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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2020

Berührend

Das Haus in der Claremont Street
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Seine Eltern zu verlieren ist das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. Die Umstände unter denen der kleine Tom seine Eltern verliert sind allerdings nicht nur schlimm, sie sind unvorstellbar. Tom ...

Seine Eltern zu verlieren ist das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. Die Umstände unter denen der kleine Tom seine Eltern verliert sind allerdings nicht nur schlimm, sie sind unvorstellbar. Tom ist traumatisiert, spricht nicht mehr, macht wieder ins Bett, doch nicht nur er leidet unter dem Verlust. Auch die Familie seiner Mutter trauert, jeder auf seine persönliche Weise und mitten in dieser Trauer geht das Leben irgendwie weiter und eine wichtige Frage ist zu klären - was wird aus Tom.

Die Autorin beginnt ihr berührendes Buch mit einer grauenvollen Tragödie und baut die nachfolgende Geschichte darauf auf. Immer wieder kommen wir beim Lesen an diesen Punkt zurück, dadurch wird die Wucht dieses Ereignisses spürbar und die Präsenz, die es für immer im Leben der Hinterbliebenen haben wird. Sehr einfühlsam wird die kindliche Sicht von Tom beschrieben, sein Umgang mit der Tragödie, dem gegenüber gestellt dann die Erwachsenen, die Geschwister seiner Mutter und deren Mechanismen zur Verarbeitung. Das Buch zeigt gut, wie verschieden Menschen mit Trauer und Verlust umgehen und wie sie sich dadurch oft selbst belügen und das Leben schwer machen.

Der Stil der Autorin ist sehr gefühlvoll und nimmt den Leser mit in die Geschichte. Sie schafft es, dass der Leser eine Verbindung zu ihren Figuren aufbaut, eine emotionale Bindung, man beginnt zu hinterfragen, wie man wohl selbst reagieren würde. Das Buch ist emotional, man durchlebt beim Lesen ein ähnliches Gefühlschaos wie die Figuren, Trauer, Entsetzen, Wut, Unverständnis, aber auch Freude. Ein paar mal hatte ich Tränen in den Augen.

Die Geschichte ist vom Grund her nicht neu, aber die Autorin hat mich mit ihrer Version angesprochen, sie hat mich berührt, ohne rührselig zu werden. Ihre Figuren sind authentisch und glaubwürdig, nicht perfekt, so wie Familien eben sind. Sie lieben und sie streiten sich, haben Fehler und Macken, aber gerade deswegen liebenswert. Was mich am meisten angesprochen hat, war das Fehlen einer Patentlösung. Die Autorin gibt nicht vor, wie der Trauerprozess abzulaufen hat, sondern sie liefert eine individuelle, auf ihre Figuren abgestimmte Version.

Natürlich folgt das Buch einem gewissen Schema, hin auf das erwünschte Ziel, mir war es eine Freude dieses Ziel zu erreichen.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Agentenspiele

Grünes Öl
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Nach jahrelanger Forschung gelingt dem Mikrobiologen Jacques und seinem Partner Al Ge ein bahnbrechender Durchbruch, der die kleine Firma vor der Insolvenz retten würde, die Gründer wären reich und ein ...

Nach jahrelanger Forschung gelingt dem Mikrobiologen Jacques und seinem Partner Al Ge ein bahnbrechender Durchbruch, der die kleine Firma vor der Insolvenz retten würde, die Gründer wären reich und ein grundlegendes Problem der Weltbevölkerung im Bezug auf die Brennstoffversorgung gelöst. Aber natürlich ist nicht jedem an dieser Lösung gelegen und so geraten die beiden Freunde bald ins Visier skrupelloser Investoren. Ein Katz und Maus Spiel beginnt.

Das Buch ist unterteilt in einzelne Kapitel, welche wiederum unterteilt sind in verschiedene Handlungsstränge. Um hier ein wenig die Übersicht zu gehalten ist jeder Abschnitt mit einer Zeit- und Ortsangabe überschrieben. Der Autor springt in kurzen Abständen zwischen diesen Abschnitten hin und her und es ist manchmal gar nicht so einfach ihm zu folgen. Durch die verschiedenen Handlungsstränge kommen natürlich viele Figuren ins Spiel und auch hier muss man den Überblick behalten. Anfangs gibt es Handlungen, von denen nicht klar ist, welche Rolle sie im Gesamten spielen. Ganz am Ende wird dies dann zwar zusammengeführt, aber teilweise nur mit minimalen Berührungspunkten. Für mich hätte es das so nicht gebraucht für die Geschichte, kommt mir fast ein wenig wie Füllmaterial vor, trägt aber natürlich wieder zur Verwirrung des Lesers bei.

