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In einem ZugEduard Brünhofer, früher ein sehr erfolgreicher Autor von Liebesromanen, ist auf dem Weg nach München. Im Zugabteil trifft er auf eine Frau frühen mittleren Alters, die ihn in ein Gespräch verwickelt über ...
Eduard Brünhofer, früher ein sehr erfolgreicher Autor von Liebesromanen, ist auf dem Weg nach München. Im Zugabteil trifft er auf eine Frau frühen mittleren Alters, die ihn in ein Gespräch verwickelt über Gott und die Welt, in erster Linie möchte sie mit ihm aber über seine Frau und die Liebe sprechen. Als Therapeutin weiß Catrin Meyr die richtigen Knöpfe zu drücken, wenn Eduard Brünhofer sich vor Antworten drückt.
»Sitzend warten im stehenden Zug ist jedenfalls ganz besonders unangenehm. Man wartet ja bereits im fahrenden Zug, nämlich dass man endlich ankommt. Im stehenden Zug wartet man, dass man endlich wegfährt, damit man in weiterer Folge endlich ankommt. Es ist also doppeltes Warten, doppelt unangenehm.« (Seite 106)
Das Gespräch und auch der gedankliche Monolog, dem ich beiwohnen durfte, lässt mich mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Ich habe mich durchaus amüsiert, den kritischen, humorvollen und stellenweise auch ein wenig bissigen Blick des Autors auf seine Umwelt sowie insbesondere seine Reisebegleiterin lesend begleiten zu dürfen. Der ironische Unterton, der satirische Biss und die messerscharfen, sezierenden Kommentare dazu machten mir wirklich sehr viel Spaß. Es ist aber schon sehr schwierig, Leserinnen und Leser bei der Stange zu halten, wenn im Text wenig bis gar nichts passiert. Und das war für mich persönlich das größte Manko der Geschichte, da sich die Unterhaltung irgendwann ein bisschen im Kreis drehte. Der Twist am Ende kam unerwartet, rettete aber mir gegenüber das Gesamtbild leider nicht.
Faszinierend fand ich hingegen die Fragen, wieviel von Daniel Glattauer steckt in Eduard Brunhöfer und sind die Ähnlichkeiten zufällig oder vom Autor gewollt? Ich habe förmlich darauf gelauert, etwas zu erfahren, das mir eine Richtung weist, betrieb eine regelrechte Ermittlung, hinterfragte, spekulierte und sammelte Beweise, sobald ich einen Hinweis fand. Letztendlich habe ich eine Antwort gefunden, die jedoch mein Geheimnis bleibt. Bilde dir selbst ein Bild, ich wünsche dir viel Freude dabei!