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Veröffentlicht am 23.04.2025

Familie

Bis die Sonne scheint
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Daniel weiß schon ganz genau, was er zu seiner bevorstehenden Konfirmation anziehen möchte, ein blaues Samtsakko und eine graue Flanellhose. Als er mit seiner Mutter in die Stadt fährt, ist er sich sicher ...

Daniel weiß schon ganz genau, was er zu seiner bevorstehenden Konfirmation anziehen möchte, ein blaues Samtsakko und eine graue Flanellhose. Als er mit seiner Mutter in die Stadt fährt, ist er sich sicher sie von seiner Wahl überzeugen zu können, allerdings macht seine Mutter nach einem Besuch auf der Bank nicht mehr den Eindruck, als hätte Daniels Kleiderwahl derzeit Priorität.

Christian Schünemann nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1983, zur einer ganz normalen deutschen Familie. Die Eltern, Daniel und seine drei Geschwister leben in einem schmucken Einfamilienhaus, das der Vater selbst geplant und gebaut hat, es geht der Familie gut. Zumindest nach aussen hin möchten die Eltern diesen Eindruck vermitteln, dass es bei Regen durchs Dach tropft und im ganzen Haus dann Töpfe, Schüsseln und Eimer aufgestellt werden, muss ja niemand wissen und auch nichts von den unheilvollen Briefen, die seit einiger Zeit ins Haus flattern. Gerade Daniels Mutter ist sehr darauf bedacht, dass der Schein gewahrt bleibt, plant lieber das neue Rosenbeet um den Pool und als der Besuch der Schwiegermutter ansteht wird dieser lieber heile Welt vorgespielt, als offen über die Probleme zu sprechen.

Ich fühlte mich Ich-Erzähler Daniel recht schnell verbunden, sind wir doch alterstechnisch nicht all zu weit auseinander und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie toll es war, als meine Jugenweihe anstand. Dem Autor gelingt es gut das typische 80er Feeling aufkommen zu lassen. Auch wenn ich in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin erkenne ich doch vieles wieder und gerade Daniels Musikgeschmack weckt Erinnerungen. Daniels Geschwister nehmen mehr, oder weniger die Rolle von Statisten in der Geschichte ein, präsenter ist da schon Daniels beste Freundin Zoe, mit der er offen über die finanzielle Situation der Familie sprechen kann. Daniels Vater habe ich eher als etwas farblos empfunden, als sehr ruhigen Zeitgenossen, zwar mit viel Leidenschaft für die Häuser, die er geplant und gebaut hat, aber auch nicht unbedingt als durchsetzungsfähig und eher unbedarft im Umgang mit Geld. Daniels Mutter nimmt da schon mehr Raum in der Geschichte ein, oft auch als treibende Kraft, wenn es darum geht nach Höherem zu streben. Sie ist die Planerin, die Strategin der Familie, eine Getriebene, bei der man schnell merkt, dass sie sich eigentlich etwas anderes vorgestellt hat als dieses typisch Keinbürgerliche. Leider ist sie aber auch die Unsympatische in der Geschichte, die, bei deren Verhalten ich als Mutter oft nur den Kopf schütteln konnte, auch, wenn ich ihre Beweggründe manchmal nachvollziehen kann.

Zur Familie gehören auch noch die beiden Großmütter, Oma Lydia und Oma Henriette. In Rückblenden lässt der Autor den Leser auch an deren Leben teilhaben, man erfährt wie sie ihre späteren Männer kennenlernen, Kinder bekommen, diesen durch die Wirren des Krieges bringen und die Familie danach zusammenhalten. Zwei Lebenswege, die sich ähneln, aber trotzdem verschiedener nicht sein könnten. Der Autor spannt hier einen Bogen über mehrere Generationen und bringt Themen zur Sprache, die zur Geschichte der meisten Familien gehören. Er ergreift hier allerdings keine Partei, schildert lediglich Fakten und überlässt es dem Leser sich hierzu eine Meinung zu bilden. Auch hier kommen bei mir viele Erinnerungen hoch, wenn ich an meine eigene Oma denke.

