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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2025

Erschütterndes Debüt

Ganz aus Splittern
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Für mich persönlich ist Christines Welt eine völlig fremde. Aber ich weiß, dass es sie gibt: Familien, in denen häusliche Gewalt herrscht. Ich lese Christines Geschichte, weil ich meine Augen ...

Für mich persönlich ist Christines Welt eine völlig fremde. Aber ich weiß, dass es sie gibt: Familien, in denen häusliche Gewalt herrscht. Ich lese Christines Geschichte, weil ich meine Augen vor dem Thema nicht verschließen möchte.
Chrissie wohnt mit ihrer Mutter und ihrem gewalttätigen Stiefvater in einem Problemviertel, versucht aber trotz aller familiären Schwierigkeiten, mit ihrem Leben klarzukommen. Sie zieht sich gern in die Welt der Bücher zurück und hat in der Schule keine Probleme, sondern ist sehr ehrgeizig. Das Angebot, das ihr im Rahmen einer Studie den Wechsel von ihrer Schule aus dem Problemviertel an ein Elitegymnasium anbietet, nimmt sie nach reiflicher Überlegung an.
Ich bin beeindruckt von dem Debütroman der 18-jährigen Autorin Danae Lake. Sie hat mich derart gefesselt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen mochte und es in einem Rutsch durchgelesen habe.
Der Schreibstil ist flüssig und zu keinem Zeitpunkt hat meine Neugier nachgelassen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es Chrissie in der neuen Schule ergeht, welche Geheimnisse ihr bester Freund hütet, ob sie neue Freundschaften schließt und ganz vieles mehr.
Mir gefällt das Cover. Es passt mit den wunderschönen Blütenblättern, zwischen denen aber auch viele spitze und scharfe Splitter stecken, unglaublich gut zur Geschichte. Vor allem, weil ich durch den Farbschnitt die Bilder auch beim Lesen immer vor Augen habe, ist es direkt „Ganz aus Splittern“.
Nicht nur für Jugendliche ist dieses Buch lesenswert. Darum meine volle Empfehlung.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Spiegel der Zeit

Ginsterburg
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Das Buch beginnt nach der Machtergreifung. Es ist unterteilt in drei Abschnitte, deren Überschriften die Jahreszahlen 1935, 1940 und 1945 tragen. Schauplatz ist Ginsterburg, eine fiktive kleine ...

Das Buch beginnt nach der Machtergreifung. Es ist unterteilt in drei Abschnitte, deren Überschriften die Jahreszahlen 1935, 1940 und 1945 tragen. Schauplatz ist Ginsterburg, eine fiktive kleine Stadt irgendwo in Deutschland, die so beschaulich ist, wie es auf dem Cover scheint, wenn man sich die nahenden dunklen Wolken wegdenkt. Doch die Wirklichkeit lässt sich nicht wegdenken und so, wie sich die Wolken nähern, so verändern sich auch die Menschen in Ginsterburg.
Lothar, einer der Hauptprotagonisten, ist 1935 noch ein Kind. Er liebt die Natur, er geht angeln, scheut sich allerdings, einen Fisch zu töten. Er sammelt Schmetterlinge und träumt davon, selbst einmal zu fliegen. Dass er in die Fänge der Hitlerjugend gerät, sieht seine Mutter mit Sorge.
Der Autor Arno Frank lässt nichts aus. Alles, was die Zeit ausmacht, findet man in Ginsterburg. Da lernt man Menschen kennen, die keine Hemmungen haben, wenn es darum geht, auf der Erfolgsleiter nach oben zu klettern. Hier wohnen Menschen, die Angst haben, weil sie jüdischer Abstammung sind, weil es den § 175 gibt, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellt, weil es in der Familie einen Menschen mit Behinderungen gibt…
Das alles macht mich betroffen. Dennoch sind mir die Menschen in der Geschichte persönlich nicht nahe gekommen. Es ist eher so, als würde ich aus weiter Entfernung zusehen. Aber Arno Frank schafft es, ein genaues Bild zu spiegeln von allem, was die Zeit ausgemacht hat: wie die Menschen sich entwickeln oder einige sich total verändern, wie schnell sich manche einfach den Gegebenheiten anpassen und andere versuchen, für sich das Beste herauszupicken und wieder andere am liebsten unsichtbar wären.
Der Schreibstil macht es mir nicht einfach, das Buch zu lesen. Ich muss mich sehr konzentrieren, um folgen zu können. Das mag entweder an der großen Zahl der beteiligten Personen liegen oder an der Länge der Sätze, die manchmal nur drei Wörter haben, aber auch schon mal über eine halbe Seite gehen. Aber es ist ein Buch, das mich nachdenklich werden lässt, weil ich beim Lesen immer wieder abgleite und in der Gegenwart lande.
Ich hätte mir einen Anhang oder ein Nachwort gewünscht, dem ich hätte entnehmen können, welche Personen fiktiv waren und welche wirklich gelebt haben. So hat es beispielsweise einen Piloten namens Lothar Sieber tatsächlich gegeben, aber war er identisch mit dem Lothar aus der Geschichte?
Ich gebe auf jeden Fall meine Empfehlung zum Lesen dieser Geschichte, die deutlich macht, was geschieht, wenn ich den falschen Menschen vertraue oder folge.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Freundschaft bis der Neue kommt

Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen
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Ich war gespannt auf den niederländischen Autor Herman van de Wijdeven. „Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen“ erzählt Bent. Er und Juri sind beste Freunde und zusammen erleben ...

Ich war gespannt auf den niederländischen Autor Herman van de Wijdeven. „Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen“ erzählt Bent. Er und Juri sind beste Freunde und zusammen erleben sie so manches Abenteuer – bis der Neue in ihre Klasse kommt. Juri scheint sich bestens mit Finn zu verstehen, und Bent hat das Gefühl, plötzlich wertlos zu sein. Die Eifersucht brennt in ihm.

Es ist eine Geschichte, aus der Kinder, aber auch Erwachsene viel lernen können, die aber auch spannend ist. Eine besondere Spannung entsteht dadurch, dass der Autor die Geschichte „zerpflückt“ hat. Es wirkt, als wären die meist kurzen Kapitel durcheinandergeraten, obwohl sie Überschriften tragen und mit HEUTE beginnen. Es geht weiter VOR ZWEI WOCHEN, zurück zu HEUTE und GESTERN … Die gesamte Geschichte spielt in einem Zeitraum von vier Monaten.

Total überwältigt frage ich mich, wie man eine Geschichte so auseinandernehmen kann, sie aber dennoch nicht nur verständlich bleibt, sondern gerade dadurch unglaublich fesselnd wird.

Allerdings gefällt mir auch der bildhafte Schreibstil. „Irgendwie erinnert er mich an den Windhund von unserer Nachbarin Olga. Ein mageres Tier auf schlotternden Beinen.“ Sofort habe ich das passende Bild vor Augen.

Wie im Film sehe ich das Dorf, die Landschaft mit dem Kanal, den Kuhweiden, dem Maisfeld und der Mühle ohne Flügel.

Wer Spaß hat an faszinierend erzählten Geschichten, denen empfehle ich dieses großartige Buch.

Wenn dann noch jemand genauso neugierig ist wie ich, der macht es am Ende so, wie ich es gemacht habe: Ich habe das Buch für mich neu sortiert und nochmal gelesen. Beginnend VOR VIER MONATEN.

Fazit: Herman van de Wijdeven hat es grandios gemacht und nicht nur mit seiner Sortierung großes Können bewiesen.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Mehr als ein Reiseführer

KUNTH Unterwegs in Bayern
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Das Buch aus der Reihe „Unterwegs in …“ wiegt mehr als ein Kilogramm, das Format ist nur wenig kleiner als DIN A4. Es ist damit ein gewichtiges Reisebuch, das mir auf Anhieb gefällt. Das Softcover scheint ...

Das Buch aus der Reihe „Unterwegs in …“ wiegt mehr als ein Kilogramm, das Format ist nur wenig kleiner als DIN A4. Es ist damit ein gewichtiges Reisebuch, das mir auf Anhieb gefällt. Das Softcover scheint für den häufigen Gebrauch geschaffen zu sein.
„Unterwegs in Bayern“ bietet auf 336 Seiten eine große Vielfalt an Farbfotos, Stadtplänen, Informationen über Stadt und Land und auch über die Menschen und ihre Gewohnheiten und Bräuche.
Das Inhaltsverzeichnis ist ansprechend und sehr übersichtlich gestaltet:
Die schönsten Reiseziele versprechen in Nordbayern puren Genuss und unberührte Natur, in Ostbayern einzigartige Landschaften, die auf kulturelle Schätze von Weltrang treffen, in Südbayern Alpenzauber und Biergartenkultur – eine Reise zu Brauchtum, Naturwundern und lebendigen Städten.
Die schönsten fünf Reiserouten machen schon beim Lesen Lust aufs Nachfahren.
Am Ende sind Reiseatlas und Register zu finden.

