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Veröffentlicht am 20.11.2025

Deutsch mal witzig

Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache
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Deutsche Sprache, schwere Sprache. Dieser Satz ist sowas von wahr, denkt man nur an die unendlichen Möglichkeiten Worte zu deklinieren, zu schreiben, falsch auszusprechen, oder schier endlos aneinanderzureihen, ...

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Dieser Satz ist sowas von wahr, denkt man nur an die unendlichen Möglichkeiten Worte zu deklinieren, zu schreiben, falsch auszusprechen, oder schier endlos aneinanderzureihen, um ein neues Wort zu bilden. Das die deutsche Sprache mit all ihren Eigenheiten aber auch viel Raum für komisches, skurriles und kurioses bietet, wird in diesem Büchlein mehr als deutlich.

DUDEN steht ja immer für Wissensvermittlung, jeder von uns der Schulkinder hat, hat irgendein Buch von DUDEN im Regal und mit Sicherheit gibt es in vielen deutschen Haushalten das Original Nachschlagewerk in verschiedensten Auflagen, oder auch eine mehr, oder weniger aktuelle Ausgabe zu den Regeln der "Neuen deutschen Rechtschreibung". Hier hat sich das Team nun mal nicht auf den reinen Aspekt der Wissensvermittlung konzentriert, der ja zugegebenermaßen schon auch manchmal etwas dröge werden kann, sondern auf das Kuriose der deutschen Sprache.

Das kleine Büchlein bietet auf 141 Seiten allerhand witziges von A wie Annagramm, bis Z wie Zweifelsfälle. Da versammeln sich Wortungetüme wie "Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission" (absolut herrlich), Anglizismen, Worte, die gar nicht deutschen Ursprungs sind, solche, die, man auf mehr als eine Weise schreiben kann, welche, die von vorn wie von hinten gelesen gleich sind, oder solche, die immer falsch ausgesprochen werden. Das Buch beschäftigt sich aber auch mit den Ursprüngen der Sprache, mit Fremdwörtern, Wortneuschöpfungen, solchen, die gar nicht mehr nach ihrer ursprünglichen Bedeutung gebraucht werden, Unwörtern, Jugendwörtern, längsten Wörtern, schönsten Wörtern, fast ausgestorbenen Wörtern und solchen, die in den herrlichsten Dialekten daher kommen.

Mich hat das Buch richtig gut unterhalten, die Zusammenstellung ist wirklich gelungen und auch optisch hat man sich hier einiges einfallen lassen, um das Ganze Thema interessant rüber zu bringen. Für mich ist das Buch ein perfektes Geschenk für Menschen, die beruflich mit Sprache zu tun haben, definitiv für Kinder und Jugendliche, die sprachinteressiert sind, oder aber für die, die so ihre Schwierigkeiten mit ihr haben und definitiv für Menschen wie mich, die immer auf der Suche nach (liebgemeint) "unnützem" Wissen sind, mit dem sie bei der nächsten Gelegenheit klugscheissen können.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Vorgeschichte

Der letzte Wunsch
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Geralt von Riva, seines Zeichens Hexer, zieht durch die Lande um im Auftrag Monster und Bestien zu töten, die die Menschen bedrohen. Begleitet wird er dabei von seinem guten,, aber manchmal auch recht ...

Geralt von Riva, seines Zeichens Hexer, zieht durch die Lande um im Auftrag Monster und Bestien zu töten, die die Menschen bedrohen. Begleitet wird er dabei von seinem guten,, aber manchmal auch recht nerviegen Freund Rittersporn, der es sich als Barde zur Aufgabe gemacht hat die Heldentaten Geralts zu besingen. Als Geralt auf die Zauberin Yennefer trifft, ändert sich sein Leben für immer.

Die Serie "The Witcher" auf Netflix erlebt ja gerade einen neuen Hype durch eine weitere Staffel. Fans ist die Geschichte um Geralt, Yennefer und Ciri natürlich schon lange ein Begriff, nicht zuletzt auch durch das Computerspiel zu den Büchern von Andrzej Sapkowski. Obwohl ich ein großer Fantasy Fan bin, war das Ganze lange an mir vorbeigegangen und auch der Start der Serie hat mich wenig berührt, ich hab mich erst relativ spät dazu durchgerungen sie mir anzusehen und war, ehrlicherweise erstmal von dem ganzen Gemetzel etwas enttäuscht. Je tiefer ich allerdings in das Geschehen eingetaucht bin um so mehr hat es mich in seinen Bann gezogen. Trotzdem hatte ich bis vor wenigen Wochen noch keines der Bücher gelesen.