Christian Schünemann schreibt sehr leicht und fast poetisch über die Banalitäten des Familienlebens, man hat als Leser das Gefühl man sitzt zusammen mit Daniel und seiner Mutter im Auto, begleitet sie zur Bank, oder steht neben ihr im Tante Emma Laden. Das Buch weckt Gefühle und Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend und eben auch an die Zeit. Daniel als Erzähler, ist ein sehr guter, aber absolut werfreier Beobachter. Er schafft es dem Leser einen liebevollen Blick auf seine Familie zu vermitteln, ohne dabei irgendwelche Schuldzuweisungen ins Spiel zu bringen. Man merkt ihm zwar an, dass er traurig ist, enttäuscht, oder auch mal wütend, dass er aber eben auch als Teil der Familie, deren Entscheidungen mitträgt.

Der Autor hat eine fast langweilige Familiengeschichte geschrieben, ruhig, ernst, aber auch humorvoll und traurig. Ich wusste lange nicht wirklich, was er mir damit sagen will. Das Buch hat mir gefallen, ja, aber ich habe einen gewissen Sinn hinter all dem vermisst. Bis zum Nachwort des Autors, das emotionaler nicht hätte sein können und letztlich alles erklärt. Ich hätte mir dieses Nachwort vielleicht eher als Vorwort gewünscht. Da ich aber nicht genau sagen kann, ob ich die Geschichte dann genauso empfunden hätte, wie ich es letztlich getan habe, würde ich nicht unbedingt empfehlen, es vorher zu lesen. Macht euch einfach euer eigenes Bild.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Wenn einen die Vergangenheit einholt

Die Schanze
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Ellen hat ihren Heimatort im tiefsten Süden Deutschlands direkt nach dem Abitur verlassen, um Medizin zu studieren, heute ist sie erfolgreiche Ärztin in Hamburg. Nach der Trennung von ihrem Freund braucht ...

Ellen hat ihren Heimatort im tiefsten Süden Deutschlands direkt nach dem Abitur verlassen, um Medizin zu studieren, heute ist sie erfolgreiche Ärztin in Hamburg. Nach der Trennung von ihrem Freund braucht sie dringend einen Neuanfang und was liegt da näher, als ein Angebot aus der Heimat anzunehmen und sich dort als Hausärztin niederzulassen. Leider sind nicht alle glücklich über Ellens Rückkehr, brechen so doch alte Wunden auf und Ellen muss sich mit Ereignissen auseinandersetzen, die sie tief im Inneren begraben glaubte.

Der Prolog des Buches hat mich direkt gepackt, wird der Leser doch Zeuge eines perfiden Mordes. Ausgerechnet Ellen kommt dazu, als der ehemalige Polizist Haußer und ein von ihm informierter Lokalreporter die Leiche an eben jener Schanze erhängt entdecken, die dem Buch seinen Titel gibt. Der Tote ist für Ellen kein Unbekannter und direkt brechen alte Wunden auf. Der Leser ahnt hier recht schnell, um was es sich bei diesen alten Wunden handelt und diese Ahnung wird dann auch in Rückblenden bestätigt. Durch diese Rückblenden wird deutlich, dass ausgerechnet Ellen ein Motiv für diesen Mord hat und es noch weitere Opfer geben könnte. Neben Ellen liefert der Autor aber auch noch reihenweise andere Verdächtige, oder aber einfach Nebenfiguren, die sich irgendwie merkwürdig verhalten. Direkt zu Beginn gibt es einen Hinweis auf den Täter und wer aufmerksam liest wird hier schnell die richtigen Schlüsse ziehen.

