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Veröffentlicht am 22.04.2025

packende Kaperfahrten zur Zeit der Hanse

Die Herren der See
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Paul Beneke ist ein erfolgreicher und gleichzeitig grausamer Kaperfahrer im 15. Jahrhundert und sein Schiff „Mariendraken“ weithin bekannt und gefürchtet. Der Seekrieg zwischen der Hanse und England ...



Paul Beneke ist ein erfolgreicher und gleichzeitig grausamer Kaperfahrer im 15. Jahrhundert und sein Schiff „Mariendraken“ weithin bekannt und gefürchtet. Der Seekrieg zwischen der Hanse und England tobt sich in der Nordsee aus. Till Landers ist ein junger Kaufmann aus Wismar, der zunächst in England sein Glück versuchen wollte, doch dann sieht er sich gezwungen, andere Wege zu gehen. Er folgt dem Ruf des Seehelden und heuert auf dem „Mariendraken“ an.

Was treibt einen jungen Kaufmann dazu, sich mit einem Kaperfahrer wie Paul Beneke einzulassen? Schnell wird klar, die beiden haben mehr gemeinsam als gedacht. Beneke treibt die Verzweiflung auf See. Seine Frau starb auf grausame Weise und Paul will nur eins, nämlich Rache an dem Mann nehmen, den er dafür für verantwortlich hält.

Till Landers treibt es auf See, weil er nicht mit leeren Händen zu seiner Geliebten nach Wismar zurückkehren will. In „Die Herren der See“ erzählt der Autor Axel S. Meyer ausführlich, welche Motive die Männer antreiben und auch welche Konsequenzen es für jeden einzelnen mit sich bringt.

Die Geschichte besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil wird geschildert, wie es Till in England ergangen ist und wie er auf das Schiff von Beneke gekommen ist. Die Zeit auf der „Mariendraken“ wird anschaulich geschildert. Der zweite Teil erzählt von dem Kaufmann Bernt Pawest. Dieser soll mit der „Peter von Danzig“ in den Seekrieg eingreifen. Er ist zudem der ärgste Feind von Paul Beneke. Im dritten Teil fügen sich die Handlungsstränge dann zusammen und runden die Geschichte ab.

Mir hat dieser Roman über den Krieg zwischen England und der Hanse, der Nordeuropa um 1471 in Atem hielt, gut gefallen. Der Erzählstil von Axel S. Meyer ist leicht und locker zu lesen. Wobei die einzelnen Schlachten und Ereignisse schon detailreich erzählt werden. Die Charaktere hat er dabei aber wunderbar ausgearbeitet und die Motive der einzelnen Parteien gut hervorgehoben. Auch wenn Paul Beneke als grausam beschrieben wird, warum er so gehandelt haben könnte, wie geschildert, ist für mich durchaus nachvollziehbar.

Gut gefallen hat mir der junge Kaufmann Till Landers. Auch wenn sein Charakter rein fiktiv ist, passt er doch wunderbar zu dieser Geschichte. Pawest als Gegenpol zu Beneke fand ich ebenfalls gelungen. Die alte Fehde zwischen den beiden Protagonisten sorgt für entsprechende Spannung in der Handlung.

In seinem Nachwort klärt der Autor Fiktion und Wahrheit und wo er ein bisschen die Zeiten verändert hat. Ich habe von dem Kaperfahrer Paul Beneke vorher noch nie etwas gehört und auch nicht von Bernt Pawest. Es war interessant und spannend, von diesen historischen Männern zu lesen und etwas von ihrer Lebensgeschichte zu erfahren. Der Krieg zwischen der Hanse und England wird so ganz nebenbei anschaulich geschildert. Ich habe mich durchweg gut unterhalten gefühlt und hatte dabei lebhafte Bilder im Kopf.

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Veröffentlicht am 05.04.2025

spannender, historischer Krimi mit Handlungsort Hamburg

Der Herzschlag der Toten
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Hermann Rieker ist gerade erst zum Criminalcommissar befördert worden, als in einem Kontor die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Sie wurde brutal ermordet und Hermann soll den Fall schnell klären. ...



