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Veröffentlicht am 18.10.2024

Schwarzweiß

Schwarzweiß
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Frau Dr. Regina Bogner ist Psychiaterin im Maßregelvollzug. Sie hat lange in Afrika gelebt und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ist sie mit ihrer Tochter allein. Dann bekommt sie einen neuen Patienten ...

Frau Dr. Regina Bogner ist Psychiaterin im Maßregelvollzug. Sie hat lange in Afrika gelebt und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ist sie mit ihrer Tochter allein. Dann bekommt sie einen neuen Patienten – Niklas Rösch hat seine Nachbarin – eine Afrikanerin – bestialisch gequält und ermordet. Ein Arzt attestiert im Schizophrenie, weshalb er nicht ins Gefängnis, sondern in die geschlossene Psychiatrie kommt. Dort allerdings tritt er Regina gegenüber auf, als hätte er die Macht und bedroht sie mit seinem Wissen über Afrika. Regina zweifelt schnell an der Diagnose, aber niemand will glauben. Dann bricht Rösch aus und ein Mord nach dem anderen geschieht, bis sogar Regina selbst und ihre Tochter in Gefahr sind.
Schwarzweiß empfand ich als gelungenes Buch. Das Cover passt zum Inhalt und konsequent wird auch Schwarz/Weiß als Gut/Böse oder Afrikaner/Weiße durchgezogen. Am Anfang handelt das Buch vor allem von den Gesprächen zwischen Regina und Rösch. Nach einer Weile empfand ich das etwas einseitig – um dann festzustellen, dass ich ohne abzusetzen das halbe Buch an einem Stück gelesen hatte. Die Spannung war nicht vordergründig zu merken, aber immer da – so unmerklich, dass ich wie gesagt, gar nicht richtig bemerkt habe, wie das Buch mich in den Bann zog. Im weiteren Geschehen änderte sich der Inhalt zu mehr Aktion. Der Täter wird anfangs eher als nur brutal dargestellt und erst im Laufe des Buches erfährt man mehr über die Hintergründe und bekommt ein wenig Verständnis für die Taten, ohne dass diese in irgendeiner Form gerechtfertigt werden. Ein wenig sehr klischeehaft empfand ich die beiden Vorgesetzten von Regina – der eine ein eher Kriecher, der andere ein Chef, der nur sich gelten lässt. Hier habe ich ein wenig mehr Differenzierung vermisst. Die starke Fokussierung auf Regina und Rösch allerdings fand ich sehr gut. Man wird nicht von allzu vielen Nebenhandlungen abgelenkt. Ob sich die Polizei im Ernstfall wirklich so diletantisch, wie hier manchmal dargestellt, verhält, wag ich zu bezweifeln. Aber es ist ein Buch und kein Tatsachenbericht. Alles in allem ist es sehr gute Unterhaltung.
Warum man aber als Autorin das Buch unter eine Pseudonym schreibt, um dann bereits im Klappentext mit Klarnamen und Foto agiert, erschließt sich mir nicht wirklich. Aber das hat mit dem Inhalt des Buches nichts zu tun.
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Veröffentlicht am 18.10.2024

Die Lichtung

Die Lichtung (Jan-Römer-Krimi 1)
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Jan ist Reporter bei einer Kölner Zeitung und eigentlich für den Sport zuständig. Doch als Krankheitsvertretung bekommt er von seinem Chef einen „alten Kriminalfall“ aus dem Jahr 1986 aufgebrummt. Er kippt ...

Jan ist Reporter bei einer Kölner Zeitung und eigentlich für den Sport zuständig. Doch als Krankheitsvertretung bekommt er von seinem Chef einen „alten Kriminalfall“ aus dem Jahr 1986 aufgebrummt. Er kippt erst mal vom Stuhl, denn was sein Chef nicht weiß: Jan ist in diesen alten Fall viel enger verstrickt. 1986 bei einem Wochenendausflug geschahen in einer Gruppe junger Leute eine Vergewaltigung eines Mädchens mit einem anschließenden Mord und ein weiterer Mord an einem Jungen. Der Täter wurde nie gefunden. Aber Jan gehörte genau zu dieser Gruppe und war an dem Wochenende dabei. Er hatte bisher erfolgreich die Vergangenheit verdrängt, doch jetzt holt sie ihn ein. Und bei seinen Recherchen kommt er dem Täter wohl zu nahe, denn jetzt bedroht der Jan und seine Familie …

