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Veröffentlicht am 19.06.2023

Großartiges Psychospiel

Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen
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Aki und Hiro haben ihre Wohnung in Tokio ausgeräumt, am nächsten Tag kommen Handwerker, um Gas, Wasser und Strom abzustellen, danach trennen sich ihre Wege. Eine letzte Nacht möchten die beiden miteinander ...

Aki und Hiro haben ihre Wohnung in Tokio ausgeräumt, am nächsten Tag kommen Handwerker, um Gas, Wasser und Strom abzustellen, danach trennen sich ihre Wege. Eine letzte Nacht möchten die beiden miteinander verbringen, gemeinsam essen, trinken und darüber sprechen, was vor einem Jahr geschah, als während einer Bergwanderung ihr Bergführer tödlich verunglückte. Beide geben dem jeweils anderen die Schuld an dem Unglück, aber keiner ist bereit, die Verantwortung für den Tod des Mannes zu übernehmen. Nach dieser Nacht wird alles anders sein, falls sie die Wohnung lebend verlassen.

Ich habe nicht gewusst, was auf mich zukommt und war zu Beginn überrascht, dass beide Beteiligte jeweils abwechselnd zu Wort kommen und mir ihre Gedanken und Vermutungen verraten, die Gespräche mit ihrem Gegenüber wiedergeben und dennoch sehr geheimnisvoll tun. Aki und Hiro umkreisen einander, wie ein Hai es mit seiner Beute tun würde, Kreis um Kreis umrunden sie ihr Gegenüber, wägen ab, taktieren und fordern sich gegenseitig heraus. Im Laufe der Gespräche kommen Dinge ans Licht, die zu Erkenntnissen führen, die weitgehende Konsequenzen für beide haben. Bereits früh erfahre ich etwas, das mich befremdet, das die Geschichte anders erscheinen lässt, als gedacht. Am Ende jedes Kapitels gibt es kleine Cliffhanger, die die Spannung erhöhen und mich wahnsinnig machen, weil ich immer dringender wissen möchte, was nur angedeutet, aber nicht ausgesprochen wird. Ganz kalt erwischt mich, was dann passiert, damit hätte ich nicht gerechnet und bin mehr als erstaunt, glaube fast, dass ich etwas falsch verstehe, blättere zurück und wundere mich. Diese geniale Wendung ist das sprichwörtliche i-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen der Geschichte, der ganz große Knall. Passend und stimmig erscheint nun vieles, macht einiges rückblickend endlich mehr Sinn. Die Auflösung kommt leise, aber gewaltig und ich bin fast traurig darüber, dass ich fertig bin.

Ein weiteres Highlight dieses Jahres habe ich mit diesem Buch für mich gefunden und bin dankbar, dass ich es lesen durfte. Dafür gibt es von mir fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 16.06.2023

Leider mehr als unglaubwürdig

Der König von Tiers
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Die Winzertochter Simona ist verschwunden, nach einem Treffen mit ihrer Schwester Martha fehlt von ihr jede Spur. Die Ermittlungen führen Kommissar Magnabosco und seine Assistentin Pasqualina in das Bergdorf ...

Die Winzertochter Simona ist verschwunden, nach einem Treffen mit ihrer Schwester Martha fehlt von ihr jede Spur. Die Ermittlungen führen Kommissar Magnabosco und seine Assistentin Pasqualina in das Bergdorf Tiers, in dem der selbsternannte König von Tiers ein Hotel führt. Da verschwindet auch Martha und alle Spuren führen zum Zwergenkönig Laurin, der wieder in den Dolomiten unterwegs zu sein scheint.

