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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2024

Die im Schatten sieht man nicht

Die Influencerin
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Sarah Rode ist eine erfolgreiche Lifestyle-Influencerin, führt eine gute Ehe und lebt mit Mann und Tochter in einem schönen Haus. Als sich eine junge Followerin umbringt, die zuvor einen Kommentar mit ...

Sarah Rode ist eine erfolgreiche Lifestyle-Influencerin, führt eine gute Ehe und lebt mit Mann und Tochter in einem schönen Haus. Als sich eine junge Followerin umbringt, die zuvor einen Kommentar mit einem persönlichen Hilferuf unter einem ihrer Bilder hinterlassen hat, den Sarah ignoriert, schlägt ihr so viel Häme und Hass entgegen, dass sie ihr Profil vorübergehend deaktiviert. Sarah verkriecht sich zu Hause und will niemanden sehen. Es fängt mit seltsamen Päckchen an, dann eröffnet eine unbekannte Person einen Fake-Account mit Sarahs Namen und postet Bilder, die vermuten lassen, dass ihr jemand folgt. Um sich und ihre Familie zu schützen, versucht sie, auf eigene Faust herauszufinden, wer ihr schaden möchte.

Der Klappentext versprach einen rasanten Thriller aus der Welt der Social Media, allerdings wollte die Spannung sich über eine lange Zeit nicht so recht einstellen. Die Protagonistin war erschüttert, was ich nachvollziehen konnte, allerdings war meine Geduld irgendwann auch aufgebraucht, weil ich zum Kern der Sache kommen und nicht immer mehr von ihrem Gejammer lesen wollte. Das mag sich empathielos anhören, aber mir war es einfach zu viel Drama und zu wenig Thriller. Sehr langsam tat sich etwas, Dinge kamen ins Rollen und im letzten Drittel wurde es erfreulicherweise endlich viel temporeicher. Einige unerwartete Wendungen erfreuten mein Herz, vereinzelte überraschende Enthüllungen taten ihr übriges. Emotionale Momente gab es zum Schluss hin auch, was ich sehr passend zum Ausgang fand und nicht bemängeln möchte. Alles in allem ein solider Thriller, dem weniger Drama und mehr Action gutgetan hätten.

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Veröffentlicht am 25.06.2024

Brutale Realität

Bis aufs Blut
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Billy Lowe wächst mit einer alkoholkranken Mutter und einem gewalttätigen Stiefvater in einem Trailerpark auf. Sein einziger Halt im Leben ist der Football, aber Billy ist auf dem Spielfeld unberechenbar ...

Billy Lowe wächst mit einer alkoholkranken Mutter und einem gewalttätigen Stiefvater in einem Trailerpark auf. Sein einziger Halt im Leben ist der Football, aber Billy ist auf dem Spielfeld unberechenbar und mittlerweile so aggressiv, sodass er kaum noch zu bändigen ist. Trotzdem hält der Coach an ihm fest aus Gründen, die in seiner Vergangenheit liegen. Als Billys Stiefvater tot aufgefunden wird, zieht dies unausweichlich Konsequenzen nach sich, die ihn nah an einen Abgrund bringen.

„Irgendwie hab ich keine Lust, mit Ihm zu kämpfen, vielleicht weil Er unbedingt kämpfen will. Will Ihm nicht geben, was Er haben will. Bin schon fast wieder in meinem Zimmer, als ich höre, wie Er sein Feuerzeug anmacht. Mein ganzer Körper verkrampft sich bei dem Geruch, spüre wieder das Brennen. Dreh mich sofort um. Er sieht nicht mal zu mir hin, steht nur da und raucht, wie neulich, als Er mir die Zigarette im Nacken ausgedrückt hat.“ (Seite 52)

Zu Beginn hatte ich Probleme damit, ins Buch zu finden, was mit der ungewöhnlichen Art und Weise zusammenhing, wie die Geschichte erzählt wird. Zum einen erhebt Billy seine Stimme in der Ich-Perspektive, dies tut er passend zu seinem Alter und Bildungsstand. Zuerst irritierte mich dies ungemein, aber im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich daran und fand es passend. Daneben folgte ich den Erzählungen über die Ereignisse, erfuhr Dinge, die lange zurücklagen, folgte den Wegen der beteiligten Personen und durchlebte so manche Biografie. War ich anfangs also eher wenig begeistert über meine Lektüre, änderte sich das in dem Moment, wo der im Klappentext erwähnte Stiefvater tot aufgefunden wird. Als hätte sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt, zog es mich ab da in jeder freien Minute zum Buch.

