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Veröffentlicht am 30.10.2017

Harmon liegt Fantasy nur bedingt

Bird and Sword
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Amy Harmon hat sich schnell zu einer der Autorinnen entwickelt, der ich wohl auf lange Zeit die Treue halten werde, weil sie einfach ein tolles erzählerisches Talent hat, das immer etwas in mir berührt. ...

Amy Harmon hat sich schnell zu einer der Autorinnen entwickelt, der ich wohl auf lange Zeit die Treue halten werde, weil sie einfach ein tolles erzählerisches Talent hat, das immer etwas in mir berührt. Mit „Bird and Sword“ wagt sich die Autorin ins Fantasy-Genre und hier ist meine Einschätzung, wie ihr dieser Ausflug gelungen ist.
„Bird and Sword“ hat eine tolle Grundidee, die vom Prinzip her sehr simpel ist. Es gibt vier Grundgaben und in der Welt werden diese Magischen verfolgt, so dass einige gar nicht um ihre Fähigkeiten wissen oder sie unterdrücken. Da nun der Angriff einer Gruppe von magischen Kreaturen droht, spitzt sich die Lage in vielerlei Hinsicht zu. Wie gesagt die Idee ist simpel, aber hatte in meinen Augen als Grundidee gutes Potenzial. Der erste Fehler dabei zeigt sich aber schon recht früh, denn diese magische Welt, generell ihre zeitliche Einordnung, Beschreibungen, all das wird so knapp behandelt, dass der Erzählrahmen mehr als dürftig ist. Vor allem eben die fantastischen Elemente sind so oberflächlich erzählt, dass an manchen Stellen die Einordnung ins Fantasy-Genre fast einem Hohn gleichkommt.
Lark als Protagonistin hat mir sogleich gefallen, weil sie durch ihre Stummheit und generell ihrem natürlichen Wesen sehr empathisch, aber auch mutig und selbstbewusst wirkt. Ihr männlicher Gegenpart Tiras wirkt dagegen zunächst sehr kühl und rechthaberisch. Man merkt zwar sogleich, dass er nicht so ein tyrannischer König wie sein Vater ist, denn er hat ein großes Gerechtigkeitsbedürfnis und nur das Beste für sein Volk im Sinn, aber dennoch hat er nicht direkt Lieblingscharakterpotenzial. Doch das Bild von den beiden wandelt sich immer wieder. Mal bleibe ich bei meiner positiven Meinung von Lark, manchmal wird sie zur Schachfigur, dann wieder ist sie frech und abenteuerlustig. Bei Tiras würde ich eben eine Hoch-Tief-Entwicklung sehen, weil er mal sehr liebevoll, als Privatperson und als König ist, dann wieder unvernünftig und gebieterisch. Unter diesem Eindruck leidet auch an vielen Stellen die Liebesgeschichte. Zunächst erklären sich Larks Gefühle für Tiras überhaupt nicht, dann sind sie eben da und dann verhält sich Tiras wie ein frauenverachtender Snob, um danach wieder der perfekte Traumpartner zu sein. Es ist wirklich ein schwer zu fassendes Auf und Ab, das teils schwer enttäuscht, teils tief berührt.
Der Handlungsverlauf ist zunächst sehr gemächlich und sehr tiefsinnig, ganz so wie ich ihn von Harmon kennen und schätzen gelernt habe. Doch vor allem Mittelteil überschlagen sich die Handlungen regelrecht und werden so abrupt erzählt, dass logische Löcher aufklaffen. Zum Teil ergeben sich sogar Handlungen, die total out of character sind, was ebenfalls ziemlich nervt. Erst im letzten Drittel wieder werden große Handlungsbögen konsequenter auserzählt und einige Bögen zum Anfang geschlagen. Weiterhin zeigt sich aber, dass die Fantasy-Elemente sehr blass bleiben. Zwar gibt es in dieser Hinsicht kleinere Überraschungen, aber epische Szenen, zu denen diese fantastischen Elemente beitragen können, werden sehr kurz gehalten. „Bird and Sword“ ist so gesehen eher eine Liebesgeschichte als Fantasy-Geschichte.
Fazit: Hätte ich nicht gewusst, dass einer meiner Lieblingsautorinnen, Amy Harmon, „Bird and Sword“ geschrieben hat, hätte ich sie und ihren Stil wahrlich nicht erkannt. Im gemächlich erzählten Anfangsteilt vielleicht schon noch, aber danach zeigt sich vielleicht auch einfach, dass man mit Harmon in der Fantasy-Welt nicht rechnen sollte. Auch ihre große Stärke, die Charakterentwicklung, zeigt zu viele Schwächen, so dass letztlich nur eine mittelmäßige Unterhaltung bleibt, die sicherlich nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Fantasie
  • Gefühl
Veröffentlicht am 25.10.2017

Erzählgewalt entfaltet sich jetzt so richtig

Days of Blood and Starlight
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Buchreihen sind auf dem Büchermarkt schon lange nichts Seltenes mehr, ganz im Gegenteil, sie scheinen sogar zur Regel zu werden. Die Krux bei diesen Reihen ist jedoch meist, dass sie einen genialen ersten ...