„Die Lichtung“ hat mich überrascht und begeistert. Auf der einen Seite ist es ein ganz klassischer Kriminalroman – Täter unbekannt, jemand sucht ihn, kommt ihm näher und findet ihn. Und als Leser begleitet man ihn auf jedem Schritt. Trotzdem fand ich dieses Buch über dem Durchschnitt normaler Krimis. Zum einen ist hier der „Suchende“ ein Reporter, d. h., das Buch kommt ganz ohne die übliche Beschreibung von Polizeiarbeit aus. Dann hat mir der Wechsel zwischen Gegenwart und den 80er Jahren sehr gut gefallen. Zeitweise war sehr viel Humor und Ironie dabei und bei den angeführten Titeln hatte ich beim Lesen quasi sofort die Melodie dazu im Kopf. Es war halt eine Zeit, die man selbst sehr bewusst erlebt hat und vieles war völlig nachvollziehbar. Dann gefiel mir auch sehr gut die detaillierte Beschreibung der Jugendlichen und ihr Verhältnis untereinander: die Angeberei der Jungen, erste große Liebe, Enttäuschungen, Schrauben am Moped oder einfach nur Rumhängen. Alles war sehr stimmig, auch die Charaktere waren gut nachvollziehbar. Die Spannung des ganzen Buches ergibt sich draus, dass man zwar immer eigene Ideen hat, wer der Täter gewesen sein könnte, aber zumindest ich sehr weite Strecken dem Irrtum von Jan und seiner Ex-Kollegin und Freundin Mütze bei den Recherchen folgte. Was wiederum zur Folge hatte, dass ich mit dem Lesen kaum aufhören konnte. Ich wollte einfach endlich wissen, wer war der Täter und warum. Und dabei gab es auf dem Weg zum Ende doch einige Überraschungen.
Mein Fazit: ein für mich überraschend gutes Buch mit viel spannender Unterhaltung und einem tollen Gespür für die 80er Jahre.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Fronleichnamsmord

Fronleichnamsmord
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Auf ihrer 3. Zeitreise verschlägt es Jo und Lutz gar nicht so weit in die Vergangenheit – nur bis ins Jahr 1974. Jo ist gerade erst Anwärterin bei der Polizei, Lutz ist in einer Hippie-Kommune und genießt ...

Auf ihrer 3. Zeitreise verschlägt es Jo und Lutz gar nicht so weit in die Vergangenheit – nur bis ins Jahr 1974. Jo ist gerade erst Anwärterin bei der Polizei, Lutz ist in einer Hippie-Kommune und genießt das Leben mit Drogen und Alkohol. In der Gegenwart hatten sie sich gerade zerstritten und das nehmen sie auch in der Vergangenheit mit. Dabei ist der Mord an einem Kaufhausbesitzer aufzuklären. Nur der lebt noch, als sie in 1974 landen. Statt dessen wird erst einmal ein anderer Toter gefunden. Während Jo es mit der Aufklärung versucht und bei der Warnung des Kaufhausbesitzers überhaupt kein Glück hat, freut sich Lutz auf die Fußball-WM. Und Jo trifft auch noch auf ihren Vater. Doch bei all diesen Verwicklungen haben sie einen Mord aufzuklären, um in die Gegenwart zurückzukommen.

Das 3. Buch dieser Reihe hat fand ich im Gegensatz zu den Vorgängerbänden nicht so gelungen. Auch wenn vieles aus den 1970er Jahren richtig witzig rüberkommt (eigene Erinnerungen inklusive), fehlte mir hier so jede Spannung. Die Handlung um den privaten Streit von Jo und Lutz lenkt ab. Außerdem erinnerten die Verwicklungen um Jos Eltern und deren „Zusammenkommen“ sehr stark an „Zurück in die Zukunft“. Die Ermittlungen wurden irgendwie mehr und mehr zur Nebensache, das Ende in der Gegenwart fand ich nicht mehr richtig glaubwürdig. Am meisten allerdings störten mich die sehr detaillierten Fußballbeschreibungen inklusive der Aufstellung der Mannschaft zu jedem Spiel. Das Buch ist gut und flüssig lesbar und eine schöne Unterhaltung für Zwischendort. Insgesamt ist es ein nettes Buch geworden, doch im Vergleich zu den beiden Vorgängern fällt es ab und für einen Krimi fehlte mir einfach die Spannung.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Mörderkind

Mörderkind
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Fiona hatte eine schwere Kindheit. Überall war sie nur das Mörderkind, denn ihr Vater hatte seine Geliebte umgebracht, ihre Mutter kurz danach Selbstmord begangen. Sie wächst bei Verwandten auf, fühlt ...

