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magische_farbwelt

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2019

Da sieht man mal, wie viel Arbeit in einem einzelnen Buch steckt

Die Wanderschriftsteller
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Zunächst muss ich mich schuldig bekennen: Ich habe die Reihe um „Die Wanderhure“ bisher nie gelesen, obwohl ich eigentlich auf historische Romane stehe. Warum, kann ich Euch gar nicht sagen. Es hat sich ...

Zunächst muss ich mich schuldig bekennen: Ich habe die Reihe um „Die Wanderhure“ bisher nie gelesen, obwohl ich eigentlich auf historische Romane stehe. Warum, kann ich Euch gar nicht sagen. Es hat sich eben noch nicht ergeben. Aber natürlich habe ich schon Einiges aus den Medien um die Romane von Iny Lorentz gehört. Schließlich wurden ja „Die Wanderhure“ und die Nachfolgeromane auch verfilmt. Aber auch den Film habe ich bisher nicht gesehen. Nach dem ich nun allerdings um die Hintergründe zu den einzelnen Romanen von Iny Lorentz weiß, werde ich mich nach und nach den Romanen widmen. Denn der Stoff der Bücher scheint genau nach meinem Geschmack zu sein. Hinter dem Pseudonym Iny Lorentz steckt das Autorenehepaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath. Sie beschreiben in ihren Erzählungen in „Die Wanderschriftsteller“ die aufwendigen Recherchen bis hin zur Entstehung ihrer umfangreichen Romane. Sie begleiten ihre Romanhelden auf ihren Wegen, sodass sie detailgetreu nachvollziehen können, wie sich in den historischen Romanen einzelne Schicksale abgespielt haben könnten. Dem Leser wächst das Ehepaar doch etwas ans Herz. Denn gerade die Bodenständigkeit, die den beiden geblieben ist, finde ich arg liebenswürdig. Und spannend finde ich auch, dass einzelne Schauplätze sogar in meiner heimatlichen Nähe gewählt wurden. Da fühlt man sich ja umso mehr dem Buch verbunden. Ich mag Hintergrundberichte wie in „Die Wanderschriftsteller“, da sie mir zeigen, dass ein Buch schreiben mehr heißt als einfach nur Seiten zu füllen. Um ein Buch zu schreiben haben Iny Klocke und Elmar Wohlrath mehr Seiten und Bücher zur Anreicherung ihres eigenen Wissens gelesen, als der Roman im Endeffekt umfasst. Und vor diesem Aufwand ziehe ich echt den Hut.

Veröffentlicht am 06.11.2019

Mutmachende Lektüre für die Betroffenen – aber auch für alle Anderen

Ich bin V wie Vincent
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Eigentlich ist „Ich bin V wie Vincent“ von Lucinde Hutzenlaub eine Jugendbuch. Doch ich finde es für alle Altersgruppen echt lesenswert. Denn auch im Erwachsenalter braucht man hier und da noch etwas Zuspruch ...

