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magische_farbwelt

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2020

Eine Frau, die mehr vom Leben will

Ich erwarte die Ankunft des Teufels
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Am Ende des Buches weißt Du immer noch nicht so genau, wo die Reise jetzt hingegangen ist. Zumindest erging es mir so. Du weißt nur, dass Du in Deinen Händen ein Werk hältst, was niedergeschrieben wurde ...

Am Ende des Buches weißt Du immer noch nicht so genau, wo die Reise jetzt hingegangen ist. Zumindest erging es mir so. Du weißt nur, dass Du in Deinen Händen ein Werk hältst, was niedergeschrieben wurde von einer scheinbar verzweifelten, jungen Frau in einer scheinbar verzweifelten Welt. „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ ist von Mary MacLane im Stil eines Tagebuches verfasst worden. Man spürt ihre Verzweifelung, denn sie scheint für Größeres geschaffen. Und ja, wenn man sich in eine Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts hineinversetzt, mag man Mary MacLane jedes Wort, und sei es noch so wirr, glauben. Denn als Frau ist sie scheinbar nicht viel wert, sei sie noch so klug, noch so hübsch, noch so genial. Ich bin übrigens sehr dankbar für das Nachwort der Übersetzerin Ann Cotten und den Ausführungen von Juliane Liebert. Denn somit kann man als Leser noch mehr in die Gefühlswelt der jungen Mary MacLane eintauchen. Einige Fragen nach dem Warum werden im Nachwort beantwortet. Und im Nachhinein habe ich das Gefühl, jetzt Einiges besser zu verstehen, und gleichzeitig müsste ich das Buch mit diesem Wissen noch einmal lesen für ein besseres Verständnis. Mary MacLane schreibt atemlos, teilweise widersprüchlich, so dass der Leser merkt, in welchem Zwiespalt sie sich befindet. Sie bezeichnet sich als Genie und gleichzeitig als Närrin. Und sie ist unheimlich einsam. Beinah lese ich Phasen depressiven Verhaltens aus ihrer Darstellung, so offenherzig gibt sie sich dem Leser. Für mich ist „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ mehr als nur eine Darstellung. Es ist ein Abbild, eine Reise in ein vergangenes, wahres Ich. Es zeigt die Gefühlswelt einer Frau von 1901, die mehr von ihrem Leben erwartet, als einfach nur Frau zu sein. Und Mary MacLane setzt mit ihrer Darstellung, wie sie es nennt, alles auf eine Karte und hat Erfolg. So lassen sich auch Analogien bis in die heutige Zeit ziehen: Nicht sein Dasein fristen, auch mal was riskieren, sich mal was trauen und aus sich herauskommen.

Veröffentlicht am 16.03.2020

Es kann ganz schnell gehen

#KillTheRich - Wer Neid sät, wird Hass ernten
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Fiktion, die nicht realer sein könnte? Das Fragezeichen kann ich hier guten Gewissens durch ein Ausrufezeichen ersetzen: Fiktion, die nicht realer sein könnte! Denn in „KillTheRich – Wer Neid sät, wird ...

Fiktion, die nicht realer sein könnte? Das Fragezeichen kann ich hier guten Gewissens durch ein Ausrufezeichen ersetzen: Fiktion, die nicht realer sein könnte! Denn in „

KillTheRich – Wer Neid sät, wird Hass ernten“ von Lucas Fassnacht geht es um die rasend schnelle Verbreitung eines Online-Beitrages, mit fatalen Folgen für die gesamte Weltbevölkerung. Aber in dem Politthriller geht es soviel mehr. Es geht um das aktuelle Weltgeschehen, die Probleme einer jeden Bevölkerungsschicht werden aufgezeigt und angeprangert. Und mal unter uns: Auch jeder bekannte Politiker – auch die ganz Großen – bekommt sein Fett weg, was ich seitens des Autors schon echt mutig finde. Hut ab. Auch einzelne Politiksysteme werden kritisch betrachtet, und irgendwie, so habe ich es empfunden, ein wenig aufs Korn genommen. Der Schreibstil des Autors Lucas Fassnacht ist wunderbar. Alles ist flüssig, so dass man das Buch gern zur Hand nimmt, auch wenn mich zunächst die Seitenzahl fast erschlagen hat. Denn in meinem eBook wurden beinah 1.000 Seiten angezeigt. Ich jedenfalls konnte es immer kaum erwarten, weiter zu lesen. Teilweise waren mir zuviel handelnde Personen an der Geschichte beteiligt. Aber am Ende des Buches ist eine Übersicht der Personen vorhanden. Allerdings sieht man das ja bei einem eBook auch wirklich erst am Ende. Wie dem auch sei, „

