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Veröffentlicht am 27.05.2025

Der Geist lebt ewig

Ihr Königreich
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»Ich verstand ihre Gedanken vielleicht nicht, wohl aber, dass sie wie mein Vater nach dem Naturgesetz lebte, dass die Familie an erster Stelle kommt. Vor Recht und Gesetz. Vor dem Rest der versammelten ...

»Ich verstand ihre Gedanken vielleicht nicht, wohl aber, dass sie wie mein Vater nach dem Naturgesetz lebte, dass die Familie an erster Stelle kommt. Vor Recht und Gesetz. Vor dem Rest der versammelten Menschheit. Dass es immer heißt: Wir gegen den Rest.« (Seite 187)

Nach jahrelanger Abwesenheit kehrt Carl Opgard nach Os zurück, zurück auf den Hof der Familie, von der nach einem Unfall vor achtzehn Jahren nur noch sein älterer Bruder Roy übrig ist. Er bringt seine Frau mit sowie hochtrabende Pläne, wie er dem Dorf, das er einst verlassen hat, zu Reichtum verhilft. Der Dorfpolizist Kurt Olsen indessen ist damit beschäftigt, Beweise dafür zu finden, dass die Brüder für das Verschwinden seines Vaters verantwortlich sind. Dies wird nicht das einzige Problem sein auf dem Weg, den die Geschwister noch vor sich haben.

Dieses Buch war wie eine Naturgewalt, langsam und unaufhaltsam bewegte sich die Geschichte auf etwas zu, das ich anfangs nicht richtig fassen, was ich mir gar nicht vorstellen konnte, das aber in weiter Ferne bereits am Horizont zu sehen gewesen ist. Die Beziehung der beiden Brüder spielte dabei eine ebenso große Rolle wie Ereignisse, die Jahrzehnte zurücklagen und dennoch permanent zu spüren waren, so wie man die feuchte Luft förmlich fühlt, wenn man weiß, dass Regen aufzieht. Dadurch gab es eine unterschwellige, an den Nerven zehrende Spannung, die in Wellen kam, manchmal überschwappte und sich zurückzog, um unerwartet mit doppelter Kraft und Geschwindigkeit zurückzukehren und alles zu zerstören, was sich ihr in den Weg stellt.

Wieder einmal hat Jo Nesbø sein Können unter Beweis gestellt und klargemacht, was für ein unnachahmlicher Geschichtenerzähler er ist. Fast 600 Seiten lang entführte er mich in eine andere Welt, ließ mich fühlen, bangen, hoffen, Mitleid sowie Hass empfinden, und trug dazu bei, dass ich letztendlich doch noch die Fassung verlor. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich Worte, Sätze, ganze Abschnitte wiederholte, weil es mich packte und ich noch einmal fühlen wollte, was beim ersten Lesen so bewegend gewesen ist. Das ist Erzählkunst, das ist einfach meisterlich! Wie gut, dass der Autor sein Wort nicht gehalten hat, als er in einem Interview zum vorliegenden Buch von einem Standalone sprach. Die Fortsetzung mit dem Titel »der könig« steht bereits in meinem Regal und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Tränen einer Mutter

American Mother
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Diane Foley bekommt 2021 die Möglichkeit, im Gefängnis dem Briten Alexanda Kotey gegenüber zu sitzen, um mit ihm zu sprechen. Kotey hat sich des Kidnappings, der Folter und der Ermordung ihres Sohnes, ...

Diane Foley bekommt 2021 die Möglichkeit, im Gefängnis dem Briten Alexanda Kotey gegenüber zu sitzen, um mit ihm zu sprechen. Kotey hat sich des Kidnappings, der Folter und der Ermordung ihres Sohnes, des durch den IS enthaupteten US-Journalisten James Foley, schuldig bekannt. Der Bestsellerautor Colum McCann schrieb dieses Buch zusammen mit Diane Foley und erinnert darin vordergründig an ihren Sohn, der sich der Wahrheit verschrieben hatte und bei der Ausübung seines Berufes getötet worden ist.

