationen - von Rom über Florenz und Venedig bis nach London und Neapel – war sie unterwegs, eine mutige Frau, die zielstrebig ihren Weg verfolgt hat.
Mir hat nicht nur alles zu den Maltechniken und den Anmerkungen zu ihren Bildern gefallen, sondern ganz großartig sind die Beschreibungen der Orte, an denen sie sich aufgehalten und gewirkt hat. Das ist der Autorin Gabriela Jaskulla sehr gut gelungen. Durch ihren Schreibstil war es einfach, mal ganz schnell 400 Jahre in die Vergangenheit zu reisen und einzutauchen in Artemisias Leben, in ihr hartes Leben, das sie dennoch annimmt, aber auch den Kampf mit vielen Hindernissen und Widersachern aufnimmt.
Um das Leben der Gentileschi in die Gegenwart zu bringen, hatte die Idee mit dem Filmdreh nochmal etwas Besonderes.
Das prall gefüllte Buch hat mich sehr gut unterhalten und konnte mir spannende Lesestunden bereiten. Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Hat mich leider überhaupt nicht erreicht

Bei der Laterne woll'n wir stehen
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„Lili glaubt, mit Cord die ganz große Liebe gefunden zu haben. Als sich dieser entschließt, in den Krieg zu ziehen, ist sie am Boden zerstört.“

Die ersten beiden Sätze der Buchbeschreibung, dazu das Cover ...

„Lili glaubt, mit Cord die ganz große Liebe gefunden zu haben. Als sich dieser entschließt, in den Krieg zu ziehen, ist sie am Boden zerstört.“

Die ersten beiden Sätze der Buchbeschreibung, dazu das Cover mit dem Liebespaar und der Laterne haben Erinnerungen geweckt an das alte Lied – verbunden damit die Sehnsucht auf ein Wiedersehen.

Leider habe ich diese Verbindung zwischen der Lili Marleen in der Geschichte und der im Lied nicht gesehen. Als Cord Lili von seinem Entschluss, in den Krieg zu ziehen, erzählte, bekam er von ihr die klare Antwort, dass sie nicht auf ihn warten würde. Dass sie ihn trotzdem nicht vergessen konnte, ist für mich nicht mit der Geschichte des Liedes vergleichbar. Da konnten auch die einzelnen Liedzeilen am Beginn einiger Kapitel nichts bewirken, zumal sie nach meiner Meinung auch nicht wie z. B. eine Überschrift zu dem Kapitel passten. Und auch wenn es eine Geschichte der Lili sein sollte, hätte ich gern ebenfalls etwas aus Cords Leben und seiner Gefühlswelt erfahren.

So ist es zwar eine nette Geschichte über eine Frau mit dem Namen Lili Marleen geworden, die aber hat mich leider emotional überhaupt nicht abgeholt.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Ganz nah dran

Seinetwegen
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Eine ganz persönliche Geschichte erzählt die Autorin und nimmt mich mit hinein in ihr Leben, das eine Suche ist nach Antworten. Zora del Buono kann sich an ihren Vater kaum erinnern, denn sie war erst ...

Eine ganz persönliche Geschichte erzählt die Autorin und nimmt mich mit hinein in ihr Leben, das eine Suche ist nach Antworten. Zora del Buono kann sich an ihren Vater kaum erinnern, denn sie war erst acht Monate alt, als sie ihn durch einen Unfall verlor, den ein anderer zu verantworten hatte. Mit ihrer Mutter konnte sie nie darüber reden, oder – besser gesagt – ihre Mutter konnte darüber nicht reden. Inzwischen ist Buono 60 Jahre alt, ihre Mutter ist dement und lebt in einem Pflegeheim. Die Suche kann beginnen.

Ich bin fasziniert von Buonos Schreibstil. Sie erzählt alles, was ihr einfällt, woran sie sich erinnert, was sie erlebt hat, aber auch das, was gedanklich in ihr vorgeht. Und so liest es sich auch: Viele kurze, auch ein paar längere Abschnitte reihen sich scheinbar unsortiert aneinander. Dabei dreht sich vieles um den Tod, aber ihre Geschichten sind oft auch fröhlich. Dann wieder erinnert sich die Autorin an Szenen in ihrem Leben, für die sie sich schämt, weil sie gern anders reagiert hätte, als sie es getan an. Immer wieder gibt es Treffen mit zwei oder drei Freunden in einem Kaffeehaus. Diese Szenen im Kaffeehaus sind für mich ein besonderes Highlight gewesen.