Diese Verwirrung zieht sich für mich leider durchs ganze Buch, die Story ist verworren und bis weit über zwei Drittel wenig spannend. Dieses ganze, sehr an klassische Spionage Thriller angelegte, Verwirrspiel konnte mich nicht fesseln. Die Einblicke in die Arbeitsweise der Geheimdienste, wer wem einen Auftrag erteilt um etwas bestimmtes zu erreichen, diese Verbrüderung mit dem Bösen, um am Ende die Guten zu retten, diese Scheinheiligkeit im Bezug auf "Der Zweck heiligt die Mittel", wahrscheinlich gängige Praxis, konnte mich aber nicht erreichen.

In vielen Details ist die Geschichte für mich eher ein Spionage, statt ein Umwelt Thriller, ich hatte da ganz andere Erwartungen. Die Story ist teilweise wirr und undurchsichtig, in Teilen auch nicht unbedingt schlüssig. Die Auflösung hat bei mir nur große Fragezeichen hinterlassen. Alles in Allem natürlich ein aktuell interessantes Thema, die Umsetzung aber nicht meins.

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Veröffentlicht am 17.12.2020

Rettung der Menschheit

Vakuum
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Der Titel des Buches lässt erstmal nicht wirklich auf den Inhalt schließen. Vakuum kann alles Mögliche bedeuten. Beim lesen merkt man dann recht schnell in welche Richtung es geht. Zu Beginn haben wir ...

Der Titel des Buches lässt erstmal nicht wirklich auf den Inhalt schließen. Vakuum kann alles Mögliche bedeuten. Beim lesen merkt man dann recht schnell in welche Richtung es geht. Zu Beginn haben wir drei verschiedene Handlungsstränge, die erstmal nichts miteinander zu tun haben. Wir lernen Susan kennen, die in einer Forschungsstation kosmische Strahlungen beobachtet, Colin, einen Astronauten kurz vor einer erneuten Mondlandung und wir begegnen Pala, einem jungen Nomadenmädchen, das sich gerade große Sorge um ihren kranken Vater macht. Relativ schnell laufen die ersten ineinander, der letzte läuft weiterhin separat, hat aber eine große Bedeutung für die gesamte Geschichte.

Im Groben folgt die Geschichte einem einfachen und auch bekannten Muster, eine Bedrohung für die Menschheit, vor der nun verzweifelt eine Rettung gesucht wird. Wer entsprechende Bücher, oder auch Filme konsumiert kennt das Grundgerüst natürlich. Die Bedrohung ist, für mich jedenfalls, mal etwas völlig Neues, die Umsetzung innerhalb der Geschichte ganz gut gelungen, wenn man davon absieht, dass die technischen Detail teilweise etwas verwirrend waren.

In früheren Jahren wäre ich wahrscheinlich ziemlich begeistert gewesen. Heute, sehe ich das etwas differenzierter. Das Buch startet etwas schwach in die Geschichte und kommt erst später in Fahrt. Die Timeline bekommt durch die verschiedenen Handlungsstränge eine interessante Dynamik, das hat der Autor gut gelöst. Was ich als negativ empfunden habe sind leider die teils sehr stereotypen Figuren. Die introvertierte Wissenschaftlerin mit Bindungsangst, der Spezialist für Atomwaffen, der glänzende Augen bekommt, wenn er von seinen Bomben schwärmt, oder der Astronaut, der sich als Gottes Geschenk an die Frauenwelt sieht und jedes weibliche Wesen ins Bett kriegen will. Bei der Entwicklung der Krise und dem allgemeinen Umgang damit greift der Autor auf bekannte und eingefahrene Muster zurück.

Ganz besonders unangenehm empfinde ich aber die Darstellung der USA an sich, natürlich entdeckt Amerika die Bedrohung als erstes und haben auch als erstes eine Lösung und wie selbstverständlich ist nur die Rettung und der Fortbestand des amerikanischen Volkes eine Option. Natürlich ist das Fiktion und natürlich sollte man das nicht überbewerten, aber ich bin zunehmend von dieser Denkweise in Büchern und Filmen genervt.

Zum Ende hin konnte die Geschichte , ähnlich einem Countdown, an Spannung etwas zulegen, auch emotional hat mich der Verlauf kurzzeitig nochmal gekriegt. Mit seinem erklärenden Nachwort hat der Autor eine leichte Gänsehaut bei mir verursacht, da das beschriebene Phänomen auf wissenschaftlichen Tatsachen beruht.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Interessante Erkenntnisse

Von wegen Heilige Nacht!
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Kaum eine Geschichte aus der Bibel ist wohl auch nicht gläubigen Menschen so bekannt, wie die um die Geburt des Jesuskindes. Der Grund für unser heutiges Weihnachtsfest, neben den Geschenken natürlich. ...

