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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2025

Abschluss der Trilogie

Wild nach einem wilden Traum
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»Ich glaube, ich habe in meinem Leben nie vor Kreuzungen gestanden und in aller Ruhe überlegt. Ich bin einfach weiter und weiter gegangen, vielleicht sogar gerast, wie ich auch in die Liebe gerast bin, ...

»Ich glaube, ich habe in meinem Leben nie vor Kreuzungen gestanden und in aller Ruhe überlegt. Ich bin einfach weiter und weiter gegangen, vielleicht sogar gerast, wie ich auch in die Liebe gerast bin, und irgendwann, später, dreht man sich um und ist erstaunt.« (Seite 8)

Nach einem großartigen »Das Vorkommnis« sowie etwas schwächerem »Das Liebespaar des Jahrhunderts« schließt Julia Schoch mit dem vorliegenden Buch ihre Trilogie ab. In der Ich-Perspektive reist die namenlose Erzählerin auch diesmal in die Vergangenheit und seziert bestimmte Begegnungen, Gespräche und Vorkommnisse, wie sie dies schon in den ersten beiden Teilen getan hat.

»Ich will meine Erinnerung nicht abgleichen mit der Gegenwart. Vermutlich, weil ich weiß, dass ich nicht weiterschreiben könnte, wenn ich die Wahrheit kennen würde.«

Ein katalanischer Schriftsteller sowie ein Soldat nehmen den meisten Raum ein, ihre Erinnerungen mal klar, mal verworren, wie Erinnerungen es nun mal sind. Vergessenes kommt zum Vorschein, eine erneute Begegnung könnte Klarheit bringen und wieder kommen Fragen auf nach diesem und jenem, besonders aber nach dem Sinn. Es macht Spaß, der Erzählerin dabei zuzuhören, ihren Gedanken nachzuspüren, zu erfahren, wie sie rückwirkend reflektiert. Mir hat der Abschluss sehr gefallen, ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin, will erfahren, welche Irrtümer ihr noch eingefallen sind.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Wünsch dir was…

Die Festung
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Bonnie nimmt für ihre Schwester an einer Reality Show teil, weil diese sich verletzt hat und nicht dabei sein kann. Die acht Teilnehmer werden zu einer abgelegenen Festung Mitten auf dem Meer gebracht ...

Bonnie nimmt für ihre Schwester an einer Reality Show teil, weil diese sich verletzt hat und nicht dabei sein kann. Die acht Teilnehmer werden zu einer abgelegenen Festung Mitten auf dem Meer gebracht und sich selbst überlassen, um sie herum Kameras und Mikrofone, die alles aufnehmen. Es dauert nicht lange und die Stimmung verändert sich, schließlich geht es um ein hohes Preisgeld und die Message ist ziemlich klar: nur eine Person kann gewinnen. Als einer der Teilnehmer tot aufgefunden wird, bekommt diese Aussage allerdings einen neuen Sinn: Nur einer wird überleben.

Die Autorin dürfte einigen Leserinnen und Lesern unter ihrem Klarnamen Leona Deakin bekannt sein, ihre Bücherserie um die Psychologin und Privatdetektivin Dr. Augusta Bloom, die vier Bände umfasst (zwei davon bisher übersetzt) ist ziemlich erfolgreich. Der vorliegende Escape Room-Thriller ist für mich das erste Buch der Autorin, die mich damit allerdings voll für sich eingenommen hat. In Rückblenden und aus einem Podcast erfahre ich abwechselnd, was passiert ist, dabei werden aber immer nur so viele Informationen preisgegeben, dass ich vor Neugierde förmlich platze. Geschickt führt L.D. Smithson mich durch die Geschichte, die immer dramatischer wird. Sie streut Hinweise, legt Spuren, führt die Teilnehmer und mich regelrecht an der Nase herum, bis es eine Wendung gibt, die mich erstarren lässt. Als ich sicher bin, alles durchschaut zu haben, legt sie eine Kehrtwende ein und ich stehe mit leeren Händen da. Bis zuletzt baut sie kleine Überraschungen ein, sodass bis zum hervorragenden Ende keine Langeweile aufkommt. Der Abschluss ist böse, aber irgendwie auch passend. Großartige Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Phänomenal gut!

Gym
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Die sechsunddreißigjährige Protagonistin braucht einen Job. Aus Gründen. Eher zufällig als zielgerichtet stellt sie sich im MEGA GYM vor, erklärt ihre heruntergekommene Erscheinung mit einer spontan erfundenen ...

Die sechsunddreißigjährige Protagonistin braucht einen Job. Aus Gründen. Eher zufällig als zielgerichtet stellt sie sich im MEGA GYM vor, erklärt ihre heruntergekommene Erscheinung mit einer spontan erfundenen Entbindung und bekommt die Stelle, der Inhaber Ferhat ist Feminist und gibt ihr eine Chance. Die Arbeit am Tresen, das Training im Studio und das nicht vorhandene Kind wachsen ihr bald über den Kopf. Als die Bodybuilderin Vick ins Spiel kommt, verschwimmen die Grenzen und ans Licht kommt eine ungesunde Obsession.

