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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2025

Eine äußerst skurrile Hochzeitswoche

Wedding People (deutsche Ausgabe)
5

Phoebe ist an all ihren Lebensträumen gescheitert: als Professorin, bei der Familiengründung und in ihrer Ehe. Sie ist an einem Punkt angelangt, an dem ihr alles egal ist und so beschließt sie, sich zumindest ...

Phoebe ist an all ihren Lebensträumen gescheitert: als Professorin, bei der Familiengründung und in ihrer Ehe. Sie ist an einem Punkt angelangt, an dem ihr alles egal ist und so beschließt sie, sich zumindest mit einem glamörousen Abschluss von der Welt zu verabschieden.
Ihr Vorhaben durchkreuzt die Pläne der superreichen jungen Lila, die ein Vermögen dafür ausgegeben hat, die perfekte Hochzeit zu feiern. Das gesamte Cornwall-Inn ist für eine ganze Woche ausschließlich für ihre Gäste reserviert - mit Ausnahme von Phoebe.

Alison Espach gelingt es, mit "Wedding People" eine einzige Hochzeitswoche über einen gesamten Roman auszudehnen, ohne dass einem beim Lesen langweilig wird.
Immer wieder wundert man sich: Geht es noch schräger? Die Antwort ist jedes mal: Ja.

Die Autorin inszeniert eine wachsende Absurdität, ohne den Bogen zu überspannen. Ich hege außerdem großen Respekt vor der Übersetzerin, denn das bei einer solchen Gratwanderung nicht der Witz verloren geht, erfordert für beide Seiten Talent mit Scharfsinn.
Der Fokus liegt nicht auf der - oft recht vorhersehbaren - Handlung, sondern auf den zwischenmenschlichen Dynamiken der Chataktere. Es entsteht viel mehr eine skurrile Psychoanalyse, triefend vor Komik und Fremdscham. Gleichzeitig berührt Phoebes Reise zu sich selbst und ihre Ehrlichkeit färbt charmevoll auf ihr Umfeld ab.

Trotz schwerer Themen bleibt es bei leichter Kost. Eben deshalb würde ich den Roman als romantische Unterhaltung verbuchen, zwar mit etwas Tiefsinn, aber nicht genug, um als Repräsentation für Depressionen zu dienen. Suizidalität wird in diesem Roman nicht in seiner Ernsthaftigkeit behandelt, sondern als Mittel genutzt, um eine außergewöhnliche, wie komische Ausgangsszenerie zu erschaffen. Das sollte Leser:innen bewusst sein. Ein Hinweis dazu seitens der Autorin oder des Verlages wäre meines Erachtens nach angebracht, da mit der Komödie auch eine Verharmlosung harter Lebensrealitäten einhergeht und ohne eine solche Einordnung stigmatisierend ist.

Als weitere Kritik sehe ich, dass zum Ende hin die entstandene Freundschaft zwischen Phoebe und der Lila noch mehr hervorgehoben hätte können, da sie sonst, wie auch die Charakterentwicklungen beider Protagonistinnen ein bisschen an Bedeutung verlieren.
Das Coverdesign gefällt mir sehr gut, nur dass die Rückseite einen anderen Hintergrund hat, empfinde ich als störend.

Ein wenig erinnert hat mich der besondere Erzählstil an die Serie "White Lotus" oder den Klassiker "Sterben für Anfänger". Diese Art von Humor, zwischen unangenehm und grandios, ist selten vorzufinden und ich habe das Lesen herrlich genossen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 03.06.2025

Mord im britischen Wohnkomplex

Marchfield Square
5

So wie Marchfield Square das Debüt der Autorin war, war dieses Buch auch mein erster cozy Crime. Das Genre gefällt mir sehr gut. Mehr Mystery als Gewalt und man konnte richtig gut mit knobeln. Ich habe ...