Hermann Rieker ist gerade erst zum Criminalcommissar befördert worden, als in einem Kontor die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Sie wurde brutal ermordet und Hermann soll den Fall schnell klären. Johanna Ahrens ist die Tochter eines Richters und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die armen Frauen im Gängeviertel Hamburgs zu unterrichten. Johanna vermisst schon seit Tagen eine ihrer Schülerinnen. Sie hört von der Toten und ist sich schnell sicher, das ist ihre vermisste junge Frau. Auf eigene Faust beginnt sie Nachforschungen anzustellen, da ihr die Polizei zu langsam vorgeht.

Zunächst wird Johanna vorgestellt. Die junge Frau lebt das Leben der Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie hat sich dem zu fügen, was über sie bestimmt wird. So hat es jedenfalls den Anschein. Doch Johanna ist eigenwillig und stur. Sie entzieht sich den Gepflogenheiten dieser Zeit und geht ihren eigenen Weg. Nicht ohne Probleme. Es wird deutlich geschildert, wie es ihr überhaupt möglich ist, ihre Schule in dem Gängeviertel Hamburgs zum Leben zu erwecken. Das klingt dann tatsächlich ziemlich abenteuerlich. Auch das Leben von Hermann Rieker wird kurz vorgestellt. Er scheint auf dem besten Weg zu sein, Karriere bei der Polizei machen zu können. Jetzt kreuzen sich die Wege dieser beiden Protagonisten.

Der Autor Ralf H. Dorweiler hat hier einen spannenden Krimi aus der Kaiserzeit vorgelegt. Im Jahre 1887 ist die Arbeit bei der Polizei noch nicht so fortschrittlich unterwegs. Dem Kommissar werden immer wieder Steine in den Weg gelegt. Er hat durchaus mit Vorurteilen zu kämpfen. Einigen Kollegen gefällt sein schneller Aufstieg nicht. Seine Untersuchungen erweisen sich dann auch schnell als nicht so einfach, wie so mancher Vorgesetzter es sich vorgestellt hat.

Mit Johanna bekommt er noch dazu einen Gegenpol gesetzt, die ihm das Leben nicht wirklich leichter macht. Die junge Frau neigt dazu, nicht immer das zu tun, was von ihr erwartet wird. Dies macht sie dafür umso sympathischer. Ich mag Johanna, auch wenn sie mir bei einigen Szenen etwas zu naiv war, aber sie hat den Willen, sich im Leben durchzusetzen. Dies hat der Autor gut in Szene gesetzt. Auch Hermann Rieker gefällt mir gut.

Der Erzählstil ist leicht und locker zu lesen, aber auch manches Mal sehr detailreich. Die Leichenfunde werden genau beschrieben. Auch die erwartete Spannung steigt von Seite zu Seite. Ich mag vor allem, dass der Krimi nicht leicht zu durchschauen ist. Auch dass man beim Lesen das Gefühl hat, direkt an den Ermittlungen teilhaben zu können, gefällt mir gut. Das Hamburg mit seinen Straßen und Gassen des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird hier lebendig geschildert. Man bekommt einen schönen Einblick in diese Zeit und vor allem in die Ermittlungsarbeiten dieser Zeit. Ich freue mich schon, wenn es mit dem zweiten Teil weitergeht.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Spannung in Paris

Die tausend Farben von Paris
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Jack bekommt die Chance in Paris Anfang der 50er-Jahre seinen Traum von der Malerei zu leben. Er hat in der US-Army gedient, und bekommt dadurch die Unterstützung die er braucht, um in Paris leben zu ...


Jack bekommt die Chance in Paris Anfang der 50er-Jahre seinen Traum von der Malerei zu leben. Er hat in der US-Army gedient, und bekommt dadurch die Unterstützung die er braucht, um in Paris leben zu können. Eines Morgens lernt er dann die Fotografin Rose kennen und verliebt sich augenblicklich. Das Leben könnte schön sein, doch dann tritt ein Mann in das Leben von Jack, mit dem er so nicht gerechnet hat. Jetzt soll er plötzlich als Spion arbeiten und in seinen Künstlerkreisen nach einem Verräter suchen.

Auf den ersten Seiten von „Die tausend Farben von Paris“ erlebt man Jack, der versucht als Maler erfolgreich zu werden. Jack verkauft zwar keine Bilder und ist immer knapp bei Kasse, dafür aber glücklich. Regelmäßig trifft er sich mit seinem Freund Frank. Frank ist ein erfolgreicher Sänger in Paris und lebt das leichte Leben. Auch die Fotografin Rose wird mit einer Leichtigkeit geschildert, dass man das Lebensgefühl Paris zu spüren scheint. Als vierte im Bunde kommt die Blumenverkäuferin Amelie dazu. Sie will einfach nur glücklich sein. Die jungen Leute wollen ihr Leben endlich wieder genießen dürfen und dies wird eben auf diesen ersten Seiten deutlich geschildert.

