Emotional distanziert, holprige Übersetzung und mehr Cringe als Tiefgang
Heart StringsIch lese Romance richtig gern, um neben den anderen Werken, die mich emotional und/oder sprachlich fordern, mal so richtig abschalten zu können. Das habe ich mir auch von „Heart Strings“ erhofft, zumal ...
Ich lese Romance richtig gern, um neben den anderen Werken, die mich emotional und/oder sprachlich fordern, mal so richtig abschalten zu können. Das habe ich mir auch von „Heart Strings“ erhofft, zumal der Autorin ja scheinbar Repräsentation wichtig ist - was ich auch in diesem Genre ganz toll finde. Aber leider hatte ich schon zu Beginn große Schwierigkeiten mit dem Buch, die sich auch im weiteren Verlauf nicht gebessert haben.
Zuerst muss ich wirklich die Übersetzung kritisieren. Als Laiin möchte ich mir nicht anmaßen, da final urteilen zu wollen, aber ich fand sie so hölzern, dass ich ganz oft über den Text gestolpert bin. Es wurden unpassende, komische Worte verwendet oder Satzkonstrukte eigenartig verfasst. Mich bringt sowas leider immer komplett aus dem Lesefluss.
Die Autorin selbst hatte wirklich viele gute Ansätze, doch auch sie schafft es für mich nicht, diese angemessen zu präsentieren. Es wurde in Bezug auf Repräsentation viel gegeben - queere Identitäten, dickere Körper, Sprachfehler und schwere Erkrankungen finden hier Raum. Doch auch, wenn ich es grundlegend nicht verkehrt finde, diese ohne große Thematisierung einzubinden, weil sie eben ein ganz normaler Teil des Lebens und unserer Gesellschaft sind, war es mir hier zu oft ohne passende Platzierung. Ich hatte das Gefühl, es soll möglichst viel in dieses Buch gepackt werden, ohne wirklich darauf eingehen zu können. Zumindest die Herausforderungen einer Woman of Color in der Hauptrolle hätten mehr ins Zentrum gehoben werden sollen.
Generell waren Lo und Aidan für mich zwei sehr blasse Protas. Ich konnte weder die beiden einzeln, noch die Beziehung zwischen ihnen emotional wahrnehmen. Ihre Interaktionen wirkten plump und nüchtern, was für mich jegliche Chemie von vornherein unmöglich gemacht hat. Es gibt eine Aneinanderreihung expliziter spicy Szenen, die mich ebenso wenig erreichen konnten. Es ging alles so schnell, wirkte kaum gefühlvoll und stattdessen irgendwie einstudiert. Schade, wo doch auch hier großes Potenzial gelegen hat, Sexualität breiter zu fassen. Im weiteren Verlauf wurde es außerdem zunehmend abstrus und ich konnte diese Szenen vor lauter Cringe kaum noch lesen (und ich bin grundsätzlich Spice-Fan). Es war für mich so unsexy wie nur irgend möglich.
Und abschließend bin ich einfach müde von Drama in Romance, das lediglich daher stammt, dass die Figuren denken „Das halte ich mal lieber vor dir geheim“. Ich bin da extrem empfindlich, weil ich es zwischen Erwachsenen furchtbar paternalistisch und ehrlicherweise auch sehr unauthentisch finde. Ich verliere spätestens an diesen Stellen den Kontakt zur Geschichte, weil es mich so langweilt, wenn Spannung scheinbar nur durch fehlende Kommunikation geschaffen werden kann. Dazu kommen andere Szenen, die offensichtlich für Spannung sorgen sollten, auf mich aber furchtbar fehlplatziert und konstruiert wirkten.
Ich muss hier leider ehrlich sagen, dass ich diese Romance nicht empfehlen kann. Trotz guter Ausgangslage in Bezug auf Repräsentation und Setting wirkte nicht nur die Übersetzung, sondern irgendwie auch der Text selbst hölzern und emotional distanziert. Mir fehlte es damit an genau dem, was ich in diesem Genre suche.