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meggie3

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2025

Unterhaltsamer Genremix

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Nachdem Elijah Leith mit 18 Jahren seinen Heimatort Point Orchard und seine Jugendliebe Nakita zurückgelassen hat, kehrt er Jahre später nach einem relativ enttäuschenden literarischen Debüt zurück in ...

Nachdem Elijah Leith mit 18 Jahren seinen Heimatort Point Orchard und seine Jugendliebe Nakita zurückgelassen hat, kehrt er Jahre später nach einem relativ enttäuschenden literarischen Debüt zurück in seine alte Heimat. Er beginnt das etwas heruntergekommene Haus, in dem er aufgewachsen ist und das nach dem Tod seines Vaters leer stand, wieder herzurichten. Als dann nicht weit von seinem Haus eine Tote gefunden wird, gerät Elijah unter Verdacht, für ihren Tod verantwortlich zu sein.

Der Roman lässt sich sehr gut lesen und hat mich gut unterhalten. Zwischenzeitlich hatte ich etwas Sorge, ob er mir vielleicht etwas zu kitschig werden könnte, aber das ist zum Glück nicht passiert. Im Gegenteil, die Spannung hat im Laufe des Buches zugenommen. Die Geschichte lässt sich nur langsam zusammensetzen, da die Kapitel zu unterschiedlichen Zeiten spielen und somit auch zwischen den Zeiten springen. Außerdem wird die Geschichte nicht nur aus Elijahs Sicht erzählt, als Leser*in begleitet man auch die Ermittlungen. Meine Kritik an dem Roman betrifft zwei Punkte: Erstens habe ich mich zu Beginn etwas schwergetan, in den Roman reinzukommen und habe ihn als etwas langatmig empfunden. Und zweitens hätte ich mir etwas mehr Tiefe bei den Charakterzeichnungen gewünscht. Wirklich gut gelungenen sind aber die atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen sowie die Beschreibungen von Elijah als Selbstversorger auf seinem Stück Land.

Insgesamt hätte ich mir vielleicht etwas mehr Tiefe gewünscht, habe mich aber gut unterhalten gefühlt und wollte auch bis zum Schluss gerne wissen, wie die Geschichte aufgelöst wird.

Veröffentlicht am 09.02.2025

Ein schöner Roman

Für Polina
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Hannes Prager wächst behütet in einer etwas in die Jahre gekommenen Villa in einer Moorgegend auf. Dort lebt er mit seiner liebevollen Mutter und dem dort schon lange wohnenden und arbeitenden Heinrich ...

Hannes Prager wächst behütet in einer etwas in die Jahre gekommenen Villa in einer Moorgegend auf. Dort lebt er mit seiner liebevollen Mutter und dem dort schon lange wohnenden und arbeitenden Heinrich Hildebrand. Auch Polina, seit Babytagen Hannes' beste Freundin, und ihre Mutter sind oft zu Besuch. Obwohl Polina und Hannes sehr unterschiedlich sind, verstehen sich die Beiden gut und verbringen ihre ersten Lebensjahre unbeschwert. Während sich Hannes in der Schule eher schwertut, entdeckt er durch Zufall das Klavierspielen für sich. Schnell stellt sich heraus, dass er ein sehr besonderes Talent hat. Die Musik nimmt einen großen Raum in seiner Jugend ein genauso wie die zunehmenden Gefühle für Polina. Mit 15 Jahren verliert Hannes plötzlich durch einen Unfall seine Mutter. Dieser Verlust verändert für ihn alles. Er muss zu seinem Vater nach Hamburg ziehen, ist räumlich von Polina getrennt und hört mit dem Klavierspielen auf. Statt eines Musikstudiums verläuft Hannes' Leben ganz anders – und getrennt von Polina.

