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Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein Agententhriller, der mich etwas zwiegespalten hinterlässt

Kälter
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Im Herbst 1989 zieht ein heftiger Sturm über Amrum auf, als mit der letzten Fähre ein Killerkommando auf die Insel kommt, um einen Auftrag zu erledigen. Luzy Morgenroth, die dort seit acht Jahren ein beschauliches ...

Im Herbst 1989 zieht ein heftiger Sturm über Amrum auf, als mit der letzten Fähre ein Killerkommando auf die Insel kommt, um einen Auftrag zu erledigen. Luzy Morgenroth, die dort seit acht Jahren ein beschauliches Leben als Inselpolizistin führt, wird jäh an ihr altes Leben erinnert, als der Bruder ihrer Freundin von eben jener Fähre verschwindet und tot aufgefunden und ihr Kollege Jörgen von den Killern umgebracht wird. Als Luzy beim Anführer des Killerkommandos einen Hinweis auf "Babel" findet, einem totgeglaubten Geist aus ihrer Vergangenheit, macht sie sich auf den Weg, ihn endlich zur Strecke zu bringen, auch wenn sie sich dafür in ihr altes Ich zurückverwandeln und um die halbe Welt jagen muss.

Zum Buch:
Mit „Kälter“ hat Andreas Pflüger einen rasanten, actionreichen Agententhriller geschrieben, der die Story aus wechselnden Perspektiven und auf zwei Zeitebenen erzählt. Es passt momenten leider absolut in unsere Zeit, denn es greift das aktuelle Thema des Nahostkonflikts auf. Ein Teil der Geschichte ist in Israel verortet, weitere Schauplätze sind u.a. Wien und Berlin zur Zeit des Mauerfalls.
Luzy Morgenroth als Hauptfigur ist genauso komplex wie die Handlung selbst.
Zum einen ist sie empathisch und loyal, gibt alles für die, die ihr am Herzen liegen. Doch da ist auch eine gnadenlose Kampfmaschine in ihr, die ohne Rücksicht auf Verluste alle Gegner aus dem Weg räumt, um ans Ziel zu kommen.
Als Leser erfährt man zudem viel über den kalten Krieg, Geheimdienste aus aller Welt, Agenten und Killerkommandos. Die vielen (Deck)Namen, Organisationen und Gruppen mit ebenso vielen Bezeichnungen schaffen mitunter Verwirrung und machen das Geschehen noch komplexer zu verstehen, besonders, wenn man mit diesem Genre nicht so vertraut ist.

Persönliche Meinung:
Ich habe gut 100 Seiten gebraucht, um in der Geschichte wirklich anzukommen. Ehrlich gesagt, bin ich auch nach der Lektüre noch ziemlich ambivalent: Die Story an sich war durchaus fesselnd und es war spannend, mehr über diese Zeit zu erfahren. Gleichzeitig finde ich die zwei Gesichter von Luzy schwer nachvollziehbar: zum einen so empathisch und fürsorglich, auf der anderen Seite eine gnadenlose Kampfmaschine, die im Vorbeigehen einem das Genick bricht und einem anderen das Gesicht wegpustet? Dazu der Schreibstil, der dem Titel des Thrillers alle Ehre macht: "sie schießt ihm zwischen seine verwunderten Kinderaugen" ... kälter geht es nicht, diese kalte und abgehobene Beschreibung des tötens hat mich oft abgestoßen, hier darf man also nicht zimperlich sein. Der Schreibstil von Andreas Pflüger ist eine Welt für sich: im Präsens gehalten, kurz und knackig (ich würde schon sagen: sehr maskulin), stakkatomäßig, vieles wird nur angedeutet, woraus man sich dann selbst einen Reim machen muss. Pflüger hat auch einen sehr eigenen Sinn für Humor, den man entweder mag oder nicht. Die Vermischung aus Realität und Fiktion fand ich sehr gelungen.
Es hat mich jedenfalls dazu gebracht, noch etwas tiefer in diese Zeit einzutauchen und über die Fakten nachzulesen, die in diesem Thriller beschrieben werden.

