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Veröffentlicht am 22.05.2020

Spannende Zeitreise in die frühe Bronzezeit

Die Kinder von Nebra
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Nebra vor 4000 Jahren: es herrscht Frieden zwischen den einzelnen Klans der Ruotinger, der jedoch hauptsächlich durch die tyrannische Herrschaft von Fürst Orkon aufrechterhalten wird. Der Unmut unter den ...

Nebra vor 4000 Jahren: es herrscht Frieden zwischen den einzelnen Klans der Ruotinger, der jedoch hauptsächlich durch die tyrannische Herrschaft von Fürst Orkon aufrechterhalten wird. Der Unmut unter den Menschen wird jedoch immer größer, vor allem seit Orkons Sohn Arrak durch seine Unbeherrschtheit und Grausamkeit immer mehr den Frieden gefährdet. Die junge Priesterin Rana begehrt gegen die Tyrannen auf und will mit Hilfe der Himmelsscheibe, die ihr Vater Utrik angefertigt hat, der Herrschaft des Totengottes Hador entgegentreten und sie durch die Liebe und das Licht ihrer eigenen Göttin Destarte ersetzen.

Die Himmelsscheibe von Nebra: sehr gut kann ich mich noch daran erinnern, als damals kurz nach der Jahrtausendwende der Sensationsfund aufgetaucht ist. Die Entwicklungen bzw. Ergebnisse der neuesten Forschungen zu der Scheibe habe ich allerdings etwas aus den Augen verloren, umso mehr war ich gespannt auf diesen neuen historischen Roman des Autors, wie er die Zeit, über die ich so gut wie nichts weiß, auferstehen lässt.

Der Autor entführt die Leser in die frühe Bronzezeit, in eine Zeit, in der noch der Glaube an viele Götter lebendig war. Und in der man in der Lage war, so ein Kunstwerk wie die Himmelsscheibe anzufertigen. Was die Scheibe konkret darstellt, darüber gibt es mehrere Theorien, im Roman wird die Theorie aufgegriffen, dass Utrik, der Bronzeschmid und Ranas Vater, darin Wissen verewigt hat, dass er von seinen fernen Reisen aus dem Nahen Osten mitgebracht hat.

Die junge Rana soll in die Fußstapfen ihrer Mutter Herdis treten und deren Nachfolge als Priesterin der Göttin Destarte antreten. Rana ist jedoch verunsichert, ob dies der richtige Weg für sie ist, da sie sich nicht zutraut, eine adäquate Nachfolgerin ihrer hoch geschätzten Mutter zu sein. Nach einer Begegnung mit Arrak ist ihr Weg jedoch so gut wie festgelegt und zunehmender Unmut über die Willkür und Tyrannei von Orkon und seinem Sohn sowie die Ablehnung der Verehrung von Hador sorgen dafür, dass sich in ihr immer mehr Widerstand regt. Viele Menschen sind bereit, ihr zu folgen, aber es gibt auch einige, die ihr nahe stehen, die vor einem erneuten Krieg zurückschrecken.

Rana ist sich jedoch der Bedeutung und Symbolik der Himmelsscheibe bewusst und möchte diese für sich und den Widerstand nutzen, jedoch sind ihre Eltern strikt dagegen. Gleichzeitig spitzt sich die Situation durch Arraks Verhalten jedoch immer weiter zu.

Rana ist jung und mutig – und wie viele junge und mutige Menschen möchte sie etwas verändern. Was mir aber auch sehr gut gefallen hat, war ihre Offenheit und Neugier den Alben gegenüber, den Steinzeitmenschen, die sich in gut versteckten Enklaven zurückgezogen haben.

Ulf Schiewe lässt die damalige Zeit mit seinem spannenden Roman aufleben und zeichnet damit eine Möglichkeit, wie die Menschen damals gelebt und welche Bedeutung die Himmelsscheibe für sie gehabt haben könnte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2019

Wenn die Gefahr aus dem Abgrund kommt …

Am Abgrund der Unendlichkeit
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Der Abgrund – eine Leere zwischen den Sternen, die jenseits des galaktischen Domenaions liegt und seit jeher die Phantasie der Bewohner der Domänen anregt. Die Spiritisten fürchten eine in ihr lauernde ...

