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Veröffentlicht am 21.07.2021

Historischer Krimi mit Spannung

Donaumelodien - Totentaufe
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Hieronymus Holstein, der als Geisterfotograf seinen Lebensunterhalt verdient, soll die Wiener Polizei unterstützen. Ein Mörder geht um. Er tötet scheinbar wahllos Ärzte oder deren Helfer. Hieronymus soll ...

Hieronymus Holstein, der als Geisterfotograf seinen Lebensunterhalt verdient, soll die Wiener Polizei unterstützen. Ein Mörder geht um. Er tötet scheinbar wahllos Ärzte oder deren Helfer. Hieronymus soll nun dort ermitteln, wo es die Polizei nicht kann, weil sie im untersten sozialen Milieu nicht gern gesehen sind und nicht die richtigen Antworten bekommen würden. Doch der Fotograf weiß nicht, auf was er sich da eingelassen hat. Schnell geraten er und sein Freund Franz in Bedrängnis und in Lebensgefahr. Die Jagd nach dem Täter gestaltet sich schwieriger als zunächst gedacht.

Dieser historische Krimi spielt im Jahre 1876 in Wien. Er erzählt aber nicht nur von dieser Mordserie, sondern auch von den Gegebenheiten dieser Zeit. Vor allem das Leben der einfachen Leute oder jene, die am Rande der Gesellschaft leben, werden geschildert. Hieronymus Holstein ist auch nicht privilegiert, sondern muss schwer für seinen Lebensunterhalt arbeiten, genau wie sein Freund Franz, der von allen nur „buckliger Franz“ genannt wird. Diese beiden machen sich auf die Suche nach dem Mörder und hinterfragen die Taten. Mir haben sie als Ermittler-Team gut gefallen. Die Handlung war nicht zu durchsichtig und es hat Spaß gemacht, den Zweien bei der Lösung dieses Falles zuzuschauen.

Auch fand ich es interessant zu lesen, wie die Lebensumstände damals waren. Ein wenig erzählt Bastian Zach auch etwas über Geistestestkrankheiten und wie mit den Menschen verfahren wurde, die man als geisteskrank bezeichnete. Zudem hat mir die Mischung aus historischem Krimi und Roman gut gefallen.

„Totentaufe“ ist zwar schon der zweite Fall für Hieronymus Holstein und Franz, aber durchaus einzeln lesbar. Der Krimi ist in sich abgeschlossen und kleine Rückblenden sorgen für den nötigen Überblick über vergangene Taten. Sein Erzählstil ist dabei leicht und locker zu lesen. Der Autor hat einen ganz eigenen Humor, zudem lässt er auch immer wieder typisch wienerische Begriffe einfließen, die aber gleich mit einer Fußnote auf der jeweiligen Seite erklärt werden. Sie sorgen dafür, dass man sich direkt in das Wien des 19. Jahrhunderts versetzt fühlt. Ich mag es, wenn landestypische Ausdrücke verwendet werden, dadurch wirkt so eine Geschichte noch etwas authentischer für mich.

Fazit:

„Totentaufe“ ist ein gelungener historischer Krimi, der auf seine eigene Art und Weise aus dem Leben des Wiens im Jahre 1876 erzählt. Mir haben die Handlung, die Auflösung des Krimis und vor allem die Protagonisten gut gefallen. Es war spannend, nicht immer leicht zu durchschauen und gleichzeitig unterhaltend.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2021

Eine Frau geht ihren Weg

Die Arznei der Könige
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Jakoba hat sich in ihrem Leben eingerichtet, endlich hat sie in einem Kloster Frieden gefunden. Sie darf als Krankenpflegerin arbeiten und lernen. Doch dann zwingt ihr Bruder sie dazu, das Kloster zu ...



Jakoba hat sich in ihrem Leben eingerichtet, endlich hat sie in einem Kloster Frieden gefunden. Sie darf als Krankenpflegerin arbeiten und lernen. Doch dann zwingt ihr Bruder sie dazu, das Kloster zu verlassen und eine neue Ehe einzugehen. Ihr Ehemann stellt sich sehr schnell als brutaler Schläger heraus. An seiner Seite wird Jakoba kein gutes Leben führen können. Es kommt zum Schlimmsten und die junge Frau ergreift die Flucht. Allein auf sich gestellt begibt sie sich auf eine gefährliche Reise ohne Ziel. Sie trifft auf unerwartete Hilfe in Form eines Mannes und seiner Frau. Arnold ist Theriak-Krämer und seine Frau Mona unterstützt ihn. Jakoba kann die Zwei davon überzeugen, sie mitzunehmen und ihr die Kunst des Heilens und das Geheimnis des Theriaks anzuvertrauen. Ihr Weg führt sie bis nach Paris, zu noch größeren Geheimnissen und an den Königshof.