Für meine Rezension habe ich mir den Bereich Oberfranken in Nordbayern näher angeschaut, weil ich bereits häufig in Bamberg und in der Fränkischen Schweiz unterwegs war.
Das Reisebuch bietet eine große Vielfalt. Man findet Schlösser, Burgen, Wälder, Städte und eine reiche Auswahl an Sehenswürdigkeiten, mit kurzen Texten und gut bebildert und klassifiziert mit ein, zwei und drei Sternen.
Gut gefällt mir das, was mir als Besonderheiten ins Auge springt: einige Details zu dem Baumeister Balthasar Neumann, zur Basilika Vierzehnheiligen eine Legende, ein paar Infos über den Komponisten Richard Wagner oder die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth und seine Festspiele und vieles mehr.
Gern möchte ich noch viele Gebiete Bayerns erkunden. Dafür habe ich mit dem Reisebuch „Unterwegs in Bayern“ aus dem Kunth Verlag einen Glücksgriff gemacht.
Ich bleibe neugierig und empfehle das Buch gern allen, die das Bundesland oder einzelne seiner Gebiete näher kennenlernen möchten.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Eingelullt vom Ostfriesennebel

Ostfriesennebel
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Für Ann Katrin Klaasen ist es der 19. Fall. Tote gibt es wieder mal mehr als genug, was aber auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Ann Katrin Spezialistin zur Ergreifung von Serienmördern ist.
Doch ...

Für Ann Katrin Klaasen ist es der 19. Fall. Tote gibt es wieder mal mehr als genug, was aber auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Ann Katrin Spezialistin zur Ergreifung von Serienmördern ist.
Doch diesmal scheint einiges anders zu sein. Da gibt es eine Frau, die der festen Überzeugung ist, ihr Mann wäre gar nicht ihr Mann, sondern dessen Zwillingsbruder. Das allein klingt ja schon etwas verrückt. Aber was ist wirklich dran an ihrer Vermutung? Viel wichtiger wird es wohl erstmal sein, sich um die Leiche am Bahngleis zu kümmern…
Ich muss gestehen, dass es bei den Krimis von Klaus-Peter Wolf weniger das geschriebene Wort ist, das mich fasziniert. Vielmehr mag ich es, seine CDs zu hören. Die bespricht er immer selbst, und das macht er einfach toll!
So habe ich mich gern vom „Ostfriesennebel“ einlullen lassen. Ich finde es herrlich, wenn er sich dabei immer wieder „in Kleinigkeiten verliert“ und so unglaublich viele „Nebensächlichkeiten“ erzählt, die aber trotzdem zu seinen Geschichten einfach dazugehören und manchmal auch gar keine Nebensächlichkeiten sind. Es macht wieder mal Spaß!
Da ich immer gern auch an Wolfs Lesungen teilnehme, habe ich den großen Vorteil, nicht nur seinen Stimmen! – ja, es sind tatsächlich unterschiedliche Stimmen, die er seinen Protagonisten gibt und an denen man sie auch auf der CD erkennt – zu lauschen, sondern beim Zuhören habe ich auch immer sein verschmitztes Gesicht vor Augen.
Wenn ich dann zum Beispiel Rupert als Baby- oder besser gesagt als Kindersitter erlebe, dann ist das Spiel schon halb gewonnen! Gern halte ich es aber auch wie manchmal Ann Katrin und lasse mir am Wasser den Wind um die Nase wehen. Wenn Klaus-Peter Wolf davon erzählt, ist es für mich Genuss pur.
Fast hätte ich es vergessen: Spannend ist die Geschichte auch noch. Und das Ende mit Bettina Göschl und ihrem Lied „Sieben Leben hat die Katze“ ist einfach köstlich!

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