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Veröffentlicht am 04.05.2025

Klassiker mit interessantem Gedankenspiel

Planet der Affen
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In einer fernen Zukunft, zwei junge Weltraumreisende finden eine Flaschenpost, die durch die Weiten des Alls treibt und in der der Bericht eines Journalisten über eine Reise zu einem weit von der Erde ...

In einer fernen Zukunft, zwei junge Weltraumreisende finden eine Flaschenpost, die durch die Weiten des Alls treibt und in der der Bericht eines Journalisten über eine Reise zu einem weit von der Erde entfernten Stern beschrieben wird. Der Journalist und zwei Wissenschaftler finden einen bewohnbaren Planeten vor, der der Erde sehr ähnelt und auch Zeichen einer Zivilisation aufweist, wie sie der auf Erde entspricht. Um Kontakt aufzunehmen landen die Drei und treffen auch bald auf die ersten Bewohner.

Pierre Boulle hat seinen Roman bereits 1963 veröffentlicht und bei der Lektüre wird schnell klar, dass das Buch nur in der Grundstory mit den alten Verfilmungen zu tun hat. Das ist allerdings gar nicht schlimm. Boulle beschreibt seine fremde Welt sehr bildhaft, wobei man bei der Sprache schon auch das Alter des Buches merkt. Trotzdem ist die Geschichte äusserst aktuell und visionär und bietet viel Raum zum Nachdenken.

Jeder kennt wahrscheinlich die Story rund um den Planeten, auf dem nicht die Menschen die vorherrschende Spezies sind, sondern die Affen. Mit dieser anderen Realität bekommt der Leser den Spiegel vorgehalten und wird gezwungen sich damit auseinanderzusetzen, wie die "Krone" der Schöpfung mit anderen Lebewesen umgeht. Ich persönlich musste schlucken angesichts der beschriebenen Jagdszenen, bei den im Zoo ausgestellten Menschen, die um Leckerbissen betteln, aber auch ganz besonders bei den Beschreibungen der medizinischen Experimente, die an den Gefangenen durchgeführt werden. Es ist merkwürdig die Dinge, die der Mensch seinen nächsten Verwandten aus wissenschaftlicher Sicht, oder aber aus purer Vergnügungssucht antut, mal aus der anderen Perspektive zu sehen. Der Autor hat den Spies umgedreht und gezeigt, dass es auch anders hätte kommen können, hätte die Evolution irgendwann in der Vorzeit mal einen anderen Abzweig genommen. Interessant aber auch die Parallelen innerhalb der Gesellschaft der Affen zu unserer. Auch dort gibt es verschiedene Fraktionen, die verschiedenen Lehrmeinungen, mal mehr, mal weniger fortschrittlich, anhängen und auch hier gibt es die Leugner, die sich jeder neuen Entwicklung verweigern und jene, die bereit sind ihr bisheriges Weltbild zu überdenken.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, immer natürlich auch das Ende aus den Filmen im Hinterkopf und war neugierig darauf, wie der Autor dies im Original gelöst hat. Ab einem gewissen Punkt konnte man es schon erahnen, in letzter Konsequenz konnte es nicht anders enden. Für mich ist das Buch ein wiederentdeckter Klassiker mit viel Stoff zum Nachdenken über unser Handeln, was mich alledinegs stört ist hier tatsächlich die Covergestaltung, diese nackte Frau auf dem Titel hätte für mich nicht sein müssen.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Bis das der Tod uns scheidet

Selbst nach dem Tod
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Wünscht sich nicht jeder von uns diese eine, alles überdauernde Liebe? Was aber, wenn diese Liebe sogar den Tod überdauern würde? Das könnte wirklich wunderschön sein, aber auch total beängstigend.

In ...

Wünscht sich nicht jeder von uns diese eine, alles überdauernde Liebe? Was aber, wenn diese Liebe sogar den Tod überdauern würde? Das könnte wirklich wunderschön sein, aber auch total beängstigend.