Jakoba, die Heilerin, hat tatsächlich gelebt, und zwar im 14. Jahrhundert. Auch wenn es nicht viel über diese Frau an Material zum Nachlesen gibt, war sie trotzdem weit ihrer Zeit voraus. Die Autorin Sabine Weiß hat diese historische Figur als Vorbild für ihre Jakoba verwendet. Geschickt erzählt die Autorin aus dem Leben der Frau und wie sich ihr Weg gestaltet haben könnte. Allerdings lässt Sabine Weiß Jakoba ihren Weg von Lüneburg aus antreten, das historische Vorbild stammte vermutlich aber aus Florenz (laut Wikipedia).

Auch wenn der Lebensweg, der hier beschrieben wurde, nicht unbedingt historisch korrekt war, hat mich die Geschichte trotzdem gut unterhalten. Die Autorin versteht es, eine gute Geschichte zu erzählen. Jakoba hat großes Interesse an der Heilkunst und an der Herstellung des berühmten Theriaks. Ihr Wille zu lernen, wird geschickt mit der Geschichte ihrer Flucht und ihrem Leben verwoben.

Das Schicksal dieser jungen Frau hat dann auch einiges zu bieten. Mir hat sie als Charakter gut gefallen. Sie hat immer versucht, nicht aufzugeben und ihre Ziele verfolgt. Auch wenn ihr Handeln so manches Mal etwas in den Hintergrund gerutscht ist, weil andere Charaktere der Geschichte mehr Raum gebraucht haben, blieb sie doch immer präsent.

Vor allem Arnold und seine Frau Mona nehmen einen guten Teil der Handlung ein. Mir hat dieser geheimnisvolle Krämer gut gefallen und ich hätte tatsächlich gern noch mehr von ihm und seinen geheimen Unternehmungen gelesen. Auch seine Frau fand ich gut gezeichnet. Es gab noch einige Protagonisten mehr, die mir gut gefallen haben und die diese Geschichte zu einer guten Geschichte gemacht haben.

Der leichte Erzählstil von Sabine Weiß trägt mit dazu bei, dass das Buch sich quasi von allein liest. Dabei verknüpft die Autorin geschickt historisches Hintergrundwissen mit ihrer fiktiven Geschichte. Ein Personenregister zu Beginn sorgt für den Überblick über die Protagonisten und ein Nachwort zum Schluss klärt Fiktion und Wahrheit.

Fazit:

„Die Arznei der Könige“ ist ein unterhaltsamer, fiktiver historischer Roman über das Leben im 14. Jahrhundert. Der Kampf um ein eigenständiges Leben, gerade für eine Frau wird anschaulich geschildert. Die Liebesgeschichte ist nicht zu vordergründig und doch immer gegenwärtig. Mir hat die Mischung gut gefallen. Ich hatte schöne Lesestunden.

  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 11.07.2021

Abenteuergeschichte um Ruhm und Ehre

Lionheart - Im Dienste des Löwen
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Ferdia Ò Catháin wurde in Nord-Leinster Irland geboren. Als Sohn eines Adligen wurde er als Geisel nach England gegeben. Auf Burg Striguil soll er seine Zeit abwarten und die Treue seines Vaters für Henry ...

Ferdia Ò Catháin wurde in Nord-Leinster Irland geboren. Als Sohn eines Adligen wurde er als Geisel nach England gegeben. Auf Burg Striguil soll er seine Zeit abwarten und die Treue seines Vaters für Henry II. Plantagenet von England sicherstellen. Von allen wird er ob seines schwierigen Namens nur Rufus gerufen. Das Leben auf der Burg stellt für ihn keine großen Herausforderungen dar, bis der Königssohn Richard Striguil einen Besuch abstattet. Rufus rettet ihm das Leben und wird zum Dank sein Knappe. Gemeinsam ziehen sie nun in den Krieg. Richard, um als Löwenherz berühmt zu werden und Rufus für Abenteuer und seinem Traum von Freiheit.

