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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2025

Verloren zwischen Traum und Wirklichkeit

Der unsterbliche Zando
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„Der unsterbliche Zando“ beginnt mit einem vielversprechenden Setting: Fritz Fello, ein junger Mann mit klaren Zukunftsaussichten in der traditionsreichen Familienbrauerei, wird unerwartet vom eigenen ...

„Der unsterbliche Zando“ beginnt mit einem vielversprechenden Setting: Fritz Fello, ein junger Mann mit klaren Zukunftsaussichten in der traditionsreichen Familienbrauerei, wird unerwartet vom eigenen Vater vor die Tür gesetzt. Dieser Bruch mit der Vergangenheit stößt eine Reihe von Ereignissen an, in denen Fritz zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert.

Die Grundidee des Romans ist reizvoll - besonders das Thema Aufbruch und Selbstfindung in einer Welt voller Unsicherheiten. Ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und latenter Sehnsucht wird vermittelt.

Allerdings gab es für mich zu viele Ungereimtheiten, die mein Lesevergnügen getrübt haben: Die verschiedenen Zeitebenen waren für mich nicht klar voneinander zu unterscheiden, was bei mir oft für Verwirrung sorgte. Hinzu kommt, dass der Roman inhaltlich an vielen Stellen vage bleibt. Wichtige Entwicklungen werden angedeutet, aber nie ganz ausgeführt. Das betrifft insbesondere das Ende, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet.

Auch die Figurenzeichnung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Fritz und Maik wirken in entscheidenden Momenten emotional distanziert, fast flüchtig – was ihre Entscheidungen schwer nachvollziehbar macht. Die Grenze zwischen Realität und Einbildung verschwimmt zunehmend, was zwar atmosphärisch interessant sein kann, bei mir aber eher für Ratlosigkeit sorgte als für Spannung.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Südtiroler Lebensgeschichten zwischen Aufbruch und Erinnerung

Heimat im Gepäck
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Sabine Peers Roman Heimat im Gepäck ist ein Zeugnis einer Epoche, in der Südtirol für viele junge Menschen kein Ort der Zukunft, sondern ein Ort des Aufbruchs war. Bis in die späten 1960er-Jahre war das ...

Sabine Peers Roman Heimat im Gepäck ist ein Zeugnis einer Epoche, in der Südtirol für viele junge Menschen kein Ort der Zukunft, sondern ein Ort des Aufbruchs war. Bis in die späten 1960er-Jahre war das Land von bitterer Armut, politischer Unsicherheit und mangelnden Perspektiven geprägt. Peer gibt in ihrem Werk genau diesen Lebensrealitäten eine Stimme.

Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten von zwei Frauen und zwei Männern, die aus sehr persönlichen, aber stets nachvollziehbaren Gründen Südtirol verlassen: Die Angst vor politischer Repression, der Zwang zum italienischen Militärdienst, aber auch der Wunsch nach Bildung und einem selbstbestimmten Leben.

Was besonders beeindruckt, ist die Authentizität des Erzählten. Nichts wirkt beschönigt oder dramatisiert. Jede Geschichte steht für sich, ist stimmig und historisch präzise recherchiert. Leser:innen bekommen einen lebendigen, teils schmerzhaften, aber auch hoffnungsvollen Einblick in ein kaum beachtetes Kapitel der Südtiroler Zeitgeschichte.

Heimat im Gepäck ist nicht nur literarisch überzeugend, sondern auch ein wichtiges Buch, das einen empathischen Blick zurück in eine Zeit wirft, die viele geprägt hat und bis heute nachwirkt. Ein stiller, aber nachhaltiger Beitrag zur Erinnerungskultur.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Komisch, klug und kriminell

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset
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Mit „Morden in der Menopause“ liefert Tine Dreyer einen herrlich schrägen, zugleich klugen und urkomischen Roman, der die Wechseljahre auf eine Weise thematisiert, wie man sie so noch nicht gelesen hat: ...

Mit „Morden in der Menopause“ liefert Tine Dreyer einen herrlich schrägen, zugleich klugen und urkomischen Roman, der die Wechseljahre auf eine Weise thematisiert, wie man sie so noch nicht gelesen hat: als Bühne für mörderische Verwicklungen, irrwitzige Wendungen und eine Heldin, die einem sofort ans Herz wächst.

Im Mittelpunkt steht Liv, eine Frau, die sich redlich bemüht, ihr Leben nach außen hin wieder in geregelte Bahnen zu lenken – was ihr allerdings mit bewundernswerter Konsequenz misslingt. Stattdessen stolpert sie von einer kriminellen Eskalation in die nächste, stets begleitet von innerer Unruhe, Hormonschwankungen und einer ordentlichen Portion Selbstzweifel. Was tragisch sein könnte, ist hier durchzogen von einer fast schon heilsamen Selbstironie und Situationskomik, die einen beim Lesen laut auflachen lässt.

