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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2025

Jeder gegen jeden

Das Wochenende
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Max und Annie laden ihre Studienfreunde nebst Partnern und Kindern zur Einweihung ihres demnächst öffnenden Campingplatzes ein. Bereits am ersten Abend eskaliert die Situation, als es zu einem unschönen ...

Max und Annie laden ihre Studienfreunde nebst Partnern und Kindern zur Einweihung ihres demnächst öffnenden Campingplatzes ein. Bereits am ersten Abend eskaliert die Situation, als es zu einem unschönen Streit am Lagerfeuer kommt. Am nächsten Tag ziehen die Kinder alleine los, obwohl ein Sturm vorhergesagt wurde. Eines von ihnen kehrt nicht zurück, was nicht gerade zur Entspannung der mittlerweile erneut aufgekommenen Streitigkeiten führt. Alte Wunden brechen auf, Geheimnisse kommen ans Licht und währenddessen spielt jemand ein böses Spiel.

Holla, die Waldfee, war das ein wilder Ritt, und damit meine ich nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch das Katz- und Maus-Spiel, das sich die Autorin mit mir erlaubt hat. Bröckchenweise fütterte sie mich mit kleinen Informationshäppchen, führte mich in die Irre, präsentierte Verdächtige, die sie kurz danach entlastete, lockte mich wiederholt in eine falsche Richtung und bis zuletzt überraschte sie mit ihrem Einfallsreichtum. Ich dachte mehrfach, dass ich nun den Durchblick hätte, war einige Male sicher, die Person identifiziert zu haben, die der Täter war, so gut passten die einzelnen Teile zusammen. Leider nur bei oberflächlicher Betrachtung, denn nie wäre ich darauf gekommen, was an diesem Wochenende tatsächlich geschah. Die permanent wechselnde Perspektive tat ihr übriges. Dies war großartig, spannend und voller unerwarteter Wendungen, genauso wie ich es mag. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Genial und raffiniert

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Vor fünf Jahren verschwand Maria während eines Festivals spurlos, nun kommt die restliche Clique das erste Mal seit damals zusammen und trifft sich zu einem Krimi-Dinner. Während des Spiels fallen den ...

Vor fünf Jahren verschwand Maria während eines Festivals spurlos, nun kommt die restliche Clique das erste Mal seit damals zusammen und trifft sich zu einem Krimi-Dinner. Während des Spiels fallen den früheren Freunden frappierende Parallelen zum Verschwinden von Maria auf, dann eskaliert die Situation und verschiedene Geheimnisse kommen ans Licht. Bald wachsen die Zweifel daran, dass die junge Frau freiwillig verschwand und es stellt sich die Frage, ob sie noch am Leben ist oder ein Mörder mit an der gedeckten Tafel sitzt.

»Schien so, als würde ich das Problem noch heute angehen müssen. Na gut. Ich würde dafür sorgen, dass Maria den Mund hielt. Koste es, was es wolle.« (Seite 125)

Der Prolog verriet alles und nichts, stimmte mich aber gut auf die folgende Geschichte ein. Die fünf Freunde schilderten mir die gegenwärtige Situation, schwelgten in Erinnerungen und ließen die Vergangenheit herein. Dabei durfte ich mich genauso wenig auf ihre Ehrlichkeit verlassen, wie sie es untereinander tun konnten; jede Person behielt wesentliche Informationen für sich, fügte Unwahrheiten hinzu oder stellte einzelne Ereignisse ein bisschen anders dar. Erst die einzelnen Puzzleteile, die sich daraus ergaben, formten für mich ein Gesamtbild, und dennoch war ich lange Zeit nicht in der Lage, der Täterperson näher zu kommen. Die Spannung blieb dadurch kontinuierlich hoch, lediglich in der Mitte gab es so viele Überschneidungen und Wiederholungen, dass es mir fast zu viel war. Dies ist aber meckern auf hohem Niveau, denn die Lösung war genial und was folgte einfach wunderbar. Insgesamt ein ausgezeichneter Thriller, der mit vielen Überraschungen verbunden war und mich großartig unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Meisterlich!

