Vorurteile und Machtmissbrauch
Joseph Süßkind OppenheimerJoseph Süßkind Oppenheimer“ von Raquel Erdmann ist ein faszinierendes und zugleich erschütterndes Buch, das die Geschichte eines der größten Justizskandale des 18. Jahrhunderts aufgreift. Es geht um den ...
Joseph Süßkind Oppenheimer“ von Raquel Erdmann ist ein faszinierendes und zugleich erschütterndes Buch, das die Geschichte eines der größten Justizskandale des 18. Jahrhunderts aufgreift. Es geht um den jüdischen Finanzberater Joseph Süßkind Oppenheimer, der am Hof von Herzog Karl Alexander von Württemberg eine bemerkenswerte Karriere machte – und später in einer fragwürdigen Justizaffäre endete.
Die Autorin ist selbst Gerichtsreporterin und hat akribisch recherchiert. Das Buch konzentriert sich auf Oppenheimers Aufstieg und Fall, wobei Erdmann die historischen Fakten geschickt mit einer emotionalen Erzählweise verbindet. 1738 wurde Oppenheimer des Verrats und der Bestechung beschuldigt und angeklagt. Der Prozess basiert aber nicht nur auf rechtlichen, sondern auch auf politischen und antisemitischen Motiven. Der Richter, der das Verfahren leitete, war ein politischer Gegner Oppenheimers, der letztlich zum Tode verurteilt und öffentlich gehängt wurde.
Erdtmann lässt das Leben von Oppenheimer und die Zeit, in der er lebte, lebendig werden. Der Schreibstil ist an manchen Stellen etwas schwer zugänglich und zeigt auch immer wieder Längen, ist aber zugleich einfühlsam und fesselnd.
„Joseph Süßkind Oppenheimer“ regt zum Nachdenken an und zeigt, wie Vorurteile und Machtmissbrauch das Leben eines Menschen zerstören können.