Der Abgrund – eine Leere zwischen den Sternen, die jenseits des galaktischen Domenaions liegt und seit jeher die Phantasie der Bewohner der Domänen anregt. Die Spiritisten fürchten eine in ihr lauernde Gefahr, während die Wissenschaftler davon ausgehen, dass sich in der Leere nichts befindet. Dennoch gibt es eine Forschungsstation am Außenrand, die den Abgrund im Auge behält.
Nie kam es zu irgendwelchen Zwischenfällen aus der Leere, aber plötzlich scheint sich eine gigantische Masse aus der Leere zu erheben.

Alleine schon der Gedanke eines Abgrunds, einer Leere, von der niemand weiß, was sie beinhaltet oder woher sie kommt, ist faszinierend genug, aber wenn dann noch eine riesige Macht aus ihr entsteigt, die mit scheinbar wenigem Aufwand ganze Planeten auslöschen kann, wird es richtig spannend. Wie kann man so einer Gefahr begegnen? Kann der Orden der Luminatoren, deren Aufgabe es ist, die Bewohner des Domenaions vor dem Abgrund zu schützen, seine Aufgabe erfüllen?

Der Orden schickt sein Flaggschiff, die Lichtbringer, zur Aufklärung der Gefahr aus dem Abgrund entgegen. Deren Admiral Corn „Eisenhand“ will das Problem mit Waffengewalt lösen. Gleichzeitig stößt der Raumretter Leitstern mit seinem Kapitän Bendis Kahain bei der Bergung eines Wracks auf Spuren der fremden Angreifer. Im Gegensatz zu Corn verfolgt Kahain eine andere Möglichkeit, um sich der Angreifer zu erwehren.

Was mir in dem Roman sehr gut gefällt, ist die Vielfalt an Lebensformen, die die Handlung bereichern. Auch die Mannschaft um Bendis Kahain setzt sich aus den verschiedensten Spezies zusammen, wobei man sagen muss, dass sich der Titel Raumretter zwar edel anhört, aber das eine oder andere Mannschaftsmitglied auch ganz gerne Wertgegenstände von den Wracks mitgehen lässt, um den kargen Lohn etwas aufzubessern. Nicht alle in seiner Mannschaft finden es gut, wenn Kahain in diesem Fall beide Augen zudrückt. Aber ihr Hauptziel, Leben zu retten, nehmen sie dennoch sehr ernst.

Ich fand es sehr spannend, wie Kahain eher zufällig auf eine alternative Spur zu der geheimnisvollen Macht aus dem Abgrund stößt und sämtlichen Befehlen zum Trotz diese verfolgt, als ihm klar wird, dass Millionen von Leben auf dem Spiel stehen. Das, was er und der Leser dabei über die Angreifer aus der Leere erfahren, ist mehr als überraschend. Und es zeigt, dass die Entscheidungen, die man wegen der Angreifer treffen will, gut überlegt sein müssen, denn nichts ist so, wie es scheint.

Die Art der Angreifer und ihre Bekämpfung führt in ein Dilemma, das beinahe nicht zu lösen ist, entsprechend zwiegespalten lässt einen auch das Ende des Romans zurück. Zwiegespalten in dem Sinne, dass man noch einige Zeit darüber nachdenkt, welche Konsequenzen andere Lösungen gehabt hätten. Dadurch wirkt der Roman noch länger nach, was ich sehr gut finde.

Faszinierende und interessante Lebewesen, eine spannende und packende Handlung sowie vielschichtige Charaktere haben mir viele schöne Lesestunden beschert.


Veröffentlicht am 28.11.2019

Spannender Abschluss der Krimireihe um Eddie und Zombie

Jenseits von tot
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Inzwischen lebt Eddie Beelitz seit ein paar Monaten mit ihrem Freund Jo Rheinhart, genannt Zombie, zusammen – das Zusammenleben tut vor allem Jo gut, der dadurch seine unterschwelligen Aggressionen und ...

Inzwischen lebt Eddie Beelitz seit ein paar Monaten mit ihrem Freund Jo Rheinhart, genannt Zombie, zusammen – das Zusammenleben tut vor allem Jo gut, der dadurch seine unterschwelligen Aggressionen und Depressionen immer besser in den Griff bekommt. Beruflich läuft es für Eddie jedoch immer noch etwas holprig, da ihr Kollege Adrian keine Möglichkeit auslässt, um Eddie wegen ihrer Teilzeitregelung zu mobben.

