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meggie3

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.12.2024

Sehr spannend

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Kurz hintereinander werden im Stockholmer Winter Mitte der 90-er Jahre zwei Männer ermordet, die beide in irgendeiner Weise mit dem Rotlichtmilieu zu tun haben. Bei dem ersten Mord ist eine Prostituierte ...

Kurz hintereinander werden im Stockholmer Winter Mitte der 90-er Jahre zwei Männer ermordet, die beide in irgendeiner Weise mit dem Rotlichtmilieu zu tun haben. Bei dem ersten Mord ist eine Prostituierte anwesend, die fliehen kann, anschließend aber nicht aufzufinden ist.

Wie schon im ersten Teil der Reihe ermitteln die Polizisten Tomas und Zingo offiziell, während die Journalistin Vera ihre eigenen Nachforschungen anstellt. Ebenfalls wie im ersten Band bekommen die privaten Probleme der Protagonist:innen Tomas und Vera sehr viel Raum.

Nachdem ich schon „Sommersonnenwende“ sehr gerne gelesen habe, hat mich auch „Wintersonnenwende“ überzeugt. Man bekommt einen guten Eindruck vom Leben in den 90er-Jahren in Schweden und auch von den Bedingungen im Rotlichtmilieu. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat und dies noch tun möchte, sollte dies machen, bevor er oder sie den zweiten Band liest, da einiges ggf. vorweggenommen wird. Generell lässt sich dieser Band aber auch für sich lesen.

Mir ist der Wiedereinstieg sehr leichtgefallen, ich war direkt gefesselt. Der Schreibstil lässt sich super lesen und der Spannungsbogen war konstant hoch. Ich finde die Protagonist:innen spannend, auch bzw. gerade weil sie Ecken und Kanten haben. Einen dritten Teil würde ich auf jeden Fall lesen.

Bei „Wintersonnenwende“ handelt es sich um einen äußerst spannenden, gut geschriebenen Kriminalroman, der den interessanten Protagonist:innen viel Raum gibt. Krimifans kommen sicherlich auf ihre Kosten!

Veröffentlicht am 02.12.2024

Schmerzhafte Dynamiken

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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In “Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ begleitet man als Leser*in eine Mutter und ihre beiden Töchter über ca. zwei Jahrzehnte. Der Roman beginnt mit der Abiturfeier der älteren Tochter, beschreibt ...

In “Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ begleitet man als Leser*in eine Mutter und ihre beiden Töchter über ca. zwei Jahrzehnte. Der Roman beginnt mit der Abiturfeier der älteren Tochter, beschreibt die Beziehung zwischen der Mutter Regina und den beiden Töchtern Antonia und Wanda, aber auch zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Töchtern.

Dieser Roman gehört zu den Büchern in diesem Jahr, die mich am meisten beeindruckt haben. Vor allem zu Beginn hat mich sehr irritiert, wie Regina v.a. über ihre ältere Tochter Antonia denkt und diese abwertet. Gleichzeitig hat mich im Verlauf des Romans die Tatsache entsetzt, dass Regina keine Ahnung hat, wie ihr Verhalten ihre Töchter unter Druck setzt. Und dass, obwohl sie selbst das Gefühl hat, als Psychologin genau zu verstehen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt. Allerdings halte ich diese Konstellation mit einer Mutter, die mit ihrem Lebenslauf hadert und für ihre Töchter etwas anderes möchte, aber auch immer „mehr“ erwartet, für sehr realistisch.

Ich habe die Protagonistinnen als sehr glaubwürdig beschrieben empfunden, wenn auch nicht unbedingt als immer sympathisch. Trotzdem waren ihre zum Teil eher dysfunktionalen Verhaltensweisen zumeist erklärbar und dadurch nachvollziehbar. Das hat die beschriebenen Dynamiken aber nicht weniger eindrucksvoll und schmerzhaft zugleich gemacht.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, auch wenn es manchmal schwerfiel, weiterzulesen. Zu stark waren die Verletzungen, die einander und sich selbst zugefügt wurden. Und trotzdem ein für mich sehr empfehlenswerter Roman.

Veröffentlicht am 14.10.2024

Unterschwelliger Grusel

Der lange Schatten
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Imogen hat vor einigen Monaten ihren Ehemann bei einem Autounfall verloren. Nach dem ersten Schock beginnt sie mit den Überlegungen, was sie mit dem großen Haus anstellen möchte. Doch schnell quartieren ...

Imogen hat vor einigen Monaten ihren Ehemann bei einem Autounfall verloren. Nach dem ersten Schock beginnt sie mit den Überlegungen, was sie mit dem großen Haus anstellen möchte. Doch schnell quartieren sich über die Weihnachtsferien die Exfrau ihres Mannes, ihr Stiefsohn, ihre Stieftochter mit Kindern und Ehemann sowie eine weitere junge Frau bei ihr ein. Außerdem wird ihr von einem Bekannten unterstellt, ihren Ehemann ermordet zu haben. Und dann passieren im Haus unerklärliche Dinge…

Celia Fremlin beschreibt die Wochen um Weihnachten sehr ruhig, aber auch sehr intensiv. Sie lässt mit ihrem Schreibstil Bilder entstehen und die Atmosphäre greifbar werden. Das macht für mich den Roman aus: der unterschwellige Grusel und die Frage, was in dem Haus vor sich geht.