Mein Fazit:
Ein spannendes Stück Zeitgeschichte, aber definitiv keine leichte Kost.
Sehr komplex und auch brutal, dennoch ein sehr unterhaltsamer und interessanter Thriller.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Eiskalte Spannung von Anfang bis Ende

Lügennebel
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Zum Inhalt:
Im kleinen, beschaulichen Wintersportort Åre kommen die sechs Studenten Wille, Pontus, Amir, Emil, Olivia und Fanny für eine gemeinsame Skiwoche an. Im exklusiven Ferienhaus von Wille's Eltern ...

Zum Inhalt:
Im kleinen, beschaulichen Wintersportort Åre kommen die sechs Studenten Wille, Pontus, Amir, Emil, Olivia und Fanny für eine gemeinsame Skiwoche an. Im exklusiven Ferienhaus von Wille's Eltern wird schon am ersten Abend viel getrunken und z.T. auch Drogen konsumiert, während die Studenten Pflicht oder Wahrheit spielen. Am nächsten Morgen liegt Fanny nur leichtbekleidet tot in einer Schneewehe vor dem Haus. Was ist passiert, war es ein Unfall oder doch Mord? Jeder beginnt jedem zu misstrauen und die Stimmung im Haus wird immer vergifteter. Hanna Ahlander und ihre Kollegen ermitteln, während in ihrem eigenen Privatleben auch einiges zu brodeln beginnt...

Zum Buch:
"Lügennebel" ist der vierte Band der beliebten Bestseller-Autorin Viveca Sten mit der Hauptprotagonistin Hanna Ahlander. Die Handlung spielt in Åre, einem beliebten Skiort im Norden Schwedens, nahe der Grenze zu Norwegen. Die Spannung baut sich auch in diesem Fall wieder kontinuierlich bis zum fesselnden Ende hin auf. Wie es sich für einen guten Krimi gehört, legt die Autorin verschiedene Fährten aus und somit gibt es gleich mehrere Verdächtige, die in Frage kämen, Fanny getötet zu haben. Wie im wahren Leben auch, ist jedoch nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint und die wahren Hintergründe - und menschlichen Abgründe - entblättern sich nach und nach.
Das Ermittlerteam besteht aus Hanna Ahlander, die seit kurzem mit einem reichen Investor liiert ist, der in Band drei eine Rolle gespielt hat und deren Beziehung nun ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. Daniel Lindskog ist ihr Vorgesetzter, mit dem sie eng zusammenarbeitet und die Ermittler Raffe und Anton vervollständigen das starke Kleeblatt. Die atmosphärische Dichte kommt bei Viveca Sten ebenfalls nie zu kurz: angefangen vom stimmigen Cover schafft sie es, die Schönheit der Natur und die Unbarmherzigkeit der eisigen, schneereichen Tage und Nächte im hohen Norden zu beschreiben, was der Story noch das gewisse Extra an Stimmung verleiht. Durch die Zeitform Präsens ist alles sehr direkt und unmittelbar und durch die kurzen Kapitel wird das Tempo der Geschichte deutlich forciert.

Persönliche Meinung:
Mit Hanna hat die Autorin einfach eine sympathische Figur geschaffen: auf den ersten Blick wirkt sie etwas introvertiert, doch je besser man sie kennenlernt, umso mehr erwärmt man sich für sie, denn sie hat das Herz auf dem rechten Fleck, brennt für ihren Job und hat eine sichere Intuition, wem sie trauen kann oder nicht. Auch der Ermittlungsleiter Daniel Lindskog ist einer der Hauptfiguren und wie Hanna ein Charakter mit Ecken und Kanten. Man fühlt mit, wie er den Spagat hinzubekommen versucht, für seine kleine Tochter dazusein und mit der Trennung von Ida zurechtzukommen. Hanna und Daniel sind schnell zu einem Team zusammengewachsen und empfinden mehr füreinander, doch keiner hat dies je dem anderen gegenüber gezeigt. Auch Anton hat seine Probleme, denn er muss sich endlich entscheiden, ob er zu seinem Freund Carl - und zu seiner Homosexualität - offen stehen kann oder nicht, womit er den Bruch mit seinen sehr konservativen Eltern riskiert. Ja, das Privatleben von Hanna, Daniel und Anton nehmen recht viel Raum ein. Das ist sicher nicht jedermanns Sache bei einem Krimi, bei dem es in erster Linie um Opfer, Täter und Motive geht. Dennoch mag ich persönlich gerade das sehr gerne, da auch Polizisten schließlich nur Menschen sind und somit menschlich (und nicht immer rational) handeln.
Übrigens: wer die ersten drei Bände nicht gelesen hat, dürfte trotzdem problemlos mitkommen, da die wesentlichen Dinge, die das Verständnis erleichtern, im vorliegenden Band gut eingearbeitet wurden.
Ich habe mich wieder bestens unterhalten gefühlt und hoffe, die Forsetzung lässt nicht allzu lange auf sich warten. Auch kann ich mir eine Verfilmung dieser Serie jetzt schon gut vorstellen. Mir ist diese Serie inzwischen wirklich ans Herz gewachsen und ich freue mich schon auf den nächsten Fall.