»Es war ungewohnt, wieder den ganzen Tag unter Menschen zu sein, ich hatte vergessen, wie sehr man sich dafür zusammenreißen musste. Ständig verspürte ich den Drang, mich an Stellen zu kratzen, an denen man sich in der Öffentlichkeit nicht berührte, und musste aufpassen, mir beim Gähnen die Hand vor den Mund zu halten.« (Seite 14)

Dieses Drama in drei Akten lässt mich restlos begeistert zurück. Die namenlose Ich-Erzählerin war fürchterlich unzuverlässig, das merkte ich schnell. Schon früh gab es Andeutungen, dass etwas geschehen war, was sie aus der Bahn geworfen hatte, aber erst allmählich kam ich dahinter, was genau dies war. Schleichend und unaufhaltsam schlitterten wir gemeinsam auf einen ungewissen Höhepunkt zu, der Weg dahin abstoßend und faszinierend, ihr Verhalten völlig losgelöst, der Abgrund ganz nah. Der feine Humor, mehr verzweifelt als lustig, ergänzte das Bild, es kam wie es kommen musste. Aber lest selbst. Große Empfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Die Tücken der Vaterschaft

Der Silberriese
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Patrick ist alleinerziehend, früher Leistungssportler, konzentriert er sich heute ganz auf seine Tochter Ada, die gerade mit dem Geräteturnen angefangen hat. Je mehr er die Nähe seiner Tochter sucht, desto ...

Patrick ist alleinerziehend, früher Leistungssportler, konzentriert er sich heute ganz auf seine Tochter Ada, die gerade mit dem Geräteturnen angefangen hat. Je mehr er die Nähe seiner Tochter sucht, desto mehr entgleitet sie ihm. Patrick merkt, dass die Frage nach Adas Mutter, der er immer ausgewichen ist, immer mehr in den Vordergrund rückt.

»Soll er ihr sagen, dass er nicht weiß, was er sonst machen soll, dass es besser ist, in der Dunkelheit zu stehen und sie heimlich zu beobachten, besser, im Regen zu stehen, mit ihr hinter Glas, als allein in der Wohnung zu sitzen?« (Seite 236)

Eine Geschichte aus der Sicht eines Mannes, von einem Mann geschrieben, das ist an sich nicht besonders, aber Andreas Moster schafft es, seine Figur absolut authentisch zu erschaffen und dem alleinerziehenden Vater ein Gesicht und eine Seele zu geben. Die Sorgen und Ängste, die Zweifel und die Zuversicht, die nicht immer, aber dennoch vorhanden war, sind förmlich spürbar und ich kann die Gefühlswelt von Patrick sehr gut nachvollziehen. Seinen Umgang mit Ada, der zeitweise fast schon obsessiv ist, empfinde ich nicht immer als gesund, kann aber selbstverständlich verstehen, warum er so geworden ist.

Insgesamt eine tolle Geschichte übers Vatersein, in der mir der Anteil den Leistungssport betreffend einfach zu viel war. Dies riss mich permanent aus dem Buch, weil ich mit einer solchen Fülle nicht gerechnet habe, manchmal hatte ich das Gefühl, ein Motivationsbuch zu lesen und keinen Roman. Ansonsten aber ein lesenswertes Buch, das ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Art Mayer ist zurück

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Der BKA-Ermittler Art Mayer macht sich erneut auf die Suche nach seiner Nachbarin Dana Karasch, die vor eineinhalb Jahren verschwand. Ihre mittlerweile achtjährige Tochter Milla hat Art um den kleinen ...

Der BKA-Ermittler Art Mayer macht sich erneut auf die Suche nach seiner Nachbarin Dana Karasch, die vor eineinhalb Jahren verschwand. Ihre mittlerweile achtjährige Tochter Milla hat Art um den kleinen Finger gewickelt, wegen der Demenz der Großmutter, mit der sie lebt, spitzt sich die Situation zu. Art fordert einen Gefallen ein und kurze Zeit später bekommt er einen anonymen Hinweis, dem er mit seiner Kollegin Nele Tschaikowski folgt. In einer verlassenen Wohnwagensiedlung finden sie einen Toten, bei dem es sich um einen bekannten Berliner Richter handelt. Bald beginnen die Rangeleien darum, wer die Ermittlungen führen soll, nach dem BKA schaltet sich das LKA sowie die Terrorabwehr ein. Anscheinend hat Art mit seinen Nachforschungen ins Wespennest gestochen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Reihe mit Art Mayer und seiner mittlerweile nicht mehr als Anfängerin geltenden Kollegin Nele Tschaikowski. Man muss die ersten beiden Bücher nicht unbedingt gelesen haben, um folgen zu können, zum besseren Verständnis und weil es großartige Thriller sind, würde ich allerdings dazu raten. Die Beziehungen der Personen zueinander und auch deren Lebensumstände erschließen sich zudem erst, wenn das Gesamtbild vollständig ist.

Nun also Art Mayer zum Dritten und wieder einmal konnte mich Marc Raabe so sehr ans Buch fesseln, dass ich alles andere um mich vergaß. Diese unglaublich komplexe Geschichte zog mich sofort in ihren Bann, der Einfallsreichtum des Autors kannte keine Grenzen. Zwischen der laufenden Ermittlung gab es Rückblenden aus der Sicht der Verschwundenen, die so detailliert waren, dass es mich verrückt machte, weil ich es nicht erwarten konnte, endlich zu erfahren, was seinerzeit vor sich ging. So einfach hat es Marc Raabe mir aber nicht gemacht, denn das letzte Stück des Weges blieb mir nichts anderes übrig, als mit Art und Nele zu ermitteln, um die Lösung zu finden. Mein Verdacht bestätigte sich natürlich nicht - man stelle sich vor, wie ich mit den Augen rollte, weil ich auf eine falsche Fährte reingefallen bin. Das Ende war genial, die Wendung gleichermaßen überraschend wie perfide, ein Showdown, der mich begeistert hat. Insgesamt ein grandioser Thriller, der mich bereits jetzt auf die Fortsetzung nächstes Frühjahr hinfiebern lässt. Lesen!

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