Obwohl diese vielen kleinen Episoden anfangs völlig ungeordnet erscheinen, staune ich am Ende, dass doch alles gut sortiert und in eine passende Form gegossen werden konnte. Bei allem stand die Suche nach dem Unfallverursacher im Vordergrund und damit auch ihre Wut und ihre Ohnmacht ihm gegenüber. Aber auch diese Gefühle haben sich langsam verändert. Damit, dass am Ende alle so gut sortiert wirkt, hat mich die Autorin stark beeindruckt. Ich bin tief berührt und bedanke mich dafür, dass Zora del Buono mich so nah an sich und ihre Geschichte herangelassen hat.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Lachen nicht verboten

Ein mörderisches Paar. Der Verdacht
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Mein Eindruck bezieht sich auf das Hörbuch zu „Der Verdacht“, den zweiten Teil einer Trilogie von „Ein mörderisches Paar“.

Es gibt den Krimi und es gibt den Ostfriesenkrimi. Mord und Totschlag finde ich ...

Mein Eindruck bezieht sich auf das Hörbuch zu „Der Verdacht“, den zweiten Teil einer Trilogie von „Ein mörderisches Paar“.

Es gibt den Krimi und es gibt den Ostfriesenkrimi. Mord und Totschlag finde ich ausreichend, ebenso wie eine Menge Leute, die bereit zum Töten sind, wenn sie an das ausgeschriebene Kopfgeld von 10 Millionen denken. Klaus-Peter Wolf schenkt vielen „Nebensächlichkeiten“ Raum, an die ich in einem spannungsgeladenen Krimi eher weniger denke.

Seine selbst gelesenen Bücher höre ich gern, weil ich es gut finde, wie er in seine eigenen Charaktere hineinschlüpfen kann und dass er insgeheim an allem, was er sie machen lässt, selbst den größten Spaß hat.

Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass der Fall nicht abgeschlossen werden kann, weil es ja einen weiteren Band geben wird. Aber ob das tatsächlich so ist? Wieder ein Ostfriesenkrimi, der mit vielen Details auch zu unwichtigen Dingen aufwartet und sie dadurch wichtig werden, aber trotz mehrerer Morde keinen wirklichen Spannungsbogen aufkommen lässt. Trotzdem sorgt er dafür, dass ich lachen kann und Gefallen finde an einem Serienmörder. Dafür legt Klaus-Peter Wolf sich aber auch mächtig ins Zeug!

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Veröffentlicht am 05.08.2024

Nur noch ein Kapitel...

Der Bademeister ohne Himmel
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Linda ist 15, geht nicht besonders gern zur Schule und denkt oft über das Sterben nach. Befreundet ist sie nur mit einem Jungen. Kevin ist sehr intelligent, aber verzweifelt, weil er zusehen ...

Linda ist 15, geht nicht besonders gern zur Schule und denkt oft über das Sterben nach. Befreundet ist sie nur mit einem Jungen. Kevin ist sehr intelligent, aber verzweifelt, weil er zusehen muss, wie die Welt zugrunde geht. Oft ist Linda bei ihrem Nachbarn Hubert, der an Demenz erkrankt ist und nach dem Tod seiner Frau allein in seiner Wohnung lebt. Er wird von Ewa gepflegt und betreut und dreimal in der Woche wird sie für einige Stunden unterstützt von Linda.
Die Autorin Petra Pellini weiß genau, wovon sie spricht, wenn sie die Geschichte von Linda und Hubert erzählt. Das wundert mich nicht, nachdem ich gelesen habe, dass sie selbst viele Jahre Menschen mit Demenz gepflegt hat. Die Nächstenliebe, die sie in sich trägt, wird in der Geschichte von Linda weitergegeben.
Linda ist sehr feinfühlig. Sie weiß genau, was gut ist für Hubert, welche Wünsche er hat und welche Erinnerungen sie ansprechen muss, um ihn glücklich zu machen.
Mir hat es große Freude gemacht zu erleben, wie liebevoll sie mit Hubert umgeht. Manchmal ist es ein Foto, das sie gemeinsam mit ihm anschaut, mal gibt sie ein paar Hinweise auf früher, als Hubert noch als Bademeister gearbeitet hat. Oder sie spricht von seiner Frau Rosalie, als sei diese nur kurz zum Einkaufen unterwegs.
„Gelegentlich denke ich darüber nach, was ich wem schenken würde. Keine realen Geschenke, die man auspacken kann. Mehr so Spinnereien … Ich würde ihm (Hubert) einen Mittwoch mit Rosalie schenken…“
Das ist nur einer von ganz, ganz vielen wunderschönen und berührenden Sätzen und Gedanken von Linda. Das Buch hat etwas mehr als 300 Seiten und weit über 60 Kapitel, die mich gleichermaßen begeistert haben. Dabei ist es egal, ob Linda zu Hause ist oder allein mit Hubert, ob sie von den Besuchen seiner Tochter erzählt oder sich mit Kevin trifft: Alles ist kurzweilig, mal fröhlich und erfrischend, manchmal traurig und nachdenkenswert.
Bis zum Ende der Geschichte, das ich so nicht erwartet hatte, hatte ich nach jedem Kapitel nur einen Wunsch: Nur noch ein Kapitel…
Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für ein Buch, das eines der bewegendsten ist von denen, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

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