Als in einem alten Zechengelände eine weibliche Leiche gefunden wird, besteht die Staatsanwältin Dr. Röhmer jedoch ausdrücklich darauf, dass Eddie elementarer Bestandteil des Ermittlungsteams wird. Durch die Ermittlungen trifft aber auch Zombie auf einen alten Feind und sein dunkelstes Geheimnis droht ihn einzuholen.

Die Reihe um Eddie und Zombie umfasst drei Bände – und in dem Abschlussband befinden wir uns jetzt; wie also wird die Geschichte enden? Mit einem Happy End oder einer Katastrophe, denn Zombie geht zum einen keiner Konfrontation aus dem Weg, schon gar nicht, wenn Eddie dabei bedroht wird. Zudem schwebt das Aneurysma in seinem Kopf wie ein Damoklesschwert über Zombie, das zu platzen droht, sollte er einen entsprechenden Schlaf auf den Kopf bekommen.

Es bleibt also spannend, aber auch die Ermittlungen in dem Fall der toten Frau sind wieder sehr interessant. Diesmal führt die Autorin die Ermittler zu einer privaten Intensivpflege-Wohngemeinschaft, bei deren Zuständen mir als Leser ganz anders wurde. Und wieder mal kann Eddies Ermittlerinstinkt zeigen, was er wert ist. Wer mir nach wie vor gut gefallen hat, ist die Staatsanwältin, die genau mitbekommt, was in Eddies Abteilung abläuft und ihr den Rücken stärkt, aber auch klare Worte ihr gegenüber findet, als es für Eddie nicht so gut läuft.

Der dritte Teil um Eddie und Jo konnte mich wieder voll überzeugen, vor allem mit seinem ziemlich überraschenden Ende. Aber dennoch bin ich auch etwas traurig, dass diese Reihe nun zu Ende ist. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass sich Lucie Flebbe wieder neue tolle Charaktere und spannende Krimihandlungen einfallen lassen wird.

Veröffentlicht am 28.11.2019

Zweiter Teil um das geheimnisvolles Buch in Pirna

Die Handschrift des Teufels
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Endlich ist der langersehnte zweite Teil um Sophia aus Pirna und ihr geheimnisvolles Buch erschienen, und es geht genauso spannend weiter wie in „Die Fallstricke des Teufels“. Durch die Heirat mit dem ...

Endlich ist der langersehnte zweite Teil um Sophia aus Pirna und ihr geheimnisvolles Buch erschienen, und es geht genauso spannend weiter wie in „Die Fallstricke des Teufels“. Durch die Heirat mit dem Magister und guten Freund Heinrich Fuchs konnte die schwangere Sophia der Ehe mit dem undurchsichtigen Stadtschreiber Wolf Schumann entgehen, zumal Sophia nicht ahnt, welche Rolle Schumann bei ihrem bisher größten Schicksalsschlag spielt.

Heinrich Fuchs erweist sich auch weiterhin als guter Freund, der trotz der Ehe keinerlei Forderungen an seine Frau stellt, da er weiß, dass ihre Liebe dem toten Nikolas gehört. Aber der Alltag und die gemeinsame Suche nach der Wahrheit in dem Buch, welches Sophia seinerzeit im Kontor ihres Vaters gefunden hatte, schweißt die beiden immer mehr zusammen.

Wolf Schumann will ebenfalls den Inhalt des Buches entschlüsseln und für seine eigenen Zwecke nutzen – und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Ich hoffe sehr, dass seine Intrigen ihn spätestens im dritten Band einholen werden.

Die Suche nach dem Code, mit dem man die fremdartigen Schriftzeichen des Buches entschlüsseln kann, erweist sich als schwierig und hält die eine oder andere spannende Überraschung bereit.

Eine weitere dramatische Wendung erfährt der Roman, als Sophias beste Freundin Maria unter Mordanklage gerät und die beiden Frauen ausgerechnet von einen Ereignis aus dem ersten Band eingeholt werden.

Gleichzeitig kämpft ein junger Mann namens Moses in einer Flößersiedlung im Elbsandsteingebirge um die Erinnerungen an sein früheres Leben, bevor er von den Flößern aus dem Fluss gezogen und vor dem Ertrinken gerettet wurde.