Da ich hauptsächlich zeitgenössische Romane lese, war es für mich spannend, ein im Original 1975 erschienenes Buch dieses Genres zu lesen. Die ruhige, unterschwellige Spannung finde ich außergewöhnlich und sehr abwechslungsreich im Vergleich zu aktuelleren Romanen dieses Genres.

Ich kann mir den Roman wirklich sehr gut als Theaterstück vorstellen, das ich gerne besuchen würde.

Ich würde den Roman allen empfehlen, die sich auf einen ruhigen, aber sehr atmosphärischen Roman einlassen mögen. Mir hat er gut gefallen.

Veröffentlicht am 14.10.2024

Jugend und Protest damals und heute

Tage mit Milena
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In dem Roman geht es um Annika, die ein alteingesessenes Schreibwarengeschäft in der Lübecker Altstadt betreibt, und die junge Klimaaktivistin Luzie. Die beiden treffen in Annikas Geschäft aufeinander, ...

In dem Roman geht es um Annika, die ein alteingesessenes Schreibwarengeschäft in der Lübecker Altstadt betreibt, und die junge Klimaaktivistin Luzie. Die beiden treffen in Annikas Geschäft aufeinander, als Annika Luzie den Klebstoff für eine Straßenblockade verkauft. Annika fühlt sich mitverantwortlich und solidarisiert sich mit der jungen Frau. Gleichzeitig kommen Erinnerungen bei ihr wieder hoch, die sie eigentlich schon lange verdrängt hat. Denn auch sie hat einmal für etwas gekämpft: in der Hafenstraße in Hamburg. Dabei hat sie allerdings Traumatisches erlebt. Sie möchte um jeden Preis verhindern, dass Luzie die gleichen schmerzhaften Erfahrungen machen muss wie sie. So beginnt eine zunächst unfreiwillig gemeinsame Reise der beiden Protagonistinnen.

Mir hat der Schreibstil sehr gefallen, ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Auch wenn es ein paar Zufälle zu viel waren, die das Szenario und die Reise von Annika und Luzie etwas unrealistisch haben wirken lassen, hat mich der Plot gefesselt. Die Protagonistinnen waren mir sympathisch und ihre Entwicklung wird authentisch beschrieben. Ich habe einiges über die Hausbesetzerszene in der Hamburger Hafenstraße gelernt.

Beim Lesen des Romans habe ich vor allem zu Beginn festgestellt, dass sich das Thema und der Umgang mit der Klimakatastrophe im Roman ziemlich negativ auf meine Stimmung ausgewirkt haben. Allerdings ist von vornherein klar, worum es in dem Roman geht, es war also keine Überraschung. Letztlich zeigt es, dass es der Autorin gelungen ist, mich emotional sehr zu erreichen. Sie transportiert die berechtigte Angst und auch Hilflosigkeit angesichts der Klimakatastrophe wirklich gut.

Insgesamt hat mich der Roman gefesselt, ich habe einiges über die Hafenstraße gelernt und das Buch letztlich gerne gelesen. Gute Laune hat es bei mir allerdings weniger ausgelöst, was aber aufgrund des Themas auch nicht zu erwarten war.

Veröffentlicht am 28.09.2024

Vom Aufwachsen und Entfremden

Ich komme nicht zurück
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Hanna wächst in den 80er/90er-Jahren bei ihren Großeltern in einer Arbeitersiedlung im Ruhgebiet auf. Gemeinsam mit ihrem Freund Cem hat sie die Tage und Ferien verbracht. Als Zeyna mit ihrem Vater nach ...

Hanna wächst in den 80er/90er-Jahren bei ihren Großeltern in einer Arbeitersiedlung im Ruhgebiet auf. Gemeinsam mit ihrem Freund Cem hat sie die Tage und Ferien verbracht. Als Zeyna mit ihrem Vater nach Deutschland kommt, nehmen Hanna und Cem und auch die Großeltern die beiden herzlich auf.
Sie werden erwachsen und Jahre später haben Hanna und Zeyna keinen Kontakt mehr. Als nach Hannas Großvater auch die Großmutter stirbt, kehrt Hanna zurück in die Stadt und das Viertel ihrer Kindheit und Jugend. Sie muss sich dem stellen, was zur Entfremdung zwischen den Freunden, aber insbesondere ihr und Zeyna, geführt hat...

Ich mochte den Roman sehr gerne lesen. Der Schreibstil ist zum Teil etwas ungewöhnlich und poetisch, hat mir aber gut gefallen. Insbesondere die erste Hälfte des Romans hat mich sehr gefesselt. Auch wenn mich die zweite Hälfte nicht mehr ganz so gepackt hat, habe ich gerne und gespannt weitergelesen.
Der Autorin gelingt es sehr eindrücklich, die Atmosphäre und das gemeinsame Aufwachsen zu beschreiben, sodass ich das Gefühl hatte, die beschriebenen Szenen vor Augen zu haben. Aber auch die Unterschiede in der Wahrnehmung von Hanna und Zeyna werden sehr deutlich. Die Entwicklung von Hanna, aber auch von Cem und Zeyna, habe ich als sehr realistisch empfunden.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich würde ihn auf jeden Fall weiterempfehlen.