Eigentlich ist „Ich bin V wie Vincent“ von Lucinde Hutzenlaub eine Jugendbuch. Doch ich finde es für alle Altersgruppen echt lesenswert. Denn auch im Erwachsenalter braucht man hier und da noch etwas Zuspruch und Mut. Empathie ist für mich immer wieder das Stichwort. Denn diese fehlt bei meinen (erwachsenen) Mitmenschen leider noch viel zu oft. In „Ich bin V wie Vincent“ geht es um Mobbing, und zwar von der üblen Sorte. Schüler werden drangsaliert, keiner erhebt das Wort, alle kuschen, selbst die Lehrer, die vielleicht selbst Angst haben oder denen es einfach egal ist. Social Media wird zum Sprachrohr und schnell wird klar: Es geht vielen so und gemeinsam können sie sich wehren. Doch der Weg ist weit bis dorthin, denn es gehört jede Menge Mut dazu. Ich danke der Autorin, dass sie dieses sensible Thema aufgegriffen und verarbeitet hat. Aus der Danksagung der Autorin wird dem Leser auch klar, dass sie Ähnliches durchgemacht hat, wenn auch vielleicht in einer anderen Intensität. Doch damals gab es noch kein Sprachrohr wie eine mögliche Social Media Plattform. Und ich kann das wahrlich nachempfinden. Auch wenn ich eine durchaus schöne Kindheit zu Hause hatte, meine Schulzeit war nicht immer so super. Ich habe gern gelernt, ich denke, ich kam auch gut bei den Lehrern an – eventuell war das schon das Problem – aber meine Mitschüler waren teilweise ätzend. Das Schlimmste, an was ich mich konkret erinnern kann, ist der Ausdruck „Pferdefresse“. Als junges Mädchen nagt das an dir, sogar bis heute zweifele ich manches Mal an meinem Aussehen. Und habe ich mich gewehrt? Nein. Ich habe mich einfach nur geschämt, schließlich bin ich ja selber schuld, wenn ich so hässlich bin. Meinen Eltern habe ich nichts erzählt, meinen Freundinnen nicht und den Lehrern schon gar nicht, Kam ein doofer Spruch, habe ich so getan, als wenn ich nichts gehört hätte. Verletzt haben mich die Worte trotzdem. Heute empfinde ich mich nicht mehr als hässlich, eigentlich bin ich sogar meinem Empfinden nach gut geraten. Aber hin und wieder fehlt mir dieses Selbstvertrauen immer noch, dabei habe ich vor über 20 Jahren die Schule verlassen. Manchmal stimmt der Spruch eben doch: Kinder können grausam sein, denn sie wissen über die Konsequenzen ihres Handelns oft nicht Bescheid. Und macht es einer vor, machen auch noch viele mit, weil sie Angst haben, selbst Opfer zu werden oder schlicht und einfach, weil es cool ist. Wie finde ich nun den Faden zurück zur Rezension? Meine Erlebnisse, die Erlebnisse der Autorin und auch die Erlebnisse des Protagonisten sind furchtbar, aber wenn man doch darüber redet, findet man schnell heraus, dass man nicht mit seinen Problemen allein sein muss. Aber der Weg des Redens muss gegangen werden. Und genau das, liebe Lucinde Hutzenlaub, hast Du in Deinem Buch „Ich bin V wie Vincent“ uns Lesern näher gebracht. Du schenkst uns Mut, Erkenntnisse und die Macht des Wortes. Danke dafür.

Veröffentlicht am 30.10.2019

Düstere Stimmung und tragische Einzelschicksale

Melmoth
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Zu Beginn der Geschichte wusste ich nicht so genau, wohin mich die Autorin Sarah Perry in ihrem Roman „Melmoth“ mithinnehmen möchte. Doch nach und nach fügten sich die Puzzleteile zusammen. Die Protagonistin ...

Zu Beginn der Geschichte wusste ich nicht so genau, wohin mich die Autorin Sarah Perry in ihrem Roman „Melmoth“ mithinnehmen möchte. Doch nach und nach fügten sich die Puzzleteile zusammen. Die Protagonistin Helen fühlt sich immer wieder verfolgt, was ihr umso bewusster wird, als sie auf eine Niederschrift stößt, in dem es um die geheimnisvolle Schattenfrau Melmoth, die dem Roman auch seinen Titel gab, geht. Scheinbar handelt der Roman auf den ersten Blick nur von der Protagonistin, von ihrem Einzelschicksal, was für sich gesehen doch sehr tragisch ist. Doch Helen stößt bei Recherchen auf andere tragische Begebenheiten, Einzelschicksale, die ebenfalls genügend Raum in diesem Buch finden. So dass sich, für mich gesprochen, mehrere Hauptfiguren im Buch finden lassen. Jedes einzelne Schicksal möchte ich nicht erlebt haben. Dazu sind die Schauplätze in der Geschichte immer passend gewählt. Der Sprachstil ist wunderbar fließend, sodass die düstere Stimmung, die dieser Roman verströmt, auch irgendwie am Leser haften bleibt. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, wie ich an Melmoth denke. Für mich ist sie der Ausdruck eines schlechten Gewissens, welches an Dir nagt und nagt und nagt, bis es Dich auffrisst. Und hier steckt auch, wie ich finde, der moralische Aspekt der gesamten Geschichte. Für mich ist „Melmoth“ von Sarah Perry ein düsterer Roman, der nicht zuviel an Spannung trägt, aber dafür umso schwerer wiegt.

