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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2025

Die letzte Versuchung

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Die Geschichte wird rückblickend erzählt. Sie beginnt im Gefängnis, wo die Hauptprotagonistin Angelika von einer Autorin besucht wird, die Angelikas Geschichte in ein Buch bringen will. Ob die ...

Die Geschichte wird rückblickend erzählt. Sie beginnt im Gefängnis, wo die Hauptprotagonistin Angelika von einer Autorin besucht wird, die Angelikas Geschichte in ein Buch bringen will. Ob die Autorin Vea Kaiser ist oder nur ausgedacht, erkenne ich ebenso wenig, wie ich eine Antwort darauf bekomme, ob es die Geschichte wirklich gegeben hat. Zumindest fühlt es sich für mich so an, was ich der Kunst der Autorin zuschreibe.
Mehrmals wird Angelika von der Autorin besucht. Diese Kapitel sind in Kursivschrift geschrieben und tragen die Überschrift „Unterhaltungen in der Josefstadt“. Bei den Besuchen erzählt Angelika – oft nur bruchstückhaft – aus ihrem Leben: wie sie vaterlos aufgewachsen ist bei ihrer Mutter, einer Hausbesorgerin im Gemeindebau, wie und mit wem sie ihre Freizeit verbracht hat, wie ihr Leben als Buchhalterin in dem Nobelhotel Frohner sich gestaltete, wie plötzlich die Versuchung da war.
Es ist ein unaufgeregtes Erzählen, doch für mich ein merkwürdiges Lesegefühl. Ich begleite Angelika mit gemischten Gefühlen, wobei meine Sympathie für sie nicht immer die Oberhand behält. Und obwohl ich weiß, wo es für Angelika endet, muss ich mitansehen, wie sie langsam, aus unterschiedlichen Gründen, getrieben wird und abgleitet. Trotzdem hoffe ich immer wieder, dass sie den Absprung noch rechtzeitig schafft…
Das Ende ist so besonders wie die rückblickende Erzählung, und es gefällt mir gut. Die Erlebnisse aus Angelikas Berufsleben und auch die Blicke in das Leben und Treiben in einem Nobelhotel habe ich interessiert gelesen, und auch in ihrem Privatleben wurde es nie langweilig. An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass es nicht ganz so langsam vorangeht, aber insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten, so dass ich es gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Auszeit sorgt für Lebensfreude

52 kleine & große Eskapaden in und um Bremen
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In einer aktualisierten Neuauflage gibt es „52 kleine und große Eskapaden in und um Bremen“. Mit einer Leichtigkeit in ihrem Schreibstil gelingt es der Autorin Aylin Krieger, mich nicht nur mit ihren Erzählungen ...

In einer aktualisierten Neuauflage gibt es „52 kleine und große Eskapaden in und um Bremen“. Mit einer Leichtigkeit in ihrem Schreibstil gelingt es der Autorin Aylin Krieger, mich nicht nur mit ihren Erzählungen zu begeistern, sondern sie weckt sofort meine Neugier, mich auf den Weg zu machen, um die von ihr beschriebenen Wege und Sehenswürdigkeiten persönlich zu entdecken und von ihren vielen Ideen zu profitieren.
Will ich nur mal einen Abstecher für ein paar Stündchen machen oder möchte ich einen Ausflug machen, der mich für einen Tag rauszieht in die Natur – vielleicht denke ich sogar an einen Miniurlaub und Ferien für ein Wochenende? Genau nach diesen Überlegungen ist das Buch aufgeteilt. In drei Rubriken finde ich wunderbare Ideen für die Freizeitgestaltung – und ganz nach meinem individuellen Geschmack. Ob ich wandern oder mit dem Rad oder mal mit einem Kanu unterwegs sein will, mich für Geschichtliches interessiere oder mich sportlich betätigen möchte oder einfach nur irgendwo in der Natur relaxen möchte: Ich werde in dem Buch immer das finden, was ich mir gerade wünsche für eine kleine Auszeit.
Ich bin beeindruckt von den wunderbaren Erlebnisberichten und den herrlichen Fotos und empfehle das Buch gern allen, die unproblematisch und einfach mal so raus wollen aus ihrem Alltagstrott und dafür nur die richtigen Ideen suchen.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Mit der Sprache der Bienen

Wilder Honig
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Berllan Deg ist ein kleiner Ort in Wales. Hier steht das Elternhaus von Hannah. Anders als ihre Schwester Sadie hat sie hier ihr ganzes Leben verbracht. Nach ihrer Hochzeit und bis zu seinem ...

