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Veröffentlicht am 22.10.2023

Späte Rache

Taubenschlag
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Als es darum geht die länderübergreifende Polizeiarbeit zu stärken erinnert sich Rudi Lehmanns Vorgesetzter an die Zusammenarbeit des Flensburger Kommissars mit Lykke Teit von der dänischen Polizei aus ...

Als es darum geht die länderübergreifende Polizeiarbeit zu stärken erinnert sich Rudi Lehmanns Vorgesetzter an die Zusammenarbeit des Flensburger Kommissars mit Lykke Teit von der dänischen Polizei aus Kopenhagen. Ein Fall, bei dem der deutsche Ermittler Hilfe gebrauchen kann ist leider schnell gefunden, geht doch anscheinend ein Serienmörder in Norddeutschland um und ermordet alte, alleinstehende Personen in ihren Sesseln und legt ihnen eine tote Taube in den Schoß.

Für Teit und Lehmann ist es, nach "Gezeitenmord", die zweite Zusammenarbeit. Man kann das Buch allerdings auch gut separat lesen, die Geschichte baut zwar auf der im ersten Teil beginnenden Freundschaft der ungleichen Ermittler auf, ist aber in sich abgeschlossen. Natürlich ist es schön, wenn man gerade zu Lykkes Vergangenheit Vorkenntnisse hat, es wird aber auch im Verlauf des Buches in genau der richtigen Dosis darauf eingegangen. Wer den ersten Band noch nicht kennt, wird ihn nach dieser Lektüre sicher auf die Leseliste setzen.

Dennis Jürgensen hat ein sehr ungleiches Paar geschaffen, nicht nur vom Altersunterschied her. Die beiden überaus sympatischen Figuren passen aber super zusammen und ergänzen sich. Die Art und Weise wie sie miteinander interagieren entlockt dem Leser mehr als einmal ein Schmunzeln innerhalb dieser Geschichte mit sehr traurigem Hintergrund.

Der Autor webt in seine Geschichte Ereignisse aus der nicht allzu lang zurückliegenden deutsch - deutschen Vergangenheit ein. Ereignisse, wie sie sich durchaus so, oder so ähnlich damals abgespielt haben könnten, familiäre Dramen inklusive. Die Geschichte wird nachvollziebar erzählt. Von den Morden abgesehen geschieht dies recht unspektakulär und ruhig, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Wilde Verfolgungsjagden und Schießereien fehlen, dafür gibt es tiefe Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten.

Wie auch beim Vorgänger bin ich schnell in die Geschichte hineingekommen, der Schreibstil des Autors macht es einem leicht und durch die ständige unterschwellige Spannung wird man regelrecht zum Weiterlesen gezwungen. Für mich war das Wiedersehen mit Teit und Lehmann fast wie ein Treffen mit guten alten Bekannten. Das Buch ist ideal für Krimileser, die nicht so auf die harte Gangart stehen.

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Veröffentlicht am 19.10.2023

Kampf gegen dunkle Mächte

Der Basilisken-Thron
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Bracke lebt recht unbeschwert in den Wäldern seiner "Großmutter", bis eines Tages Fremde auftauchen denen er als Führer dienen soll. Weit entfernt führt die juge Chrysanthe ein behütetes Leben, während ...

Bracke lebt recht unbeschwert in den Wäldern seiner "Großmutter", bis eines Tages Fremde auftauchen denen er als Führer dienen soll. Weit entfernt führt die juge Chrysanthe ein behütetes Leben, während ihr Vater, Admiral in der kaiserlichen Flotte, vor schweren Entscheidungen steht. Das Leben von Ammolit hingegen ist alles andere als behütet, wurde sie doch als Kind an einen Magier verkauft, der sie nun für seine Zwecke benutzt.

In "Der Basilisken-Thron" schafft der Autor auf etwas über 500 Seiten eine sehr komplexe Welt, zur näheren Erläuterung findet sich vorn und hinten im Einband eine Karte. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass es hier auffällige Ähnlichkeiten zu unserer Weltkarte gibt. Auch bei der Beschreibung zur Entstehung der verschiedenen Reiche kamen mir Ereignisse aus der Geschichte Europas in den Sinn, die zu den Dunkelsten der jüngeren Vergangenheit zählen. Vieles erinnert an den zweiten Weltkrieg, den Zusammenschluß der Alliierten, der letztlich zum Sieg über das faschistische Deutschland geführt hat und an die anschließende Aufteilung der eroberten Gebiete. Natürlich kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, dass das tatsächlich die Intention des Autors war, oder ob ich da etwas hineininterpretiere. Hier wurden die Feind allerdings nicht vollständig eliminiert, die Drehhu wurden in ihre Heimat zurückgedrängt und sind von hier aus weiterhin eine Bedrohung.