Als nun die neue Staffel anlief und ich die ganzen damit verbundenen Diskussionen verfolgt habe, in denen ja oft die inhaltliche Entfremdung der Serie von den Büchern geht, musste ich einfach mit dem lesen anfangen. "Der letzte Wunsch" ist die Vorgeschichte zur eigentlichen Hexersaga und besteht aus lose aneinandergereiten Kurzgeschichten, die von einer verbindenden Zwischenstory ergänzt werden. Viele dieser Geschichten haben so auch Einzug in die Serie gefunden und waren mir somit nicht gänzlich neu, allerdings im Buch natürlich alles viel detaillierter. Detaillierter, aber dadurch manchmal auch leider etwas langatmiger, gerade weil der Autor sehr in seinen Dialogen schwelgt und mit diesen die Geduld des Lesers oft doch sehr auf die Probe stellt.

Mich hat sehr fasziniert, dass Sapkowski in seiner Welt viel von altbekannten Märchen eingebaut hat. Da gibt es Prinzessinnen, die in Türme gesperrt werden, welche, die ermordet werden sollen und Zuflucht bei Zwergen im Wald finden, oder solche, die einen Pakt mit einem merkwürdigen Wesen schließen und diesem ihr erstgeborenes Kind versprechen. Das war mir sympathisch und hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Generell ist Sapkowskis Welt eine besondere, hat nichts gemein mit beispielsweise der von Tolkien (die Geschichte der Elfen und auch der Zwerge ist hier vollkommen anders), oder der von G.R.R.Martin. Nichtsdestotrotz ist sie genauso episch und magisch, vielleicht aber etwas näher an der Unseren.

Mir hat der Schreibstil gut gefallen. Wie schon gesagt hatte ich manchmal meine Probleme mit den seitenlangen Dialogen, die sich mir auch oft einfach inhaltlich nicht wirklich erschlossen haben. Diese blumige, "um den heißen Brei" Rumgerede ist nicht unbedingt so meins. Der Humor des Autors hingegen schon eher. Die Dynamik zwischen den Figuren ist gut gelungen, besonders das Verhältnis zwischen Geralt und Rittersporn bekommt hier eine ganz andere Richtung als in der Serie.

Ich hätte eigentlich gesagt, man muss nicht zwingend das Buch kennen, um die Serie zu streamen, allerdings enthält das Buch nochmal ganz andere Hintergrundinformationen, die einiges in der Serie erklären, gerade wenn man wie ich das Witcher Universum so gar nicht kennt. Gerade was die verwirrende Zeitleiste der ersten Staffel angeht, sehe ich nun wesentlich klarer. Ich habe im Nachgang die erste Staffel nochmal mit ganz anderen Augen geschaut und Zusammenhänge erkannt, die mir vorher nicht klar waren. Normalerweise vertrete ich die Meinung, man sollte eine Serie und ihre literarische Vorlage getrennt voneinander bewerten (siehe "Game of Thrones", wo die Serie ja eine völlig andere Richtung als die Bücher einschlägt und sogar ein Finale liefert, das es in Buchform noch gar nicht gibt), hier finde ich aber, dass sich Buch und Serie gut ergänzen.

Die Hexer - Saga ist ein episches Meisterwerk, in das man mit diesem Buch einen guten Einstieg findet und natürlich liegen die Folgebände schon hier bereit.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Besondere Atmosphäre

Kurilensee
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Jeden Sommer kommt eine Gruppe Wissenschaftler nach Kamtschatka. Hier in der Forschungsstation am Kurilskoye leben und arbeiten die Mitglieder der Gruppe über Monate, weit weg von der Zivilisation, abhängig ...

Jeden Sommer kommt eine Gruppe Wissenschaftler nach Kamtschatka. Hier in der Forschungsstation am Kurilskoye leben und arbeiten die Mitglieder der Gruppe über Monate, weit weg von der Zivilisation, abhängig von den Lebensmittellieferungen per Hubschrauber, umgeben von atemberaubender Natur, einzige Gesellschaft die Bären und die Lachse. Die Lachse zu zählen und zu untersuchen ist die Hauptaufgabe der Forschenden, um zu prognostizieren, wie sich die Population entwickeln wird und mit welchen Fangmengen man in der Fischerei demzufolge rechnen kann. Eine von ihnen ist Anna, die schon seit Jahren mit ihrem Partner zur Stammcrew der Forschungsstation gehört und mit ihren Augen sieht man nun diesen Sommer am Kurilensee.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was mich am Klappentext angesprochen und letztlich dazu bewogen hat das Buch zu lesen. Irgendwie hat mich diese Mischung aus Naturbeschreibung und Zivilisationsproblematik interessiert und ich war gespannt auf die Umsetzung.