Fazit:
Fesselnder und komplexer Krimi von einer Autorin, die ihr Handwerk versteht wie kaum eine andere. Spannende und unterhaltsame Lesestunden sind garantiert.
Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Mit tiptoi unsere spannende Erde erkunden

tiptoi® - Die Erde: Ozeane, Wetter und Vulkane
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Die tiptoi-Bücher von Ravensburg sind bei meinen Enkeln immer sehr willkommen und so wurde auch die neue Ausgabe "Die Erde - Ozeane, Wetter und Vulkane" gleich von ihnen in Beschlag genommen. Der jüngste ...

Die tiptoi-Bücher von Ravensburg sind bei meinen Enkeln immer sehr willkommen und so wurde auch die neue Ausgabe "Die Erde - Ozeane, Wetter und Vulkane" gleich von ihnen in Beschlag genommen. Der jüngste ist zwar mit seinen vier Jahren noch unterhalb der empfohlenen Altersgruppe (6-10 Jahre), konnte aber trotzdem schon viel verstehen und hatte Spaß an den sehr gelungenen Illustrationen und den interaktiven Spielen.

Durch das Buch führt Kimi als künstliche Intelligenz und Supercomputerhirn die vier Kids/Jugendlichen Georg, Kiano, Yin und Lara mit viel Fachwissen um unsere Erde. Beginnend mit der Entstehungsgeschichte, den verschiedenen Schichten und Erdzeiten sowie den tierischen Lebewesen und uns Menschen geht es zu den Elementen Wasser, Feuer, Luft, das Erdmagnetfeld, Gesteinsschichten, Platentektonik, Vulkane, vom Äquator über die Tropen bis zu den Polen, das Klima und das Wetter, den Reichtum der Ozeane und vielem mehr.

Es gab natürlich viele Fachbegriffe, die aber durch die sehr guten Illustrationen sehr anschaulich dargestellt und erklärt wurden. Durch den tiptoi-Stift sind viele Informationen im Buch abrufbar und teilweise mit passenden Geräuschen verbunden. Das neue Wissen kann dann durch interaktive Spiele noch vertieft werden. Noch abwechslungsreicher wird das Buch durch die Vorstellung bedeutender Forscher wie z.B. Darwin. Am Ende wird noch ein Blick auf die Technologie der Zukunft geworfen, die große Relevanz für unsere Erde haben. Abschließend gibt es noch ein Glossar, in welchem auch komplexere Begriffe wie z.B. Fotosynthese, Treibhauseffekt oder Kohlenstoffkreislauf nochmals erklärt werden.

Auch ich als Erwachsene hatte viel Freude an dieser Entdeckungsreise und ich fand es sehr hilfreich, durch das vermittelte Wissen die weiteren Fragen meiner Enkel beantworten zu können.

Eine tiptoi-Ausgabe, die in keinem Kinderzimmer-Bücherregal fehlen sollte: lehrreich, interessant, toll aufbereitet und absolut empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Spannender Einstieg in die neue North Falls-Reihe

Dunkle Sühne
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In der Kleinstadt North Falls verschwinden die Teenagergirls Madison Dalrymple und ihre beste Freundin Cheyenne Baker während des abendlichen Feuerwerks zur Feier des Independence Day am 4. Juli auf mysteriöse ...