»Ihre Gefühle ihm gegenüber haben nichts mit Hass zu tun. Auch nicht mit Wut. Oder Mitleid. Sie hat noch keine Worte dafür gefunden.« (Seite 31)

Bedauerlicherweise fand ich keinen Zugang zum Buch, obwohl es stellenweise sehr bewegend und schwer zu ertragen war, besonders als die Umstände des Todes beschrieben wurden. Colum McCann gibt Diane Foley als Ich-Erzählerin freie Hand und lässt sie das Tempo bestimmen, was gerade zu Beginn dazu führte, dass ich fast ungeduldig darauf wartete, dass es endlich losgeht. Die Gefühle einer Mutter sind nach einer solch grausamen Tat kaum nachzuvollziehen und vor ihrem Mut, den Gefangenen zu treffen, ziehe ich meinen Hut, obgleich ich nicht finde, dass dieser Besuch, der mehrere Stunden an zwei Tagen umfasste, zufriedenstellend war. Aber beurteilen kann ich es nicht, dies steht mir auch nicht zu. Macht euch am besten selbst ein eigenes Bild.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Genialer Thriller!

Locked in
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Mehrere Personen sind in Heidelberg verschwunden, der zuständige Kommissar Paul Maertens kann den Entführer zwar stellen, verletzt ihn jedoch so schwer, dass dieser ins Wachkoma fällt. Der Neurologe Theo ...

Mehrere Personen sind in Heidelberg verschwunden, der zuständige Kommissar Paul Maertens kann den Entführer zwar stellen, verletzt ihn jedoch so schwer, dass dieser ins Wachkoma fällt. Der Neurologe Theo Linde hat dazu ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, mit komatösen Patienten zu kommunizieren. Das Problem hierbei ist jedoch, dass das Gerät nicht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann. Maertens läuft aber die Zeit davon, denn das entführte Opfer bleibt unauffindbar.

Mit diesem Buch hat sich Henri Faber endgültig an die Spitze der besten Thrillerautoren in Deutschland katapultiert. Nicht nur hat er faszinierende Charaktere erschaffen, die Story selbst ließ mir zusätzlich keinen Augenblick Zeit, auch nur kurz zu verschnaufen, weil es permanent zur Sache ging. Hinzu kamen unerwartete Wendungen sowie falsche Fährten, die sogar auf den zweiten Blick noch richtig erschienen, bis jede Theorie mit einem großen Knall zersprang und das fröhliche Raten, was passiert sein könnte und warum, wieder von vorne begann. Mehrmals war ich mir sicher, endlich den Durchblick erlangt zu haben, nur um festzustellen, dass ich vollkommen falsch lag. Ich konnte den Autor förmlich kichern hören über mein Stochern im Dunkeln, als ich am laufenden Band vor einer unüberwindbaren Mauer stand. Danke für dieses großartige Leseerlebnis der besonderen Art. Das war absolut genial!

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Der Dichter und die Putzfrau

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Der ziemlich erfolglose Schriftsteller Tommi ist eines Abends mit seiner ukrainischen Putzfrau Svetlana unterwegs, als ihnen ein kleines Mädchen auffällt, das mutterseelenallein neben der Straße läuft. ...

Der ziemlich erfolglose Schriftsteller Tommi ist eines Abends mit seiner ukrainischen Putzfrau Svetlana unterwegs, als ihnen ein kleines Mädchen auffällt, das mutterseelenallein neben der Straße läuft. Zusammen machen sich beide auf die Suche nach der Mutter des Kindes, ohne zu ahnen, welches Abenteuer sie erwartet, das allerhand Gefahren mit sich bringt.