So wie ich hier Ähnlichkeiten zu erkennen glaube, so ist es auch in vielen anderen Bestandteilen der Geschichte. Wer viel im Fantasygenre unterwegs ist wird sicherlich Parallelen zu bekannten Büchern und Serien finden. Für mich enthält das Buch Anklänge an "The Witcher", "Das Rad der Zeit", "Shadow and Bone", aber genauso auch an Klassiker wie " Der Herr der Ringe", oder "GoT". Hier ist es immer etwas schwierig damit das Ganze nicht abgekuppfert aussieht. Der Autor hat das gut gelöst, die Parallelen sind da, aber sie sind nicht zu offensichtlich, eher ist es so, dass man bei Lesen kurz eine vage Erinnerung im Kopf hat, die aber nur so am Rand mitschwingt.

Da das Buch ein sehr komplexes Universum mit verschiedenen Ländern und zahlreichen Figuren enthält, muss man sich zu Anfang erstmal in die Geschichte einfinden. Hier fiel mir das aber überraschend leicht. Die Figuren werden sehr gut eingeführt, sind spezielle Charaktere und haben innerhalb ihrer Handlungsstränge eine wichtige Funktion. Sie alle durchleben im Verlauf der Handlung eine Entwicklung, eine Wandlung, eine Art Reifeprozess. Die Geschichte gliedert sich in drei Handlungsstränge, zwischen denen man innerhalb der Kapitel hin und her springt. Die Stränge laufen simultan und unabhängig voneinander, führen aber letztlich zum Ende zusammen. Ein Ende, dass nicht komplett abgeschlossen ist und so noch Raum für eine Vortsetzung bietet.

Ich habe das Buch, obwohl ich es toll fand, nicht mit 5 Sternen bewertet und möchte noch kurz ansprechen warum. Leider gibt es mehrer Szenen, mit denen ich nicht ganz einverstanden bin. Noch am wenigsten stört mich die Tatsache, dass die Frauen eher schmückendes Beiwerk sind und zuhause Kinder und Haus hüten, während die Männer in den Krieg ziehen und die Welt retten. Aber es hat mir schon negativ aufgestoßen, dass eine junge Frau am kaiserlichen Hof vorgeführt werden soll, sie wird extra exotisch eingekleidet, man macht sich über ihr Auftreten und ihre provinzielle Herkunft lustig und natürlich kommt diese junge Frau aus einem fernen Land und hat eine dunkle Hautfarbe. Solche Stereotypen müssen heute wirklich nicht mehr sein, ebenso wie eindeutige Wortspiele mit sexuellem Hintergrund. Natürlich kann es sein, dass die meisten Leser meine Kritikpunkte diesbezüglich nicht nachvollziehen können und das anders als ich empfinden, aber mich hat es doch beschäftigt.

Nichtsdestotrotz ein Fantasy Roman der mich seit langem wiedereinmal packen und begeistern konnte und bei dem der Autor hoffentlich eine Fortsetzung geplant hat.

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Veröffentlicht am 19.10.2023

Abwarten und Tee trinken

Tee. Matcha. Mord
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Es wird viel Tee getrunken in den verschiedenen Kurzgeschichten, die in diesem Buch zusammengefasst sind, abwarten und Tee trinken ist allerdings nicht unbedingt die Art und Weise, in der die verschiedenen ...

Es wird viel Tee getrunken in den verschiedenen Kurzgeschichten, die in diesem Buch zusammengefasst sind, abwarten und Tee trinken ist allerdings nicht unbedingt die Art und Weise, in der die verschiedenen Protagonisten hier mit Problemen umgehen. Da wird schonmal bei einer heißen Tasse Earl Grey eiskalt gemordet.