In dieser Sammlung von 29 Kurzgeschichten rund um die Liebe und den Tod, haben die Autor*innen aus dem Vollen geschöpft und 29 ganz unterschiedliche Deutungen der Thematik geliefert. Da ist von leichtem Grusel, bis hin zu schwarzem Humor wirklich alles dabei. So erleben wir zb, wie ein Schauspieler von einem verliebten Fan gestalkt wird, ein junger Mann feststellen muss, dass seine verschmähte Liebe im Tod ziemlich rachsüchtig ist, oder, dass man bei Verträgen mit einem Dämon lieber das Kleingedruckte ganz genau lesen sollte. Das Buch enthält aber auch klassische Gruselgeschichten über kopflose Skelette, oder uralte dämonische Wesen, die nach Gleichgesinnten suchen. Die Geschichten sind bunt und vielfältig, für jeden Geschmack ist etwas dabei, wenn man auf das morbide steht.

Naturgemäß ist es bei Anthologien so, dass einem nicht alle Geschichten gleichermaßen gefallen. Mein Liebling ist eindeutig die, bei der der Ehemann etwas vorschnell das Einverständnis seiner Ehefrau zum Upload ihres Bewusstseins in eine Cloud, vorausgesetzt hat, während ich eine, doch sehr plump, sexuelle um eine jugendliche Dämonin etwas drüber fand. Ich weiß, dass "spicy" gerade sehr angesagt ist, aber das war so gar nicht meins. Insgesamt eine sehr unterhaltsame Mischung, die auch durchaus was zum Nachdenken liefert.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Trauma über Generationen hinweg

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
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Triggerwarnung, die Rezension und auch das Buch thematisiert Suizid, Traumata, psychische und physische Gewalt.


Eine namenlose Ich-Erzählerin zieht ans Meer, in die Sonne. Sie schreibt ihre Gedanken ...

Triggerwarnung, die Rezension und auch das Buch thematisiert Suizid, Traumata, psychische und physische Gewalt.


Eine namenlose Ich-Erzählerin zieht ans Meer, in die Sonne. Sie schreibt ihre Gedanken in ein Tagebuch, sie schreibt von einem Ultimatum zum Ende des Sommers, einem Tag X, an dem etwas beendet werden wird. Was das ist bleibt im Dunkeln, allerdings will sie ihr Leben bis dahin genießen an einem Ort an dem es warm ist, denn zuhause ist das Wetter unzuverlässig.

Carolin Würfel wählt eine recht ungewöhnliche Form für ihre Geschichte. Der Leser lernt die namenlose Ich-Erzählerin nur durch deren subjektive Tagebucheinträge kennen, die mal relativ kurz gefasst sind und nur das Frühstück aufzählen, mal aber auch aus seitenlangen gedanklichen Monologen bestehen. Die Einträge sind datiert und so nähert sich der Leser zusammen mit der Protagonistin eben jenem, zu Beginn angekündigten, unheilvollen Tag X. Ich sage bewusst unheilvoll, denn leider erwecken die Gedankengänge der Erzählerin und ihre Fixierung auf die Selbstmorde berühmter Frauen den Anschein, dass auch sie an besagtem Tag ihrem Leben ein Ende setzen könnte. Man merkt schnell, dass sie mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen hat und ein Trauma mit sich herumträgt, das in Zusammenhang mit ihrer Familiengeschichte steht. Entsprechend deprimierend sind ihre Einträge manchmal zu lesen.

Eingeschoben in die Tagebucheinträge sind die Lebenswege verschiedener Frauen beginnend mit Anna 1910 und Rosa 1908. Frauen, hineingeboren in eine Zeit, in der ihre Rolle starr vorgegeben ist, das Leben nicht viele Möglichkeiten zur individuellen Entwicklung bietet und bald der Krieg alles ins Chaos stürzt. Anna, ledige Mutter, die sich nicht im Stande sieht ihre Tochter zu versorgen und sie den Großeltern überlässt, Rosa, tief verwurzelt in ihrem religiösen Wahn, die die Tochter vor der Welt versteckt. Später folgt man wiederum diesen Töchtern und später auch deren Kindern, ohne zu wissen, wie diese verschiedenen und doch so ähnlichen Lebenswege letztlich zusammengehören.