In der Kleinstadt North Falls verschwinden die Teenagergirls Madison Dalrymple und ihre beste Freundin Cheyenne Baker während des abendlichen Feuerwerks zur Feier des Independence Day am 4. Juli auf mysteriöse Weise. Deputy Emmy Clifton und ihr Vater Gerald, der Sheriff von North Falls, folgen den Spuren und stellen schnell fest, dass die beiden Mädchen entführt wurden. Da es sich bei Madison um die Stieftochter ihrer Freundin handelt, wird dieser Fall für Emmy sehr persönlich...

Zum Buch:
"Dunkle Sühne" ist der erste Band einer neuen Reihe der Thriller-Queen Karin Slaughter. Für alle, die diese Autorin noch nicht kennen sollten, ist es also der perfekte Einstieg in eine neue, vielversprechende Serie. Karin Slaughter hat schon einige sehr erfolgreiche Thriller-Reihen geschrieben, u.a. auch die Georgia-Reihe mit Ermittler Will Trent, die sogar verfilmt wurde. Wer die Bücher der Autorin kennt, weiß, dass sie etwas Anlaufzeit brauchen, in der sie ihre Figuren, die Vorgeschichte und das Setting ausführlich beschreibt. Die Kapitel sind recht lang und die Spannung baut sich erst allmählich auf, was vielleicht etwas Geduld bei Lesern braucht, die mehr Action und Nervenkitzel suchen. Wer allerdings gerne tiefer in die Abgründe der involvierten Figuren abtaucht, ist hier genau richtig.

Persönliche Meinung:
Ohne zuviel zu verraten, geht es um Schuld, Machtmissbrauch, komplizierte Familienstrukturen und die Geheimnisse einer Kleinstadt, wo jeder denkt, man kennt seine Nachbarn und doch so manches mal eines besseren belehrt wird. North Falls steht für eine typische amerikanische Kleinstadt, wo der Sheriff der König ist und viel Macht - und meistens auch das absolute Sagen - hat. Emmy ist die Tochter des Sheriffs und ebenfalls Polizistin. Ich bin rasch warm geworden mit ihr, da sie nicht nur klug, sondern auch stark und gleichzeitig verletzlich ist. Ich war gespannt, wie sie als Tochter des mächtigen Sheriffs an diesen Fall herangeht.
Natürlich wird man auch hier wieder gekonnt in Sackgassen geleitet und bekommt die eine oder andere fette Überraschung präsentiert, so dass es trotz einiger Längen nie langweilig wird und die Spannung zum Ende hin kontinuierlich steigt.

Cover:
Das Cover passt zwar stimmig zu den anderen Thrillern von Karin Slaughter, die ebenfalls Wildtiere zeigen, allerdings erschließt sich mir in Hinblick auf die Geschichte zwischen den Buchdeckeln nicht, warum hier ein bedrohlich blickender Bär mit blutiger Schnauze gewählt wurde.

Fazit:
Ein toller neuer Serienauftakt von einer Autorin, die ihr Handwerk meisterlich versteht. Intensiv, ausführlich, tiefgründig und absolut spannend mit vielen Wendungen und Überraschungen. 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Romy Hausmann schreibt Geschichten, die weh tun

Himmelerdenblau
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"Erinnerungen sind wie Schmetterlinge -
sie fliegen fort, aber ihre Farben bleiben."

Im September 2003 verschwindet die damals 16-jährige Julie Novak spurlos. Einer Lösegeldforderung folgen keine weiteren ...

"Erinnerungen sind wie Schmetterlinge -
sie fliegen fort, aber ihre Farben bleiben."

Im September 2003 verschwindet die damals 16-jährige Julie Novak spurlos. Einer Lösegeldforderung folgen keine weiteren Kontaktaufnahmen des potentiellen Entführers. Zwanzig Jahre später ist Julie immer noch verschwunden, ihre Mutter Vera inzwischen verstorben, ihr einst als erfolgreicher Herzchirurg weltweit angesehener Vater Theo lebt inzwischen in bescheidenen Verhältnissen und kämpft zunehmend gegen Demenz. Doch eins hat er nicht aufgegeben: die Hoffnung, zumindest das Schicksal seiner Tochter Julie zu klären, bevor das Vergessen auch seine letzten Erinnerungen an sie nimmt. Längst wird der Fall bei der Polizei unter den Cold Cases geführt, doch die Podcaster Liv und Philip, die unter dem Namen TwoCrime einen erfolgreichen Podcast über ungelöste Altfälle betreiben, nehmen sich anlässlich des Jahrestags diesen Fall vor und sind fasziniert. Liv möchte Theo interviewen und stößt tatsächlich im Laufe ihrer Recherchen auf Hinweise, die darauf hindeuten, dass Julie noch leben könnte...