KillTheRich – Wer Neid sät, wird Hass ernten“ ist für mich ein Politthriller, der spannend ist, mit mutiger Kritik an der realen Politik nicht spart und hier und da mit einem ironischen Unterton zu verstehen ist.

Veröffentlicht am 13.03.2020

Ich möchte auch einen Seth

Rockford Legends: SETH
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Hach ja, endlich mal wieder etwas fürs Herz. Zwischen all den nachdenklich stimmenden Romanen und Krimis, die ich auch sehr gern lese, darf es auch mal wieder etwas Romantisches sein. Liebesromane, die ...

Hach ja, endlich mal wieder etwas fürs Herz. Zwischen all den nachdenklich stimmenden Romanen und Krimis, die ich auch sehr gern lese, darf es auch mal wieder etwas Romantisches sein. Liebesromane, die sich zwischen heißen Sportlern und unscheinbaren Mädels abspielen, gibt es sehr viele mittlerweile. Und zu Recht, wie ich finde. Denn welche Frau träumt nicht hier und da von einem sexy Adonis auf Händen getragen zu werden. Und beim Lesen eines solchen Romans wird das Träumen leicht gemacht. Seth ist Eishockeyspieler, absolut beliebt, vor allen Dingen in der Frauenwelt. Er verliebt sich in Allison und wirbt um sie. Doch sie blockt ab, schließlich schämt sie sich für ihr Leben – ihr vergangenes und jetziges Leben. Die Autorin Kate Lynn Mason erzählt in ihrem Buch „ROCKFORD LEGENDS: SETH“, wie sich die beiden finden, und welche Hürden sie für ihre Beziehung überwinden müssen. Dieses Buch ist übrigens der 2. Band der „Rockford Legends“ Reihe. Den 1. Teil habe ich bisher nicht gelesen. Zum Einstieg in den 2. Band sind die Vorkenntnisse meines Erachtens aber nicht notwendig. Der Schreib- bzw. Erzählstil der Autorin ist wunderbar flüssig und wortgewandt. Mit Freude habe ich mich in der Welt zwischen Seth und Allison in Rockford eingefunden, schließlich haben die beiden mir schöne Lesestunden bereitet. Viel Wehmut war vor allen seitens Allison zu vernehmen, sodass mir hier und da die Tränchen in den Augen standen. Aber auch das süße Kribbeln im Bauch, wie als wäre man selbst frisch verliebt, ließ nicht lange auf sich warten. „ROCKFORD LEGENDS: SETH“ von Kate Lynn Mason ist ein wunderbar gut tuender Roman für die Seele. Hach ja, wären doch – fast – alle Männer so wie Seth.

Veröffentlicht am 06.03.2020

Eine Kämpferin, die nicht aufgibt

Zeit des Sturms
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Auch wenn es in meiner Schulzeit nie der Fall war, so ist mein Interesse an geschichtlicher Lektüre nun umso größer. Und auch gerade Romane, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, faszinieren ...