Die Autorin schreibt hier generationsübergreifend und thematisiert dabei Frauenschicksale, wie sie stellvertretend für so viele andere stehen. Ein Leben mit vorgegebener Rollenverteilung als Ehefrau und Mutter, ohne die Möglichkeit die eigenen Bedürfnisse ausleben zu können. Der jeweils vorherrschende Zeitgeist ist gut nachvollziebar und wird bewegend beschrieben, Fokus immer auf die Mutter-Kind Beziehung, auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft und darauf, wie unterschiedlich Töchter und Söhne, Mütter und Väter betrachtet werden, welche unterschiedlichen Anforderungen man an sie stellt. Aus heutiger Sicht macht das Gelesene betroffen und vermehrt auch wütend. Die Autorin macht deutlich, dass Frauen durch ihre Geschlechterrolle erlittenen Traumata an die nächsten Generationen weitergeben und diese mit den emotionalen Folgen zu kämpfen haben, ohne die Gründe dafür zu kennen. Generationen von Müttern und Töchtern, die ererbte Traumata weitergeben, unfähig aus den vorgegebenen Mustern auszubrechen.

Während die Leben der Frauen im Rückblick sehr umfassend beleuchtet werden, erfährt der Leser von der Ich-Erzählerin nur wenig und bleibt ihr dadurch auch recht fremd. Es ist fast gar nicht möglich Sympathie für sie zu empfinden und man bleibt sehr distanziert. Verstärkt wird dieses Empfinden auch durch die Tatsache, dass man über weite Strecken keine Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Personen erkennen kann. Natürlich hat man eine Ahnung, Gewissheit gibt es darüber aber erst sehr spät im Buch. Auch, dass hier so viele Personen auf unterschiedlichen Zeitebenen miteinander in Beziehung stehen, macht das Ganze nicht unbedingt einfach. Ich finde die Grundidee des Buches, die Tagebuchform und die eingestreuten Rückblenden, prinzipiell gut, habe aber im Verlauf des Buches doch gemerkt, dass mir immer eine gewisse Verbindung der Elemente miteinander fehlt. Die Thematisierung der generationsübergreifenden Traumata ist emotional und sehr interessant, war manchmal aber auch etwas schwer.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Nicht unbedingt einfach

Unmöglicher Abschied
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Gyeongha hat gerade selbst einige Baustellen in ihrem Leben, als sie der Anruf ihrer Freundin Inseon erreicht. Diese liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und bittet die Freundin, sich um ihren Vogel ...

Gyeongha hat gerade selbst einige Baustellen in ihrem Leben, als sie der Anruf ihrer Freundin Inseon erreicht. Diese liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und bittet die Freundin, sich um ihren Vogel zu kümmern. Gyeongha kann die Bitte nicht abschlagen und macht sich mitten in einem Schneesturm auf in das abgelegene Heimatdorf Inseons ohne zu wissen, ob der Vogel überhaupt noch lebt.

Mit dieser Konstellation beginnt das Buch, der Leser lernt die beiden Freundinnen kennen und erhält einen kurzen Abriss darüber, wie sie sich kennengelernt haben. Die Szenen, die Han Kang dabei beschreibt, sind manchmal etwas verwirrend, bestehen zb aus Traumsequenzen, Erinnerungen und gedanklichen Monologen der Hauptfiguren. Da der Schreibstil doch sehr blumig und opulent ist, wird das dem Leser leicht zu viel und man kann sich bei der Suche nach dem roten Faden in der Geschichte, schon mal zwischen den Zeilen verlieren. Ich habe am Anfang doch sehr mit dem Buch gekämpft, es als überaus anstrengend empfunden und tatsächlich kurz überlegt es abzubrechen. Ein wenig habe ich hier mit mir selbst gehadert, auch im Hinblick darauf, dass das Buch ja Preise gewonnen hat und viele positive Rezensionen vorweisen kann. Irgendwie konnte ich mir nicht erklären, warum die Faszination, die andere Leser für dieses Werk empfinden, nicht auf mich überspringt. Kurz bevor ich die Lektüre abbrechen wollte habe ich dann die Lobeshymne einer Freundin auf das Buch gelesen und ihr meine Probleme geschildert. Sie hat mich ermutigt dranzubleiben und dem Buch eine Chance zu geben, und was soll ich sagen, sie hatte recht.