Es handelt sich beim vorliegenden Buch um den zweiten Fall des Ermittlerduos Filippo Magnabosco und Carmela Pasqualina. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen, woraus wahrscheinlich resultiert, dass ich bis zuletzt nicht warmgeworden bin mit dem ermittelnden Pärchen. Ich habe kein Bild vor den Augen, weil diesbezügliche Angaben nicht erfolgten und trotz des Umstandes, dass sich die Story gefühlt durchgehend um die Essgewohnheiten von Filippo drehte, weil Carmela ihn auf Diät gesetzt hat, weiß ich nicht, ob dies seinem Übergewicht oder dem Fitnesslevel geschuldet ist. Hier hätte ich mir ein paar Informationen gewünscht, einfach um ein Gespür für die Personen zu bekommen. So aber stellte ich mir ein naives Dummchen vor, das nicht in der Lage ist, bestimmte Wörter richtig auszusprechen, obwohl dies immer und immer wieder korrigiert wurde. Die ersten zwei Male ist das lustig, dann ist der Witz aber etwas fade. Dazu noch ihr Partner, der nur vom Essen träumt, sich aber nicht traut, seinen Willen durchzusetzen. Das klingt jetzt etwas hart, sodass ich ergänzend darauf hinweisen möchte, dass der Humor durchaus lustig war und es einige Stellen gab, an denen aus meinem Schmunzeln ein Lachen wurde.

Der Fall selbst war etwas seltsam; ein Verbrechen, das den Namen nicht verdient, und viele Personen, die involviert waren. Ehrlicherweise habe ich zwischendurch ein wenig den Überblick verloren, wer nun wer war. Dadurch habe ich Beteiligte verwechselt, oder aber glaubte das, obwohl es nicht so war. Ich bin mir da tatsächlich nicht ganz sicher. Positiv bewerten möchte ich hierbei, dass die Kapitel mit den Namen der Personen, um die es gerade geht, überschrieben waren, das war mir eine kleine Hilfe. Leider fand ich den Fall nicht wirklich spannend, dazu kam, dass Märchen und Sagen eine Rolle spielten, die so kompliziert erklärt wurden, dass ich die Hälfte nicht verstand.

Im dritten Teil eskalierten die Geschehnisse ein wenig, was gar nicht zur restlichen Geschichte gepasst hat. Ich war erstaunt und gespannt, welche Auflösung sich die Autorin einfallen lassen wird. Leider hatte ich das Gefühl, die Story entwickelt sich immer mehr zur Farce, je näher ich dem Ende kam. Die folgenden Ereignisse waren für mich dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ich kaum glauben konnte, was ich da las. Das Reich der Märchen und Sagen empfand ich in diesem Moment realistischer, als das Finale des vorliegenden Falles. Es ist mir kaum möglich, hier eine Wertung abzugeben, geschweige denn eine Leseempfehlung. Die Geschmäcker sind allerdings verschieden und für LeserInnen, die ruhige Kriminalromane mögen mit einer regionalen Verbindung, könnte das Buch durchaus die richtige Lektüre sein. Der Hang zu Märchen und Sagen sollte aber auch unbedingt vorhanden sein.

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Veröffentlicht am 14.06.2023

Großartige Fortsetzung der City on Fire-Trilogie

City of Dreams
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Danny Ryan und seine Crew sind nach den dramatischen Ereignissen in Providence als Verlierer des blutigen Bandenkrieges auf der Flucht vor der Mafia, der Polizei und auch dem FBI. In Kalifornien will Danny ...

Danny Ryan und seine Crew sind nach den dramatischen Ereignissen in Providence als Verlierer des blutigen Bandenkrieges auf der Flucht vor der Mafia, der Polizei und auch dem FBI. In Kalifornien will Danny ein neues Leben beginnen und auf legalem Wege sein Geld verdienen. Natürlich ist dies utopisch, denn das FBI hat eigene Pläne, möchte einen Deal mit Danny, der ihm ein Vermögen oder den Tod bringt. Als Danny sich kurz darauf in einen Hollywoodstar verliebt, wird es richtig kompliziert, denn ihre und seine Vergangenheit holt die beiden ein.