Man könnte denken, dass ich ab diesem Augenblick gefesselt vom Buch war, aber dies blieb nicht durchgehend so. Der angekündigte Thriller entpuppte sich als Drama, gepaart mit einer Familiengeschichte, gespickt mit vielen sportlichen Erlebnissen und dem Coming of Age Moment, die sich abgewechselt und Hand in Hand miteinander gearbeitet haben. Durch diesen Mix gab es genug Abwechslung und Spannung, um mich bei der Stange zu halten, von einem Highlight würde ich allerdings nicht sprechen. Dennoch war es eine aufregende und außergewöhnliche Story, die mir packende Lesestunden beschert hat. Das letzte Drittel war so nervenaufreibend, dass ich fast durchgedreht bin. Die Auflösung nahm mir den Atem, die folgenden Ereignisse entsetzten mich. Die Spirale der Gewalt erreichte ihren Höhepunkt, explodierte mit einem großen Knall und ließ mich ermattet zurück. Großes Kino!

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Veröffentlicht am 21.06.2024

Ein Teil des Himmels

Und Großvater atmete mit den Wellen
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Konrad, der Großvater von Juni, hat Zeit seines Lebens nie davon gesprochen, wo er gelernt hat, mit den Wellen zu atmen. Er hat seine Erlebnisse im Jahre 1943, als er zusammen mit seinem Bruder auf dem ...

Konrad, der Großvater von Juni, hat Zeit seines Lebens nie davon gesprochen, wo er gelernt hat, mit den Wellen zu atmen. Er hat seine Erlebnisse im Jahre 1943, als er zusammen mit seinem Bruder auf dem Handelsschiff Anitra im Indischen Ozean von einem japanischen U-Boot angegriffen wurde, nie in Worte gefasst, obwohl dort etwas passiert ist, das ihn für immer verändert hat. Die folgenden Ereignisse prägten ihn und machten aus ihm den Mann, der einen wichtigen Platz im Leben von Juni eingenommen hat.

„Es fühlte sich an, als wäre die Welt untergegangen. Mit ihm als einzigem Überlebenden. Er musste sich um die Toten kümmern, er musste Holzzapfen finden, um die Löcher abzudichten, er musste… Dennoch saß er in den nächsten Minuten einfach nur da, ohne etwas anderes zu tun, als zu weinen.“ (Seite 34)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um die Fortsetzung des großartigen Romans „Als Großmutter im Regen tanzte“. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, sogar in falscher Reihenfolge würden diese einen Sinn ergeben, denn die Wege von Konrad und seiner Ehefrau Tekla kreuzen sich erst nach den dramatischen Ereignissen im Leben der beiden. Auch wenn die Bände nicht unmittelbar zusammenhängen, so ergeben diese erst gemeinsam ein vollständiges Ganzes, denn es werden einige Unklarheiten beseitigt und viele Fragen beantwortet. Jedes der Bücher ist außerdem besonders auf seine eigene Art und Weise und lesenswert.

Wurde die Geschichte von Tekla noch auf zwei Zeitebenen erzählt, spielt sich fast die gesamte Handlung des neuen Buches zwischen 1943 und 1945 ab mit einer abschließenden Episode im Jahr 1947. Sie handelt davon, was in den Kriegsjahren in den Gefangenenlagern auf Java in Indonesien geschah, die durch die japanischen Besetzer geführt wurden. Kenne ich solche Erzählungen sonst zur Genüge, war es dennoch eine Neuerung für mich, dass hier auch das Schicksal der internierten Frauen und Kinder einen großen Raum einnimmt, denn überwiegend sind es Männer, die in den Büchern über Gefangenenlager im Vordergrund stehen. Auch das Thema der Kolonialherrschaft war Neuland für mich und inspiriert mich dazu, mich zukünftig mehr mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Das Buch hatte dramatische, traurige, aber auch Momente voller Hoffnung, überwiegend schildert es jedoch die brutale Herrschaft der Besetzer auf der Insel, die katastrophalen Bedingungen in den Lagern und den Überlebenskampf der inhaftierten Menschen sowie in kurzen Sequenzen den der indonesischen Bevölkerung. Wer Wohlfühlszenarien erwartet, wird enttäuscht, denn die Fratze des Krieges zeigt hier ihr hässliches Gesicht. Erniedrigungen, Bestrafungen und Exekutionen sind an der Tagesordnung, sensible Menschen sollten damit rechnen, einige Grenzen überschreiten zu müssen. Wer sich darauf einlässt, wird aber mit einer emotionalen und hochspannenden Erzählung belohnt, die große Unterhaltung verspricht und liefert. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 19.06.2024

Spannende Jagd

Krähentage
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Jakob Krogh und Mila Weiss sollen eine neugegründete Ermittlergruppe leiten, bereits ihr erster Fall scheint mehr als rätselhaft; obwohl das Opfer laut Gerichtsmedizin seit vielen Stunden tot ist, wurde ...

Jakob Krogh und Mila Weiss sollen eine neugegründete Ermittlergruppe leiten, bereits ihr erster Fall scheint mehr als rätselhaft; obwohl das Opfer laut Gerichtsmedizin seit vielen Stunden tot ist, wurde es von vielen Menschen lebend gesehen, nachdem der Mord geschah. Abscheulich ist auch, dass die Täterperson Krähen in der Wohnung des Opfers gelassen hat, die sich an der Person zu schaffen gemacht haben. Jakob und Mila haben mit ihrem Team die Hände voll zu tun, als der nächste Mord geschieht. Der Täter dreht anscheinend langsam durch, hinterlässt aber kaum Spuren, die zu seiner Festnahme führen könnten.