Buchreihen sind auf dem Büchermarkt schon lange nichts Seltenes mehr, ganz im Gegenteil, sie scheinen sogar zur Regel zu werden. Die Krux bei diesen Reihen ist jedoch meist, dass sie einen genialen ersten Band bieten, der jeden Leser denken lässt „da muss ich dranbleiben!“ und dann können die Folgebände die Erwartungen leider nicht halten. Bei der Karou-Reihe bestand bei mir eine ähnliche Befürchtung, weil ich Band 1 sehr ansprechend fand, auch weil er ganz andere Figuren und eine ganz andere Entfaltung der Geschichte bereithielt. Anderssein ist auf dem Buchmarkt häufig ein Muss, aber wenn Band 2 nicht mehr anders sein kann, weil es eben wie Band 1, was bleibt dann übrig? Der zweite Teil der Karou-Reihe antwortet klar und deutlich: ganz viel!
Zunächst muss ich natürlich betonen, dass Band 2 so oder so kein Abklatsch vom ersten Band gewesen wäre, da vor allem die Erzählweise doch wieder eine ganz andere ist. Der erste Unterschied liegt darin, dass wir keine verborgene Erzählebene mehr haben. Diese Vergangenheit von Karou ist nun bekannt, aber da diese immer noch so viel Unerzähltes bereithält, finde ich es großartig, dass noch einmal Rückblenden geboten werden, um erzählerische Lücken zu füllen. Es werden auch Fragen beantwortet, die ich mir gar nicht gestellt habe und dadurch erhält alles noch einmal einen viel größeren Rahmen, der aber die fantastische Welt der Chimären und Engel besser erklärt.
Eine weitere Neuerung ist, dass wir wesentlich mehr Figurenperspektiven zur Verfügung gestellt bekommen. Vom Grundprinzip wäre das nicht nötig, da Karou und Akiva ja die gegnerischen Seiten besetzen, so dass auch beide Geschichten mit Infos gefüttert werden könnten. Aber so erhält die Geschichte wahrlich epische Ausmaße, da man vor allem ausschließlich mit Figuren verknüpft wird, die auch als Sympathieträger fungieren und die vieles Spannende zu berichten haben, die erneut der Welt den detaillierten Schliff geben.
Was in diesem Band völlig zurücksteht, ist die Liebesgeschichte zwischen Akiva und Karou. Sie haben nur wenige Szenen zusammen, diese sind zwar sehr berührend, aber trotzdem habe ich den fehlenden Impulsen in dieser Angelegenheit nicht nachgetrauert, da schon Band 1 nicht nur die Liebesgeschichte war. Band 2 unterstreicht das nun doppelt und dreifach. Ja, ihre Liebesgeschichte war der Anfang, aber jeder für sich bleibt ein eigenständiges Wesen, dass auch so für seine Ideale eintritt. In Band 3 gehe ich davon aus, dass es wieder zunehmen wird, aber grundsätzlich ist so deutlich angezeigt, dass solche Reihen auch ohne die große epische Liebesgeschichte einwandfrei funktionieren können.
Der Handlungsverlauf hält wirklich einige Überraschungen bereit, so dass ich mich wirklich grundsätzlich unterhalten gefühlt habe. Zum einen wurde für mich die fantastische Welt immer klarer und parallel wurde aber die eigentliche Handlung konsequent vorangetrieben. Dieser Band bietet wie auch der Erstling viele nachdenkliche Passagen, die sich über bis zu 6 Seiten ziehen, aber die habe ich dennoch in keiner Weise als langatmig empfunden, da die Sprache dabei auch etwas poetisches hat, so dass man regelrecht zu träumen beginnt.
Fazit: Laini Taylor ist eine Erzählerin wie sie im Buche steht, denn sie setzt dem ersten Band noch einmal die Krone auf. War im ersten Band noch vieles mit Fragezeichen verbunden, werden hier viele Antworten geboten und die Welt wird so weiter ausgebaut, dass ich mich nun fast heimisch fühle. Dazu werden auch einige erzählerische Neuerungen geboten und die Handlung wird spannend vorangetrieben. Somit hat „Days of Blood and Starlight“ für mich schon epische Ausmaße und ich bin voller Vorfreude auf den Abschlussband!