Doch so einfach ist die Geschichte dann doch nicht. Es wird eine Leiche aus der Seine geborgen und niemand weiß genau was passiert ist. Dieser mysteriöse Todesfall überschattet das Leben der Freunde. Plötzlich steckt Jack mitten in einer Geschichte, die mit seinen Lebensträumen so gar nichts gemeinsam hat. Er kann die Bitte seines ehemaligen Vorgesetzten Russell Thompson, ihn zu unterstützen, nicht ablehnen. Und so entwickelt sich die anfängliche Liebesgeschichte zu einem Spionage-Roman.

Der Erzählstil ist dabei angenehm zu lesen. Catherine Durand erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Mal ist man direkt mit Jack unterwegs, um dann im nächsten Kapitel schon bei Rose oder Frank zu sein. Auf diese Weise wird die Spannung gekonnt aufgebaut und dann auch bis zum Schluss gehalten. Mir hat diese Mischung aus Liebesgeschichte und Spionagekrimi gut gefallen. Ich mag die Charaktere und das lebendige Paris dieser Zeit. Ebenso hat mir gut gefallen, wie geschickt die Autorin den historischen Hintergrund hat mit einfließen lassen. In einem Nachwort wird noch Fiktion und Wahrheit erläutert. Es ist wieder mal erstaunlich, wie viel Wahrheit in einem fiktiven Roman stecken kann.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

gelungene Fortsetzung

Anisbrot in Antiochia
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Ritter Diethelm ist mit dem Kreuzritterheer unterwegs Richtung Jerusalem und will seine Pflicht erfüllen. Doch dann stirbt Kaiser Barbarossa und das Heer kommt zum Stillstand. Auch Diethelm erkrankt ...



Ritter Diethelm ist mit dem Kreuzritterheer unterwegs Richtung Jerusalem und will seine Pflicht erfüllen. Doch dann stirbt Kaiser Barbarossa und das Heer kommt zum Stillstand. Auch Diethelm erkrankt schwer. Er schickt seinen Knappen fort, damit dieser überleben kann. Als der Knappe dann endlich Alkmene und ihren Mann, den Eunuchen Pares erreicht, scheint es für Hilfe schon zu spät zu sein. Doch die Delikatessköchin und ihr Mann machen sich auf den Weg nach Antiochia, um Diethelm beizustehen.

„Anisbrot in Antiochia“ ist die Fortsetzung zu „Bittermandeln aus Byzanz“ und schließt auch unmittelbar an die Handlung des ersten Teils an. Erzählt wird aus der Zeit des Kreuzzuges um 1190. Mir hat schon der erste Band gut gefallen. Die Delikatessköchin Alkmene und ihr Mann Pares gefallen mir richtig gut. Die Beziehung, die die zwei mit dem Ritter Diethelm eingegangen sind, ist zwar ungewöhnlich, aber dadurch gerade auch wieder sehr spannend.

Jetzt geht es von Byzanz übers Meer nach Antiochia und weiter. Die Beschreibungen des Kreuzzuges und die Strapazen dieser Reise hat die Autorin geschickt wiedergegeben. Immer wieder schildert Dorothe Zürcher, wie Alkmene diverse Speisen dieser Zeit zubereitet. Von Kräutern und ihren Heilwirkungen ist die Rede. Mir gefällt das richtig gut. Man bekommt einen schönen Einblick in das Leben dieser Epoche. Gleichzeitig ist man aber auch mit dem Ritter Diethelm im Heerzug unterwegs. Auch hier wird glaubhaft geschildert, wie das Leben verlaufen ist. Die Autorin lässt ihre Protagonisten viele Höhen und Tiefen erleben. Dabei wechselt sie zwischen den einzelnen Charakteren hin und her und erhöht somit auch die Spannung.