Veröffentlicht am 15.10.2019

Der Weg zum Glück führt über Norwegen

Restlos verfallen
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Liebe Autorin Ela Izei, das kannst Du doch nicht mit mir machen. Ich habe auf den ersten 70 Seiten gefühlt 80mal geweint. Ja, okay, diese Übertreibung musste sein, um den Interessierten einfach zu verdeutlichen, ...

Liebe Autorin Ela Izei, das kannst Du doch nicht mit mir machen. Ich habe auf den ersten 70 Seiten gefühlt 80mal geweint. Ja, okay, diese Übertreibung musste sein, um den Interessierten einfach zu verdeutlichen, wie gefühlvoll und einfach schön Deine Liebesgeschichte zwischen Emely und Gabriel ist. „Restlos verfallen“ ist der 1. Band der Norwegen-Serie von Ela Izei. Und natürlich bin ich durch diesen 1. Teil schon angefixt und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. „Restlos verfallen“ ist für mich ein Liebesroman, gespickt mit erotischen Szenen und Details, die aber nie ausufernd sind. Die Liebesgeschichte steht für mich im Vordergrund. Und die Autorin hat es doch tatsächlich geschafft, mir dieses wunderbar bittersüße Ziehen in der Magengegend zu bescheren, wodurch mir unweigerlich die Tränen in die Augen schossen. Zu schön sind diese Szenen beim Kampf um die Liebe. Ein richtiges Happy End hat dieser Teil der Norwegen-Serie nicht, ich weigere mich auch, zu glauben, dass Emely und Gabriel so ihren Weg gehen werden. Aber wer weiß, vielleicht hat ja die Autorin Ela Izei in den nächsten Bänden noch eine Fortsetzung für uns neugierigen Leser parat.

Veröffentlicht am 09.10.2019

Eine abenteuerliche Reise im 19. Jahrhundert

Washington Black
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Mein geschichtliches Interesse ist sehr groß. Und wenn die Vergangenheit auch noch in eine tolle Geschichte mittels eines Romans verpackt wird, umso besser. Im Roman „Washington Black“ der Autorin Esi ...

Mein geschichtliches Interesse ist sehr groß. Und wenn die Vergangenheit auch noch in eine tolle Geschichte mittels eines Romans verpackt wird, umso besser. Im Roman „Washington Black“ der Autorin Esi Edugyan spielt ein Sklavenjunge – gleichnamig mit dem Buchtitel – die zentrale Rolle. Das Buch beginnt für den Leser gleich schonungslos mit abscheulichen Gräueltaten. Denn mit aller Offenheit werden die Brutalitäten gegenüber den Sklaven auf der Faith-Plantage in Barbados detailliert beschrieben. Und ich denke, dass nicht allzu selten diese unmenschlichen Parallelen zu den tatsächlichen Geschehnissen zur Zeiten der Sklaverei zu sehen sind. Die Autorin beschreibt im Endeffekt das Erwachsenwerden des Jungen Washington Black. Auch wenn er von der Plantage entkommen kann und als frei gilt, scheint er ständig auf der Flucht. Denn Gleichberechtigung auf dem Papier ist eben noch lange keine echte Gleichberechtigung im wahren Leben. Und auch diese moralischen Verwerflichkeiten pickt die Autorin Esi Edugyan in ihrem Roman „Washington Black“ wunderbar heraus. Die Geschichte des Protagonisten ist abenteuerlich, manchmal herzzerreißend, manchmal grausam. Und irgendwie auch manchmal widersprüchlich. Als Leser leidet man mit ihm, man freut sich mit ihm und man zieht mit ihm beinah um die ganze Welt des 19. Jahrhunderts. Esi Edugyan schafft es, uns in eine andere Welt zu entführen, den Blick auch zu öffnen. Und indirekt zu appellieren, dass wir es nicht wieder soweit kommen lassen dürfen.