Die ersten etwa hundert Seiten haben mir unheimlich gut gefallen. Takis Würger gelingt es, unterschiedlichste Emotionen zu transportieren und die so unterschiedlichen Charaktere sehr liebevoll zu beschreiben, sodass sie mir als Leserin schnell ans Herz gewachsen sind. Mit der Zeit hat bei mir der Sog etwas nachgelassen, ohne dass ich den Roman weniger gern gelesen hätte. Der Schreibstil lässt großartige Bilder entstehen, sodass ich das Lesen genossen habe. Ich hatte das Gefühl, Hannes ganz nah zu sein.

Natürlich handelt es sich bei dem Roman um eine Liebesgeschichte – mit Höhen und vielen Tiefen. Ehrlicherweise sind es aber mindestens zwei Liebesgeschichten, die in diesen Roman verpackt sind: zum einen natürlich die zwischen Hannes und Polina, zum anderen aber auch die zwischen Hannes und der Musik und dem Klavierspielen. Auch wenn ich Liebesromane eher nicht zu meinen bevorzugten Genres zählen würde, hat mich dieser Roman sehr berührt. Er lässt Raum für viele Leidenschaften und macht deutlich, wie tief beispielsweise die Liebe und Leidenschaft zur Musik oder auch zur Literatur sein kann.

„Für Polina“ ist ein stark geschriebener, schöner, berührender Roman, der sich mit der Liebe zwischen Personen, aber auch zur Musik, auseinandersetzt. Besonders hervorzuheben sind die authentisch entwickelten Charaktere, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und mich berührt haben.

Veröffentlicht am 24.12.2024

Dynamik zwischen Brüdern

Der König
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Roy und Carl Opgard leben in dem kleinen norwegischen Ort Os. Sie sind Brüder, der etwas jüngere Carl besitzt das örtliche Spa, während Roy eine Tankstelle besitzt. Die Brüder verbindet Geheimnisse, mit ...

Roy und Carl Opgard leben in dem kleinen norwegischen Ort Os. Sie sind Brüder, der etwas jüngere Carl besitzt das örtliche Spa, während Roy eine Tankstelle besitzt. Die Brüder verbindet Geheimnisse, mit denen sie sich gegenseitig in der Hand haben. Gleichzeitig haben beide (gemeinsame sowie konträre) Ambitionen, ihren Besitz und Einfluss im Ort auszubauen. Die Geschichte wird aus Sicht des älteren Roy erzählt.

Es ist schon eine Weile her, dass ich den ersten Teil „Ihr Königreich“ um die Brüder Roy und Carl gelesen habe. Trotzdem hatte ich dank der geschickt in die Geschichte eingewebten Rückblicke keine Schwierigkeiten, die Zusammenhänge zu verstehen. Dennoch würde ich empfehlen, „Ihr Königreich“ zuvor zu lesen.

Ähnlich wie bei „Ihr Königreich“ habe ich etwas Anlaufzeit gebraucht, um komplett in die Geschichte einzutauchen. Nach den ersten hundert Seiten hat mich der Roman aber gefesselt. Die Situation spitzt sich sukzessive zu und die Spannung steigt. Jo Nesbø beschreibt die Beziehung der beiden Brüder Roy und Carl auf eine ganz besondere, intensive Weise. Außerdem wird die Dynamik eines Dorfes und die vielen Beziehungsgeflechte beschrieben. Die Atmosphäre ist eher düster, ich habe die Stimmung aber als auf positive Weise ausgesprochen intensiv empfunden.

Bei dem Roman handelt es sich um keinen klassischen Krimi mit Ermittler*innen, die einen Fall lösen. Stattdessen wird eine komplizierte Beziehung zweier Brüder beschrieben sowie der Kampf um Besitz, Macht und Deutungshoheit. Die Geschichte ist intensiv, spannend und lesenswert.

Veröffentlicht am 24.12.2024

Sehr spannend

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Kurz hintereinander werden im Stockholmer Winter Mitte der 90-er Jahre zwei Männer ermordet, die beide in irgendeiner Weise mit dem Rotlichtmilieu zu tun haben. Bei dem ersten Mord ist eine Prostituierte ...