Man sieht, auch der zweite Teil kann mit einer spannenden Handlung und überraschenden Wendungen aufwarten. Dabei entwickelt sich das Ende völlig anders, als ich es erwartet hatte – wobei ich gestehen muss, ich hatte eigentlich gar keine konkrete Vorstellung einer Lösung für das Dilemma, in das Sophia unwissentlich immer mehr gerät. Umso gespannter bin ich jetzt, was uns im dritten Band erwarten und wie die Trilogie enden wird.

Wieder sehr gut gefallen haben mir die vielen kleinen und größeren historischen Details, mit denen die Autorin ihre Erzählung bereichert und die die Geschichte erst so richtig runden werden lassen. Und auch die liebevoll gezeichneten Charaktere konnten mich wieder überzeugen, mit ihren Stärken und Schwächen.

Veröffentlicht am 28.11.2019

Als wir zu träumen wagten …

Die Hafenschwester (1)
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Hamburg 1892: die Stadt wird von der furchtbaren Cholera heimgesucht, der tausende Menschen zum Opfer fallen. So auch die Mutter von Martha, deren Tod die Familie an den Rand des Zusammenbruchs bringt. ...

Hamburg 1892: die Stadt wird von der furchtbaren Cholera heimgesucht, der tausende Menschen zum Opfer fallen. So auch die Mutter von Martha, deren Tod die Familie an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Es liegt nun an der jungen Frau, für ihre Familie zu sorgen und ihr das Überleben zu sichern. Obwohl Martha aus dem armen Gängeviertel stammt, gelingt es ihr, eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus zu bekommen, um zur Krankenschwester ausgebildet zu werden. Jedoch ist ihre Arbeit mit einer Anzahl von Einschränkungen für sie als Frau verbunden. Als Martha mit der Sozialdemokratie in Kontakt kommt, lernt sie weitere Frauen kennen, die bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen.

Mit dem vorliegenden Roman, der den Auftakt zu einer Serie um Martha und ihre Familie bildet, entführt Melanie Metzenthin die Leser in das Hamburg im ausgehenden 19. Jahrhundert, mitten in die damals fürchterlich wütende Cholera-Epidemie, die gerade in der Elbemetropole aufgrund schlechter Öffentlichkeitsarbeit zu hohen Verlusten an Menschenleben geführt hat. Vielen Familien werden geliebte Menschen entrissen – so auch in Marthas Familie. Ein Schicksalsschlag, der ihren Vater völlig aus der Bahn wirft: er sucht Trost im Alkohol und es bleibt an Martha hängen, für das Überleben ihrer Familie zu sorgen. Keine leichte Aufgabe, wenn man aus den untersten Schichten stammt, die für eine Lehrstelle sogar noch zahlen müssen.

Aber Martha hat eine rasche Auffassungsgabe und dank ihres erwachten Interesses an der Medizin findet sie neue Bekannte, die ihr unerwartete Möglichkeiten bieten. Martha ist eine Kämpferin, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt – das hat mir sehr gut gefallen. Aber das eine oder andere Mal macht sie auch einen Fehler, der durchaus wieder auf sie zurückfällt.

Besonders gut hat mir gefallen, dass Martha es sich nicht nehmen lässt, zu ihrer besten Freundin Milli zu stehen, die aufgrund ihrer schrecklichen familiären Situation in die Prostitution geraten ist. Zur damaligen Zeit hatte man sich als „anständiges Mädchen“ von Frauen wie Milli fernzuhalten. Umso offener ist Martha für die Ziele der Sozialdemokratie, die für die Rechte der Frauen und auch die der Prostituierten einsteht. Besonders beeindruckt hat mich die historische Figur der Lida Gustava Heymann, die mir bis zu diesem Buch unbekannt war. Ich bin froh, diese engagierte und mutige Frau durch die Autorin kennengelernt zu haben.

Wie schon in den anderen Büchern der Autorin gelingt es ihr wieder sehr gut, die damalige Zeit bei dem Leser aufleben zu lassen. Man ist oftmals schockiert über die damaligen Zustände, nicht nur in Bezug auf die Hygiene in der Krankenpflege; dadurch wird Marthas Kampf um ein besseres Leben für sich und ihre Familie sowie für die anderen Frauen umso eindrücklicher.

Sehr gut haben mir auch die Charaktere gefallen, die oftmals eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht haben und mich mit ihrem Handeln einige Male überraschen konnten.

Für mich ist dieser erste Band ein sehr gelungener Auftakt zu der neuen Serie und ich bin gespannt, wie es mit Martha, ihrer Familie und ihren Freunden weitergehen wird.