Die Sammlung enthält Kurzkrimis von verschiedenen Autorinnen und Autoren, die meisten waren mir namentlich bisher nicht bekannt. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Stil, seine eigene Herangehensweise, die Geschichten sind unterschiedlich aufgebaut, haben aber eben alle das gleiche Oberthema - Tee und Mord. So begegnet dem Leser die alte Dame, die den Einbrecher freundlich mit Tee und Mokkatorte bewirtet, oder die Zollbeamten, die sich an einer wertvollen Ladung Macha aus Japan bedienen. Man reist in der Zeit zurück nach Amsterdam, als der Teehandel per Schiff noch ein gefährliches Unterfangen war und trifft in einer anderen Geschichte einen Inspector in einem beschaulichen Örtchen in England, dessen Frau nicht nur ein gutes Händchen für ihre Rosen hat.

In einer Anthologie muss man immer damit rechnen, dass einem nicht alle Geschichten gleichermaßen gefallen. Hier hat mir alles gut gefallen, nur beim Kampf gegen die Kaffeehexe war mir das etwas drüber, aber letztlich passt es auch wieder perfekt. Die Geschichten schlagen fast immer einen unerwarteten Haken, sind oft mit einem Augenzwinkern erzählt und der Leser wird vom Ausgang überrascht.

Die Länge der einzelnen Krimis ist gut gewählt und so eignet sich das Buch gut für unterwegs, wenn man mal Wartezeiten überbrücken muss. Ein gut gemeinter Rat - sollte ihnen dabei jemand einen Tee servieren wäre ich vorsichtig.

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Veröffentlicht am 11.10.2023

Schuld

Die letzte Welle
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Tore hadert noch mit seinem neuen Leben im Altenheim Ömheten. Nach einem Schlaganfall hat die Tochter des pensionierten Polizisten beschlossen, dass er nicht mehr allein in seinem Haus bleiben kann und ...

Tore hadert noch mit seinem neuen Leben im Altenheim Ömheten. Nach einem Schlaganfall hat die Tochter des pensionierten Polizisten beschlossen, dass er nicht mehr allein in seinem Haus bleiben kann und so ist er hier gelandet. Nachts beobachtet Tore einen Einbrecher an der Wohnung seines Mitbewohners Viking, doch seiner Meldung schenkt die Nachtschwester wenig Beachtung, so muss er also selber nach dem Rechten sehen und findet seinen Bridgepartner tot im Bett. Für Leitung und Ärztin ist klar, dass der alte Herr im Schlaf gestorben ist, Tore aber hat da seine Zweifel.

Ich hatte hier ziemliche Schwierigkeiten in das Buch, die Geschichte hineinzufinden. Während der Prolog in Spanien spielt und den Leser direkt mit einigen Fragezeichen zurücklässt, spielt die eigentliche Geschichte in einem idyllischen Ort inmitten der Schären in Schweden. Hier verläuft die Geschichte auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart mit Tore, seinen Heimgenossen und der jungen Journalistin Veronica und der Vergangenheit in den 1940ger Jahren, mitten im zweiten Weltkrieg. Heute wie Damals gibt es einige wichtige Figuren, manche spielen in beiden Zeiten eine Rolle. Eine ziemliche Menge an Namen, die man sich als Leser merken und richtig einordnen muss. Dadurch, dass die Geschichte im Jetzt auch nochmal in zwei Handlungsstränge aufgesplittet ist, war es nicht immer leicht den Überblick zu behalten.

Die Autorin verbindet direkt mehrer Themen miteinander, da geht es zum Einen natürlich um die Todesfälle im Pflegeheim, zum anderen aber auch um Missstände im Heim, um Personalmangel und Korruption und um die Ereignisse in der Vergangenheit, bei denen der Alltag in Schweden während der Nazizeit beleuchtet wird, inklusive Widerstand und Spionage. Gerade die Rückblicke waren sehr interessant, habe ich mich doch bisher eher wenig mit Schwedens Rolle im 2. Weltkrieg beschäftigt, man überlegt die ganze Zeit, was davon letztlich etwas mit den Ereignissen in der Gegenwart zu tun hat. Die verschiedenen Themen werden im Verlauf immer mehr miteinander verwoben, allerdings wurde es hier sehr schnell unübersichtlich und leider auch manchmal uninteressant, weil es für mich vom Wesentlichen abgelenkt hat.

Eine weitere Ablenkung war auch der sehr blumige Schreibstil der Autorin. Ihre Beschreibungen der Landschaft sind unglaublich bildhaft, üppig und intensiv, da wird die Lichtstimmung ebenso beschrieben wie Gerüche. Augen zu und man wähnt sich im schwedischen Mittsommer. In anderem Zusammenhang wäre ich begeistert gewesen, hier in einen Kriminalfall eingebettet war das Alles zu viel, wie man an den fast 600 Seiten Umfang des Buches merkt. Bei manchen Formulierungen bin ich mir nicht sicher, ob sie vom Original her so richtig sind, oder ob hier die Übersetzung etwas unglücklich ist. Wenn auf einer Seite dreimal vom "blauen Himmel" die Rede ist, liest sich das schon irgendwie komisch.