Der Gott des Waldes
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Im August 1975 verschwindet die dreizehnjährige Barbara aus dem Sommercamp, das in einem Naturreservat in den Adirondack Mountains liegt. Das Camp gehört ihren Eltern Alice und Peter Van Laar III., einer ...

Im August 1975 verschwindet die dreizehnjährige Barbara aus dem Sommercamp, das in einem Naturreservat in den Adirondack Mountains liegt. Das Camp gehört ihren Eltern Alice und Peter Van Laar III., einer reichen Bankiersfamilie, der auch das umliegende Land in den Wäldern gehört. Die Aufregung ist groß, da der Bruder von Barbara, der achtjährige Peter „Bear“ Van Laar, vor vierzehn Jahren ebenfalls spurlos verschwunden ist. Die Umstände seines Verschwindens konnten nie zweifelsfrei aufgeklärt werden, der mutmaßliche Täter starb vor seiner Vernehmung.

Vor fast genau fünf Jahren habe ich »Long Bright River« gelesen, eine großartige Geschichte über zwei Schwestern, die beide einen unterschiedlichen Weg im Leben einschlagen haben, und seitdem ungeduldig auf ein weiteres Werk von Liz Moore gewartet. Die lange Wartezeit hat sich mehr als gelohnt, denn was die Autorin nun vorgelegt hat, ist mehr als nur preiswürdig, es ist ein Roman, der genreübergreifend Drama, Tragödie, Familiengeschichte und Thriller miteinander verknüpft und im Laufe der Erzählung einen Sog entwickelt, dem man sich als Leser kaum bis gar nicht widersetzen kann und dies letztendlich auch nicht will. Für mich persönlich ein großes Highlight, wenn nicht sogar DAS Highlight dieses Jahr schlechthin.

»Manchmal kam ihr jetzt der aufregende Gedanke, dass ihr Mann sich in sie verliebte - strenggenommen zum ersten Mal überhaupt. Ihr jüngeres Ich tat ihr leid, die achtzehnjährige Alice, die noch nichts von der Welt gewusst hatte; aber jetzt, in diesem Moment, war sie sehr mit sich zufrieden. Es war schon komisch, fand sie, wie viele Beziehungen man im Laufe eines gemeinsamen Lebens mit ein und demselben Mann führen konnte.« (Seite 400)

Von den 1950er Jahren bis spät in das Jahr 1975 hinein bemüht die Autorin verschiedene Perspektiven, um zu erzählen, was heute und damals geschah. Dabei werden die Kapitel jeweils mit Datum und Namen versehen, was die Zuordnung erleichtert, die Spannung dabei aber kontinuierlich nach oben schraubt, weil Dinge ausgelassen, neu hinzugefügt oder klargestellt werden, sodass zwar die Richtung vorgegeben, eine Lösung aber trotzdem erst in weiter Ferne erahnt wird. Dabei zeichnet sie ein Bild der Familie, das nicht schmeichelhaft ist, was nicht nur dem Reichtum und dem Status geschuldet ist, sondern auch dem damaligen Geist der Zeit. Die Nebencharaktere entstehen dabei ebenfalls vor meinen Augen, jede Person arbeitet sie akribisch heraus und so entwickelt sich für mich ein perfektes Bild.

Viele Seiten und Wendungen weiter, einem Chaos der Gefühle, ein paar Tränen und der großen Freude, dass ich dabei gewesen bin, klappe ich das Buch zu. Noch immer kann ich kaum glauben, wie es ausgegangen ist, wälze die Einzelheiten im Kopf hin und her, suche wiederholt nach einem Sinn. Was für ein großartiges Werk, was für ein Meisterstück. Ich merke sogar jetzt beim schreiben, wie aufgewühlt ich immer noch bin, und weiß: das sind Geschichten, für die ich brenne und von denen ich nicht genug bekomme. Phänomenal!