Ein Buch, welches von Richard Löwenherz handelt, kann ich nur schwer widerstehen. Obwohl mir der Autor Ben Kane dem Namen nach bekannt war, habe ich noch keins seiner Bücher gelesen. Ich war dann doch ziemlich gespannt, was mich erwarten würde. Ich kann direkt vorweg sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Die Geschichte beginnt mit der Geisel Rufus. Der junge Mann erzählt seinen Teil der Geschichte selbst. Mit ihm war ich dann ziemlich zügig in der Geschichte angekommen. Ferdia, der eigentlich nur noch Rufus genannt wurde, war mir schon nach wenigen Seiten sympathisch. Er erzählt davon, wie er als Geisel nach Striguil kam und wie sein Leben dort aussah. Ben Kane hat sich die Zeit genommen, dies alles ausführlich zu schildern. Mir hat das gut gefallen. Die Ängste und Sorgen, die der junge Mann durchstehen musste und die Kämpfe, die er auszutragen hatte, wurden spannend geschildert. Das erste Kennenlernen mit Richard Plantagenet und ihre Beziehung zueinander fügte sich glaubhaft in die Handlung ein. Der Autor versteht es, seine Geschichte zu erzählen und lässt dadurch Bilder lebendig werden, allerdings schildert er auch die Kampfszenen ausführlich, was dann nicht immer etwas für schwache Nerven ist. Für mich gehören sie aber zu so einem Roman dazu.

Ben Kane beginnt seine Geschichte im Jahre 1179 und erzählt sie bis zum Jahre 1189. Er schildert die Bruderkriege und den Kampf um Land und Macht. Die Familienzwistigkeiten sind genauso Bestandteil, obwohl die Ereignisse hauptsächlich aus Sicht von Rufus erzählt werden. Seine Eindrücke und Erlebnisse stehen im Fokus dieser Geschichte. In einem zweiten kleineren Handlungsstrang erzählt der Autor von William/Guillaume Marshal. Mit diesem Ritter erläutert Kane die politischen Zusammenhänge dieser Zeit. Der Ritter ist ein wenig das Bindeglied zwischen den Königssöhnen und dem König selbst. Als Leser bekommt man mit seiner Hilfe aber auch den nötigen Durchblick über die Zusammenhänge der gegnerischen Parteien.

Mir hat es großen Spaß gemacht zu lesen, was dieser junge Ire erlebte und wie er sich an der Seite von Richard Löwenherz durchgeschlagen hat. Ein Personenregister, Glossar und Nachwort runden dieses Buch ab und sorgen für den nötigen Überblick über Fiktion und Wahrheit und die Großzahl der Protagonisten.

Fazit:

„Im Dienste des Löwen“ ist ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe über Richard Löwenherz und der fiktiven irischen Geisel Rufus von Leinster. Mir hat diese Geschichte gut gefallen, und das, obwohl ich die Handlung ja eigentlich kenne, zu viele Bücher aus dieser Epoche habe ich schon gelesen und habe mich trotzdem mit dieser Geschichte sehr wohl gefühlt und mich bestens unterhalten. Ich freue mich schon darauf, wenn es bald mit Teil zwei weitergeht.

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Veröffentlicht am 08.07.2021

Oh, reiche, schöne, arme Simonetta

Bella Donna. Die Schöne von Florenz
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Cosima Bellani hat ihre besten Jahre als Kurtisane von Florenz hinter sich. Einst war sie umschwärmt von Männern und hatte gut verdient, doch jetzt ist ihre Schönheit dahin und sie auf der Suche nach ...



Cosima Bellani hat ihre besten Jahre als Kurtisane von Florenz hinter sich. Einst war sie umschwärmt von Männern und hatte gut verdient, doch jetzt ist ihre Schönheit dahin und sie auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Aber das Leben hat wohl doch noch etwas mehr für sie zu bieten, die schöne und vor allem reiche Adlige Simonetta bittet Cosima um Hilfe und Rat. Der Gedanke, mit der Schönheit der Frauen Geld zu verdienen, nimmt in Cosimas Kopf Gestalt an. Salben für die Schönheit der Haut, Lippenrot, um verführerisch zu erscheinen und Bleiweiß für den blassen Teint wollen viele Frauen in Florenz erwerben und Cosima kennt das Geheimnis ihrer Herstellung. Schon bald entsteht ein florierender Handel. Doch sie und Simonetta geraten in den Machtkampf der Medici gegen die Familie der Pazzi und ein Entrinnen scheint es nicht zu geben.