Die Figuren im Heute sind teils liebevoll skurril, besonders Tores Mitbewohner im Altenheim. Die Art und Weise wie mit den dementen Menschen umgegangen wird macht ein bisschen sprachlos und wütend. Wütend gemacht hat mich auch die Figur der Veronica, ich habe mich echt bemüht sie zu mögen, aber sie hat sich teilweise so naiv verhalten und in Selbstmitleid gesuhlt, dass es nur schwer zu ertragen war. Die Geschehnisse aus der Vergangenheit bilden letztlich die Grundlage für die im Heute. Vieles war hier Vorhersehbar, Anderes kam überraschend. Die Autorin erzählt die Geschichte konsequent, aber nicht bis ins Detail logisch zu Ende.

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Veröffentlicht am 11.10.2023

Miss Marple trifft Agatha Raisin

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bräutigam
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Judith Potts bekommt überraschend eine Einladung zum Hochzeitsempfang von Sir Peter Bailey, der reichste Mann des beschaulichen Städtchens Marlow beabsichtigt seine ehemalige Pflegerin zu ehelichen. Judith ...

Judith Potts bekommt überraschend eine Einladung zum Hochzeitsempfang von Sir Peter Bailey, der reichste Mann des beschaulichen Städtchens Marlow beabsichtigt seine ehemalige Pflegerin zu ehelichen. Judith verspürt eigentlich keine rechte Lust, eine Äußerung des Bräutigams am Telefon lässt sie allerdings aufhorchen, Sir Peter scheint doch tatsächlich Angst zu haben, Angst man könnte ihn ermorden.

Robert Thorogood liefert mit seinem zweiten Buch rund um die eigenwillige Kreuzworträtselautorin Judith und ihre Freundinnen Becks und Suzie eine lockere Mörderjagd, bei der nicht immer alles glatt läuft. Im Verlauf der Geschichte ist irgendwie jeder mal verdächtig, das übereifrige Trio schafft es aber auf unnachahmliche Weise an Informationen zu kommen und ist so der Polizei, die nicht an ein Verbrechen glaubt, immer einen Schritt voraus. Die Geschichte folgt in Stil und Umsetzung ganz seinem Vorgänger, kann aber super unabhängig davon gelesen werden. Die Figuren sind liebenswert tollpatschig, ungewollt komisch, aber hartnäckig wie ein Terrier. Neben der Geschichte rund um den Mordfall gibt es auch privat bei allen Dreien wieder die Ein, oder Andere Baustelle. So jagt Judith einen vermeintlichen Drogendealer, der seine Treffen durch die Lösungen im Kreutzworträtsel zu arrangieren scheint, Suzie vernachlässigt ihre Arbeit als Hundesitterin um im Radio Karriere zu machen und Becks hat eindeutig ein Geheimnis, dem die Freundinnen auch noch auf die Spur kommen müssen.

Das Mordszenario ist knifflig, aber recht klassisch, Sir Peter wird tot in seinem Büro gefunden, die Tür von innen verschlossen, der Schlüssel in seiner Tasche, die Fenster lassen sich nicht öffnen und es ist keine weitere Person im Zimmer. Für die Polizei ist die Sache eindeutig ein Unfall und so kommen unser Hobbydetektivinnen zum Einsatz. Durch das Beobachten und Ausfragen der beteiligten Personen werden die Ereignisse rekonstruiert und nach etlichen falschen Verdächtigungen schließlich der Mörder entlarvt. Alles immer mit einem Augenzwinkern und einer ordentlichen Prise britischen Humors.

Das Buch passt vom Stil her gut für Fans britischer Crimeserien ala Miss Marple, Pater Brown, Inspector Barneby, Agatha Raisin, oder auch Shakespeare and Hathaway. Wer diese locker Art der Krimiunterhaltung mag ist hier genau richtig. Die Geschichte ist auf unaufgeregte Art spannend, relativ unblutig, aber sehr amüsant, leicht zu lesen und mit knapp 400 Seiten eine gute Wochenendlektüre.

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