Beeindruckender Roman über Südtirols Geschichte
Töchter der verlorenen HeimatEin eindrucksvoller Roman über die oft übersehene Geschichte Südtirols im Spannungsfeld zu Italien. Besonders bewegend ist die Figur Paula, Johannas Tochter, die mit bemerkenswerter Stärke und Entschlossenheit ...
Ein eindrucksvoller Roman über die oft übersehene Geschichte Südtirols im Spannungsfeld zu Italien. Besonders bewegend ist die Figur Paula, Johannas Tochter, die mit bemerkenswerter Stärke und Entschlossenheit nach der Wahrheit über ihre Familie sucht. Sie wirkt ihrer Zeit voraus und trägt den Roman durch ihre mutige Art.
Johanna selbst ist ein glaubwürdiges Abbild vieler Frauen ihrer Generation – geprägt von Schweigen, Pflichterfüllung und ertragenem Leid. Einige ihrer späteren Entwicklungen, insbesondere die abrupte Veränderung nach dem Wiedersehen mit ihrer alten Liebe, erscheinen jedoch wenig nachvollziehbar.
Der Roman zeigt sehr eindrücklich, wie Hass, Ideologien und familiärer Druck das Leben über Generationen hinweg prägen und zerstören können. Gerade in Johannas Jugend hätte man sich mehr familiären Zusammenhalt gewünscht, da nicht alle die extremen Ansichten ihres Onkels teilten, aber nur wenige den Mut hatten, sich dagegenzustellen.
Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch, und der Wechsel zwischen den 1920er- und 1960er-Jahren gelingt überzeugend. Lediglich die teils sehr ausführlichen Orts- und Kulinarikbeschreibungen bremsen das Tempo gelegentlich.
Insgesamt bleibt das Buch eine bewegende, gut erzählte und sehr lesenswerte Geschichte.