Kurz hintereinander werden im Stockholmer Winter Mitte der 90-er Jahre zwei Männer ermordet, die beide in irgendeiner Weise mit dem Rotlichtmilieu zu tun haben. Bei dem ersten Mord ist eine Prostituierte anwesend, die fliehen kann, anschließend aber nicht aufzufinden ist.

Wie schon im ersten Teil der Reihe ermitteln die Polizisten Tomas und Zingo offiziell, während die Journalistin Vera ihre eigenen Nachforschungen anstellt. Ebenfalls wie im ersten Band bekommen die privaten Probleme der Protagonist:innen Tomas und Vera sehr viel Raum.

Nachdem ich schon „Sommersonnenwende“ sehr gerne gelesen habe, hat mich auch „Wintersonnenwende“ überzeugt. Man bekommt einen guten Eindruck vom Leben in den 90er-Jahren in Schweden und auch von den Bedingungen im Rotlichtmilieu. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat und dies noch tun möchte, sollte dies machen, bevor er oder sie den zweiten Band liest, da einiges ggf. vorweggenommen wird. Generell lässt sich dieser Band aber auch für sich lesen.

Mir ist der Wiedereinstieg sehr leichtgefallen, ich war direkt gefesselt. Der Schreibstil lässt sich super lesen und der Spannungsbogen war konstant hoch. Ich finde die Protagonist:innen spannend, auch bzw. gerade weil sie Ecken und Kanten haben. Einen dritten Teil würde ich auf jeden Fall lesen.

Bei „Wintersonnenwende“ handelt es sich um einen äußerst spannenden, gut geschriebenen Kriminalroman, der den interessanten Protagonist:innen viel Raum gibt. Krimifans kommen sicherlich auf ihre Kosten!

Veröffentlicht am 02.12.2024

Schmerzhafte Dynamiken

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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In “Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ begleitet man als Leser*in eine Mutter und ihre beiden Töchter über ca. zwei Jahrzehnte. Der Roman beginnt mit der Abiturfeier der älteren Tochter, beschreibt ...

In “Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ begleitet man als Leser*in eine Mutter und ihre beiden Töchter über ca. zwei Jahrzehnte. Der Roman beginnt mit der Abiturfeier der älteren Tochter, beschreibt die Beziehung zwischen der Mutter Regina und den beiden Töchtern Antonia und Wanda, aber auch zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Töchtern.

Dieser Roman gehört zu den Büchern in diesem Jahr, die mich am meisten beeindruckt haben. Vor allem zu Beginn hat mich sehr irritiert, wie Regina v.a. über ihre ältere Tochter Antonia denkt und diese abwertet. Gleichzeitig hat mich im Verlauf des Romans die Tatsache entsetzt, dass Regina keine Ahnung hat, wie ihr Verhalten ihre Töchter unter Druck setzt. Und dass, obwohl sie selbst das Gefühl hat, als Psychologin genau zu verstehen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt. Allerdings halte ich diese Konstellation mit einer Mutter, die mit ihrem Lebenslauf hadert und für ihre Töchter etwas anderes möchte, aber auch immer „mehr“ erwartet, für sehr realistisch.

Ich habe die Protagonistinnen als sehr glaubwürdig beschrieben empfunden, wenn auch nicht unbedingt als immer sympathisch. Trotzdem waren ihre zum Teil eher dysfunktionalen Verhaltensweisen zumeist erklärbar und dadurch nachvollziehbar. Das hat die beschriebenen Dynamiken aber nicht weniger eindrucksvoll und schmerzhaft zugleich gemacht.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, auch wenn es manchmal schwerfiel, weiterzulesen. Zu stark waren die Verletzungen, die einander und sich selbst zugefügt wurden. Und trotzdem ein für mich sehr empfehlenswerter Roman.