Autorin Sophia Klink beschreibt in ihrem Roman die bekannte Problematik der Überfischung der Meere, den Rückgang der Fischpopulation bedingt durch Klimawandel, Umweltverschmutzung, und die Verringerung der Lebensräume durch das Eingreifen der Menschen. Dem setzt sie den absoluten Kontrast einer atemberaubenden Landschaft mit rauchenden Vulkanen und herumtollenden Bärenjungen entgegen, eine Idylle, fern jeglicher Zivilisation, vermeintlich unberührt, wild und gefährlich, aber letztlich auch bereits kompromittiert durch die Anwesenheit der Wissenschaftler. Dieser Kontrast erzeugt bereits eine besondere Stimmung, die noch verstärkt wird durch die philosophischen, fast melancholischen Gedankengänge von Hauptfigur Anna.

Anna trägt das Buch, durch ihre Augen erlebt man die Arbeit der Wissenschaftler und erfährt von den Konsequenzen, die ihre negativen Forschungsergebnisse nach sich ziehen. Man erlebt die inneren Konflikte der verschiedenen Personen, ihre im Keim erstickte Auflehnung gegen die Pläne der Regierung und die damit verbundene Resignation, trotz allem führen sie ihre Arbeit fort, immer mit der Hoffnung auf ein Wunder, auf ein "die Natur findet einen Weg", auf ein "vielleicht wird ja doch noch alles gut". Es ist fast deprimierend dem zu folgen und dabei auch noch mit Annas geheimsten, unerfüllten Sehnsüchten konfrontiert zu werden.

Der Schreibstil ist leise und zart, fast wie eine leichte Sommerbrise. Manchmal wirkt es beinahe etwas hypnotisch, ich will nicht sagen einschläfernd, man wird eingesaugt in diese flirrende Atmosphäre von Mückenschwärmen und sich windenden Fischleibern, man spürt die Anspannung, die Hektik beim Zählen der Tiere, den Druck und die bleiernde Schwere wenn Erfolgserlebnisse ausbleiben, sich Befürchtungen bewahrheiten. Natürlich besteht ein Großteil des Buches auch aus wissenschaftlichen Fakten rund um die Arbeit Annas und ihrer Kolleg*innen. Es ist unglaublich interessant und komplex was die Autorin hier an Wissen vermittelt, ohne das dies plump als solches zu erkennen ist. Ehrlicherweise muss ich schon sagen, dass ich davon nicht wirklich unbedingt viel verstanden habe, aber ich denke auch nicht, dass dies die vorrangige Intention der Autorin war.

Kurilensee ist ein absolut bemerkenswertes Buch, die Art und Weise wie die verschiedenen Themen hier miteinander verwoben sind, hab ich so bisher noch nicht erlebt. Allein wenn Anna über die Fische sinniert und dabei auf ihre eigene Fruchtbarkeit kommt und den Leser dann entführt auf eine Reise durch den Körper, wo ein Hormon einen Impuls steuert, auf den hin eine Eizelle herangebildet wird und ein anderes Hormon dann dafür sorgt, das sich diese auf ihren Weg durch den Körper macht... Allein das ist so philosophisch, so poetisch, so besonders, dass man es einfach gelesen haben muss.

Ein sensibles Buch, eines das Kritik übt und zum Nachdenken anregt, ein Buch, das nachhallt beim Leser über die letzte Seite hinaus.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Rückkehr in die Heimat

Was die Nacht verschweigt: Die Fortsetzung von WAS DIE TOTEN BEWEGT – Eine packende und atmosphärische Erzählung in der Tradition von Edgar Allan Poe
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Alex Easton ist zurück in Gallazien und erwartet Miss Potter im Jagdhaus der Familie. Eigentlich sollte alles vorbereitet sein, wurde der Verwalter des Anwesens doch per Post von der Rückkehr Eastons unterrichtet. ...