Auch wenn es in meiner Schulzeit nie der Fall war, so ist mein Interesse an geschichtlicher Lektüre nun umso größer. Und auch gerade Romane, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, faszinieren mich. Nicht, weil ich mich am Leid der Handelnden laben möchte. Nein, ich habe viel mehr Hochachtung, wie die Menschen gekämpft haben, niemals aufgegeben haben. Im Roman „Zeit des Sturms“ von der Autorin Mila Sommerfeld geht es im Zentralen um genau eine solche Familie, die die Angriffe und Schikanen nur durch ihren Zusammenhalt übersteht. „Zeit des Sturms“ ist der 2. Band der „Die Schwestern der Kaufhausdynastie-Reihe“. Den 1. Band habe ich bisher nicht gelesen, aber um in die Geschichte einzusteigen, ist dies auch nicht zwingend notwendig. Im Mittelpunkt von „Zeit des Sturms“ steht die Protagonistin Sophia, ein wahre Kämpfernatur. Sie will sich nichts von der Partei diktieren lassen, sie steht gegen jedes Unrecht an und duckt sich nicht. Die Autorin schafft mit Sophia eine kleine Heldin in ihrem Roman, die mehr Rückgrat als viele ihrer Mitmenschen beweist. Sie ist keine Mitläuferin. Mila Sommerfeld bedient sich in ihrem Schreiben bewusst auch der schonungslosen Darstellung des Leids, sodass beim Leser noch mehr das Bewusstsein für das Leben von damals hervortritt. Zugegeben, es ist wahrlich kein leichter Lesestoff, und „Zeit des Sturms“ ist auch kein Liebesroman, falls man das erwartet. Die Liebe spielt am Rande eine Rolle, aber im Vordergrund steht eine starke Frau, von der sich jeder auch heute noch viel abschauen kann. „Zeit des Sturms“ lässt den Leser Mut schöpfen, ja, sogar mit Sophia mitkämpfen, in der Hoffnung, dass alles gut wird.

Veröffentlicht am 17.02.2020

Außergewöhnlich und einfallsreich

Milchmann
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Außergewöhnlich. Dieses Wort fällt mir als erstes ein, wenn ich an den Roman „Milchmann“ von der Autorin Anna Burns denke. Wortgewandt, lange, teilweise verschachtelte Sätze, spannend und doch in die Länge ...

Außergewöhnlich. Dieses Wort fällt mir als erstes ein, wenn ich an den Roman „Milchmann“ von der Autorin Anna Burns denke. Wortgewandt, lange, teilweise verschachtelte Sätze, spannend und doch in die Länge ziehend. Wiederholend und dennoch in jedem Wort das gewisse Etwas zu finden. So wirkte der Schreibstil in „Milchmann“ auf mich. Stets war ich auf der Suche nach dem, was mir die Autorin Anna Burns mit ihrem Buch wohl sagen will. Und dennoch – oder gerade deshalb – hat mich ihr Roman so sehr gefesselt und gefangen gehalten. In einer Welt nach dem Zweiten Weltkrieg, in der sich die Gesellschaft noch zu ordnen versucht, lebt die namenlose Ich-Erzählerin in einer Beziehung zu ihrem namenlosen Vielleicht-Freund und in einer Familie mit Mutter, Bruder 1 bis 4 – wobei einige der Brüder eben nicht mehr leben – Schwester 1 bis 3 – wenn ich mich nicht verzählt habe – sowie daugehörigen Schwägern 1 bis 3 und Kleinen Schwestern – 3 an der Zahl. Die Erzählerin selbst ist die Mittelschwester. Und schon allein an diesem Beziehungskonstrukt kann der Leser erkennen, in was für eine Welt er sich begibt. Sie ist eben außergewöhnlich. Ach ja. Und dann ist da noch der Milchmann. Er stalkt scheinbar die Protagonistin, die Ich-Erzählerin ohne Namen. Und schnell wird ihr eine Affäre angedichtet, und sie ist die einzige, die weiß, dass es nicht so ist. Niemand glaubt ihr. Im Übrigen ist dies der falsche Milchmann, denn es gibt ja noch den Echten Milchmann. Alles ziemlich verwirrend. Aber irgendwie auch total abgefahren zu lesen. Und wer zwischen den Zeilen lesen kann, merkt schnell, dass es keiner Namen bedarf. Es kann jedem Individuum so ergehen. Der Leser lernt, wie schnell sich Gerüchte verbreiten und potenzieren. Wie schnell es vorbei sein kann, wie oft der Schein einfach trügt. Auch wenn man sich ins Lesen hineinfinden muss und wenn man dies letztendlich geschafft hat, gewinnt man den Roman „Milchmann“ und den Schreib- und Erzählstil von Anna Burns echt lieb. Ich kann mich nur wiederholen: „Milchmann“ ist außergewöhnlich aber dafür umso lesenswerter. Einfach mal etwas Anderes, was mich als Leserin überrascht hat und dafür für mich umso wertvoller ist.