So wie Marchfield Square das Debüt der Autorin war, war dieses Buch auch mein erster cozy Crime. Das Genre gefällt mir sehr gut. Mehr Mystery als Gewalt und man konnte richtig gut mit knobeln. Ich habe während des Lesens wild spekuliert und es gab etliche falsche Fährten. Auch mochte ich die Protagonist*innen Audrey und Lewis sehr gerne. Beide sind sehr verschieden, ergeben zusammen aber eine harmonische Symbiose. Es gibt ein sehr subtiles Annähern der beiden, ohne dass eine Romanze entsteht. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es eine in einem 2. Teil geben könnte.
Audrey ist sehr warmherzig und offen, kennt alle Mitbewohner:innen und arbeitet als Putzfrau, während Lewis sehr introvertiert und antisozial ist, das Klischee eines depressiven zurückgezogen lebenden Autors, der seit Langem kein neues Buch zu Stande bringt. Außerdem vermute ich sehr stark auch autistisch ist und habe mich über die Repräsentation gefreut, auch wenn viele Lesenden ihn (leider) als unsympathisch empfunden haben.
(Er analysiert emotionale Reaktionen bei anderen, kann sie meistens jedoch nicht nachvollziehen und sagt oft das "Falsche" ohne zu wissen, warum. Auch ahmt er Audreys Stimmenlage nach, nachdem er beobachtet hat, dass sie beruhigend und tröstend auf andere wirkt. Dabei fühlt es sich für ihn nicht intuitiv an, viel mehr passt er sich an, um nicht anzuecken und guckt sich ab, was bei anderen in ähnlichen Situationen funktioniert hat.)

Am Ende waren mir ein paar Vermutungen etwas zu leicht und dann war es ein Bestätigen der Erwartungen, aber bis zuletzt gab es auch kleine Überraschungen und ich habe nicht alles vorhersehen können.
Insgesamt gab es doch viele unerwartete Wendungen. Ein paar Mieter:innen (2 Parteien) wurden fast gar nicht erwähnt, das fand ich schade. Celeste van Duren und Dixon hätten gern noch öfter vorkommen können. Manchmal wurde mir zu viel im Dialog verraten, die Autorin könnte etwas mehr zeigen, gerade da sie als der dritten Person schreibt und verschiedene Perspektiven einnimmt. Der Humor war subtil, aber ließ mich oft schmunzeln!

Die Übersicht vom Gebäudekomplex mit Namen fand ich sehr hilfreich. Ein Hinweis auf die Karte wäre gut, ich habe sie nämlich erst übersehen. Noch ein kleines Manko: im Vergleich zur englischen Ausgabe fehlen der Hausmeister und Schuppen, was ich aber sehr sinnvoll fänd.
Dafür ist das Cover sehr gelungen!
Den Farbschnitt fand ich optisch eher nervig, die Farbe ist nach Benutzung oder wenn die Seiten nicht perfekt aufeinander liegen nicht ebenmäßig verteilt und ich fänd das Buch ohne wohl schöner. Hervorheben möchte ich jedoch die Haptik, der Umschlag lag sehr geschmeidig in der Hand und es gab beim Lesen keine Leserillen!

Insgesamt eine klare Weiterempfehlung von mir, ich habe Lust bekommen wieder mehr Krimis zu lesen und noch mehr Richtung cozy Crime & Mystery auszuprobieren :)

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  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 05.05.2025

von der Trauer in die Lebensfreude und Liebe

Passion Project
0

"Passion Project" ist ein gelungener Debütroman von London Sperry, der die Leserschaft in die Überforderung einer trauernden Mitte Zwanzigjährigen wirft und trotz der Schwere des Themas gleichzeitig mit ...

"Passion Project" ist ein gelungener Debütroman von London Sperry, der die Leserschaft in die Überforderung einer trauernden Mitte Zwanzigjährigen wirft und trotz der Schwere des Themas gleichzeitig mit Leichtigkeit und Charme glänzen kann.

Bennet, depressiv, wohnt in einer WG und lernt nach einem verpatzten Date-Desaster den Typen kennen, den sie aus Panik geghostet hat. Statt sich weiter zu verkriechen, lässt sie sich auf Henrys Angebot ein: er möchte sie kennenlernen - als ein Freund - und ihr helfen, eine Passion zu finden. Auf der Suche danach und viele kuriose gemeinsam ausprobierte Aktivitäten später, findet Bennet wieder zu sich selbst, ihrer Freude am Leben und eine neue Liebe.

Für mich war es ein amüsantes, unterhaltsames und rührendes Leseerlebnis. Die Depression und Auf und Abs in einem Trauer- und Genesungsprozess sind sehr realistisch beschrieben. Dennoch gelingt es der Autorin, dass die Verbindung zwischen Bennet und Henry nicht vor Schwere trieft, sondern sich herzerwärmend anfühlt. Hin und wieder musste ich schmunzeln, weil die beiden einen fabelhaften Humor pflegen.