Die einzelnen Stationen ihrer Reise von Antiochia bis Jerusalem werden ausführlich geschildert. Der Erzählstil ist dabei leicht und locker zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin. Und auch wenn es sich bei „Anisbrot in Antiochia“ um einen zweiten Teil handelt, kann man ihn problemlos einzeln lesen. Kleine Rückblenden sorgen für den nötigen Überblick aus Teil 1. Auch ist mit dem letzten Kapitel schnell klar, die Reise von Alkmene und ihrer Familie ist noch nicht vorbei. Es wird noch einen dritten Teil geben.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

guter dritter Teil

Alter Zorn
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Ida Rabe lebt in Hamburg und arbeitet bei der Schutzpolizei. Sie teilt sich ein Büro mit Heide Brasch nahe der Reeperbahn. Doch so richtig werden die Frauen bei der Polizei im Jahre 1949 noch nicht akzeptiert. ...


Ida Rabe lebt in Hamburg und arbeitet bei der Schutzpolizei. Sie teilt sich ein Büro mit Heide Brasch nahe der Reeperbahn. Doch so richtig werden die Frauen bei der Polizei im Jahre 1949 noch nicht akzeptiert. Ihr Büro liegt im Keller und ihre Aufgaben sind nicht so, wie Ida es sich wünschen würde. Doch dann wird am Strand von Övelgönne die Leiche eines Jungen gefunden. Erst vor kurzem hat Ida mit ihrer Kollegin einen Jungen halb erfroren gefunden. Handelt es sich um denselben Jungen? Ida macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Eine Spur führt sie zu einer kleinen Gemeinschaft auf der Elbinsel Waltershof. Der Wunderheiler Wilhelm Maurer führt hier eine Gruppe an und verspricht Heilung.

Bei dem Krimi „Alter Zorn“ handelt es sich um den dritten Teil einer Krimireihe aus der Feder von Lea Stein. Mir gefällt die Reihe gut. Die Autorin erzählt zum einen davon, wie schwer es gerade für die Frauen in dieser Nachkriegszeit war, überhaupt ernst genommen zu werden. Ida Rabe hat zwar eine gute Ausbildung bekommen, wird aber von den männlichen Kollegen nicht ernst genommen. Schon in der Vergangenheit hatte sie ihre Probleme damit, konnte ihre Fälle aber trotz Widerstände lösen. In dem jetzt vorliegenden Fall wird es noch einmal etwas schwerer für Ida.

Die junge Frau beschließt, sich auf dem Hof des Wunderheilers umzusehen. Um dies umsetzen zu können, muss sie auf dem Hof leben und arbeiten. Schnell wird klar, wirkliche Unterstützung bekommt Ida von den Kollegen dabei nicht. Trotz aller Gefahren macht Ida sich auf den Weg.

Es ist wirklich spannend zu lesen, wie sie versucht, die Wahrheit herauszufinden. Hilfe bekommt sie dabei nur von Heide, die aber auch ihre eigenen Sorgen hat. Die Suche nach dem verschwundenen Jungen und wie das mit dem Wunderheiler zusammenhängt, hat mir gut gefallen. Von verschwundenen Waisenkindern ist hier dann aber auch die Rede und von Misshandlungen eben an diesen Kindern, also ist die Handlung nicht immer einfach so zu lesen. Zum Teil geht die Autorin intensiv ins Detail und erzählt schockierende Zusammenhänge, schafft es aber durchaus, mit etwas helleren Szenen die Stimmung zu lockern.

Gleichzeitig wird geschildert, wie das Leben in dieser Zeit gerade für Frauen war. Auch Ida macht da keine Ausnahme. Als Gegenpol hat die Autorin Ida einen Freund an die Seite gestellt, der ihr ihre Freiheiten lässt und sie unterstützt. Es ist der Gerichtsmediziner Ares Konstantinos, der auch für die Polizei tätig ist und so seinen ganz eigenen Lebensstil entwickelt hat. Diese Beziehung scheint zwar frei von allen Zwängen zu sein, am Ende werden dann aber eben doch alle Klischees bedient. Eigentlich passt eine Beziehung sogar nicht in Idas Lebensgeschichte, auf der anderen Seite gönnt man ihr eine Liebe und etwas Glück für die Zukunft. Ich mag auch diese Liebesgeschichte am Rande der Handlung.

Überhaupt finde ich diese Krimireihe mit der jungen Ermittlerin Ida Rabe insgesamt unterhaltsam zu lesen. Der historische Hintergrund scheint gut recherchiert zu sein. In einem kleinen Nachwort erläutert Lea Stein noch Fiktion und Wahrheit. Ich bin gespannt, ob es noch weitere Fälle mit Ida Rabe geben wird.

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