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Das Resultat ist Schrecken

Wütendes Mädchen auf einer Steinbank
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Die achtjährige Aïda möchte zum Karneval, es ist der letzte Abend der Festlichkeiten und ein Besuch vom Vater streng verboten, deswegen gibt sie nach, als die sechsjährige Mimi droht, sie zu verraten, ...

Die achtjährige Aïda möchte zum Karneval, es ist der letzte Abend der Festlichkeiten und ein Besuch vom Vater streng verboten, deswegen gibt sie nach, als die sechsjährige Mimi droht, sie zu verraten, wenn sie nicht mitgenommen wird. Auf dem Fest verlieren sich die Schwestern aus den Augen und so kehrt die Ältere alleine nach Hause zurück, aber ohne Alarm zu schlagen. Mimi bleibt unauffindbar und Aïda verlässt mit sechzehn die Familie, die sie seit dem Unglück wie eine Aussätzige behandelt, und kehrt der Insel den Rücken. Fünfzehn Jahre später meldet sich unerwartet ihre Schwester und erzählt vom Tod des Vaters, Aïda kommt daraufhin mit gemischten Gefühlen in die Heimat zurück.

Die ungewöhnliche Erzählweise macht einen großen Reiz der Erzählung aus, an mich persönlich richtet sich die Stimme, erzählt Vergangenes und springt dann in die Gegenwart zurück. Dazwischen die Geschichte des Vaters, das Leben der Mutter, vermischt mit Fakten über die Insel und ihre Bewohner. So ergibt sich nach und nach ein Gesamtbild, das unaufhaltsam darauf zusteuert, mir zu verraten, was in jener verhängnisvollen Nacht geschah. Meine Vermutung entpuppt sich als falsch, es war nämlich noch tragischer, als ich es mir hätte vorstellen können. Was folgt ist ein Meisterstück, das mich verblüfft, aber auch mit einer gewissen Genugtuung erfüllt. Sprachlich anspruchsvoll, lediglich die hier und da fehlenden oder überflüssigen Buchstaben zerstören manchmal das Leseglück. Insgesamt jedoch lesenswert!

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Sommerlich leichte Lektüre

Eine Leiche unter Palmen
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Große Aufregung herrscht auf Zypern, als zuerst der jährliche Paphos Marathon verschoben werden muss und plötzlich auch noch Menschen verschwinden. Als dann auf einer Baustelle eine Leiche entdeckt wird, ...

Große Aufregung herrscht auf Zypern, als zuerst der jährliche Paphos Marathon verschoben werden muss und plötzlich auch noch Menschen verschwinden. Als dann auf einer Baustelle eine Leiche entdeckt wird, ist Panagiotis »Pana« Polychroniadis alarmiert und hängt sich voll rein, da sein Cousin und Kommissar einer solchen Ermittlung nicht gewachsen scheint. Da kommt es ihm gänzlich ungelegen, dass seine gute Bekannte Ute aus Deutschland angereist kommt und seine Aufmerksamkeit verlangt. Nun muss Pana nicht nur einen Fall lösen, sondern auch die eifersüchtige Freundin besänftigen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Zypern-Krimi von Tina Wälde, der erste Band mit dem Titel »Eine Leiche zum Frappé« hat mir letztes Jahr den Spätsommer versüßt. Dem steht die Fortsetzung in nichts nach. Wieder muss Pana einen Fall lösen und nebenbei dafür sorgen, dass sein eher wenig talentierter Cousin, ausgerechnet der zuständige Kommissar, nicht zu viele falsche Fragen stellt. Die vielen liebenswerten Nebencharaktere tun ihr übriges, das Buch zu einer lustigen und kurzweiligen Lektüre zu machen. Das »Ende - für heute« lässt auf eine Fortsetzung schließen. Ich freue mich darauf!

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