Tiefgründig und mit langem Nachhall
DER POLARKREIS von Liza Marklund aus dem Atrium Verlag
Ein unfassbar nachwirkendes Buch, dessen Inhalt bestimmt in meiner Erinnerung verbleibt. Tatsächlich weiß ich gerade gar nicht genau wie ich mit ...
DER POLARKREIS von Liza Marklund aus dem Atrium Verlag
Ein unfassbar nachwirkendes Buch, dessen Inhalt bestimmt in meiner Erinnerung verbleibt. Tatsächlich weiß ich gerade gar nicht genau wie ich mit meiner Rezension beginnen soll, um der Autorin auch wirklich gerecht zu werden. Daher beginne ich einfach mit dem Inhalt des Buches und worum es im Kern geht. In einer Kleinstadt wird an einem Brückenpfeiler, nach einem Unwetter, die kopflose Leiche einer jungen Frau gefunden. Schnell wird allen in der Stadt klar, dass es sich hierbei nur um das vermisste Mädchen handeln kann, welches vor mehr als 40 Jahren von heute auf morgen spurlos und ohne jeden Anhaltspunkt verschwunden war. Zu dieser Zeit traf sich das verschwundene Mädchen mit vier weiteren Mädchen aus derselben Schule regelmäßig in einem selbst gegründeten Buchclub dem „Polarkreis“, genannt nach der regionalen Eishockeymannschaft, um Noten aufzubessern.
Liza Marklund erzählt aus fünf verschiedenen Perspektiven die jeweilige Gegenwart und die dazugehörige Vergangenheit jedes einzelnen Mädchens aus dem Buchclub und der heutigen Frau. So erleben wir Leserinnen Stück für Stück die Ereignisse der vergangenen Tage. Aber nicht nur peu à peu setzt sich hier aus den Erzählungen der Protagonistinnen die Vergangenheit zusammen, sondern die Gegenwart spielt dazu eine große Rolle in Form der Erinnerungen. Alle erzählen aus ihrer Sicht ihre ganz eigene und persönliche Lebenssituation. Dabei erhalten wir Leserinnen einen tiefgründigen Einblick in fünf Teenager Leben und ihrer damaligen Gefühlswelt und den Blick der heutigen Frau auf die damalige Situation. Wer nun denkt, es handelt sich hierbei, um ein rein feministisches Buch liegt da verkehrt, denn gleich auf den ersten Seiten wird eindeutig klar, dass auch Männer in den Leben der Mädchen eine große Rolle spielten. Dabei hatte ein beliebter Junge, Sohn des damaligen Polizeichefs, zu allen Mädchen einen Kontakt. In der Gegenwart ist genau dieser Junge der nun heutige ermittelnde Beamte und spätestens jetzt wissen wir, dass es sich hierbei um eine raffinierte und spannende Kriminalgeschichte handelt.
Liza Marklund beweist hier wieder einmal, mit viel Empathie und Authentizität Persönlichkeiten zu beschreiben. Ihr Schreibstil ist dabei locker und leicht zu lesen ohne dass der Inhalt dabei verloren geht. Dabei besitzt die Autorin die Macht uns beim Lesen immer tiefer in den Sog zu ziehen.
Zu keiner Zeit rückt die Kriminalgeschichte in den Hintergrund, da die Gegenwart immer wieder angesprochen wird. Wie ein roter Faden zieht sich die Ermittlungsarbeit durch die Geschehnisse und am Ende ist die Auflösung unfassbar und hat mich persönlich sprachlos zurückgelassen, aber auf gar keinen Fall enttäuscht. Für mich eine grandiose Kriminalgeschichte die tief in Erinnerung verbleibt. Habe ich eigentlich erwähnt, dass die Geschichte sich in Nordschweden abspielt? Daher weht immer ein skandinavisches Flair durch das Buch.