„Wir sind auf der Flucht, denkt Danny beim fahren. Verfluchte Fliehende. Entflohene. Im Exil.“ (Seite 27)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil einer Trilogie. Der erste Band mit dem Titel City on Fire hat mich letztes Jahr fast in Ekstase versetzt, sodass ich es kaum erwarten konnte, die Fortsetzung zu lesen. Man könnte das Buch zwar gut lesen, ohne den Vorgänger zu kennen, denn immer wieder gibt es Erklärungen und Wiederholungen darüber, was passiert ist. Mir als Leserin des ersten Buches hat dies sehr geholfen, sich an die Begebenheiten zu erinnern, allerdings kann ich mir vorstellen, dass man ohne Vorwissen oft nicht wirklich verstehen wird, was passiert ist. Aus diesem Grund empfehle ich, mit dem ersten Teil anzufangen, zumal dieser grandios war!

Der Schreibstil des Autors begeistert mich immer wieder aufs Neue, seine Art zu erzählen, die Nebensächlichkeiten, die für die vorliegende Story nicht vorrangig, aber trotzdem total interessant sind, einzubauen, der Wechsel der Perspektive und die Beleuchtung einer Situation aus mehreren Seiten, das ist schon meisterlich. Danny ist der Hauptcharakter, aber seine restliche Crew, die Gegenseite und viele andere Beteiligte gehören dazu und natürlich empfand ich die ein oder andere Person mal mehr, mal weniger sympathisch. Keine von ihnen wäre verzichtbar, alle trugen dazu bei, dass die Geschichte stimmig und absolut mitreißend geworden ist. Dabei war diese ganz anders als gedacht, denn der Fokus lag hier nicht auf einem Bandenkrieg, sondern eher den Bemühungen von Danny, endlich den legalen Weg gehen zu können. Natürlich ist ein solcher Weg steinig und aufgrund seiner Vergangenheit hart und mühevoll, aber unmöglich ist er nicht. Danny dabei zuzusehen, war spannend und aufregend, ich habe den Atem angehalten und die Daumen gehalten, mitgelitten und gehofft. Aufgrund des Prologs habe ich das schlimmste angenommen und dennoch mit diesem Ausgang nicht gerechnet. Nun warte ich sehnsüchtig auf den Abschlussband, der nicht anders werden kann als grandios.

Ein großartiger Thriller, der mich sehr gut unterhalten und tatsächlich eine schlaflose Nacht beschert hat. Die Filmrechte an City on Fire sind verkauft und ich bin sehr gespannt darauf, was da auf uns zukommt. Ach ja, was könnte dieses Highlight wohl bekommen; fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung sind da wohl das mindeste.

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Veröffentlicht am 13.06.2023

Alles für die Liebe

Das Leben ist sinnlos, wenn du nicht liebst
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„Doch wenn du liebst, wird die Liebe dich halten, heilen, tragen, trösten. Sie wird dir jeden Weg erleuchten, wie ein Licht, das niemals erlischt und jede Finsternis bricht.“ (Seite 19)

Jens Böttcher ...

„Doch wenn du liebst, wird die Liebe dich halten, heilen, tragen, trösten. Sie wird dir jeden Weg erleuchten, wie ein Licht, das niemals erlischt und jede Finsternis bricht.“ (Seite 19)

Jens Böttcher ist Musiker, kreativer Lebensberater und Schriftsteller, trotzdem habe ich noch nichts von ihm gelesen und kann das nicht fassen, nachdem ich sein Buch mit diesem außergewöhnlichen und wunderschönen Titel in einem regelrechten Rausch durchgelesen habe. Es sind 12 Abschnitte, Kapitel oder Lektionen, hier kann und möchte ich mich nicht festlegen, die sich um die Liebe drehen, das Buch bietet aber so viel mehr. Träume, Sehnsüchte, Wünsche fanden hier ihren Platz und umgarnten mich. Worte, Sätze, Seiten voll Gedanken, Ratschlägen, Hinweisen und Anregungen, die wunderschön verpackt ihren Weg zu mir fanden.