Der Roman „Bella Donna. Die schöne von Florenz“ spielt im 15. Jahrhundert in Florenz und erzählt aus dem Leben von Simonetta Vespucci, geboren unter dem Namen Cattaneo. Diese junge Frau ist historisch belegt und galt durchaus auch als die Muse des Malers Botticelli. Simonetta erlangte als schönste Frau von Florenz ihrer Zeit Berühmtheit. Ich finde, es ist der Autorin Catherine Aurel gelungen, dieser jungen Frau ein Gesicht zu geben und sie lebendig werden zu lassen. Mir hat gut gefallen, wie die Autorin aus dem Leben von Simonetta berichtet hat. Ihr streben nach Schönheit und Liebe war durchaus glaubwürdig. Dabei zeichnet Aurel doch gleichzeitig ein recht trauriges Bild dieser so jungen Frau, die auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit eigentlich keine Chance in diesem Spiel um Macht im Florenz des 15. Jahrhunderts hatte.

Mit der alternden Kurtisane Cosima Bellani ist der Autorin ein weiterer Charakter dieser Geschichte gelungen. Mir hat diese Frau gefallen, auch wenn ich sie in so mancher Szene hätte schütteln mögen. Die Angst zu verarmen und sich selbst nicht mehr ernähren zu können, hat Cosima angetrieben. Auch schildert Catherine Aurel gelungen, wie die Kurtisane sich in ihrem Herzen abschottet und niemanden an sich heranlassen will. Ihre Gefühle, ihr Handeln prägen einen Großteil dieser Geschichte.

Ein weiterer Protagonist, der mir richtig gut gefallen hat, war Sandro di Mariano Filipepi auch einfach als Botticelli bekannt. Den Maler mochte ich von der ersten Seite an. Auch wenn sein Leben in Florenz nicht so einfach war, seine hier gelesene Geschichte hat mir gut gefallen. Sicherlich ist diese Handlung der Fantasie der Autorin entsprungen, aber mir hat sie nicht nur gefallen, ich habe sie ihr auch geglaubt. Es könnte durchaus so gewesen sein. Sein Schicksal und das von Simonetta passt hier so schön zusammen.

Catherine Aurel hat eine schöne Liebesgeschichte mit historischem Hintergrund geschaffen. Den Machtkampf der Familien Medici gegen Pazzi hat sie dabei glaubhaft mit eingewoben. Die Rolle der Frauen dabei gekonnt in Szene gesetzt. Geschickt hat sie Historisches mit ihrer fiktiven Geschichte verwoben und daraus eine Handlung über Liebe und Sehnsüchte erschaffen.

Fazit:

„Bella Donna. Die schöne von Florenz“ ist eine wunderbare, traurige Liebesgeschichte. Sie erzählt von der Schönheit der Frauen, von der Macht des Geldes und der ewigen Suche nach der Liebe. Catherine Aurel erzählt von der Liebe zweier Menschen, die erst zueinanderfinden müssen, nur um dann in Trauer zu versinken. Mir hat diese Geschichte über Liebe, Vertrauen und Sehnsucht gut gefallen. Die Mischung aus historischem Roman und Liebe ist der Autorin wunderbar gelungen.

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Veröffentlicht am 04.07.2021

Das Leben zur Zeit der Nordmänner

Der Nornen Knoten
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Ylvi wird unter keinem guten Stern geboren. Sie verliert bei der Geburt ihre Mutter und auch ihr Vater wird nicht mehr lange am Leben sein. Er schafft es gerade noch, Ylvi und ihren Halbbruder einem ...