Veröffentlicht am 18.10.2017

Das Beste zum Schluss

Feel Again
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Mona Kasten hat mit „Begin again“ und „Trust again“ bewiesen, dass auch deutschen Autoren das in den letzten Jahren sehr bekannt gewordene Genre NA gut bedienen können. „Feel again“ bildet nun den Abschluss ...

Mona Kasten hat mit „Begin again“ und „Trust again“ bewiesen, dass auch deutschen Autoren das in den letzten Jahren sehr bekannt gewordene Genre NA gut bedienen können. „Feel again“ bildet nun den Abschluss der Reihe und ich muss sagen, dass ich mit der größten Skepsis in dieses Buch gegangen bin. Das lag zum einen daran, dass Sawyer mein Interesse in den ersten beiden Bänden nur bedingt geweckt hat und zum anderen dass Isaac viel zu nerdig wirkte, zu stereotyp, als dass ich ihn richtig ernstnehmen konnte. Und gerade wenn solche Skepsis beim Lesen eines Buches mitspielt, ist die Freude umso größer, dass es sich doch tatsächlich um eine großartige Lektüre handelt.
Was mich ganz besonders an „Feel again“ mitgerissen hat, war die Entwicklung von Isaac. In diesem Genre entwickeln sich in der Regel die weiblichen Protagonistinnen von verschüchterten Entlein zu stolzen Schwänen. Ja, auch Sawyer entwickelt sich, aber die Entwicklung von Isaac steht viel mehr im Zentrum und diese ist einfach großartig dargestellt. Wie bereits im vorherigen Absatz erwähnt, konnte mich der angedeutete Isaac aus den ersten beiden Bänden kaum überzeugen. Aber hier war er von Seite 1 auf eine Art und Weise präsent, die direkt ausstrahlte, der könnte zu meinem Liebling werden. Was mich direkt bei ihm mitgenommen hat, ist die Tatsache, dass er in sich ruht, aber dieses innere Selbstbewusstsein nicht nach außen transportieren kann. Und dieser Weg, wie er irgendwann zu dem innen als auch außen selbstbewussten jungen Mann wird, das war sehr berührend und durchweg einnehmend.
Bei Sawyer ist für mich das Problem gewesen, dass ich mit ihr so gar nichts gemein habe. Wenn ich Parallelen zu Figuren sehe (wie es stark bei Dawn der Fall war), ist die Identifikation schnell gegeben, aber das ändert letztlich nichts daran, dass auch mit diesen Figuren Frustpotenzial besteht. Bei Sawyer war dieser Weg folglich genau andersrum. Vor allem in den ersten beiden Bänden war sie mit Frustpotenzial für mich verbunden und auch zu Beginn von „Feel again“ macht sie viele Dinge, die ich nicht im Geringsten nachvollziehen kann. Aber immer wieder kommen diese kleinen Momente, wo ich ihre wahre Persönlichkeit erahnen kann und je mehr Zeit ich mit ihr und ihrer Denkweise verbrachte, desto mehr wurde mir bewusst, dass Figuren nicht wie ich sein müssen, damit ich sie als Gesamtkomplex faszinierend und nachvollziehbar sehen kann.
Zusammen haben diese beiden sehr unterschiedlichen Figuren wirklich eine hohe Explosionsgefahr, aber da sich beide aufeinander einlassen, entsteht eine wahnsinnig schöne Chemie, wo jeder seine Stärken ausspielen kann. Mal ist Sawyer die stärkere Hälfte, mal ist sie es und diese vollkommen gleichberechtigte Beziehung hat wirklich meinen Nerv getroffen. Als großartig erwies sich auch der Szenenwechsel weitestgehend weg vom Campus, hin zu der Farm von Isaacs Familie. Dort wurde so viel Heimeligkeit und Wärme ausgestrahlt, es wurden großartige Szenen geboten und es fühlte sich wirklich wie zuhause an. Diese Wohlfühlatmosphäre hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass ich stolz sagen kann, dass Mona Kasten die Reihe mit einem „Bäm!“ beendet hat!
Fazit: Das Beste kommt zum Schluss! Eine bessere Phrase lässt sich für „Feel again“ nicht finden. Mit den geringsten Erwartungen bin ich herangegangen, da mich die Protagonisten schon jeder für sich in den Vorgängerbänden nicht überzeugen konnte und von ihrem Zusammenspiel war da ja noch gar nichts zu erahnen. Folge ist nun, dass ich so positiv überrascht vom Gesamtpaket bin, dass ich „Feel again“ gerne zu meinem Lieblingsband der Reihe küre und noch einmal bekräftigen möchte, dass Mona Kasten eine grandiose Reihe geliefert hat, die für deutsche Autoren den Maßstab setzen wird!

