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Veröffentlicht am 28.03.2026

Vielschichtig und unterhaltsam - eine etwas andere Liebesgeschichte

Villa Rivolta
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Der Roman „Villa Rivolta“ des Bestseller-Autors Daniel Speck ist ein vielschichtiges Werk, das auf über 600 meist interessanten und sehr unterhaltsamen Seiten in erster Linie auf der Freundschaft der beiden ...

Der Roman „Villa Rivolta“ des Bestseller-Autors Daniel Speck ist ein vielschichtiges Werk, das auf über 600 meist interessanten und sehr unterhaltsamen Seiten in erster Linie auf der Freundschaft der beiden Hauptprotagonisten Valeria und Piero fußt. Neben der Hauptstory-Line ergeben sich im Verlauf aber viele unterschiedliche Themenschwerpunkte, die für den Leser mal mehr, mal weniger interessant sind, insgesamt aber zum runden Gesamtbild des Buches beitragen. Das Gesamtbild ist eine breitgefächerte Gesellschaftsstudie des Italiens der 1950er/60er Jahre und den Auswirkungen bis ins Heute hinein.

Valeria lernt Piero kennen, als ihre Mutter nach dem Tod ihres Mannes/Valerias Vaters bei Pieros Eltern als Haushaltshilfe unterkommt. Sie ziehen in ein kleines Zimmer in der pompösen Villa Rivolta und es entwickelt sich schnell eine Freundschaft zwischen den fast gleichaltrigen Kindern. Piero entstammt allerdings der erfolgreichen Unternehmerfamilie Rivolta, die sich auf die Produktion von hochwertigen Fahrzeugen spezialisiert hat und einer der wichtigsten Arbeitgeber mit großem Einfluss in der Region ist, so dass die gesellschaftlichen Unterschiede eigentlich von Anfang an - gerade zur damaligen Zeit - nahezu unüberbrückbar scheinen.

Der Autor erzählt vom Kennenlernen der Kinder, von der Entwicklung einer tiefen Freundschaft, vom gemeinsamen Erwachsenwerden und später auch, als die vorgezeichneten Lebenswege zweier aus unterschiedlichen Kreisen stammenden Menschen sich mehr und mehr voneinander entfernen, von Trennung und Sehnsucht. Trotzdem bleibt die Freundschaft bestehen - und ein Familiengeheimnis verstärkt die Bindung zwischen den Protagonisten nochmal um ein Vielfaches.

Daniel Speck versteht es in „Villa Rivolta“ die Familiengeschichten von Valeria und den Rivoltas ebenso unterhaltsam wie einfühlsam zu erzählen. Er kombiniert die Hauptlinie mit vielen „Ausflügen“ in andere Themenbereiche, wie die italienischen Partisanengruppen Ende der 1950er Jahre, die Bedeutung von Familienbetrieben für ganze Dorfgemeinschaften, die Pflicht zum technischen Fortschritt und die betriebswirtschaftliche Stabilität solcher Betriebe in diesen Zeiten, ebenso wie die emotionalen Wirkungstreffer, die die Protagonisten im Laufe der Jahre treffen, sowie die schweren Aufgaben, denen sie sich stellen (müssen).

Insgesamt erzählt Daniel Speck in „Villa Rivolta“ eine umfangreiche Geschichte sehr unaufgeregt und angenehm ruhig. Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Berührende Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen

Unser Haus mit Rutsche
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Die Autorin Safia al Bagdadi hat mit "Unser Haus mit Rutsche" ein sehr emotionales Buch mit sicherlich jeder Menge autobiografischen Zügen vorgelegt.

Einfühlsam und jederzeit unterhaltsam erzählt al Bagdadi ...

Die Autorin Safia al Bagdadi hat mit "Unser Haus mit Rutsche" ein sehr emotionales Buch mit sicherlich jeder Menge autobiografischen Zügen vorgelegt.

Einfühlsam und jederzeit unterhaltsam erzählt al Bagdadi die Geschichte von Layla Beni Sayed, in Saarbrücken geborene und aufwachsende Tochter eines irakischen Vaters, der in der 1980/90er Jahren von großen Geschäften mit den arabischen Länder träumt, und einer französischen Mutter aus dem gehobenen "Geldadel", auf zwei Zeitebenen.