Alex Easton ist zurück in Gallazien und erwartet Miss Potter im Jagdhaus der Familie. Eigentlich sollte alles vorbereitet sein, wurde der Verwalter des Anwesens doch per Post von der Rückkehr Eastons unterrichtet. Bei der Ankunft erwartet die Reisenden allerdings ein leeres, fast verwahrlostes Haus, von Codrin, dem gewissenhaften Verwalter keine Spur. Im Dorf dann der Schock, Codrin ist tot, vor Monaten schon an einer schweren rätselhaften Krankheit verstorben, über die weder die Tochter des Toten, noch die abergläubischen Dorfbewohner sprechen wollen.

In "Was die Nacht verschweigt" trifft der Leser nun zum zweiten mal auf den ehemaligen Soldaten Alex und seinen langjährigen Diener und Freund Angus. Auch Miss Potter ist dem Leser bereits aus dem Vorgänger "Was die Toten bewegt" bekannt, allerdings ist es eigentlich nicht nötig das Buch zu kennen, um dieser Geschichte zu folgen. Natürlich versteht man so einige Andeutungen und Erinnerungen besser, gerade auch auf die Verhältnisse im fiktiven Gallazien bezogen, aber die Geschichte funktioniert auch eigenständig sehr gut. Mit Gallazien, einem kleinen osteuropäischen Land, liefert die Autorin einen sehr interessanten Schauplatz mit wirklich besonderen Sitten und Gebräuchen, einer ganz speziellen, schwer zu erlernenden Sprache, eher schweigsamen und verschlossenen Bewohnern und einem fast ungenießbaren Nationalgetränk.

Mit Hauptfigur Alex hat die Autorin einen sehr besonderen Protagonisten geschaffen, den Alex definiert sich als non-binär und benutzt spezielle Pronomen, die in der Sprache Gallaziens speziell für Soldaten verwendet werden. In diesem Buch wird dieser Umstand nur ganz am Rande erwähnt, im ersten Buch gibt es dazu mehr Erläuterungen.

Ich habe mir das Buch als Halloween-Lektüre herausgesucht. Die Geschichte ist im ruhigen, unaufgeregten Stil der Autorin erzählt und widmet sich einem örtlichen Aberglauben, der so, oder in ähnlicher Form auch hierzulande überliefert ist. Es geht um eine Art Geist, einen Alp, der sich Nachts auf die Brust des Schlafenden legt und diesem den Atem raubt. Ein klassisches Gruselelement also, das sich gut in die relativ trostlose und düstere winterliche Stimmung im vom Krieg gebeutelten Gallazien einfügt. Die Autorin schafft genau die richtige Athmosphäre für die Geschichte und fast wähnt man sich beim lesen irgendwo in den Karpaten. Generell ist das Buch eher leise und lebt von seinem unterschwelligen Grusel, wer hier blutige Schockmomente erwartet wird wohl eher enttäuscht sein. Ich denke es passt gut für Leser, die sich dem Genre erst annähern, oder eben auch gern mal was hintergründigeres möchten.

Mich hat auch das zweit Buch der Reihe wieder gut unterhalten und mit Freude habe ich vernommen, dass ein dritter Teil vor der Veröffentlichung steht. Ein großes Lob hier auch an den Verlag, denn die Bücher waren bisher auch optisch ein absolutes Highlight. Einen Punkt Abzug einfach nur, weil es eben manchmal fast zu ruhig war.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Gewöhnungsbedürftig

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Peggy hat es gerade wirklich nicht leicht. Ihre Eltern haben der Dauerstudentin den Geldhahn zugedreht und sie musste sich einen Untermieter suchen. Leider war sie nicht besonders wählerisch und so ist ...

Peggy hat es gerade wirklich nicht leicht. Ihre Eltern haben der Dauerstudentin den Geldhahn zugedreht und sie musste sich einen Untermieter suchen. Leider war sie nicht besonders wählerisch und so ist Martin bei ihr eingezogen, ein Narzisst in Reinkultur, der mit seinem Gehabe für ständigen Ärger in der WG sorgt. Auch bei ihrer Freundin Ulrike findet Peggy kein Verständnis, setzt diese ihre Langzeitfreundin doch endgültig vor die Tür. Peggy flüchtet sich in ihre verräucherte Stammkneipe, das Image, sehr zur Freude von Kellnerin Veronique, die schon seit längerem ein Auge auf Peggy geworfen hat und nun ihre Chance wittert.