Fiona hatte eine schwere Kindheit. Überall war sie nur das Mörderkind, denn ihr Vater hatte seine Geliebte umgebracht, ihre Mutter kurz danach Selbstmord begangen. Sie wächst bei Verwandten auf, fühlt sich dort aber nicht glücklich. In der Schule wird sie regelrecht gemobbt. So legt sie sich einen dicken Schutzpanzer zu und blockt jeden Versuch des Vaters, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit ihr Kontakt aufzunehmen, vehement ab. Doch dann stirbt ihr Vater und ein Rettungssanitäter steht vor ihrer Tür und überbringt die letzten Worte: Ich bin kein Mörder. Anfangs glaubt Fiona das nicht, doch nach und nach kommen ihr immer mehr Zweifel am Unfalltot des Vaters und als sie nachforscht, auch am Mord …

„Mörderkind“ ist ein typischer Inge Löhning, geradliniger Stil, gut lesbar. Nicht immer kann ich alle Reaktionen von Fiona nachvollziehen, insgesamt ist die Figur aber gut angelegt. Auch die weiteren Figuren sind für mich stimmig. Nicht übertrieben schwarz-weiß, jede hat gute und schlechte Seiten. So verfolgt man die Suche von Fiona zusammen mit „Darcy“ nach der Wahrheit und nach der eigenen Entwicklung anfangs mit großer Spannung. Diese lässt in der Mitte des Buches etwas nach, weil man als Leser durch die vielen Rückblicke viel viel mehr Wissen hat als Fiona. Die Rückblicke sind allerdings sofort verständlich und verwirren nicht. Ich fand es ein wenig schade, dass man so zeitig schon den genauen Ablauf der Taten wusste. Am Ende gibt es dann natürlich ein etwas rasanteres Finale und auch noch mal eine neue Wendung.
Insgesamt ist „Mörderkind“ für mich ein sehr solider Krimi, den man flüssig lesen kann und den ich auch weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Tödlicher Frost

Tödlicher Frost
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In Tromso wird ein Mann ermordet im Kuhstall aufgefunden. Er ist gefoltert worden. Die Polizei hat keine wirkliche Spur und es kommt einem so vor, als ermitteln sich auch nicht richtig. Der Journalist ...

In Tromso wird ein Mann ermordet im Kuhstall aufgefunden. Er ist gefoltert worden. Die Polizei hat keine wirkliche Spur und es kommt einem so vor, als ermitteln sich auch nicht richtig. Der Journalist Alexander Winther, Ex-Elitesoldat und in Afghanistan eingesetzt, nimmt sich der Sache an und versucht zu recherchieren. Es stellt sich heraus, dass der Tote ein Serbe ist. Hat er etwas damit zu tun, dass in der Nähe von Tromso im 2. Weltkrieg ein KZ vorwiegend mit Jugoslawen war? Außerdem geht es noch um eine Konferenz 1949 in Norwegen, an der hochrangige ehemalige SS-Offizieren teilgenommen haben, zwar unter Decknamen – doch jeder wusste, wer sie wirklich waren. Die Recherchen führen Alexander bis nach Holland …

Ich muss sagen, dass ich nicht so richtig in das Buch hineingekommen bin. Am Anfang wechseln die Kapitel zwischen dem Auffinden des Toten in der Gegenwart (danach folgt lange erst mal in dieser Richtung nicht viel) und dem Geschehen in dem KZ im 2. Weltkrieg. Dazu kommen ausführliche Erklärungen zu der Situation und ein weiterer Wechsel zu dieser Konferenz 1949 mit wiederum ausführlichen Erklärungen. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass ich 3 völlig unterschiedliche Bücher gemischt wurden. Dann kommen noch die Geschehnisse aus dem Krieg in Jugoslawien in der Gegenwart dazu, Kriegsverbrecherverhandlungen in Den Haag und die persönlichen/gesundheitlichen Probleme von Winther sowie sein eher schlechtes Verhältnis zu seinem Vater. Am Ende vermischt sich das zwar alles zu einer runden Sache, doch bis dahin hatte ich bis etwa zur Mitte des Buches ziemlich zu kämpfen und war immer kurz davor, mit dem Lesen aufzuhören. Hier war vieles gut gemeint, doch die Umsetzung war am Ende nicht wirklich mein Geschmack. Dabei war das Buch rein vom Stil her gut zu lesen, doch ich fand zu kaum einer der handelnden Personen irgendwie einen Draht, sie blieben für mich blass.
Gut gelungen fand ich allerdings die Vermischung der verschiedenen Kriege. Ich meine damit, wie weit Handlungen aus der Vergangenheit in das Heute hineinreichen und damit das Leben von Menschen verändern können. Und wie sich Menschen (im Buch im 2. Weltkrieg ein Beamter und im Jugoslawien-Krieg ein Lehrer) und wie sich Menschen unter dem Gefühl von Macht in regelrechte Bestien verändern können. Leider auch erschreckend, dass die Menschheit wohl nichts aus den vergangenen Kriegen und Gräueln gelernt hat.
Alles in allem ist das Buch für mich lesbar, aber nicht unbedingt der ganz große Wurf.

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