Ihre Eltern sind damals ein - so kommt es Layla zumindest vor - glamouröses Paar. Ihre Mutter eine elegante, unnahbare Schönheit, ihr Vater ein "Menschenfänger" mit vielen Freunden und Bekannten. Laylas Vater hat große Pläne, er steht mit seinen Karriereplänen als großer Geschäftemacher jederzeit unmittelbar vor dem Durchbruch. Bis irgendwann die Golfkrise 1990 im Nahen Osten alles ändert.

Heute ist Layla Künstlerin. Sie lebt seit einiger Zeit in Paris und wird regelmäßig von den "Dämonen" der Kindheit - in erster Linie der Enttäuschung über Ihren Vater und dessen allmählicher Radikalisierung heimgesucht. Sie hat Erfolg, großen Erfolg sogar, aber psychische Probleme, wahrscheinlich Bindungsangst und Angst vor dem Erfolg. Diese Ängste - das wird im Verlaufe der Geschichte immer deutlicher - haben ihren Ursprung in der Beziehung zu ihrem Vater.

"Unser Haus mit Rutsche" erzählt die hochspannende Geschichte von Layla Beni Sayed ruhig, flüssig, teils kindlich naiv, teil aber auch sehr tiefgründig intensiv. Obwohl viele Zusammenhänge nur angedeutet werden, kann der Leser zwischen den Zeilen eine intensive, leider auch gestörte Verbindung zwischen allen Protagonisten herauslesen. Im Klappentext steht "Irgendwann und irgendwo hat ihr (Laylas) Leben die falsche Abzweigung genommen". Das sehe ich nicht so - es ist einfach das Leben, das gradlinig diese Richtung eingeschlagen hat und das Layla erst jetzt, wo sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu ihrem einstmals über alles geliebten "Babe" hat, langsam zu verstehen beginnt.

Ein wunderbares, sehr tiefgründiges Buch.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Eine Insel kämpft um ihre Freiheit

Ooge
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Mit "Ooge" ist dem Autor Stefan Gliwitzki eine brüllend komische, herrlich abgedrehte Persiflage gelungen, die die Problematik des überbordenden Tourismus auf einem für riesige Touristenmassen viel zu ...

Mit "Ooge" ist dem Autor Stefan Gliwitzki eine brüllend komische, herrlich abgedrehte Persiflage gelungen, die die Problematik des überbordenden Tourismus auf einem für riesige Touristenmassen viel zu kleinen Eiland überspitzt auf Korn nimmt.



In einer vielleicht gar nicht mehr so fernen Zukunft, ist es aufgrund von Klimawandel, technologischen Veränderungen und der Rückkehr zu immer mehr politischer und territorialer Autonomie (wenn nicht gar Autokratie...) von Staaten und Regionen, die sich gezielt und rigoros vom ehemals "freien Reisen" abgewendet haben und auf totale Abschottung gegenüber Fremden setzen, schwer geworden Plätze zu finden, an denen man noch Urlaub machen kann. In Deutschland ist eines dieser letzten Reiseziele die kleine Nordsee-Insel Ooge, auf der sich ganzjährige Touristenmassen breit machen, sich verhalten wie die letzten Menschen und den Insulanern gehörig auf den Wecker gehen. Da hilft auch das Geld, dass die Gäste auf die Insel bringen nichts mehr - die Ooger haben genug und gehen zum Gegenangriff über. Sie versuchen sich mit allerlei drastischen Maßnahmen die Herrschaft über ihre Insel und ein schönes Leben auf dem eigentlich wunderschönen Fleckchen Erde zurückzuerobern. Motto: "Insulaner first - Touristen last..."



Ein unheimlich witziger Lesespaß - teilweise sehr überzeichnet, aber gerade das macht die Lektüre dieses Buches so interessant und spannend.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Hier wird der Leser selbst zum Enthusiasten

Die Enthusiasten
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Das Buch "Die Enthusiasten" des Autors Markus Orths ist schwerlich in eine eindeutige Kategorie einzuordnen. Der Roman enthält so viele unterschiedliche Stilelemente und überrascht mich als Leser in so ...