Kaum eine Geschichte aus der Bibel ist wohl auch nicht gläubigen Menschen so bekannt, wie die um die Geburt des Jesuskindes. Der Grund für unser heutiges Weihnachtsfest, neben den Geschenken natürlich. Die Weihnachtsgeschichte liefert uns unumstößliche Fakten zu Ort und Zeit der Geburt, den anwesenden Personen und den Begleitumständen. Doch sind diese Fakten tatsächlich so unumstößlich und hat sich alles genauso zugetragen, wie wir es uns seit Jahren immer wieder erzählen? In diesem Buch begleiten wir die Autor auf einem Faktencheck, einer Spurensuche in die Vergangenheit.

Das Buch nimmt Stück für Stück die einzelnen Punkte der Geschichte und überprüft sie, soweit dies heute noch möglich ist, auf ihren Wahrheitsgehalt. Kein einfaches Unterfangen, da es natürlich nur wenig belegte Daten gibt. In kurzen Kapiteln geht es so zum Beispiel um das genaue Datum der Niederkunft, nach dem wir ja schließlich unsere komplette Zeitrechnung eingerichtet haben, aber auch um den genauen Ort, oder die familiären Hintergründe. Schnell wird klar, dass Vieles von dem, das wir heute als Tatsache ansehen, so gar nicht passiert sein kann. Die Gründe hierfür analysiert das Buch ebenfalls und so lesen wir von Übersetzungsfehlern, oder Änderungen im Kalender.

Vom Cover des Buches her hatte ich mir eine heitere Analyse der Weihnachtsgeschichte erwartet, tatsächlich schreiben die Autorinnen aber eher trocken und manchmal auch etwas verworren. Trotzdem sind die Erkenntnisse sehr interessant und bieten Einblick in die damaligen Verhältnisse. Die Illustrationen sind einfach und witzig, wie das Cover auch, passen aber eben nur bedingt zum Schreibstil.

Das Buch ist ein nettes Geschenk zur Weihnachtszeit, das eine seit Jahrhunderten bestehende Geschichte hinterfragt und einige interessante Einblicke ermöglicht. Der Zauber, der der Weihnachtsgeschichte anhaftet wird dadurch aber in keinster Weise geschmälert. Es zeigt einfach, das die Bibel letztendlich auch nur eine Sammlung von Geschichten ist, geschrieben von Menschen, beeinflusst durch persönliche Interessen und zeitgeschichtliche Strömungen, hier und da etwas ausgeschmückt, eben kein Tatsachenbericht.

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Veröffentlicht am 24.11.2020

Jahreshighlight

Tiger
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Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser inmitten der atemberaubenden Kulisse der tief verschneiten Taiga wieder und hat zusammen mit einem Wildere eine Begegnung mit dem majestätischen Tier, ...

Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser inmitten der atemberaubenden Kulisse der tief verschneiten Taiga wieder und hat zusammen mit einem Wildere eine Begegnung mit dem majestätischen Tier, das dem Buch seinen Namen gegeben hat. Kurz darauf ist man plötzlich in England und begleitet die Primatenforscherin Frieda bei ihrere Arbeit mit einer Gruppe Bonobos. Frieda geht auf in ihrer Arbeit, muss ihr Leben aber nach einem schweren Schicksalsschlag neu ordnen, was ihr eine zentrale Rolle in der Geschichte einbringt.

Im Buch dreht sich alles um den König der Taiga, nicht nur in einem Schutzgebiet in Sibirien, sondern eben auch in einem englischen Zoo. Die Tiere und ihre Lebensumstände werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und so bekommt der Roman ein breites Sprektrum an Themen. Es wird der Artenschutz behandelt, Wilderei, die Verflechtung der Tiere in die Traditionen der sibirischen Urbevölkerung und hier auch deren Leben unter dem Einfluss der früheren und der heutigen Regierung. Die verschiedenen Themen werden über verschiedene Figuren erzählt, die erstmal jede für sich ihre Kapitel im Buch bekommen, deren Geschichten aber auf wunderbar leichte Weise miteinander verbunden werden und so das Gesamtbild des Romans bilden.

Die Autorin schreibt unglaublich bildhaft und packend, die Seiten des Buches fliegen dahin, atemberaubend, die klirrende Kälte, die Stille, die Einsamkeit der Taiga fast körperlich spürbar. Ich war fasziniert und begeistert von der Geschichte, der Tiefe, der Vielschichtigkeit. Fast spielerisch schlägt die Autorin einen Bogen vom Anfang des Buches zur letzten Seite und Verbindet Figuren und Geschichten, alles ist miteinander verflochten.

Ein Buch wie ein Erlebnis, unbedingte Leseempfehlung. Mein Highlight des Jahres.

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