Veröffentlicht am 16.10.2017

Wieder eine außergewöhnliche Reihe

Crimson Lake
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Die „Hades“-Trilogie von Candice Fox habe ich durchaus traurig verabschiedet, da sie mit ihrer Außergewöhnlichkeit durchaus ein Highlight meines Lesejahres darstellte. Die Reihe war auch nicht ohne Fehler, ...

Die „Hades“-Trilogie von Candice Fox habe ich durchaus traurig verabschiedet, da sie mit ihrer Außergewöhnlichkeit durchaus ein Highlight meines Lesejahres darstellte. Die Reihe war auch nicht ohne Fehler, aber manchmal müssen das Bücher ja gar nicht sein, um in Erinnerung zu bleiben. Mit „Crimson Lake“ folgt jetzt die zweite Reihe der australischen Autorin und da war für mich direkt klar, dass ich auch hier dabei sein würde!
Auch bei „Crimson Lake“ kann man das Wort außergewöhnlich als Motto nehmen. Statt mit einem verrückten Polizisten und eine aus Gerechtigkeit mordenden Polizistin, haben wir es diesmal mit zwei Menschen zu tun, die sich schon einmal eines Verbrechens angeklagt sahen: Amanda Pharell wurde wegen Mordes verurteilt, gegen Ted Conkaffey wurde der Verdacht der Entführung und der Vergewaltigung einer Jugendlichen jedoch fallengelassen. Zwar ist Ted auch mal Polizist gewesen, aber die Voraussetzungen sind doch schon sehr unterschiedlich, als es bei Frank in der „Hades“-Trilogie der Fall war. Frank war für mich immer ein etwas verrückter Lebemann mit dreckigem Humor, während ich bei Ted alleine durch seine Familie eine viel stärkere Bodenhaftigkeit sehe, die durch die Anschuldigungen in ihren Grundfesten erschüttert wurde. Amanda wiederum hat noch viel weniger mit Eden gemein, denn sie ist einfach nur als verrückt, spielerisch und als ewiges Kind zu bezeichnen. Diese beiden nun vollkommen unterschiedlichen Charaktere tun sich zusammen, um privat zu ermitteln. Was für eine Grundidee!
Was beide Reihen gemein haben ist, dass die Ich-Perspektive durch die männliche Figur bedient wird. Damit kann ich leben, da Ted sehr nachvollziehbar und authentisch ist und man sich wunderbar in seiner Perspektive zurechtfinden kann, aber Amanda ist als Figur fast noch faszinierender und wir Leser bekommen nur einen Epilog aus ihrer Sicht, der schon zeigt, wie spannend es wäre, auch mehr durch sie zu erleben. In der „Hades“-Trilogie wurde das über die Bände immer mehr aufgesplittet, das erhoffe ich mir sehr auch für diese Reihe, weil dieses brachliegende Potenzial von Amandas Perspektive schon auch Frust bedeutet.
Neben dem Fall, den die beiden zu lösen haben, stehen auch die Anklagepunkte gegen die beiden Protagonisten im Fokus und das ist definitiv der spannendere Effekt. Zwar war auch die Geschichte rund um den verschwundenen Bestseller-Autor interessant inszeniert und wurde am Ende auch überraschend aufgelöst, aber die Frage, ob Ted und Amanda zurecht angeklagt wurden, die beschäftigt mich als Leserin wesentlich intensiver. Bei Ted bekommt man die Antwort recht früh, hier geht es nur noch darum, wie beweist man, dass er zu Unrecht beschuldigt wurde, da er in Crimson Lake das Leben eines Aussätzigen führen muss. Ted kniet sich aber verbissen in Amandas Fall rein, der auch innerhalb des Bandes aufgelöst wird. Postwendend widmet sie sich ihm und auch sein Fall wird ansatzweise als gelöst angedeutet. Das finde ich für einen Auftaktband recht viel, da so unweigerlich die Frage aufkommt, was folgt noch in den anderen Bänden? Denn Fox‘ Reihen leben eben davon, dass es nicht um reine Kriminalarbeit handelt, sondern um persönlich verstrickte Aspekte, die unglaublich mitreißend sind. Genau das macht der erste Band großartig, aber es bleibt abzuwarten, was nun noch folgen soll…
Fazit: Candice Fox liefert mit „Crimson Lake“ einen Reihenauftakt, der von der Grundprämisse her sicherlich Parallelen zur „Hades“-Trilogie aufweist, aber ganz andere Hauptfiguren und ein ganz anderes Australien bietet. Kriminalfälle werden wie eh und je gelöst, sowohl der Fall des Buches, aber auch private Dinge. Diese Mischung gelingt sehr spannend und mitreißend. Was jetzt noch fehlt ist die Perspektive von Amanda, da sie wie Ted sicherlich viel zu erzählen hat!