Das Buch "Die Enthusiasten" des Autors Markus Orths ist schwerlich in eine eindeutige Kategorie einzuordnen. Der Roman enthält so viele unterschiedliche Stilelemente und überrascht mich als Leser in so vielfältiger Art und Weise, dass ich selber mit zunehmender Lesedauer immer mehr zu dem werde, worum es laut Titel geht - zu einem Enthusiasten dieses Buches.

Der Anfang der Story im Zug ist schon schräg, aber dann entwickelt sich zunächst scheinbar eine ganz normaler Roman über eine kleine Gruppe literaturverrückter Wissenschaftler, die sich dem Werk des im Zeitalter der Aufklärung Mitte des 18. Jahrhunderts schreibenden Autors Laurence Sterne verschrieben haben und sogar jedes Jahr zu dessen Geburtstag zu seinem Grab pilgern um sich mit anderen Sterne-Enthusiasten austauschen. Doch in diesem Jahr in alles anders, denn der Traum von "Dr. Shandy" und seinen Kollegen scheint wahr zu werden: es könnte ein weiteres, von den Dreien immer vermutetes, aber bislang unbekanntes Werk des Autors geben. Vom Enthusiasmus dieser Chance getrieben entwickelt sich eine rasante, nicht aufzuhaltende Kette von unglaublichen Vorfällen, die immer aberwitzigere Züge annimmt.

Jeder einzelne Charakter in diesem Buch ist ein echter Enthusiast, jeder hat sich voller Leidenschaft einem anderen Themenkomplex verschrieben. "Die Enthusiasten" ist ein Buch voller Optimismus, schrägen Aktionen und voller Liebe für das was, die Charaktere tief in ihrem Inneren bewegt und antreibt - und letztlich zeigt es einem aberwitzigen Weg auf, der vielleicht den wahren Enthusiasmus in einem der Charaktere wecken wird.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Hart und grausam, aber auch mutig und kämpferisch

TINTE und SCHWERT
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Das Buch "Tinte und Schwert. Verwandlung" von Matthias Soeder bietet in Roman-Form einen eindrucksvollen und sehr bildgewaltigen Einblick in die grausame Zeit des 30-Jährigen Krieges.

Im Jahr 1618 möchte ...

Das Buch "Tinte und Schwert. Verwandlung" von Matthias Soeder bietet in Roman-Form einen eindrucksvollen und sehr bildgewaltigen Einblick in die grausame Zeit des 30-Jährigen Krieges.

Im Jahr 1618 möchte der junge Jacob Wolffen sein Leben der Kirche widmen und als Priesteranwärter die Hilfe für andere Menschen in diesen schwierigen Zeiten in den Mittelpunkt seines Schaffens stellen. Das er damit ausgerechnet in Zeiten der immer größer werdenden Aggressionen der Glaubensrichtungen Katholizismus und Protestantismus diesen Weg einschlägt ist ihm anfänglich gar nicht bewusst. Das ändert sich schlagartig, als beinahe seine gesamte Familie vom grausamen Leutnant von Hohenfels getötet wird. Jacob selber wird zum Dienst in der Gefolgschaft des für die Protestanten kämpfenden Adeligen gezwungen und erkennt seine Bestimmung, die ihn in einen Zwiespalt zwischen christlichem Glauben und Blutrache führt.

Der Autor Matthias Soeder erzählt anschaulich, teils an wahren, überlieferten Begebenheiten orientiert, teils mit künstlerischer Freiheit fiktiv entwickelt, die brutalen Lebensbedingungen, die im 17. Jahrhundert für lange Zeit das Leben der Menschen bestimmt und tausende Unschuldige in en Tod geführt haben. Er erzählt aber auch von der Hoffnung auf Gerechtigkeit und List, die zum Erreichen dieser Gerechtigkeit nötig sein kann.

"Tinte uns Schwert. Verwandlung" ist sehr gut lesbar und entführt den Leser in dunkle Zeiten. Das Buch macht Lust auf die hoffentlich bald kommenden Fortsetzungen.

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