Die Charaktere sind bis auf Sarah gut geschrieben, manchmal ist Henry in meinen Augen sogar "zu nett" und Bennets Verhalten zurecht daneben. Die Konflikte sind mir teils zu aufgebauscht, werden aber reflektiert und gelöst. Am Ende war es etwas spicy und klischeehaft romantisch - das tat der Handlung keinen Abbruch, aber war mir 'ne Schippe zu doll. Alles in allem überwog die tolle Chemie zwischen den Charakteren und der wunderbare Umgang mit mentaler Gesundheit. Selten habe ich so eine gute Umsetzung dessen gelesen; sanft, aber ehrlich und nicht das kleinste Bisschen beschönigend. Auch zeigt Sperry sehr klar: um zu heilen und wachsen, muss man sich auch trauen.

Anmerkung zum Klappentext auf der Cover-Rückseite: Leider geht nicht klar hervor, dass es sich bei dem schief gelaufenen Date um Henry handelt. Auch werden die Themen Trauer nach einem Tod, Verlust und Depression nicht erwähnt, obwohl der Inhalt der Geschichte darauf aufbaut.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 01.04.2025

Historisches England mit magischen Elementen

A Fragile Enchantment
4

„Sie schloss die Augen und ging in sich. Ihre Magie schlummerte, doch als sie sie rief, richtete sie sich auf wie ein treuer Jagdhund und wandte sich ihr zu. Erinnerungen stiegen in ihr auf. Eine kühle ...

„Sie schloss die Augen und ging in sich. Ihre Magie schlummerte, doch als sie sie rief, richtete sie sich auf wie ein treuer Jagdhund und wandte sich ihr zu. Erinnerungen stiegen in ihr auf. Eine kühle Hand an ihrer fiebrigen Stirn. Eine Tasse Tee am Ende eines langen Tages. Die Wärme ihrer Decke an einem kalten Wintermorgen. Die Umarmung einer Freundin nach einer schweren Enttäuschung.“

In ihrem neuen Roman „A Fragile Enchantment“ verwebt New York Times-Bestseller-Autorin Allison Saft (bekannt durch „A Dark and Drowning Tide“, „A Far Wilder Magic“) den Charme der Regency Ära mit Romantic Fantasy.
Niamh Ó Conchobhair aus Caterlow, Iverland verfügt über eine besondere Gabe: Sie kann ihre Emotionen und Erinnerungen in Kleider sticken. Als sie ins benachbarte Avaland segelt, glaubt sie der Chance ihres Lebens zu folgen. Ihre Magie wird für die königliche Hochzeit zwischen dem avlischen Prinz Christopher Carmine, Herzog von Clearwater und der Infantin Rosa de Todos los Santos de Carillo aus Kastilien gefragt! In der Hoffnung sich einen guten Ruf als Schneiderin zu machen und genug Geld zu verdienen, um sich um ihre Mutter und Großmutter zu sorgen, begibt sie sich ins Reich der Ausbeuter ihrer Heimat. Doch das Leben bei Hofe ist nicht so bezaubernd wie sie es sich ausgemalt hatte. Kit, unausstehlich und manierlos, scheint nur äußerlich prinzenhaft und interessiert sich nicht für ihre Arbeit. Noch dazu sind die politischen Anspannungen im Land spürbar. Zudem liebt der Adel Skandale – und so dauert es nicht lang, bis „Lovelace“ auch von ihr und dem verlobten Prinzen in der Klatschpresse berichtet…

„Sie hatte zwei Möglichkeiten. Sie konnte den vernünftigen Weg gehen, es beenden, bevor es sie umbrachte, und den Abschied nicht noch schwerer machen. Oder sie konnte den egoistischen, törichten Weg nehmen und verbrennen.“