Leider ist Ellen als Hauptfigur, trotz ihrer traumatischen Erfahrung nur bedingt sympatisch, sie verhält sich oft irrational, teils verantwortungslos und zelebriert mir ihre selbstzerstörerischen Tendenzen zu sehr. Natürlich kann dieses Verhalten für Betroffene durchaus typisch sein, auf mich hat es aber hier zu aufgesetzt gewirkt. Die Nebenfiguren sind teils schwer greifbar und dienen teilweise nur als Statisten, so wie beispielsweise Ellens Sprechstundenhilfe. Was hingegen recht gut getroffen ist, ist die feindselige Stimmung die Ellen nach ihrer Rückkehr entgegenschlägt, begründet durch die Angst der Beteiligten, das nun Dinge ans Licht kommen könnten, an die man lieber nicht rühren möchte. Hier gibt es dann auch eine gewisse Solidarisierung mit Ellen, als klar wird, welche Absprachen damals getroffen wurden, um die Geschehnisse unter den Tisch zu kehren und wie die Beteiligten sich ihr eigenes Handeln schöngeredet haben. Da wird einem beim Lesen regelrecht übel.

Leider haben mich aber nicht nur die Figuren etwas enttäuscht, sondern zunehmend auch die Handlung an sich, die spannungstechnisch nicht wirklich ein Thriller ist. Es gibt mir in der Gesamtheit einfach zu wenig logische Handlungsfolgen. Es passiert ein Mord und die Polizei tritt quasi fast nicht in Aktion, eine Person wird seit Tagen vermisst und niemand kümmert das, selbst als das Auto des Vermissten bei Ellen vor der Tür steht tritt die Polizei nicht in Erscheinung, Ermitttlungsarbeit findet von dieser Seite keine statt. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, das Privatpersonen auf eigene Faust ermitteln, so wie hier, aber letztlich war mir das dann doch etwas unrealistisch.

Trotz der fehlenden Spannung und der Vorhersehbarkeit der Geschichte habe ich das Buch recht schnell gelesen. Als langjähriger Thrillerfan war es mir zu seicht und kein wirklicher Thriller, da bin ich anderes gewöhnt. Für Neulinge im Genre, die es erstmal ruhiger angehen möchten ist es aber durchaus okay.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Bunte Mischung

Deutsche im Wind
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Michael Bittner ist als Autor viel unterwegs und hat dabei viel Zeit seine Mittmenschen zu beobachten, einiges von dem, was ihm im Laufe der Jahre begegnet ist, hat er nun in diesem Buch zusammengestellt. ...

Michael Bittner ist als Autor viel unterwegs und hat dabei viel Zeit seine Mittmenschen zu beobachten, einiges von dem, was ihm im Laufe der Jahre begegnet ist, hat er nun in diesem Buch zusammengestellt. Herausgekommen ist eine bunte Mischung aus alltäglichen Situationen, mal total banal, mal unfreiwillig komisch, mal politisch, mal philosophisch, immer mit einem guten Auge für Details und so manches mal mit einem Augenzwinkern.

In kurzen Kapiteln, ohne direkte Verbindung zueinander begleitet der Leser den Autor in die verschiedensten Geschichten. Da findet man sich zum Beispiel in einem Zugabteil mit einem schnarchenden Mops wieder, zieht blank auf einem Rockkonzert, schließt neue Freundschaften wärend die Bahn auf freier Strecke eine Havarie hat, gerät in eine Maidemo, oder philosophiert über die "gute" Hose aus der Kindheit.

Michael Bittner analysiert die verschiedenen Begebenheiten und bringt ihre versteckte Ironie zum Vorschein. Sein angenehmer Schreibstil macht es dabei leicht seinen Gedankengängen zu folgen. Satire für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Unbequeme Entscheidungen

Nimms nicht persönlich
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Lute hat sich bequem eingerichtet in seiner Position als Qualitätsmanager in einem erfolgreichen Pharmaunternehmen. Als seine Chefin ihm eröffnet, dass der Verkauf der Firma ansteht und dafür einiges an ...