»Nein, jetzt gab es kein Zurück mehr. Weswegen ich dem Plan meiner Putzfrau nun nicht mehr so ablehnend gegenüberstand. Sie hatte den richtigen Riecher gehabt, wegen ihr waren wir weiter als die echten Ermittler.« (Seite 160)

Das vorliegende Buch zu lesen hat mir überwiegend Spaß gemacht, obwohl ich zu Beginn etwas skeptisch war, ob ein lustiger Krimi mir gefallen würde. Meine Befürchtung, dass sich die Witze irgendwann abnutzen würden, hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil hatte ich beim Lesen oft ein Lächeln im Gesicht. Dabei hatte die Geschichte durchaus auch ernste Momente mit dem Ukrainekrieg, der Flüchtlingspolitik sowie anderen Themen, die Volker Klüpfel aufgenommen hat. Insgesamt ein solider Kriminalroman und der Beginn einer neuen Reihe, der Lust auf Folgebände macht. Gute Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Eine begrenzte Zeit

Vorsehung
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Auf einem Flug nach Sydney passiert etwas Ungewöhnliches; eine alte Frau geht durch die Gänge, bleibt vor jedem der Passagiere stehen und prophezeit ihnen, wann und wie sie sterben werden. Nach der Landung ...

Auf einem Flug nach Sydney passiert etwas Ungewöhnliches; eine alte Frau geht durch die Gänge, bleibt vor jedem der Passagiere stehen und prophezeit ihnen, wann und wie sie sterben werden. Nach der Landung gehen alle ihrer Wege, die Ankündigung aber vergisst niemand. So richtig glaubt keiner an die Voraussagen der Death Lady, bis ein Unglück geschieht und die erste Prophezeiung sich erfüllt.

»Ich lief durch dieses Flugzeug, krächzte meine Prophezeiungen heraus, flatterte mit den Flügeln, und meine Handlungen hatten Folgen, die Folgen hatten, die Folgen hatten. Ich war eine Agentin des Chaos.« (Seite 164)

Der ein oder anderen lesenden Person dürfte die Autorin bekannt sein durch ihre Bücher »Tausend kleine Lügen« und »Neun Fremde« oder die großartigen Verfilmungen hierzu. Das vorliegende Buch fällt ein wenig aus dem Rahmen, allerdings nur auf den ersten Blick. Entgegen der Beschreibung im Klappentext darf man hier weder einen Thriller, noch eine Dystopie oder einen Fantasyroman erwarten, auch Esoterik und Mystik finden keinen Platz in der Geschichte, sieht man einmal von der Tatsache ab, dass die Mutter der Todesdame, wie sie genannt wird, die berühmt-berüchtigte Madame Mae war, die es natürlich im wahren Leben nicht gibt. Oder vielleicht doch? Wer weiß, wer weiß ;)

»Die Konsequenzen meiner Voraussagen waren nicht zwangsläufig negativ. Nachdem meine Identität bekannt geworden war, erhielt ich sowohl »Hassbriefe« als auch herzliche Danksagungen. Was ich von den Danksagungen halten soll, weiß ich offen gesagt nicht.« (Seite 141)

Ich bin sofort im Buch eingetaucht, von der ersten Seite an war ich fasziniert und gefesselt von der Geschichte und dem großartigen Schreibstil. Dabei ging es erst langsam los, die Personen wurden einzeln vorgestellt, und nach anfänglichen Versuchen meinerseits, mir die Namen nebst Voraussagen zu merken, gab ich auf, und glücklicherweise war dies auch nicht wirklich wichtig, denn im Laufe der Erzählung erklärte sich das meiste von selbst. Die Todesdame, die zwischen den Kapiteln als einzige Ich-Erzählerin fungierte, ergänzte die Geschichte, indem sie ihr Leben schilderte und wie es dazu kam, dass sie im Flugzeug saß. Fast fand ich ihre Ausführungen interessanter als den restlichen Teil, aber eben nur fast. Der Weg bis zum Finale war spannend und aufregend, die Auflösung so logisch wie überraschend, aber auch sehr befriedigend für mich. Der feine Humor, durchsetzt mit kleinen bösen Spitzen, ein Markenzeichen der Autorin, machte das Buch rund und fast war ich enttäuscht, als es zu Ende war. Lesenswert!

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