Veröffentlicht am 01.10.2017

Erzählerisch hoch intelligent

Daughter of Smoke and Bone
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Ich bin schon recht lange um die Karou-Trilogie von Laini Taylor herumgeschlichen. Die Serie ist zwar auf dem deutschen Buchmarkt gut vertreten gewesen, hat aber nun wahrlich nicht so Begeisterungsstürme ...

Ich bin schon recht lange um die Karou-Trilogie von Laini Taylor herumgeschlichen. Die Serie ist zwar auf dem deutschen Buchmarkt gut vertreten gewesen, hat aber nun wahrlich nicht so Begeisterungsstürme wie andere Fantasy-Reihen hervorgerufen. Als ich aber auf einer amerikanischen Website eine Hommage an diese Reihe fand, die so anders sei, wusste ich, dass ich definitiv zugreifen werde und nun habe ich mit „Daughter of Smoke and Bone“ den ersten Teil beendet.
Der Einstieg in das Buch war doch recht schwierig. Man wird regelrecht ins Geschehen geschmissen und dieses Geschehen und vor allem die Fantasy-Welt, die geschickt mit unserer realen Welt verknüpft ist, waren nicht so leicht zu sortieren, begreifen und zu verstehen. Da sich die großen Fragen hinter allem erst so langsam mit dem Ende von Band 1 klären, ist schon ein hohes Maß an aufmerksam Lesen erforderlich, da eben nicht alles glasklar auf dem Präsentierteller dargelegt wird. Normalerweise bin ich kein Fan davon, da mich meine Vorstellungskraft meist im Stich lässt und ich daher klare Vorgaben brauche, um mich in fantastischen Welten zurechtzufinden. Das ist „Daughter of Smoke an Bone“ zwar nicht der Fall, aber das Opfer nehme ich gerne in Kauf, da sich dafür eine raffiniert erzählte Geschichte entwickelt, wo die Erklärung der Welt eben Teil eines Plottwists ist. Das war echt cool gemacht!
So problematisch die Welt auch zunächst ist, so sehr mochte ich dagegen von Seite 1 an Karou. Sie ist definitiv keine 08/15-Protagonistin, da sie sehr frech, selbstbewusst, mutig und dennoch heimat- und liebebedürftig ist. Sie eckt an, sie umgibt sich gerne mit ebenso eckigen und speziellen Figuren und dadurch hat man schließlich ein Figurenrepertoire zusammen, das ganz weit weg von Alltäglichkeit ist und daher erst recht in Erinnerung bleiben wird.
Da in dem Erzählrahmen für mich vieles offenbleibt, hatte ich längere Zeit auch das Gefühl, dass die Geschichte nicht richtig in Gang kommen will. Zwar gab es immer wieder kleine erzählerische Höhepunkte, aber da ich nicht absehen konnte, wo diese hinführen sollte, wirkte einiges zunächst nicht zusammengehörend. Wenn sich aber irgendwann auch für mich Dummkopf der Nebel lichtet, wird einem klar, dass all das Kleine Teil der Großen war und wie gesagt das war eben geschickt erzählt und zeigt, dass Laini Taylor eine gut durchdachte Erzählerin ist.
Fazit: die Karou-Trilogie ist definitiv eine außergewöhnliche und das sage ich jetzt schon nach Band 1. Die Charaktere sind mehr als außergewöhnlich und der Erzählkomplex und Stil erweist sich als sehr professionell und bis ins kleinste Detail durchdacht. Dennoch gebe ich nur vier Sterne, da sich die fantastische Welt und die Zusammengehörigkeit der einzelnen Szenen erst sehr spät erklärte. Dadurch war der Lesegenuss am Anfang noch etwas holprig, aber gegen Ende hin war ich dann hin und weg!