Lute hat sich bequem eingerichtet in seiner Position als Qualitätsmanager in einem erfolgreichen Pharmaunternehmen. Als seine Chefin ihm eröffnet, dass der Verkauf der Firma ansteht und dafür einiges an Umstrukturierung nötig wird, ist er wenig beunruhigt. Was er da noch nicht ahnt, diese Umstrukturierung betrifft seine Abteilung und bedeutet schlichtweg die Entlassung einiger seiner Mitarbeiter. Eine unangenehme Aufgabe für Lute, die er gern umgehen würde und so ist er erleichtert, als er Lombard kennenlernt, einen Personalvermittler, der sich gern Lutes Problem annimmt und die Mitarbeiter von den Vorteilen einer Kündigung überzeugt, mit eigenwilligen Methoden.

Tom Hofland liefert hier eine ziemlich wilde Mischung. Was recht unspektakulär beginnt, nimmt recht bald etwas mysteriöse Züge an, die irgendwann stark an Szenarien wie aus Supernatural erinnern und so auch einer frühen Kurzgeschichte von Stephen King entsprungen sei könnten und die keinem der Beteiligten auch nur ansatzweise merkwürdig vorkommen. Da wächst in einem Büro plötzlich Gras auf dem Boden und Lombards Chef füttert bei jeder Gelegenheit seinen Pudel mit Fleischbrocken. Den Pudel kommt mir vor wie die Anspielung auf eine Figur aus einem deutschen Klassiker, aber da kann ich auch total daneben liegen. Das Geschichte vereint die verschiedensten Gruselelemente mit tief, tief schwarzem Humor, aber auch mit Szenen, die hart an der Grenze sind und eigentlich eine Triggerwarnung verdienen, wenn in einer Szene ein sexueller Übergriff beschrieben wird. Ich habe mich hier stark an die Horrorsplatter erinnert, die ich in meiner Jugend gelesen habe und war hier kurz am Überlegen, ob eine so drastische Darstellung wirklich nötig war.

An sich bin ich durchaus ein Freund dieser Mischung. Als Fan von Stephen King mag ich es, wenn aus einer Alltagsituation plötzlich etwas bizarr bedrohliches entsteht, wenn ein Wäschemangler ein Eigenleben entwickelt, oder ein Auto zu morden beginnt. All dies dann auch noch mit einem Augenzwinkern zu sehen ist eigentlich genau mein Ding, hier war es mir aber leider zu viel und ich konnte irgendwie die Botschaft hinter dieser bitterbösen Satire nicht mehr erkennen.

Eigentlich hätte ich 2,5 Sterne vergeben, habe dann aber auf 3 aufgerundet.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Ungleiches Ermittlerduo

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Eigentlich putzt Svetlana in Tommies Wohnwagen, der dem angehenden Autor gerade als rollendes Eigenheim dient, doch nachdem die Beiden ein kleines Mädchen allein am Straßenrand auflesen, betätigen sie ...

Eigentlich putzt Svetlana in Tommies Wohnwagen, der dem angehenden Autor gerade als rollendes Eigenheim dient, doch nachdem die Beiden ein kleines Mädchen allein am Straßenrand auflesen, betätigen sie sich gemeinsam als Privatdetektive. Wer ist die Mutter der Kleinen und warum war sie überhaupt da draußen ganz allein im Regen unterwegs. Die Polizei ermittelt eher halbherzig, Svetlana aber nimmt Anteil am Schicksal der Kleinen und so wird Tommie verdonnert ihr bei der Suche nach Hinweisen zu helfen.

Autor Volker Klüpfel ist hier erstmal als Solo-Krimiautor unterwegs, die meisten kennen ihn sicher eher in Zusammenhang mit der Kultreihe rund um Kommissar Kluftinger, an der er zusammen mit Michael Kobr geschrieben hat. Kluftinger besticht ja durch eine ganz eigene Art von Humor, wer nun hier Gleiches erwartet, könnte etwas enttäuscht werden. Humor gibt es zwar tatsächlich, aber eben anders als bei Kluftinger.