Zum Buch:
"Himmelerdenblau" ist der vierte Thriller von Romy Hausmann, die bereits mit ihrem Debüt "Liebes Kind" einen weltweiten Erfolg verbuchen konnte. Nicht ohne Grund, denn ihre Geschichten gehen jedes Mal unter die Haut, weil sie Figuren schafft, die einem nahe gehen und lange beschäftigen. Ihre Thriller bauen nicht auf blutrünstige Effekte, sondern auf Themen, die jeden von uns (be)treffen können und deshalb psychologisch besonders fesselnd sind. Nun also das Thema Demenz - keine leichte Kost und ehrlich gesagt, möchte man sich eigentlich gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn das Leben und die Lieben zunehmend in Vergessenheit geraten und man absolut nichts dagegen tun kann. Romy Hausmann hat ihre Figur Theo Novak für mein Empfinden absolut authentisch dargestellt, denn man fühlt mit ihm, wie die alltäglichen Dinge und Erinnerungen durcheinandergeraten und wie ihn diese Hilflosigkeit wütend macht. Manchmal hat es auch etwas tragisch-komisches, wenn dabei unpassende Worte aus ihm purzeln, die einen trotz allem schmunzeln lassen. Theo denkt und berichtet aus der Ich-Perspektive, wodurch man als Leser noch näher an ihm dran ist.
Die Geschichte wird alternierend aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Außer Theo sind da natürlich noch die Podcasterin Liv, Julie's Ex-Freund Daniel und natürlich "Lara", die irgendwo von irgendwem seit Jahren festgehalten und mit Tabletten ruhiggehalten wird. Die ganze Geschichte braucht etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen, die Spanung entsteht erst nach und nach. Doch der flüssige und bildstarke Schreibstil der Autorin macht das mehr als wett, denn sie schafft von Anfang an eine düstere Atmosphäre, in der man die Bedrohung und Gefahr spüren kann.

Persönliche Meinung:
Mich hat vor allem die Darstellung von Theo sehr berührt:
- wie ihm einfachste, alltägliche Verrichtungen immer mehr entgleiten und seine Tochter Sophie ihm durch ihre Post-it's in der Wohnung kleine Hilfestellungen gibt
- wie Vergangenheit und Heute immer mehr miteinander verschwimmen und er sich immer wieder orientieren muss
- seine ständige Suche nach Worten und Namen
- seine Hilflosigkeit und die daraus resultierende Wut, auf andere angewiesen zu sein und sich ständig bevormundet zu fühlen
- die Angst, auch seine geliebte Frau und Töchter zu vergessen
All das hat die Autorin sehr einfühlsam und überzeugend vermittelt, was der ganzen Geschichte noch viel mehr Tiefe verleiht. Auch die anderen Figuren sind glaubhaft und authentisch ausgearbeitet, so dass man gut nachvollziehen kann, was die damaligen Ereignisse rund um das Verschwinden von Julie mit der ganzen Familie gemacht hat. Was mich ebenfalls beschäftigte, war die zu Recht kritische Beschreibung von Journalisten und Podcastern, die nur auf Bekanntheit und Steigerung der Leser- bzw. Hörerzahlen aus sind und denen es egal ist, was das für die Opfer und deren Angehörige bedeutet.

Cover:
Das Cover schließt sich von der Optik mit seinem Negativbild einer vierköpfigen Familie - wie es die Novaks einst waren - an die bisher veröffentlichten Thriller an.
Durch das verwaschene Bild sind keine Gesichter mehr zu erkennen, was natürlich gut zum Thema Demenz passt, ob das nun beabsichtigt ist oder nicht.

Fazit:
'Himmelerdenblau' ein sehr intensiver Thriller, der vor allem durch die psychologischen Aspekte besticht. Es ist allein schon durch das Thema Demenz keine leichte Kost, auch was das Verschwinden eines Kindes mit einer Familie macht, ist teilweise bedrückend. Nichtsdestotrotz ein absolut fesselnder Thriller, der unter die Haut geht - und dort noch lange bleibt!

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