Wahrscheinlich wäre das Buch von Svea Mausolf eher nicht auf meiner Leseliste gelandet, allerdings ging es bei verschiedenen Buchbloggern, denen ich folge durch die Decke und irgendwie hat mich das Cover und auch die Geschichte dann doch angesprochen, stehe ich doch total auf abgedrehte, skurile Figuren, die in aberwitzige Situationen hineingeraten. Die Autorin versammelt in ihrem Buch wirklich einige dieser Figuren, Eine abgedrehter als die Andere. Da ist noch Peggys Familie, Mutter Elke, Geschäftsführerin einer Sexshopkette, ihr Mann Detlev, der Zuhause nichts, aber wirklich so gar nichts zu sagen hat, Peggys Schwester Jenny, erfolgreiche Christfluencerin und deren Zukünftiger, aber auch das Pastorenehepaar Steffens, die Kriminalbeamten Brandt und Küppers und nicht zuletzt Olivia.

Jede dieser Figuren hat für sich schon das Potential für eine irrwitzige Achterbahnfahrt, alle zusammengenommen ergeben einen unaufhaltsamen Erdrutsch, der den Leser fast unter sich begräbt. Schon recht früh habe ich mich gefragt, was zum Teufel soll das? Was hat sich die Autorin dabei gedacht, was will sie mir sagen? Das die Welt voller Verrückter ist? Wo bitte hat sie die Vorbilder für ihre Figuren gefunden? Denn mal ehrlich, so was kann es im echten Leben doch gar nicht geben. Aber falsch, es gibt nichts was es nicht gibt und auch wenn die Autorin hier wirklich sehr Überspitzt und Übertreibt, dann ist da an vielen Ecken doch einfach nur der ganz normale Wahnsinn, der sich Leben/Überleben nennt.

Svea Mausolf zeigt tiefe Gefühle und das, was passieren kann, wenn diese verletzt, ignoriert, oder mit Füßen getreten werden. Sie zeigt toxische Familienverhältnisse, legt den Finger auf Bigotterie, Ignoranz, Ich-Bezogenheit und die Scheinwelt von Social Media. Sie zeigt aber auch gebrochene Seelen, Verzweiflung, bedingungslose Liebe, Abhängigkeit in den verschiedensten, sehr zerstörerischen Varianten, emotional, finanziell und natürlich auch von Rausch- und Suchtmitteln aller Art. Sie zeichnet das Bild einer Schicksalsgemeinschaft, das Ergebnis einer Fehlentscheidung und das eben auf so überdrehte Art, dass es einem eigentlich total unangenehm ist, fast körperlich abstößt, man aber trotzdem nicht aufhören kann zu lesen.

Rein vom bloßen Schreibstil her macht die Autorin es dem Leser leicht ihrer Geschichte zu folgen, was so total reinhaut ist ihre ungeschönte Art die Dinge beim Namen zu nennen. Da werden Körperfunktionen und -befindlichkeiten in allen Details beschrieben, da ist leicht eklig bis absolut abartig alles dabei. Wer hier Probleme hat, oder eher empfindlich ist sollte das Buch lieber nicht lesen, denn die Beschreibungen der Autoren sind so bildlich und auf den Punkt, dass man fast meint den entsprechende Geruch dazu in der Nase zu haben. Definitiv nichts für zarte Seelchen. Um eine Vorstellung zu bekommen könnte man das Buch ein stückweit mit "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche vergleichen, allerdings um einiges heftiger. Wer da schon pikiert den Mund verzogen hat, sollte hier dann lieber die Finger von lassen.

Wie schon gesagt war ich anfangs etwas überrollt von der Heftigkeit der Beschreibungen, auch weil ich sie irgendwie fast boshaft/hämisch empfunden habe. Es gibt recht früh im Buch eine Szene im Bus, als Peggy mit ihrer Mutter telefoniert. Hier wird eine Mutter mit ihrem Kind beschrieben und da war ich kurz raus und hätte das Buch auch fast abgebrochen. Hier war es mir unter der Gürtellinie, wer die Szene kennt wird vielleicht verstehen wie ich das meine und das ist auch der Grund, warum das Buch nicht die volle Sternezahl von mir bekommt. Generell ist das Buch sehr speziell und wird viele Leser abstoßen. Mich hat es auf verschiedenen Ebenen aber eher fasziniert, es ist bitter, bitterböse Satire, die oft gerade so die Grenze zum "Geht gar nicht" verfehlt, aber wenn man sich drauf einlässt trifft man auf die verschiedensten gescheiterten Persönlichkeiten, die in ihrem Leben eigentlich alle nur das selbe wollten, geliebt werden.

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