Wärend Kluftinger ja Polizist ist, dürfen hier nun zwei Laien die Ermittlungen übernehmen, sehr zum Unmut der echten Ermittler. Svetlana, resolute Putzfrau aus der Ukraine und Tommie, oder offiziell Tommes, selbsternannter Autor, der, nachdem sein Vater ins Altenheim gezogen ist, in dessen betagten Camper lebt, seiner Verflossenen nachweint und an einem Thriller schreibt. An Ideen, die er akribisch in sein Notizbuch kritzelt, mangelt es dabei nicht, bloß eben an Zeit das Ganze aufs Papier zu bringen, gerade auch, weil Svetlana darauf besteht, die Mutter der Kleinen "Leni" zu finden. Zu Svetlana erfährt der Leser ziemlich wenig, ihre Vergangenheit bleibt im Dunkeln, wird allenfalls vage zwischen den Zeilen angedeutet. Sie überfährt alle Beteiligten mit ihrer stürmischen Art, herzlich, patent, keinen Widerstand duldend, redet unverblümt Klartext und zitiert dabei gern und zu jeder Gelegenheit aus ihrem Fundus ukrainischer Sprichwörter. Der Autor verpasst ihr dabei einen charakteristischen Akzent und verstärkt dessen Wirkung noch mit den Schwierigkeiten der deutschen Grammatik, was in den Dialogen für so manche witzige Szene sorgt. Über Tommie erfährt man ein klein wenig mehr, seine aktuellen Lebensumstände, das etwas merkwürdige Verhältnis zu seinem Vater und natürlich zur Liebe seines Lebens, Michelle.

Die Geschichte lässt sich leicht lesen, das er schreiben kann hat der Autor bereits hinlänglich bewiesen. Getragen wird das Buch dabei von oben schon erwähntem Humor und der ist zugegebenermaßen schon speziell, resultiert er eben oft aus den sprachlichen Missverständnissen durch Svetlanas kreative Übersetzung und Tommies darauf folgende falsche Deutung des Ganzen. Hier wird offenkundig ein Klischee bedient, allerdings eines, das man ja oft in Literatur, oder Film findet, da redet eben eine Italiener auf eine typische Art und Weise, ebenso wie ein Franzose, oder eben ein Osteuropäer, beim Lesen hat man sofort einen bestimmten Dialekt im Ohr, im Film direkt ein gewisses Bild der Person vor Augen. Hier treibt der Autor es manchmal schon sehr auf die Spitze und es gibt Momente, in denen es fast zu viel wird. Dazu kommt dann auch noch Tommies naive, nervige, fast unsympathische Art, man weiß nicht, soll man ihm jetzt tröstend über den Kopf streichen, oder ihn mal richtig schütteln damit er klar kommt, sein Vater in der Rolle des Altenheimcasanovas, eine gemobbte Polizistin und ein so was von, Achtung Klischee, typisch deutscher Beamter vom Ordnungsamt, der pflichtbewusst, sogar wärend seiner Spaziergänge mit Dackel, Knöllchen verteilt.

Generell ist Humor ja immer eine Gratwanderung, was eben noch zum schmunzeln anregt, wird schnell zum Klamauk, wenn man nicht aufpasst und so ist es auch hier. Wenn Tommie mit seinen Rommebekanntschaften am Tisch sitz, ist das Geplänkel witzig, eine Knutscheinlage beim Showdown dann für den Ein, oder Anderen schon nicht mehr so unbedingt. Ich persönlich mag diese Art von Humor eigentlich ganz gern und auch ich fand es manchmal etwas drüber, habe mich in der Gesamtheit ziemlich gut unterhalten gefühlt. Natürlich ist die Geschichte nicht unbedingt dicht an der Realität und in Teilen skuril bis absurd, aber die Mischung stimmt. Die Figuren könnten etwas mehr Substanz vertragen, aber hier baue ich auf die weiteren Bände der Reihe. Wer "Mrs Potts Mordclub", oder "Agatha Raisin" mag wird sich hier sicher auch köstlich amüsieren.

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