Etwa ab der Hälfte des Buches, als Gyeongha verloren im Schneesturm an einer Haltestelle auf den Bus wartet, begann das Buch, die Geschichte sich irgendwie zu verändern. Ich kann gar nicht genau sagen wie genau, aber ich habe es plötzlich als viel leichter zu lesen empfunden. Ich war plötzlich neugierig. Würde Gyeongha die Bitte der Freundin erfüllen können? Würde sie rechtzeitig in deren Haus eintreffen um den zurückgebliebenen Vogel zu füttern? Würde bei diesem furchtbaren Wetter überhaupt der blöde Bus kommen? Und was dann? Was tut Gyeongha dann, allein in Inseons Haus? Das Buch hatte mich gepackt. Obwohl es zwischendrin immer noch manchmal recht merkwürdig war, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch zuende gelesen. Dabei wusste ich noch gar nicht, was mich noch erwarten würde.

Nach etwas mehr als der Hälfte des Buches geht die Geschichte tiefer. Eingebettet in die Familienhistorie Inseons bekommt der Leser Einblick in eines der dunkelsten Kapitel der koreanischen Geschichte. Zwischen 1948/1949 wurden auf der Insel Jeju zehntausende Menschen getötet, ganze Dörfer zerstört, Familien auseinandergerissen. Personen, die im Verdacht standen dem Widerstand anzugehören, oder diesen zu unterstützen wurden interniert, gefoltert, ermordet, in anonymen Massengräbern verscharrt. Bis heute gibt es keine genauen Zahlen zu den Todesopfern, bis heute wurden nicht alle von ihnen identifiziert, bis heute wissen viele Familien nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen. Ein unfassbares Verbrechen, das sprachlos macht und dessen Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen ist.

Die Autorin schreibt hier so emotional und eindringlich, dass man als Leser ganz dicht bei den Familien ist. Es gibt Augenzeugenberichte, die das Grauen greifbar machen und einen sprachlos zurücklassen, ob der Brutalität von Armee und Polizei. Ich war sehr betroffen darüber, dass ich bisher so gar keine Ahnung von diesem Genozid hatte. Hier in Europa haben wir ja mit unseren eigenen Dämonen zu kämpfen, gerade im Bezug auf die Greuel des zweiten Weltkriegs, aber wie man hier schmerzlich erkennt, gibt es überall auf der Welt unschuldige Opfer, deren Andenken nicht vergessen werden darf. Han Kang gibt diesen Opfern und ihren Angehörigen eine Stimme und das auf unglaublich berührende Art und Weise. Ich bin froh, dass ich mich hier durchgebissen habe.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Schlafende Hunde

Verdeckte Spuren
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Ex-Polizist Gerhard Beckmann hat noch immer mit dem Tod seiner Frau zu kämpfen und vergräbt sich in seiner zweiten Heimat Sardinien. Als ein Berliner Journalist sich bei ihm wegen eines Artikels zu seinem ...

Ex-Polizist Gerhard Beckmann hat noch immer mit dem Tod seiner Frau zu kämpfen und vergräbt sich in seiner zweiten Heimat Sardinien. Als ein Berliner Journalist sich bei ihm wegen eines Artikels zu seinem letzten Fall meldet wird Beckmann von den Erinnerungen überrollt, allerdings kommen plötzlich Verbindungen zu Tage, die den Tod seiner Frau in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen.