Berllan Deg ist ein kleiner Ort in Wales. Hier steht das Elternhaus von Hannah. Anders als ihre Schwester Sadie hat sie hier ihr ganzes Leben verbracht. Nach ihrer Hochzeit und bis zu seinem Tod hat auch John dort gelebt.
Nach Johns Tod bleibt Hannah allein zurück in Berllan Deg. Allein mit ihrem geliebten Obstgarten, der für sie zur Familie gehört. Von ihrem Mann bleiben nur die Bienen und außerdem elf Liebesbriefe aus seinem Nachlass. Und ein großes Geheimnis.
Mir gefällt die etwas düstere Atmosphäre, die über Berllan Deg liegt. Ich genieße die Natur, die Caryl Lewis so ruhig, schön und bildhaft beschreibt, wie es das Cover sehen lässt. Ebenso großartig gibt Lewis einen Blick frei in Hannahs Gefühlswelt, in ihre Einsamkeit und Hilflosigkeit nach dem Tod ihres Mannes.
Ich bin gespannt, ob es Hannahs Schwester Sadie und der jungen Megan gelingt, Hannah aus ihrer Lethargie herauszureißen, wenn sie gemeinsam versuchen, Hannahs Welt wieder aufzubauen? Vielleicht sind ja auch Johns Briefe hilfreich, um ihre Lebensgeister wieder zu wecken?
Caryl Lewis bedient sich eher der leisen Töne, als sie die drei Frauen den Weg der Erinnerungen gehen lässt. Die Liebesbriefe von John finden ihren Platz in der Geschichte, weil sie ganz regelmäßig einfließen und mit der Geschichte verwoben werden. An den Briefen erkenne ich nicht nur den Schriftsteller in John, der durch die Sprache der Bienen immer wieder vergleichend seine Liebe zu Hannah aufblitzen lässt, sondern auch seine Verbundenheit mit den Bienen. Die Natur nimmt in diesem Roman einen breiten Raum ein, aber ganz besonders habe ich mich von den vielen kleinen Details aus dem Leben der Bienen in Johns Erzählungen begeistern lassen.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Fabelhaft erzählt

Ehrenwerte Affen
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„Ehrenwerte Affen“ ist eine von 17 Erzählungen, die in diesem Buch von Michael Köhlmeier zu finden sind. Bisher hatte ich nur einige seiner Romane gelesen. Mit den „Märchen und Sagen von Mensch und Tier“, ...

„Ehrenwerte Affen“ ist eine von 17 Erzählungen, die in diesem Buch von Michael Köhlmeier zu finden sind. Bisher hatte ich nur einige seiner Romane gelesen. Mit den „Märchen und Sagen von Mensch und Tier“, wie es im Untertitel heißt, hat er mein Leseherz aber ebenso erfreut. Ich mag Köhlmeiers Schreibstil, der mir auch in diesem Buch begegnet. Einige der Geschichten waren mir bisher unbekannt, andere habe ich wiedererkannt.

Sehr gut hat mir seine Version des „Gilgamesch“ gefallen. Darüber habe ich mich vor allem so gefreut, weil ich das Gilgamesch-Epos überhaupt erst vor kurzem – wenn auch nur in einer Kurzfassung – kennengelernt habe.

Doch auch die anderen Erzählungen haben mich überrascht, mehr oder weniger begeistert und vor allem zum Nachdenken angeregt. So zeigt mir „Der wunderliche Raub der Königskrone“, dass gut geplant schon halb gewonnen ist.

Besonders berührt hat mich „Maulauf“, macht die Geschichte doch deutlich, dass man besser mit dem zufrieden sein sollte, was man hat. Manchmal merkt man erst nach dem Verlust, welchen Reichtum man besessen hat.

Ich habe das Buch nicht am Stück durchgelesen, sondern ich habe es genossen, immer mal wieder eine der Geschichten zu lesen und mir dann auch die Zeit zu nehmen, um über das Gelesene nachzudenken und es zu verarbeiten. Einige der Erzählungen eignen sich auch gut zum Vorlesen und bieten reichlich Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Von mir gibt es eine volle Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Unter Verdacht

Lügennebel
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Als ich im Prolog von der Toten gelesen hatte, lag die Befürchtung nahe, dass es sich um eines der Mädchen aus der Gruppe der sechs Studenten handelte, die sich in einem abgelegenen Ferienhaus ...

Als ich im Prolog von der Toten gelesen hatte, lag die Befürchtung nahe, dass es sich um eines der Mädchen aus der Gruppe der sechs Studenten handelte, die sich in einem abgelegenen Ferienhaus getroffen hatten.
Junge Menschen wollen miteinander Skiferien verbringen, Menschen aus unterschiedlichen Schichten, die gemeinsam etwas erleben wollen. Ausgelassenes Feiern und verrückte Spiele gehören dazu. Das hört sich alles nach viel Spaß an, auch wenn sich einer der Nachbarn in seiner Ruhe gestört fühlt. Niemand von den jungen Leuten hätte geglaubt, dass der Spaß so schnell vorbei sein könnte. Doch das tote Mädchen im Schnee lässt die Stimmung umschlagen.
Zuviel Alkohol? Drogen? Was ist geschehen in der Nacht nach dem Abend, der mit dem Spiel „Wahrheit und Pflicht“ so ausgelassen begann?
Die Freunde beginnen sich gegenseitig zu verdächtigen, eine Person von ihnen kann sich an dies erinnern, eine andere an jenes, eine weitere an nichts mehr. Keine einfache Aufgabe, die sich Hanna Ahlander und Daniel Lindskog stellt.
Viveca Sten überzeugt mich mit jedem ihrer Åre-Mord-Geschichten und dem beliebten Ermittlerteam. Ich mag die Blicke ins Privatleben der Ermittler bekomme. Sten versteht es, mit der Psyche der Menschen zu spielen. Mir gefällt die Art, wie sie zwischen den Freunden Misstrauen sät, mich dabei mehrmals auf falsche Fährten führt und immer wieder für unerwartete Wendungen sorgt. Dass ich mich dabei in meiner Sitzecke beim Lesen noch mehr in meine Decke einkuschele, ist eine Folge der lebhaften Beschreibung des Ortes, an dem eisige Kälte herrscht.
Kurz vor dem Ende hatte ich noch geglaubt, dass sich die scheinbar richtige Fährte noch einmal als falsch herauskristallisiert. Das hat allerdings wohl daran gelegen, dass noch viele Seiten nicht gelesen waren, die sich dann als Leseprobe eines weiteren Buches herausgestellt haben. Trotzdem hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen und ich empfehle es sehr gern weiter.

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