Ylvi wird unter keinem guten Stern geboren. Sie verliert bei der Geburt ihre Mutter und auch ihr Vater wird nicht mehr lange am Leben sein. Er schafft es gerade noch, Ylvi und ihren Halbbruder einem Freund anzuvertrauen, denn er weiß, seine eigene Familie wird sie nicht am Leben lassen. Aufwachsen wird das Mädchen nun bei einem Honigmacher und seiner Familie. Eigentlich ist es ein Glücksfall, denn das ältere Ehepaar liebt das Mädchen vom ersten Tag an und auch ihr Halbbruder Bjarne, der mit dem Downsyndrom zur Welt kam, findet eine neue Heimat. Zwar hat der Honigmacher bereits zwei Söhne, aber sie sehen darin keine Probleme. So kommt es, dass gerade der jüngere Sohn Tjark Ylvi seine ganze Aufmerksamkeit schenkt, während der ältere Bruder Leif sie als Bedrohung sieht. So nimmt ihr Schicksalsleben seinen Lauf. Die Kinder wachsen heran und haben einige Wege zu gehen, bevor sie ihren Platz im Leben finden. Liebe, Krieg und Arbeit bestimmt das Leben dieser Menschen im 10. Jahrhundert in Schweden.

Die Autorin Sylvia Koppermann war mir zwar unbekannt, aber ihr historischer Roman „Der Nornen Knoten“ hat mich direkt angesprochen. Es ist die Geschichte einer Familie im 10. Jahrhundert in Schweden. Sie erzählt aus dem Leben dieser Menschen ausführlich. Die Autorin hat diese Epoche lebendig werden lassen und Charaktere erschaffen, die durchaus so gelebt haben könnten. Die Protagonisten wie Ylvi, Leif, Tjark und der Honigmacher mit seiner Frau sind fiktiv, aber sie werden so lebendig geschildert, als wären sie real. Auch stimmt der historische Hintergrund. Die politischen Ereignisse der Wikinger werden nämlich genauso geschildert und damit entsteht eben ein schönes Gesamtbild dieser Epoche. Somit lernt man auch König Erik von Schweden kennen.

Die einzelnen Charaktere hat Sylvia Koppermann detailreich beschrieben und sie damit lebendig werden lassen. Mir hat gut gefallen, wie sie aus dem Leben dieser Menschen erzählt hat. Auch das hier mal ein Protagonist leben darf, der mit einer Beeinträchtigung durchs Leben gegangen ist. Es ist der Autorin wunderbar gelungen, diesen zunächst jungen Mann in ihre Geschichte einzuweben. Sein unverwechselbarer Charakter hat mich in so mancher Szene zu Tränen gerührt. Auch die Geschichte zwischen Ylvi und Tjark hat mir einiges an Herz-Schmerz abverlangt, aber ich möchte betonen, dass zu keiner Zeit die Handlung unrealistisch war, eher im Gegenteil. Sicherlich gab es auch hier Szenen, die brutal waren, aber diese Zeit des Krieges im Mittelalter war eben auch so und muss daher auch so erzählt werden. Die Autorin hat einen schönen Mittelweg gefunden, damit ihre Geschichte eine fesselnde Geschichte bleibt. Ich jedenfalls mochte diese Charaktere eigentlich gar nicht verlassen.

Neben der schönen Geschichte gibt es in diesem Roman einen umfangreichen Anhang. Es beginnt schon mit einem Personenregister am Anfang, der für den nötigen Überblick der Protagonisten sorgt. Am Ende befindet sich eine interessante Zeittafel, die das Leben der eben gelesenen Menschen noch mal Revue passieren lässt. Zusätzlich lässt Sylvia Koppermann auch noch mal die nordischen Götter auferstehen, sie erläutert sie ein wenig und zu guter Letzt klärt sie auch Fiktion und Wahrheit. Auch das Cover finde ich sehr gelungen, es hat irgendwie etwas Mystisches für mich, passt aber mit der Abbildung des Kriegerhelms, dem Knoten und der Landschaft wunderbar zur Geschichte.

Fazit:

„Der Nornen Knoten“ ist ein historischer Roman mit wundervollen Charakteren. Erzählt wird die Geschichte einer Familie im Schweden des 10. Jahrhunderts. Liebe, Leid, Krieg und Wohlstand liegen dicht beieinander und die Nornen weben den Lebensfaden. Welchen Faden werden sie zerschneiden und wer darf glücklich werden? Zu keiner Zeit war diese vorliegende Geschichte langweilig oder vorhersehbar. Die Autorin hat es geschickt verstanden, das Leben dieser Menschen zu schildern. Es hat mich direkt traurig gestimmt, diese Menschen wieder verlassen zu müssen. Ich würde sagen, die Autorin hat hier alles richtig gemacht und einen tollen Roman abgeliefert. Gerne mehr solch tolle Geschichten.

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