Tine Dreyers Schreibstil ist leicht, locker und mit einem ganz feinen Gespür für Timing und Humor ausgestattet. Zwischendurch gibt es wissenschaftliche Fakten rund um die Menopause. Sie fügen sich nicht nur nahtlos in die Handlung ein, sondern liefern echtes Wissen, ohne belehrend zu wirken. So wird das Buch nicht nur zum unterhaltsamen Lesevergnügen, sondern auch zum kleinen Aha-Erlebnis.

Liv ist eine Protagonistin, mit der man sofort mitfühlt: tapfer, menschlich, liebenswert chaotisch. Die vielen unerwarteten Wendungen, gepaart mit einem positiven Mindset und einer ungeschönten, aber humorvollen Darstellung der Wechseljahre, machen diesen Roman zu einem echten Lese-Highlight.

Wer über das Älterwerden lachen und gleichzeitig spannend unterhalten werden möchte, ist bei Tine Dreyer goldrichtig.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Kräuterwissen, Klosterleben und dunkle Intrigen

Adelindis
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Carmen Mayer nimmt in ihrem historischen Roman „Adelindis – Die toten Äbte“ die Leser mit in die düstere Welt eines mittelalterlichen Klosters. Dort wächst die junge Adelindis als Findelkind auf – abgeschieden ...

Carmen Mayer nimmt in ihrem historischen Roman „Adelindis – Die toten Äbte“ die Leser mit in die düstere Welt eines mittelalterlichen Klosters. Dort wächst die junge Adelindis als Findelkind auf – abgeschieden von der Außenwelt und unwissend über ihre Herkunft. In den verstaubten Regalen der Klosterbibliothek entdeckt sie ihre Leidenschaft für Heil- und Pflanzenkunde.

Die Autorin schildert das Leben im Kloster und die Umgebung mit großer Detailtreue und Atmosphäre. Man taucht tief in den klösterlichen Alltag ein, lernt die Rituale, Sorgen und das Wissen der Nonnen kennen und erfährt zugleich viel über die Pflanzenheilkunst jener Zeit.

Die Handlung gewinnt an Spannung, als mehrere Äbte unter mysteriösen Umständen zu Tode kommen. Ein Netz aus Intrigen und Misstrauen breitet sich aus, und Adelindis gerät durch ihre Beobachtungsgabe und ihr Wissen selbst in den Fokus der Verdächtigungen. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen kann – nicht einmal innerhalb der Klostermauern ist sie sicher.

„Adelindis“ ist eine gelungene Mischung aus historischer Genauigkeit und packender Fiktion. Die Ausstattung des Buches mit einer gezeichneten Reiseroute auf den Umschlagseiten, einem hilfreichen Personenverzeichnis und Begriffserklärungen rundet das Leseerlebnis ab. Carmen Mayer gelingt mit diesem Roman eine atmosphärische Zeitreise – fesselnd, klug erzählt und voller historischer Tiefe.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Umfassend, aber anstrengend

Das bin ich!?
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„Das bin ich“ von Andrea Landschof ist ein sehr umfassendes Sachbuch, das viele interessante Themen aus der Psychologie und Pädagogik behandelt, insbesondere die Transaktionsanalyse. Die Autorin zeigt ...

„Das bin ich“ von Andrea Landschof ist ein sehr umfassendes Sachbuch, das viele interessante Themen aus der Psychologie und Pädagogik behandelt, insbesondere die Transaktionsanalyse. Die Autorin zeigt deutlich, dass sie eine Expertin auf ihrem Gebiet ist, und die Inhalte sind ausführlich und detailliert beschrieben.

Allerdings muss ich sagen, dass das Buch für mich etwas trocken und sehr fachbezogen geschrieben ist. Das hat das Lesen für mich anstrengend gemacht. Der Titel hat bei mir den Eindruck erweckt, dass es sich an Laien richtet, die auf unterhaltsame Weise etwas über sich selbst lernen möchten. Leider fehlt dem Buch ein gewisser Charme, eine persönliche Note (was ich als Seele o. Herzblut eines Buches beschreiben würde), was es zugänglicher und ansprechender machen würde.

Ich denke, dass das Buch wahrscheinlich sehr gut als Handbuch für angehende Therapeuten oder Fachleute geeignet ist, die sich intensiver mit den Themen auseinandersetzen möchten. Für den allgemeinen Leser, der nach einer unterhaltsamen Einführung in die Selbstreflexion sucht, könnte es jedoch etwas zu schwerfällig sein. Daher gebe ich dem Buch 3 von 5 Sternen.

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