Nach "Die Chinesin" begleitet der Leser Beckmann hier durch sein zweites Abenteuer. Während es für die Geschichte nicht unbedingt notwendig ist das erste Buch zu kennen, ist es bezogen auf den Schreibstil des Autoren aber vielleicht ganz gut, weiß man so doch worauf man sich einlässt. Jochen Brunow schreibt sehr bildhaft und opulent, seine Kriminalstory ist eingebettet in absolut faszinierende Landschaftsbeschreibungen, die so detailreich sind, dass man fast meinen könnte man würde einen Reisebericht lesen und keinen Krimi. Natürlich nimmt das Tempo aus dem Geschehen, Spannung entwickelt sich eher moderat, mit einigen wohldosierten Knalleffekten, das muss man mögen. Neben den wunderschönen Landschaftsbeschreibungen nimmt auch Beckmanns Privatleben viel Raum in der Geschichte ein, besonders in diesem Fall wieder, geht es doch um seinen letzten Fall als Ermittler der Berliner Polizei und um den Selbstmord seiner Ehefrau, der ihn und die Beziehung zu seiner Tochter sehr belastet. Bedingt durch die Bezugnahme auf Beckmanns Vergangenheit spielt die Geschichte diesesmal auch nicht ausschließlich auf Sardinien, sondern Pendelt zwischen der Insel und Beckmanns früherem Wohnort Berlin.

Der Autor baut einen Kriminalfall rund um Korruption am Berliner Flughafen BER, und bringt das Geschehen so glaubhaft nah an die Realität. Bei anderen Aspekten geht diese Nähe aber für mich dann wieder etwas verloren, etwa bei der Wahl des Unbekannten, der Beckmann in seinem Haus überfällt, oder auch, wenn er Figuren Dinge tun lässt, die überhaupt nicht zu ihnen passen. Natürlich lese ich hier einen fiktiven Kriminalfall, Aufgabe des Autors ist es, mir das Geschehen glaubhaft zu verkaufen und das ist hier leider nicht immer gelungen. In einem amerikanischen Krimi würde ich solche Kritik wahrscheinlich eher nicht anbringen, einfach, weil man es hier gewöhnt ist, das alles nach dem Motto höher, schneller, weiter läuft und quasi an jeder Ecke eine Bombe explodiert und die Beteiligten ohne Kratzer aus der Rauchwolke hervortreten. Hier wird mir aber von Beginn an eher eine Story in Tatortmanier angekündigt und da gelten halt gewisse Regeln.

Da ich, wie schon erwähnt, bereits ein Buch des Autors gelesen hatte, konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden. Es war spannend etwas mehr zu Beckmanns Hintergründen zu erfahren, der ja eher ein ruhiger, zurückhaltender Charakter ist. Der Kriminalfall an sich wurde gut und plausibel mit Beckmanns Figur in Verbindung gebracht, allerdings waren mir das Drumherum, die internen Hintergründe und Zusammenhänge dann manchmal etwas zu konstruiert. Es gab eine vielzahl von Figuren und Nebenschauplätzen, die zwar interessant waren, aber die Story leider oft ausbremsen, auch weil man immer rätselt, ob es was zu bedeuten hat. Der Autor erzählt all das wirklich gekonnt, für einen reinen Krimi aber eben einfach zu umfangreich.

Im Grunde folgt hier wieder die selbe Kritik wie auch schon beim ersten Buch, die Geschichte ist viel mehr ein schöner Roman mit Krimihandlung, als ein durchweg spannender Krimi. Wer diese Konstellation mag, dem werden die Bücher von Jochen Brunow sehr gut gefallen. Wer mehr Wert auf Spannung und Action legt, könnte eher enttäuscht sein. In der Gesamtheit habe ich das Buch wieder gern gelesen, ich finde es sogar noch etwas besser als seinen Vorgänger. Unterm Strich gibt es aber eben auch einige Punkte, mit denen ich hadere. Hier muss man sich als Leser wohl einfach selbst ein Bild machen.

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