Persönlicher Leseeindruck

Das Setting und die Art der Magie machen einen märchenhaften Eindruck und haben mich sofort abgeholt. Der Erzählstil ist darauf und an das angelehnte historische Zeitalter angepasst, ich bin jedoch nicht ganz mit diesem warm geworden. Zwar gab es viele Ausdrücke, die mir zugesagt haben („so farb- und glanzlos wie Schnee“), gerade in romantischen Szenen war es mir jedoch zu umgangssprachlich oder dick aufgetragen, dass mich die gezielten Emotionen nicht ganz erreichten. Das führte leider zu einem holprigen Leseerlebnis: Mal war ich in der Story und habe mitgefiebert, dann lag mein Augenmerk wieder auf der nicht befriedigenden Umsetzung. Für meinen Geschmack war die metaphorische Sprache in den Szenen dennoch manchmal etwas zu kitschig. Die Beschreibungen von Niamhs Arbeit haben mir dafür umso mehr gefallen, zumal ich mich sowieso für Mode und Nähen interessiere. Da dies mein erstes Buch der Autorin ist, würde ich wohl noch einem Roman von ihr eine Chance geben, aber eher zur Originalsprache greifen.
Als Protagonisten haben wir die träumerische, verpeilte Niamh, die sich stets mühsam abarbeitet bis ihre Finger wund sind. Es fällt nicht schwer, sie und ihre naive Art ins Herz zu schließen, zumal sie dieses auf der Zunge trägt. Als Love Interest wird uns das komplette Gegenteil präsentiert: Kit, mürrisch, kühl, herablassend und überhaupt nicht so, wie man es von einem Märchenprinzen erwartet. Natürlich taut auch dieser langsam durch Niamhs Wärme auf und wir lernen den weichen Kern hinter der harten Fassade kennen. Auch mit den Nebencharakteren sympathisiert es sich leicht: So pflegt Sinclair einen lockeren, neckischen Umgang mit Kit und als Niamh zur Infantin beordert wird, entschuldigt sich die Zofe Miriam für Rosas Witz, dass es sich bei dem Besuch hoffentlich um einen Meuchelmörder handle.
Generell habe ich beim Lesen leider immer wieder das Gefühl gehabt, die Handlung sei noch nicht vollends ausgereift, obwohl viel Potenzial vorhanden war. Ich hätte mir zum Beispiel mehr Hintergründe zur Magie gewünscht. So werden Götter und die ehemalige Existenz von Feenwesen am Rande erwähnt, wir erfahren aber keine Details. Es werden zwar Beispiele von anderer Magie (z.B. Einfluss auf Pflanzen, Wetter) genannt, außerhalb der Hauptcharaktere bekommen wir diese aber kaum zu Gesicht. Sie ist zwar da, aber wie sie sich im Alltag bemerkbar macht, erleben wir nicht. So verhält es sich auch mit den Figuren. Sofia bleibt bis zum Ende mysteriös, obwohl sie eine spannende Herkunft zu haben scheint. Erin lernen wir außerhalb ihrer wenigen Briefe nie kennen, obwohl sie Niamhs einzige gleichaltrige Freundin in Iverland und erster Kuss war. Überhaupt erfüllt Erin kaum einen Zweck in der Geschichte, dass man sie als Charakter auch hätte streichen können. Niamhs Bisexualität wird überhaupt keine Bedeutung beigemessen, sodass sich die Geschichte wie eine reine Hetero-Romanze liest. Auch von Sinclairs Queerness erfahren wir zwar, aber wir „fühlen“ sie nicht.
Die Kritik am Plot geht leider noch weiter. Die Enthüllung von „Lovelace“ fand ich persönlich etwas zu vorhersehbar, aber das mag bei jüngerer Audience auch anders ausfallen. Problematisch fand ich besonders die Auflösung der Probleme am Ende.

[ACHTUNG SPOILER] Die Heilung von Niamhs Krankheit und Bemühungen darum (z.B. durch Miriam) bleiben ungeklärt. Jack und das Volk hätten etwas mehr Widerstand gegenüber der skandalösen Hochzeit zwischen Niamh und Kit vertragen. Es hätte einen Einblick in das Gespräch zwischen Jack und Helen Carlile oder die Ergebnisse ihrer Verhandlungen geben können. Wie werden die Geldprobleme gelöst, einzig durch die ertragreichere Ernte? Werden iverische Arbeitskräfte anders entlohnt? Auch zu Rosas Coming-Out gegenüber ihrem Vater, der Beziehung zwischen ihr und Miriam oder der Beziehung Kastiliens zu Avaland gibt es keinen runden Abschluss. Die Ereignisse wirken übereifrig, undurchdacht und ihr Geschehen um des Dramas (das Duell um Leben und Tod) oder Happy Ends Willen. [SPOILER ENDE]

Für wen ist das Buch geeignet?
Wer beim Lesen den Fokus auf Romantik und märchenhafter Szenerie als Worldbuilding legt, sollte mit „A Fragile Entchantment“ eine gute Wahl treffen. Insgesamt ist das Buch denke ich an eine jüngere Audience gerichtet, wie auch die aufwändige Gestaltung des Covers und Illustrationen mutmaßen. Es gab so gut wie gar keinen Spice, was aber zur zaghaften Art Niamhs und dem allgemeinen Märchenvibe des Romans passten.
Verorten würde ich den Roman in folgenden Genres: Young Adult/New Adult/Historical Romance/Regency Era/Romantic Fantasy

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