„Doch wenn du nicht liebst, wird kein Glück sich an dich binden - du findest keinen Sinn und kein Sinn wird dich je finden.“ (Seite 52)

Ich habe so viele Stellen markiert, ich könnte damit selbst ein Buch füllen, es gab so unzählige tolle Passagen, dass mein Herz zum bersten voll war mit liebevollen Gedanken. Ein lyrisches Kleinod, ein poetischer Genuss ist dieses Buch und wird mein Regal so schnell nicht mehr verlassen, schließlich will und werde ich es noch einmal lesen. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.06.2023

Liebe ist Heimweh

Kentucky
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Owen Callahan treibt mehr oder weniger ziellos durchs Leben. Nachdem er seine Heimat für Jahre verlassen hat, kehrt er nun nach Kentucky zurück, um in Louisville Creative Writing zu studieren, kommt solange ...

Owen Callahan treibt mehr oder weniger ziellos durchs Leben. Nachdem er seine Heimat für Jahre verlassen hat, kehrt er nun nach Kentucky zurück, um in Louisville Creative Writing zu studieren, kommt solange bei seinem Großvater unter. Um sich die Studiengebühren leisten zu können, nimmt er einen Job bei der Universität an und erledigt Baumpflegearbeiten auf dem Campus. Kurz darauf begegnet er Alma, die Autorin ist und bereits an ihrem ersten Buch über ihre Familie schreibt. Als Kind bosnischer Einwanderer hat sie eine Vergangenheit, die auch Owen fasziniert, sodass dieser beschließt, diese in sein geplantes Buch einzubauen, was verständlicherweise zu einem Konflikt führt.

Das vorliegende Buch lässt mich ein wenig ratlos zurück. Der Klappentext, der eine spannende Story mit explosiven Inhalten versprochen hat, ist irreführend, da er im Grunde das gesamte Buch in ein paar Sätzen zusammenfasst. Anders ausgedrückt könnte man sagen: mehr passiert im Buch nicht. Dies würde der Geschichte aber nicht gerecht werden, deswegen versuche ich es anders. Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt und der erste Teil dreht sich vollständig darum, dass Owen und Alma zusammenkommen. Dass dies viele Längen beinhaltet und manchmal etwas langatmig ist, liegt auf der Hand, dauert diese Phase immerhin das halbe Buch lang.

„Vor mir sah ich eine Zukunft, in der wir längst Geschichte waren und ich voll Wehmut an diesen Moment zurückdachte. Ja, es schmerzte sogar jetzt: vorauseilende Sehnsucht nach einem vergangenen Moment, der noch gar nicht vorüber war.“ (Seite 252)

Owen war mir sympathisch, ich fand es beeindruckend, wie er trotz seiner Herkunft und einer bewegten Vergangenheit versucht hat, seine Ziele zu erreichen. Wie verschieden dagegen das Leben von Alma, die als Kind von Einwanderern ein gänzlich anderes Leben geführt hat, das im Vergleich dazu fast schon privilegiert anmutet. Beide Charaktere haben viele Gefühle in mir ausgelöst, positive natürlich, aber oft auch negative, und zwar durch Handlungen, die mich den Kopf schütteln ließen. Der Ich-Erzähler Owen hat Ecken und Kanten, Fehler und Schwächen, aber dennoch eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt, die dazu führte, dass ich das Buch durchgezogen und es letztendlich nicht bereut habe. Das letzte Drittel fand ich dabei am interessantesten, tatsächlich passierte in diesem Teil des Buches so viel, dass ich diesen in einem Rutsch durchgelesen habe, wo ich mich davor oft dazu animieren musste, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. Hierzu passt das folgende Zitat, das ich sehr schön fand:

„Man sehnt sich nach den Dingen, die man vorher öde fand.“ (Seite 402)

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich gut unterhalten wurde, das Buch aber wegen der vielen Längen und einer Handlung, die oft schlicht und ergreifend nur mäßig interessant war, meine Erwartungen nicht erfüllt hat. Der Schreibstil war zumindest toll und das letzte Drittel hat zu einer Aufwertung geführt, die bei mir mit dreieinhalb Sternen ihren Höhepunkt findet.

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