„Es war Jakob, der es aussprach, obwohl er es genauso wenig verstand wie die anderen. Aber vielleicht war dies die erste Wahrheit, die sie als Gruppe 4 akzeptieren mussten. Dass das echte Grauen manchmal erst nach dem Tod begann.“ (Seite 113)

Zwei Ermittler, die viele Geheimnisse voreinander und vor der Leserschaft haben, eine bunt zusammengestellte Truppe, deren Leichen noch im Keller liegen, ein ungewöhnlicher, fast schon skurriler Fall, eine Täterperson, die von vornherein verraten wird, was dem Nervenkitzel aber nicht abträglich ist, und schon hat man einen Thriller, der mich unfassbar gut unterhalten konnte. Der Schreibstil war flüssig, eine unterschwellige Spannung fast durchgehend vorhanden, schockende Momente gab es ebenfalls zur Genüge, mehr kann man sich fast nicht wünschen.

Der erste Thriller von Benjamin Cors lässt mich begeistert zurück. Die diversen Wege zur Lösung ließen mich immer wieder aufs Neue raten, ob meine Vermutung richtig war oder nicht. Ich fieberte der Lösung entgegen und war nicht weniger aufgeregt als das Team, als sich die Schlinge langsam zugezogen hat und absehbar war, was geschieht. Eine Anomalie im privaten Bereich beschäftigte mich lange, die Antwort auf meine Frage wurde aber erst spät enthüllt. Eine leise Ahnung hatte ich zwar, dennoch fand ich die Auflösung überraschend. Das Ende war dramatisch, der Epilog kam unerwartet, ich wurde phantastisch unterhalten und hoffe, dass eine Fortsetzung nicht zu lange auf sich warten lässt. Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 17.06.2024

Wim Schneider in Höchstform

Im Eichtal
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An einem nebligen Samstagabend findet ein Spaziergänger im Braunschweiger Eichtal Müllsäcke voller menschlicher Gliedmaßen. Kriminalhauptkommissar Wim Schneider, der gerade seinen Umzug beendet hat, wird ...

An einem nebligen Samstagabend findet ein Spaziergänger im Braunschweiger Eichtal Müllsäcke voller menschlicher Gliedmaßen. Kriminalhauptkommissar Wim Schneider, der gerade seinen Umzug beendet hat, wird von seiner neuen Kollegin Rosalie Helmer hinzugerufen, um sich ein Bild vor Ort zu machen, obwohl er erst am Montag seine neue Arbeitsstelle antreten wird. Die zerstückelte Leiche scheint unvollständig zu sein, was weitere Maßnahmen notwendig macht. Kurze Zeit später taucht eine Fingerkuppe im Naturhistorischen Museum auf, was nahelegt, dass dieser Fall mit dem Fund im Eichtal zusammenhängt. Der neue Kripochef macht Wim und Rosalie Dampf unter dem Hintern, die beiden ermitteln fieberhaft, als das Ermittlerteam durch den Täter aufs Korn genommen wird.

Bereits zum dritten Mal ermittelt der schrullige, um nicht zu sagen sehr spezielle Wim Schneider und vorab kann ich schon verraten, dass der vorliegende Band für mich persönlich der beste dieser Reihe ist. Ein wenig Vorwissen aus den vorherigen Teilen ist notwendig, um die Verwicklungen der beteiligten Personen zueinander nachvollziehen zu können, allerdings kann jedes Buch unabhängig voneinander gelesen werden, denn es gibt genug Hinweise, die zum besseren Verständnis beitragen. Die Fälle selbst sind immer abgeschlossen und rückwirkend verraten wird ebenfalls nichts, was von Belang ist.

Zu Beginn hatte ich kleine Probleme damit, die vielen Personen und Orte auseinanderzuhalten, wurde ein wenig erschlagen von den vielen Nebenschauplätzen. Hier hätte ich mir ein Verzeichnis gewünscht, das eine Zuordnung erleichtert hätte. Mit hoher Konzentration gelang es mir aber nach und nach, die Namen und Örtlichkeiten zu differenzieren, sodass ich den Kriminalfall genießen konnte. Und der hatte es in sich, denn viele verschiedene Spuren waren auszuwerten, Zeugen zu befragen und es war ein langer Weg bis zur Lösung, der spannend und abwechslungsreich gestaltet wurde. Erst nach und nach verstand ich die komplexen Zusammenhänge, Geheimnisse wurden gelüftet, Intrigen enthüllt. Genial verband der Autor die einzelnen Fäden miteinander und präsentierte eine Lösung, die stimmig und nachvollziehbar war. Erwähnen möchte ich hierbei den tollen Humor, der nie ins Lächerliche abrutschte, aber durch seine Derbheit mich manchmal laut auflachen ließ. Ein großartiger Krimi und ein toller dritter Teil, der mich ungeduldig auf die Fortsetzung warten lässt. Absolute Leseempfehlung dafür von mir.

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